Akupunktur

Akupunktur im Gehirn objektiv messbar
Bei der Akupunktur soll der Energiefluss angeregt werden.
Getty Images/Hemera

Die Akupunktur ist ein Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Bei dem Naturheilverfahren werden Metallnadeln an spezifischen Stellen, so genannten Akupunkturpunkten, in die Haut oder auch in tiefere Gewebsschichten eingebracht. Ihre Wirksamkeit bei bestimmten Erkrankungen ist wissenschaftlich erwiesen

Überblick

Die Akupunktur gehört neben der Kräuterheilkunde sowie speziellen Massagetechniken, Bewegungsübungen und Ernährungsrichtlinien zu den wesentlichen Behandlungsmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Der Begriff Akupunktur stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Nadelstechen“ (acus = Nadel; pungere = stechen). Bei dem Naturheilverfahren werden Metallnadeln an spezifischen Stellen, so genannten Akupunkturpunkten, in die Haut oder auch in tiefere Gewebsschichten eingebracht.

Das Konzept der Akupunktur

Das Konzept der TCM - und somit auch der Akupunktur - beruht auf der Kraft „Qi“ (gesprochen: tschi), die übersetzt so viel wie „Lebenskraft“ bzw. „universelle Kraft“ bedeutet. Demnach durchfließt „Qi“ den Körper in speziellen Bahnen (Meridianen), denen jeweils bestimmte Organfunktionen zugeordnet werden. Entlang der Meridiane befinden sich mehr als 350 Akupunkturpunkte, über die sich das „Qi“ beeinflussen lässt.

Krankheiten entstehen im Verständnis der TCM z.B. dann, wenn der Energiefluss „Qi“ gestört ist und es an bestimmten Organsystemen zu Ungleichgewichten wie Energiestau (Qi-Stau) oder Energieleere (Qi-Leere) kommt. Durch Reizung der Akupunkturpunkte, die bei der klassischen Akupunktur durch das Setzen von Nadeln erfolgt, soll der Körper zur Normalisierung des Energieflusses angeregt werden, wodurch Krankheiten überwunden werden können.

Verschiedene Formen der Akupunktur

Neben der klassischen Nadelakupunktur gibt es weitere Formen der Akupunktur, die nach demselben Prinzip funktionieren, bei denen die Reizung der Akupunkturpunkte jedoch auf unterschiedliche Weise erfolgt. Zur Anwendung kommt beispielsweise die Akupunktur durch Wärmereize (Moxibustion), die Elektroakupunktur oder die Laserakupunktur. Die nadelfreie Technik der Laserakupunktur wird häufig bei Kindern oder Patienten mit Nadelangst eingesetzt.

Eine spezielle Neuentwicklung der Akupunktur stellt darüber hinaus die Ohrakupunktur (Aurikulotherapie) dar. Ihr liegt die Vorstellung zugrunde, dass der gesamte menschliche Körper auf der Ohrmuschel abgebildet ist. Einzelne Körperpartien lassen sich demnach bestimmten Punkten auf der Ohrmuschel zuordnen und durch das Einbringen von Nadeln an den entsprechenden Ohrpunkten beeinflussen. Auf denselben Vorstellungen basieren weitere Formen der Akupunktur wie die Schädel-, Nasen-, Hals-, Mund- und Kieferakupunktur.

Breites Anwendungsspektrum der Akupunktur

Generell ist die Akupunktur als ein regulatives Verfahren zu sehen, dessen Einsatz sinnvoll bei gestörten Funktionen (nicht aber zerstörten Strukturen!) ist. In diesen Fällen soll der Akupunkturreiz beeinträchtigte oder blockierte körpereigene Reaktionen in Gang setzen und die Selbstheilung verbessern. Von den Störungen des Energieflusses und entsprechenden Funktionsstörungen können nach dem Verständnis der TCM verschiedenste Körperregionen und Organsysteme betroffen sein. Entsprechend breit ist das Anwendungsfeld der Akupunktur. In den westlichen Ländern wird die Akupunktur vorwiegend begleitend zu konventionellen Behandlungsmethoden angewendet. Am häufigsten wird sie zur Schmerzlinderung z.B. bei Kopf-, Rücken-, Gelenk- oder Nervenschmerzen eingesetzt.

Schulmedizinische Bewertung des Verfahrens

Obwohl das traditionelle Verständnis über die Wirkung der Akupunktur, basierend auf der Existenz von „Qi“ und Meridianen, mit modernen wissenschaftlichen Methoden nicht nachgewiesen werden kann, hat sich die Akupunktur in verschiedenen Studien vor allem zur Behandlung von bestimmten Schmerzerkrankungen aber auch bei weiteren Indikationen als wirksam erwiesen. Schulmediziner erklären dies u.a. damit, dass die Akupunktur wahrscheinlich in gewissem Maße zu einer Stimulation von Muskeln und Nerven und zur Ausschüttung von körpereigenen schmerzlindernden Botenstoffen führt.

Erstattung durch die Krankenkassen

Seit 2007 gehört die Akupunktur zum Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenkassen. Erstattet wird sie jedoch nur zur Behandlung von chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und chronischen Knieschmerzen bei Kniearthrose, bei denen sich die Akupunktur in Studien gegenüber konventionellen Behandlungsmethoden als überlegen erwiesen hat. Patienten mit diesen Beschwerden haben ohne besonderen Antrag Anspruch auf bis zu zehn Akupunktursitzungen, auf ärztlichen Antrag sind mitunter weitere Sitzungen möglich. Voraussetzung für die Erstattung ist, dass es sich bei dem Akupunkteur um einen geprüften Akupunkturarzt handelt, der die vorgegebenen strengen Ausbildungskriterien erfüllt. Von privaten Kassen wird die Akupunktur mitunter auch bei weiteren Indikationen übernommen. 

Autor: Claudia Urban / Lifeline.de
Letzte Aktualisierung: 16. Januar 2012
Quellen: Ernst, E. (Hrsg.): Praxis Naturheilverfahren. Springer Medizin Verlag (2001) Melchart, D. (Hrsg.): Naturheilverfahren für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schattauer (2008) (eBook) Römer, A.: Akupunktur & Chinesische Medizin. In: Der Gynäkologe (12) 2004, S. 1095 - 1104 Stiftung Warentest: Alternative Heilmethoden – Akupunktur. Stand: 19.04.2011. URL: http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/alternative-heilmethoden/verfahren-von-a-z/akupunktur/ (Stand: 10.01.2012) Stiftung Warentest: Akupunktur: Stechen, streiten, punkten. In: test 4/2006, S. 92-95. Online: URL: http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/test/Akupunktur-Stechen-streiten-punkten-1359979-1369582/ (Stand: 10.01.2012) Forschungsgruppe Akupunktur GbR. URL: http://www.akupunktur.info/patienten/hinweise-zur-erstattung-durch-krankenkassen (Stand: 11.01.2012)

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