Dialyse

Dialyse-Thinkstock-Nr.119255573.JPG
Die Dialyse wird in den meisten Fällen in Form der Hämodialyse außerhalb des Körpers durchgeführt.

Definition

Die Dialyse (griech. dialysis = Auflösung, Trennung) wird umgangssprachlich auch „Blutwäsche“ genannt, da es sich dabei um ein Verfahren zur Blutreinigung handelt. Sie kommt bei akutem oder chronischem Nierenversagen zum Einsatz, wenn die Filterfunktion der Nieren nicht mehr ausreicht, um harnpflichtige, also zwingend mit dem Urin auszuscheidende Substanzen (z.B. Harnstoff, Kreatinin) aus dem Blut zu entfernen und auszuscheiden. Ohne Dialyse würden die Betroffenen innerhalb kurzer Zeit an einer inneren Vergiftung, einer sogenannten Urämie, sterben, die durch den körpereigenen Stoffwechsel hervorgerufen wird. Bei der Dialyse handelt es sich folglich um eine Nierenersatzbehandlung – eine künstliche „Niere“ übernimmt die Aufgabe der Niere. Dabei können verschiedene Verfahren eingesetzt werden.

Vor der Erfindung der künstlichen Blutwäsche waren Patienten mit endgültigem Nierenversagen zum Tode verurteilt, sie starben an einer inneren Blutvergiftung, einer Urämie. Mit der Dialyse hingegen ist ein Weiterleben möglich, auch wenn die mehrstündigen „Sitzungen“, die mehrmals pro Woche in einer Dialyseambulanz, Klinik oder zu Hause absolviert werden müssen, mit großer körperlicher Anstrengung und zeitlicher Belastung verbunden sind. Wenn es gelingt, die Dialyse als „überlebensnotwendiges Übel“ in den Alltag zu integrieren, erlaubt diese Therapie ein weitgehend normales Leben. In vielen Fällen ist sogar eine Berufstätigkeit wieder möglich.

Wann ist eine Dialyse erforderlich?

Eine Dialyse ist dann nötig, wenn die Entgiftungsfunktion der Niere nicht mehr ausreicht, um die harnpflichtigen Substanzen aus dem Blut zu entfernen und die entsprechenden Störungen im Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt nicht mehr anders behandelt werden können. Die Entscheidung darüber, ob eine Dialyse eingeleitet werden muss, treffen Ärzte in der Regel anhand von Laborwerten.

Dialyse: Häufigkeit

Die Anzahl der Patienten, bei denen eine Nierenersatztherapie unumgänglich ist, wächst stetig. Im Jahr 2004 waren es in Deutschland 80.000 Menschen, von denen 21.000 mit einer transplantierten Niere lebten. 95 Prozent der übrigen 60.000 Patienten wurden mit einer Hämodialyse, die anderen fünf Prozent mit einer Bauchfelldialyse behandelt.

Verschiedene Dialyseverfahren

Bei der Dialyse können verschiedene Verfahren eingesetzt werden, bei denen die Reinigung des Blutes über Filtermembranen in unterschiedlicher Weise und mit unterschiedlicher Effizienz erfolgt. Grundsätzlich werden die Verfahren im Hinblick auf den Ort der Blutwäsche unterschieden, also differenziert man zwischen einer Dialyse außerhalb und innerhalb des Körpers.

Dialyseverfahren außerhalb des Körpers (extrakorporale Verfahren):

Die Hämodialyse wird in über 80 Prozent der Fälle angewendet und zählt mit der seltener verwendeten Hämofiltration und der Hämodiafiltration zu den extrakorporalen Verfahren.

Dialyseverfahren innerhalb des Körpers:

Grundsätzlich ist auch eine Dialyse möglich, die im Innern des Körpers selbst durchgeführt wird.  So dient bei der sogenannten Peritonealdialyse das Bauchfell (Peritoneum) als „Filtermembran“.

Für jeden Patienten muss individuell entschieden werden, welches Dialyseverfahren am besten geeignet ist.

Erstattung durch die Krankenkasse

Die Kosten für die Dialysebehandlung werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Zuzahlungen für die Behandlung, die Fahrtkosten sowie notwendige Medikamente müssen von den Patienten bei chronischer Nierenerkrankung in Höhe von 10 Prozent (höchstens 10 Euro, mindestens 5 Euro), bis zu einer Gesamt-Zuzahlungsgrenze von einem Prozent der Bruttoeinnahmen pro Jahr (§ 62 Abs. 1 Satz 2 des Sozialgesetzbuch V) geleistet werden.

Auch bei einer Urlaubsreise innerhalb der Länder im Europäischen Wirtschaftsraum und in Länder, mit denen die Bundesrepublik ein Sozialversicherungsabkommen vereinbart hat, bezahlt die gesetzliche Krankenkasse die Dialyse. Allerdings wird empfohlen, die Behandlung in einer Dialyseeinrichtung durchzuführen, die über eine Europäische Krankenversichertenkarte, European Insurance Health Card (EHIC) oder über einen speziellen Versicherungsschein abrechnet. Die EHIC oder die Versicherungsscheine sind bei der zuständigen Krankenkasse erhältlich.

Dialysepatienten in Deutschland erhalten bei Antragsstellung eine Anerkennung einer Schwerbehinderung mit einem Grad der Behinderung von 100.

Autor: Kathrin Sommer (DVGE Verlag für Gesundheit und Ernährung)
Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2012
Quellen: Hollenbeck, M. et al.: Shunt, Dialyseeinleitung, Katheter. In: Der Nephrologe 2(4), (2007), S. 242-251. Lonnemann, G.: Technik der Hämodialyse. In: Der Nephrologe 2(4), (2007), S. 252-260. Samtleben, W. & Blumenstein, M.: Indikation und Auswahl der Dialyseverfahren bei akuter und chronischer Niereninsuffizienz einschließlich kontinuierlicher Verfahren. In: Der Internist 40(1), (1999), S. 3-12. Weinreich, T.: Tragbare Hämodialysegeräte und weitere Neuentwicklungen. In: Der Nephrologe 5(3), (2010), S. 225-229. KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V., URL: http://www.kfh-dialyse.de/ (Stand: Dezember 2011). Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantation, URL: http://www.dso.de/ (Stand: Dezember 2011).

Neueste Fragen aus der Community
  • Akupunktur
    Schröpfen
    gestern, 12:41 Uhr von ornus

    Guten Tag, was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Schröpfmassage und...  mehr...

  • Akupunktur
    Hallo :)
    05.11.2014 | 22:32 Uhr von Ll333

    Mir ist vor ein paar Wochen aufgefallen das ich auf der inneren Pobacke einen ca....  mehr...

  • Naturheilverfahren
    Darmsanierung
    25.10.2014 | 14:55 Uhr von Willow

    Liebe Fr. Dr., ich habe wegen einem eher unschönen Darmflorastatus damit begonnen meinen...  mehr...

Hören Sie zu - reden Sie mit

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Meistgelesen in dieser Rubrik
Wie Faszien-Training gegen Schmerzen wirkt
Unterschätztes Bindegewebe

Faszien sind die Bindegewebshüllen um unsere Muskeln – und bisher wenig beachtet mehr...

Needling: Nadeln gegen Narben
Mikrowunden für mehr Kollagen in der Haut

Tausende Nadelstiche können Narben - und Falten - verschwinden lassen mehr...

Luftröhrenschnitt
Sicherung der Atemwege

Wenn die Luft weg bleibt - Koniotomie und Tracheotomie mehr...

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Einfach, schnell und kostenlos den richtigen Arzt finden und online Termine vereinbaren

Arzt finden
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Ausführliche Informationen
  • KrankheitenKrankheiten

    Sie möchten sich über eine bestimmte Krankheit informieren? Wir haben auf dieser Seite häufige Erkrankungen von A bis Z aufgelistet. mehr...

  • Symptome von A bis ZSymptome

    Unser Körper sendet häufig Signale aus, die auf Krankheiten hinweisen. Im A bis Z von Lifeline finden Sie die wichtigsten Symptome. mehr...

  • DiagnoseDiagnose

    Wir erklären Ihnen medizinische Untersuchungen einfach und verständlich. Damit Sie Bescheid wissen, was der Doktor mit Ihnen vorhat. mehr...

  • LaborwerteLaborwerte

    Verstehen Sie die Abkürzungen und Fachausdrücke Ihrer Laborergebnisse nicht? Einen roten Faden durchs Fachchinesich bietet das Laborwerte A bis Z. mehr...



Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang