Medizin aus dem Meer gegen Erkältung

Algen für die Nasennebenhöhlen

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Bakterien, die auf Algen wachsen, könnten Basis für ein neues Medikament sein.
©Amanda Cotton 2008

Oft helfen Antibiotika bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen nicht. Die Bakterien bauen einen Schutzwall gegen die Medikamente auf. Britische Forscher haben jetzt entdeckt, was dieses Abwehrschild aufbricht: bestimmte Enzyme von Bakterien, die auf Algen wachsen.

Ursprünglich suchten Forscher von der Newcastle University nach einer natürlichen Substanz, um Schiffe von außen gründlich zu reinigen. Denn darauf siedeln sich mit der Zeit gerne Algen an, die sich nur schwer wieder entfernen lassen. Bei der Untersuchung der Algen stießen die Wissenschaftler auf Bakterien, die auf der Oberfläche der Meeresbewohner wachsen. Die Bakterienart, Bacillus licheniformis, verfügt über ein bestimmtes Enzym (NucB), das sich medizinisch nutzen lässt: Es erwies sich als überaus wirksam bei Nasennebenhöhlenentzündung – vor allem bei chronischer Sinusitis, die auf Antibiotika nicht richtig anspricht.

Bakterien bilden Biofilm als Schutz

Die Ursache dafür, dass oftmals Antibiotika gegen bakterielle Entzündungen der Nasennebenhöhlen unwirksam sind, ist eine Verteidigungsmaßnahme der Erreger: Die Bakterien bilden einen Biofilm, der sie vor Antibiotika und Wirkstoffen von Nasenspray schützt. „Rund zehn Prozent aller Europäer sind immer wieder von Sinusitis betroffen“, sagt Mohamed Reda Elbadawey, Initiator der Studie, Facharzt und Gesichtschirurg am Freeman Hospital. „Bei manchen der Patienten, die ich sehe, ist die Nase völlig zu, sie haben Kopf- und Gesichtsschmerzen, riechen und schmecken nichts mehr und weder Nasenspray noch Antibiotika helfen“, beschreibt er das Leiden der Betroffenen. Viele wollen sich dem Stress einer Operation nicht unterziehen. „Wenn wir hier eine Alternative finden könnten, würden viele Tausend Patienten jährlich davon profitieren.“

Enzym macht den Weg für Antibiotika frei

Für die Studie verwendete das Forscherteam Biopsien der Nasenschleimhaut von 20 Patienten, die an chronischer Sinusitis litten. Die Experten analysierten, welche Bakterienstämme die Schleimhäute angegriffen hatten und welche von ihnen den fatalen Biofilm bilden. Die betreffenden Erreger konfronierten sie dann mit NucB. Es zeigte sich, dass dieses Enzym den Schutzwall zu 58 Prozent aufbrechen kann. Auf diese Weise sind die Bakterien verletzlich und der Wirkung der Antibiotika ausgeliefert.

In der nächsten Testreihe wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie das Enzym als Medikament gegen Erkältung eingesetzt werden kann.

Mund und Nase

Wird der Schnupfen nicht auskuriert, ist die Gefahr einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) erhöht. Was dann hilft, darüber spricht Professor Siegfried Meryn in "Bewusst gesund".

ORF

Autor: Monika Preuk / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2013
Quellen: Fachjournal PLOS ONE

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