Person & Seele
Wie Tiere unser Wohlbefinden steigern
Jeden Nachmittag nach der Arbeit greift Doris W. zu ihrem Anti-Stress-Mittel: Sie nimmt die Hundeleine vom Haken und geht mit ihrer Dogge auf die Freilauffläche im Park. Nach 1-2 Stunden draußen fühlen sich beide erfrischt und entspannt. Nicht nur Hunde, auch andere Haustiere steigern die Lebensqualität von Menschen, mindern Stress und halten gesund, das belegen zahlreiche Studien.
In Deutschland leben rund 21,5 Millionen Tiere in Privathaushalten, davon rund 6,5 Millionen Katzen, 4,7 Millionen Hunde und 4,7 Millionen Ziervögel. Tendenz steigend. Denn immer mehr Menschen erkennen, dass ihnen das Zusammenleben mit Tieren gut tut.
Haustiere wirken beruhigend
Dem Gesang des Kanarienvogels lauschen, der Katze beim Spielen zusehen oder mit dem Hund spazieren gehen, - all das hilft Menschen ihre Alltagsorgen zu vergessen und zu entspannen. Diese Stressminderung ist sogar messbar, zeigt eine Studie: Im Vergleich ist der Blutdruck von Heimtierhaltern niedriger als bei anderen Menschen. Tiere wirken wie ein Beruhigungsmittel. Deshalb werden sie auch als Co-Therapeuten eingesetzt, etwa um hyperaktive Kinder zu behandeln. Besonders rastlos herumlaufende Alzheimer-Patienten beispielsweise werden viel ruhiger, wenn sie regelmäßig auffällige Fische im einem Aquarium beobachten, zeigte ein Versuch.
Tierhalter fühlen sich gebraucht
Sogar das Versorgen von Tieren betrachten Halter meist als sinnvolle Beschäftigung, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI), das die Chancen und Risiken der Heimtierhaltung untersucht hat. Menschen erlebten dabei das Gefühl gebraucht zu werden. Im Umgang mit dem Tier würden pflegerische Fähigkeiten entwickelt und geübt, dies stärke Selbstvertrauen und Selbstachtung. Ein weiterer positiver Aspekt: Heimtierbesitzer achteten mehr auf ihre Bedürfnisse und sorgten auch für sich selbst besser als Menschen ohne Tiere.
Übers Tier Kontakte knüpfen
Für viele Halter hat ihr Haustier den Status eines Familienmitgliedes. Sie kümmern sich nicht nur um das Tier, sondern reden auch mit ihm. So ergab z.B. eine Befragung von 120 Hundebesitzern über 60 Jahren, dass 25% ihrem Vierbeiner Sorgen und Probleme erzählten, mehr als die Hälfte sprach regelmäßig mit ihren Hunden. Das Robert-Koch-Institut beurteilt dies Verhaltens sehr positiv: "Diese Form der Kommunikation stellt eine Alternative zu Selbstgesprächen dar und unterstützt das Ausbilden bzw. Ändern der eigenen Meinung und das Lösen von z. B. zwischenmenschlichen Problemen." Doch Hund, Katze & Co. helfen nicht nur, Alleinsein zu überwinden: Sie erleichtern auch den Kontakt zu anderen Menschen. In einer Befragung berichteten 40% der Hundehalter und 46% der Katzenbesitzer, dass ihre Sozialkontakte nach der Anschaffung des Tieres deutlich zugenommen hätten. Tiere bieten Gesprächsstoff - und mehr: Hunde sind ideale Wegbereiter für einen Flirt, hat das Rheingold-Institut herausgefunden. Sie gehen unbefangen auf andere Menschen zu und sorgen für eine lockere Gesprächsatmosphäre.
Weniger Medikamente durch Haustiere
Hunde müssen raus, auch bei richtigem "Hundewetter". Der positive Aspekt für die Halter liegt auf der Hand: Sie bewegen sich so ebenfalls regelmäßig an der frischen Luft. Das hält Herz und Kreislauf in Schwung und stärkt das Immunsystem. Aber Haustiere können noch mehr für die Gesundheit tun: Chronisch Kranke, die Heimtiere haben, brauchen weniger Medikamente. Außerdem gingen sie im Schnitt 10% weniger zum Arzt im Vergleich zu Menschen ohne Heimtiere, zeigte eine Analyse der Langzeitauswirkungen von Haustieren auf die Gesundheit. Andere Forschungsarbeiten zeigen weitere positive gesundheitliche Wirkung der Heimtierhaltung, darunter günstigere Cholesterin- und Blutfettwerte.
Haustier birgt mehr Chancen als Risiken
Zwar können Heimtiere auch Krankheiten übertragen oder Allergien auslösen, doch nach Abwägung der Vor- und Nachteile von Haustierhaltung, kommt das Robert-Koch-Institut zu dem Schluss: "Der positive Einfluss der Heimtierhaltung auf Menschen übersteigt mögliche Gefährdungen." Das Risiko der Übertragung von Krankheiten könne durch umsichtige Hygiene, Impfung der Tiere und tierärztliche Überwachung erheblich reduziert werden. Wer zu Allergien neige, müsse das Risiko im Einzelfall gegen den Gewinn an Lebensqualität abwiegen.









