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Frau und Zyklus

Das Aus für die Menstruation?

Lästig aber unabwendbar- die Menstruation. Doch schon bald könnte sich das ändern. Denn spezielle Verhütungspräparate sollen dem weiblichen Zyklus ein Ende bereiten.

Jeden Monat hält sie Einzug, beschert Frau Stimmungsschwankungen, Migräne, Unterleibsbeschwerden oder Rückenverspannungen und sorgt für einen üppigen Umsatz an Tampons und Binden. Doch immer mehr Frauen wissen sich zu helfen und nehmen die Pille durchgehend ein. So ersparen sie sich die Tage der Sorgen und Beschwerden und fühlen sich freier. Besonders die Amerikanerinnen bestimmen gern selbst, wann sie ihre Menstruation haben und wann nicht. Die deutschen Frauen sind etwas zurückhaltender bei dem Management der Menstruation und verschieben die Regel häufig lediglich um ein paar Tage, etwa wenn es in den Sommerurlaub geht. Doch das könnte sich ändern, denn schon bald soll es ganz einfach sein, die Menstruation ganz abzuschaffen.

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Als 1960 die erste Antibaby-Pille unter dem Namen „Enovid" auf den amerikanischen Markt kam, gingen die Sittenwächter und Moralapostel der Welt auf die Barrikaden und verschrien die Pille als Teufelszeug. Allen Ächtungen zum Trotzt war die kleine Verhütungstablette bald nicht mehr aus den Nachttischchen der Frauen wegzudenken.
Seit dem Jahr 2003 ist das Präparat „Seasonale" auf dem US-Markt. Mit der Einführung der Pille, die 84 Tage durchgenommen wird und die Menstruation auf vier Mal im Jahr beschränkt, gingen die Diskussionen in die nächste Runde. Neuen Brennstoff erhalten sie nun von der Pille „Lybrel", die bald unter dem Namen „Anya" auf den europäischen Markt kommen soll. Die neue Pille wird durchgängig eingenommen und stoppt die Blutungen gleich für ein ganzes Jahr.

Befürworter des Langzyklus führen an, dass viele Frauen ihre Tage als stark belastend oder störend empfinden und durch den Wegfall der Menstruation endlich von Beschwerden wie Krämpfen, Schmerzen oder dem Prämenstruellen Syndrom (PMS) befreit werden. Bereits fünf Prozent der Pillenanwenderinnen würden aus diesem Grund allein in Deutschland bereits nach Bedarf die Pille ohne Pause einnehmen und so der Menstruation Einhalt gebieten. Außerdem sei der Zyklus der Frau durch die herkömmliche Pille bereits so stark verändert, dass der Schritt zum Langzyklus keinen großen Unterschied mehr macht. Experten geben außerdem an, dass keine begründete medizinische Notwendigkeit besteht, nach 21 Tagen der Pilleneinnahme eine Pause zu machen.

In einem Vergleich von sechs Studien der unabhängigen Cochrane Collaboration brachten die Experten ans Licht, dass die durchgehende Einnahme der Pille eine vernünftige Form der oralen Verhütung zu sein scheint. Der Langzeitzyklus biete einen besseren Schutz vor Schwangerschaften. Allerdings weisen sie darauf hin, dass in weiteren Studien zunächst die möglichen Langzeitfolgen unter die Lupe genommen werden müssen. Bisher geht man davon aus, dass die Nebenwirkungen der Langzeitpille ähnlich gelagert sind wie die der herkömmlichen Pille. Dazu zählt etwa das erhöhte Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Schlaganfall. Ob diese Risiken mit dem Wegfall der Einnahmepause ansteigen, ist bisher nicht ausreichend geklärt.

Martina Dören, Leiterin des Klinischen Forschungszentrums Frauengesundheit an der Berliner Charité: "Interessant ist die Frage nach der Gesamtdosis an Sexualhormonen, der man sich aussetzt. Ich gehe auch davon aus, dass die Unterschiede eher nicht gravierend sind. Aber man kann Langzeiteffekte nicht ausschließen." Eine erhöhte Gesamtdosis kann sich laut Dören auch auf den Wasserhaushalt, die Nebennierenfunktionen und letztendlich auf jede Körperfunktion auswirken, die durch Hormone beeinflusst wird.

Auch Gisela Gille, Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau, wünscht sich weitere Untersuchungen der Langzeitfolgen: "Wenn die Forschung garantieren kann, dass es keine Langzeitnebenwirkungen gibt, bin ich absolut der Meinung, dass das eine weitere mögliche befreiende Facette ist, um den Frauen in bestimmten Lebensphasen einen selbstbestimmteren Umgang mit ihrem Lebensstil zu ermöglichen."


Quelle: Nach Informationen von Medizininfo
Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 6, 2008


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