Fehlstellung der Wirbelsäule

Skoliose: Physiotherapie, Korsett oder OP helfen

Bei Skoliose weicht die Wirbelsäule der Betroffenen in mehrere Richtungen von der gesunden Haltung ab. Je früher die Fehlstellung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsaussichten. Therapien der Wahl sind Physiotherapie und Korsett, doch auch eine Operation kann nötig sein.

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Einfache Diagnose: Skoliose ist auf einen Blick erkennbar.
Getty Images/iStockphoto

Eine Skoliose ist eine Fehlstellung der Wirbelsäule und wird auch als Wachstumsdeformation bezeichnet. Sie besteht aus mehreren Bewegungskomponenten, die die Wirbelsäule in verschiedene Bewegungsrichtungen zwingt, die von der normalen (physiologischen) Haltung abweicht. Es entsteht eine Kombination von Seitenneigung der Wirbelsäule, Verdrehung der einzelnen Wirbel und einer Verwindung der Körperachse. Dadurch ist auch der Brustkorb (Thorax) in seiner Form verändert.

Sie entsteht bei Kindern und Jugendlichen, wobei Mädchen viermal häufiger betroffen sind als Jungen. Die Häufigkeit der Skoliose ist offenbar weltweit sehr unterschiedlich dokumentiert. Es lassen sich Zahlen von 0,13 Prozent bis 13,6 Prozent in der Literatur finden. Dies soll nicht heißen, dass die Erkrankungshäufigkeit auf der Welt so unterschiedlich ist, wahrscheinlicher ist, dass man sich weltweit nicht auf klare Definitionen einigen konnte, ab welcher Art von Abweichung der Norm eine Skoliose vorliegt.

Symptome der Skoliose bereits im Kindesalter deutlich

Da sich eine Skoliose schleichend entwickelt und der Betroffene nichts davon spürt, entdeckt man die Fehlhaltung meistens, wenn sich Kinder mit freiem Oberkörper bewegen, etwa beim Umziehen vor dem Sportunterricht oder beim Schwimmen. Meistens wird die Diagnose zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr gestellt, wenn bereits deutliche Zeichen zu sehen sind.

Tritt die Skoliose allerdings schon beim Säugling deutlich auf, hat sie eine günstige Prognose. Im Säuglingsalter lassen sich durch Lagerung und Physiotherapie gute Erfolge erzielen.

Mehrere Ursachen für Skoliose kommen in Betracht

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Die Ursachen der Skoliose können sehr vielfältig sein, wobei etwa 85 Prozent aller Fälle als idiopathisch bezeichnet werden. Dies bedeutet, dass die Ursache nicht bekannt ist.

Es gibt jedoch Anhaltspunkte, dass auch genetische Ursachen in Betracht gezogen werden können. Weitere mögliche Ursachen sind nach einem Unfall (posttraumatisch), aufgrund von Lähmungen oder Bewegungsstörungen (neuropathisch) oder durch Strahlentherapie im Kindesalter (radiogen). Auch Muskelschwund oder Osteoporose (auch im Kindesalter) können Ursachen für eine Skoliose sein.

Diagnose: Skoliose oft auf einen Blick zu erkennen

Bei der Untersuchung des entkleideten Kindes erkennt man oft die Seitdrehverbiegung der Wirbelsäule sofort, die typisch für eine Skoliose ist. Der sogenannte Vorbeugetest, bei dem sich das Kind aus dem Stand nach vorne beugt, zeigt die Verkrümmung der Wirbelsäule noch deutlicher. Im Stand ist eine Asymmetrie sichtbar.

Anschließend wird ein großes Röntgenbild aufgenommen, welches die gesamte Wirbelsäule zeigt. Die Aufnahme erfolgt im Stand und um scheinbare Beinlängendifferenzen auszugleichen, werden dünne Brettchen unter einen Fuß des Kindes gelegt, bis das Becken in der Horizontalebene gerade steht. Auch andere Röntgentechniken stehen zur Verfügung.

Von Physiotherapie über Korsett bis OP: Therapien der Skoliose

Eine Therapie hängt in erster Linie von der Ursache der Skoliose und dem Alter des Betroffenen ab. Hierbei kommt als Klassifizierung der Skoliose die Gradeinteilung nach Cobb zum Einsatz. Eine Skoliose von bis zu 20 Grad wird als beginnende Skoliose bezeichnet und wird meist nur mit Physiotherapie behandelt. Die Physiotherapie ist in jedem Stadium der Erkrankung fester Bestandteil der Therapie. Hat die Skoliose einen Wert zwischen 20 und 50 nach Cobb, trägt man zusätzlich zur Physiotherapie meist 23 Stunden am Tag ein festes Korsett (Orthese).

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Man unterscheidet eine Vielzahl von verschiedenen Korsettarten. Aktiv- oder Passivkorsett, ein individuell gefertigtes oder ein Korsett aus der sogenannten Modultechnik. Mit einer Korsettversorgung kann man die Wirbelsäule positiv beeinflussen oder gar eine Verschlechterung der Skoliose verhindern. Die bereits bestehende Verformung kann jedoch nicht verringert werden. Ab dem Wert 50 nach Cobb ist oft eine Operation der Wirbelsäule nötig. Nur wenn der Organismus gefährdet ist, die krumme Wirbelsäule auf Organe, wie die Lunge, drückt oder die Atmung stark eingeschränkt ist, sollte operiert werden.

Eine Operation bei Skoliose ist meistens mit einer künstlichen Versteifung der Wirbelsäule verbunden, deshalb sollte nicht vorschnell operiert werden, da sonst keine positive Veränderung durch andere Therapien mehr zu erwarten ist. Es gibt Kliniken, die speziell auf Skoliosetherapien ausgerichtet sind. Es gibt im stationären Aufenthalt noch weitaus mehr Therapieformen als in der ambulanten Versorgung und auch mittels Operationen wurden schon gute Erfolge erzielt.

Skoliose-Patient kann Verlauf günstig beeinflussen

Der Verlauf einer Skoliosetherapie hängt zum großen Teil vom Betroffenen selbst ab. Nicht jeder ist gleich motiviert, mehrmals täglich krankengymnastische Übungen zu machen oder beinahe rund um die Uhr ein unbequemes Korsett zu tragen.

Auch eine andere langwierige Therapiemethode kommt nicht für jeden infrage. Oft kann man mit einem regelmäßigen Übungsprogramm leichte Skoliosen schon im Voranschreiten hindern. Die Prognose ist umso besser, je früher die Therapie der Skoliose beginnt. Hierbei gilt oft, je jünger der Betroffene, umso größer das Korrekturpotenzial. Direkt vorbeugen kann man nicht, da die Ursachen nicht bekannt sind.

Rückengesund durch den Tag

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Februar 2017
Quellen: Pfeil, J., Niethard, F.:Orthopädie. Thieme Verlag, Stuttgart Weineck, J.: Sportanatomie, PERIMED-spitta Verl.-Ges., Balingen

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