Fehlstellung der Wirbelsäule

Skoliose: Wirbelsäule auf Abwegen

Skoliose ist eine Wirbelsäulenverkrümmung, bei der die Stütze des Körpers seitlich verbogen ist. Der Neigungsgrad kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein. Gleichzeitig sind die Wirbelkörper verdreht. Die Ursache ist meist unbekannt. Leichte Krümmungen verursachen meist keine Beschwerden. Später entwickeln sich Schmerzen und Verschleißerscheinungen. Je früher Ärzte eine Skoliose diagnostizieren, desto besser stehen die Behandlungsaussichten. Eingesetzt werden Physiotherapie, Korsett und in schweren Fällen eine Operation.

skoliose
Einfache Diagnose: Skoliose ist oftmals auf einen Blick erkennbar.
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Bei einer Skoliose ist die Wirbelsäule – meist im Brustwirbelbereich – seitlich verbogen, während gleichzeitig die Wirbelkörper verdreht sind. Die wichtige Stütze des Körpers weicht also in mehrere Richtungen von ihrer normalen, gesunden Position ab. Der Begriff Skoliose kommt aus dem Griechischen: "skoliós" bedeutet übersetzt so viel wie "krumm". Umgangssprachlich heißt die Skoliose auch Wirbelsäulenverkrümmung.

Die Wirbelsäule kann nach rechts oder links geneigt sein. Eine behandlungsbedürftige Skoliose liegt vor, wenn der sogenannte Cobb-Winkel mehr als zehn Grad beträgt. Er ist ein Maß dafür, wie stark die Wirbelsäule verkrümmt ist. Der Winkel lässt sich anhand eines Röntgenbildes bestimmen.

Skoliose sieht man oft auf den ersten Blick

Die Beschwerden hängen davon ab, wie stark die Wirbelsäule zur Seite verbogen ist. Eine leichte Verkrümmung der Wirbelsäule fällt kaum auf und verursacht auch keine Beschwerden. Anders bei einer stärkeren seitlichen Neigung, bei der die Skoliose ein typisches Erscheinungsbild zeigt: Der Rippenbuckel, bei dem sich der Brustkorb am Rücken wölbt, Wulste an den Lenden, unterschiedlich hoch stehende Schultern oder ein schief stehendes Becken.

Wie häufig ist Skoliose?

Eine Skoliose entwickelt sich am häufigsten in der Wachstumsphase bei Kindern und Jugendlichen. Sie sind in der Regel zehn bis zwölf Jahre alt, wenn Ärzte die krumme Wirbelsäule entdecken. Mädchen sind viermal häufiger betroffen als Jungen. Je schwerer die Verbiegung ist, desto größer ist der Anteil an weiblichen Patienten im Vergleich zum männlichen Geschlecht. Die Gründe dafür sind unklar. Ärzte schätzen, dass etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung unter dieser Deformation der Wirbelsäule leiden. Diese Zahlen beinhalten sämtliche Schweregrade – von leichten bis schweren Fehlstellungen der Wirbelsäule. Insgesamt kommen leichte Skoliosen viel häufiger vor als schwere Verbiegungen, die einer Operation bedürfen.

Skoliose – eine Operation ist selten nötig

In bis zu 90 Prozent aller Fälle von Skoliose lässt sich keine Ursache finden. Ärzte nennen dies "idiopathisch". Die Verbiegung muss auch nicht in jedem Fall behandelt werden. Oft reichen nicht-operative Maßnahmen wie ein Korsett oder die Physiotherapie aus, um die Beschwerden zu lindern. Nur bei einer schweren Skoliose ist eine Operation wirklich nötig.

Symptome der Skoliose

Eine Skoliose entwickelt sich schleichend, vor allem im Wachstumsalter von Kindern und Jugendlichen. Die Skoliose kann allerdings auch schon Säuglinge betreffen. Wird sie frühzeitig entdeckt, ist die Prognose günstig, denn durch entsprechende Lagerung und Physiotherapie lassen sich gute Erfolge bei Babys erzielen.

Jugendliche bemerken die Verbiegung ihrer Wirbelsäule oft nicht; sie verspüren keine Schmerzen. Die Fehlstellung fällt manchmal auf, wenn sich Kinder mit freiem Oberkörper bewegen, etwa beim Umziehen vor dem Sportunterricht oder beim Schwimmen. Meistens wird die Skoliose-Diagnose zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr gestellt. Die Symptome hängen davon ab, wie schwer die Wirbelsäulenverbiegung ist. Erst ab dem dritten Lebensjahrzehnt treten meist folgende optischen Anzeichen auf:

  • Rippenbuckel: Die Wirbelsäule im Bereich der Brustwirbelsäule ist verkrümmt. So bildet sich ein Rippenbuckel, bei dem die Rippen am Rücken hervortreten. Je nach Schweregrad ist diese Verkrümmung schon mit bloßem Auge erkennbar.
  • Bei einer schweren Skoliose stehen die Schultern unterschiedlich hoch (die eine hängt tiefer als die andere).
  • Das Becken steht schief und ein Schulterblatt tritt weiter heraus als das andere.
  • Lendenwulst auf der gegenüberliegenden Seite der Verkrümmung

 Mit der Zeit entwickeln sich weitere Beschwerden, unter anderem:

  • Rückenschmerzen aufgrund der Fehlhaltung und Muskelverspannungen
  • Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen
  • Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule, strukturelle Veränderungen der Wirbelkörper
  • Einschränkungen der Beweglichkeit
  • Verkürzung des Rumpfes, Belastung der inneren Organe, zum Beispiel der Verdauungsorgane
  • Störungen der Herz- und Lungenfunktion, verminderte Atemkapazität

Ohne Behandlung schreitet die Skoliose immer weiter fort. Wichtig ist es also, die Wirbelsäulenverkrümmung frühzeitig zu erkennen und zu therapieren.

Skoliose-Ursache ist meist unbekannt

In der Mehrzahl der Fälle bleibt die Ursache der Skoliose im Dunkeln. Bei bis zu 90 Prozent der Patienten können Ärzte keinen Grund für die Verbiegung der Wirbelsäule finden. Eine Krankheit ohne bekannte Ursache nennen Mediziner "idiopathisch". Es deutet aber einiges darauf hin, dass hormonelle, nervliche oder muskuläre Störungen die Auslöser der Skoliose sein können. Auch die Gene, also eine erbliche Veranlagung, spielen wahrscheinlich eine Rolle.

Bei rund zehn Prozent der Skoliose-Fälle sind folgende Ursachen möglich:

  • Angeborene Fehlbildungen bestimmter Bereiche der Wirbelsäule, zum Beispiel verformte Wirbelknochen
  • Veränderung der Knochenstruktur, etwa durch Strahlentherapie oder Knochenschwund (Osteoporose)
  • Muskelerkrankungen wie die vererbte Muskelschwäche namens Duchenne Muskeldystrophie
  • Störungen der Nervenfunktion, etwa aufgrund von Rückenmarksentzündungen oder durch Muskelgruppen, die nicht mehr mit elektrischen Reizen aktiviert werden
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Diagnose: Skoliose ist oft leicht erkennbar

Eine Skoliose können Hausärzte und Orthopäden oft schon auf den ersten Blick erkennen. Am Anfang steht das Gespräch zwischen Arzt, Patient und den Eltern, die die Fehlstellung bei ihrem Kind meist als erstes entdecken. Der Arzt fragt nach der Krankengeschichte und den Beschwerden (Anamnese), um einer möglichen Ursache der Skoliose auf die Spur zu kommen. Aber: In bis zu 90 Prozent aller Fälle lässt sich kein Grund ausmachen.

Formen der Skoliose: Welcher Teil der Wirbelsäule ist verdreht?

Je nach Ort, an dem sich die Skoliose ausgebildet hat, unterscheiden Ärzte folgende Skoliose-Formen:

  • Brustwirbelsäulenbereich: thorakale Skoliose
  • Lendenwirbelsäulenbereich: lumbale Skoliose
  • Übergangsbereich zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule: thorakolumbale Skoliose
  • Bereich von Brust- und Lendenwirbelsäule: thorakale und lumbale (doppelbogige) Skoliose

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung der Wirbelsäule lassen sich die seitliche Verbiegung im Brust- oder Lendenwirbelbereich und die gedrehten Wirbelkörper meist gut ertasten. Auch optisch fällt die Deformation der Wirbelsäule auf, zum Beispiel durch:

  • Schiefstand der Schultern, sie befinden sich nicht auf gleicher Höhe.
  • Taillensymmetrie und Umrisse der Rumpfs: Eine Skoliose im Lendenwirbelbereich macht sich durch einen Lendenwulst bemerkbar. Dieser befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Wirbelsäulenkrümmung.
  • Differenz der Beinlängen
  • Schiefstand des Beckens

Liegt die Ursache der Skoliose im Rückenmark, lassen sich manchmal auf der Haut bestimmte Hinweise finden, zum Beispiel Grübchen oder eine verstärkte Behaarung.

Vorbeugetest (Adams-Test)

Meist befindet sich die Skoliose im Bereich der Brustwirbelsäule. Hier hilft der sogenannte Vorbeugetest, bei dem sich der Patient aus dem Stand nach vorne beugt. Jetzt wird die Verkrümmung der Wirbelsäule deutlich als Rippenbuckel erkennbar: Die Rippen am Rücken treten stark hervor. Auch die Stärke eines Lendenwulstes kann der Arzt mit einem Skoliometer (Neigungsmesser) bestimmen. Werte über fünf Grad bedürfen einer radiologischen Untersuchung.

Test von Beweglichkeit und Kraft

Der Arzt testet, wie weit Sie mit Ihren Fingern bei gestreckten Knien zum Boden herunter kommen. Die Neigung nach vorne und zur Seite zeigt, wie beweglich die Wirbelsäule ist. Auch die Muskelkraft und die Funktion der Reflexe werden geprüft.

Röntgenuntersuchung

Eine Röntgenuntersuchung macht die gesamte Wirbelsäule, eventuelle Knicks und Verkrümmungen sichtbar. Die Röntgenaufnahme erfolgt im Stand. Um mögliche Unterschiede der Beinlängen auszugleichen, legen Ärzte dünne Brettchen unter einen Fuß, bis das Becken in der Horizontalebene gerade steht. Im Röntgenbild können Ärzte das Ausmaß der Verkrümmung, den sogenannten Cobb-Winkel, bestimmen. Sichtbar wird auch die genaue Form der Biegung.

Magnetresonanztomographie (MRT)

  • zum Lexikon

    Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

Die Magnetresonanztomographie wird bei Verdacht auf Schäden im Rückenmark eingesetzt, etwa Fehlbildungen oder Tumoren.

So wird eine Skoliose behandelt

Die Skoliose-Behandlung hängt von der Ausprägung der Wirbelsäulenverkrümmung, den Ursachen, Beschwerden, dem Alter und dem körperlichen Gesundheitszustand ab. Ziel der Therapie ist es, die Beschwerden zu lindern, die bestehende Krümmung zu korrigieren, diese Rückbildung auch zu erhalten und das Fortschreiten der Skoliose zu bremsen. In vielen Fällen genügen nicht-operative (konservative) Maßnahmen, nur in schweren Fällen müssen Chirurgen die Skoliose operieren.

Physiotherapie bei leichter Skoliose

Eine beginnende, leichte Skoliose lässt sich meist gut mittels Physiotherapie behandeln. Sie stärkt die Muskulatur, verbessert die Körperhaltung, fördert das Körpergefühl und schult das Gleichgewicht und die Bewegungen. Die Physiotherapie ist in jedem Stadium der Erkrankung fester Bestandteil der Therapie.

Korsett in der Wachstumsphase

Bei einer mittelschweren Skoliose hilft das Tragen eines festen Korsetts (Orthese), welches die Wirbelsäule stabilisiert. Das Problem: Kinder müssen es bis zum Abschluss des Wachstums nahezu rund um die Uhr (mehr als 22 Stunden täglich) tragen, was auch unangenehm sein kann. Denn beim Herumtoben und Spielen ist das Korsett hinderlich und einschränkend. Erst nach Abschluss der Wachstumsphase verkürzt sich die Tragedauer. Wer das Korsett nicht konsequent trägt, gefährdet den Behandlungserfolg. Erwachsenen bringt das Korsett meist nichts, weil das Knochenwachstum schon abgeschlossen ist. Das Korsett wird immer mit einer Physiotherapie kombiniert.

Wann ist eine Operation nötig?

Manchmal bringen die Physiotherapie und das Korsett keinen ausreichenden Erfolg. Auch brauchen Patienten für die Therapie Geduld und einen langen Atem – was nicht jeder hat. In manchen Fällen ist die Krümmung von Beginn an sehr stark ausgeprägt oder sie verschlechtert sich zunehmend. Sind andere Organe wie das Herz oder die Lunge in Mitleidenschaft gezogen, ist eine Operation notwendig. Die Skoliose bei Kindern operieren Ärzte – wenn möglich – nicht vor dem zehnten bis zwölften Lebensjahr.

Eine Operation soll die Wirbelsäulenverkrümmung korrigieren und dann die neue Form stabilisieren. Ärzte versteifen dabei einen Teil der Wirbelsäule (Spondylodese). Es gibt Kliniken, die speziell auf Skoliose-Therapien ausgerichtet sind, und viel Erfahrung mit diesem Krankheitsbild haben. Nach dem chirurgischen Eingriff folgt meist eine Rehabilitation (Reha), in der Patienten wiederum Physiotherapien erhalten. Sie sollen den Behandlungserfolg festigen.

Verlauf und Heilungschancen bei Skoliose

Eine Skoliose lässt sich bis zu einem gewissen Grad zurückbilden oder deren Fortschreiten bremsen. Vor allem bei Säuglingen ist die Prognose gut, wenn Ärzte die Wirbelsäulenverbiegung rechtzeitig entdecken und behandeln. Die Prognose der Skoliose ist umso besser, je früher die Therapie beginnt. Hierbei gilt oft: Je jünger der Betroffene ist, umso größer die Möglichkeit der Korrektur.

Auch Sie selbst können den Verlauf einer Skoliose positiv beeinflussen. Je motivierter und konsequenter Sie Ihre Therapie absolvieren, etwa ein Korsett tragen oder physiotherapeutische Übungen durchführen, desto besser verläuft die Wirbelsäulenerkrankung. Auch die Beschwerden nehmen durch die regelmäßigen Therapien ab.

Rückengesund durch den Tag

Kann man einer Skoliose vorbeugen?

Einer Skoliose vorbeugen können Sie in der Regel nicht, weil in bis zu 90 Prozent aller Fälle die Ursachen unbekannt sind. Damit lassen sich die potenziellen Auslöser auch nicht gezielt ausschalten. Wichtig ist es, die Skoliose frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln, um möglichen Auswirkungen auf das Herz, die Lunge und die Verdauungsorgane vorzubeugen. Wenden Sie also die Therapien konsequent an, so lange sie nötig sind – dann lässt sich die Skoliose korrigieren und dieser Zustand für lange Zeit aufrechterhalten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. April 2017
Durch:
Quellen: Bundesverband Skoliose, http://www.bundesverband-skoliose.de/; Deutsches Skoliose Netzwerk e.V., http://www.deutsches-skoliose-netzwerk.de/index.php/ueber-skoliose-de-de/; Thieme Orthopädie und Unfallchirurgie, https://www.thieme.de/de/orthopaedie-unfallchirurgie/skoliose-88276.htm; Leitlinie „Idiopathische Skoliose im Wachstumsalter“ (in Überarbeitung) http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-025_S1_Idiopathische_Skoliose_im_Wachstumsalter_10-2009_10-2012_abgelaufen.pdf

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