Periphere Arterielle Verschlusskrankheit

PAVK: Symptome, Stadien & Therapie der Schaufensterkrankheit

Die Schaufensterkrankheit beruht auf Durchblutungsstörungen durch Gefäßverengung

Unter der peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) versteht man Durchblutungsstöruungen in den Arm- oder Beinarterien, die meist durch Arteriosklerose verursacht sind.

Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
Bei einer fortgeschrittenen PAVK ist es nicht immer die Auslage, die Betroffene vor Schaufenstern anhalten lässt, sondern der Schmerz beim Gehen.
PantherMedia / Sandra Weber
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Der Begriff der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) umfasst alle arteriellen Durchblutungsstörungen, die durch Gefäßverengungen oder -verschlüsse in den Extremitäten, in erster Linie aber in den Beinen verursacht werden. Im Volksmund ist gern auch von der Schaufensterkrankheit die Rede. Der Bergriff rührt von den Schmerzen beim Gehen, die aber erst im zweiten Stadium der Erkrankung auftreten und die Betroffenen immer wieder zum Stehen bleiben und Blick ins Schaufenster veranlassen.

Man unterscheidet eine akute von einer chronischen PAVK. Die akute periphere arterielle Verschlusskrankheit wird durch einen plötzlichen Arterienverschluss, zum Beispiel durch ein Blutgerinnsel (Thrombose) bedingt, hervorgerufen. Im Gegensatz zur akuten, ist die chronische periphere arterielle Verschlusskrankheit durch ein langsames Wachstum einengender Gefäßveränderungen (Arteriosklerose) charakterisiert.

PAVK erkennen: Symptome der Schaufensterkrankheit-Stadien

Das wichtigste Anzeichen der Schaufensterkrankheit sind Schmerzen in der beanspruchten Muskulatur. In späteren Stadien können diese Schmerzen auch in Ruhe auftreten und von Hautschäden begleitet sein.

Eine PAVK wird abhängig von ihren Krankheitszeichen in vier Stadien eingeteilt:

Stadium I: Arterienwandveränderungen, die ohne Krankheitszeichen einhergehen. Solche Veränderungen führen den Patienten nicht zum Arzt und werden oft nur bei Untersuchungen aus anderen Anlässen gefunden.

Stadium II: Dieses Stadium beschreibt die typische Schaufensterkrankheit mit belastungsabhängigen Schmerzen des betroffenen Beins. Arbeitende Muskeln benötigen mehr Sauerstoff als ruhende Muskeln. Bei eingeschränkter Durchblutung durch Gefäßverengungen kommt es zu einem Sauerstoffmangel, wenn durch Bewegung der Bedarf größer wird als das Angebot. Dieser Sauerstoffmangel verursacht Schmerzen in der beanspruchten Muskulatur, die den Patienten zum Stehenbleiben zwingen. Dabei lassen die Schmerzen wieder nach. Je nach Länge der Wegstrecke, die ohne Schmerzen zurückgelegt werden kann, unterscheidet man das

Stadium IIa mit einer schmerzfreien Wegstrecke über 200 Metern vom

Stadium IIb mit einer schmerzfreien Wegstrecke unter 200 Metern.

Im Falle von Gliedmaßenarterienverschlüssen, die einen sehr gut ausgeprägten natürlichen Umgehungskreislauf haben, kann es kurzzeitig zu belastungsabhängigen Muskelschmerzenkommen, die bei weiterer Belastung (zum Beispiel beim Weitergehen mit langsamer Gangart) nicht mehr auftreten (man nennt dies "walking through-Phänomen").

Stadium III: Es ist gekennzeichnet durch Ruheschmerzen in der Gliedmaßenmuskulatur. In diesem Stadium ist die Muskulatur so schlecht durchblutet, dass sie selbst ohne Belastung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Oft empfinden die betroffenen Patienten wenigstens vorübergehend Erleichterung bei herabhängendem Bein, während das Hochlagern den Schmerz noch verstärkt. Einige Patienten schlafen aus diesem Grund lieber im Sessel als im Bett.

Stadium IV: Hier kommt es zusätzlich zu den Ruheschmerzen zu einer Geschwürbildung in dem betroffenen Bein. Solche Geschwüre sind Hautdefekte, die nicht abheilen. Die dauerhaft verminderte Hautdurchblutung verursacht sie und verhindert die Heilung.

Unspezifische Anzeichen der Schaufensterkrankheit

Bei Patienten mit einer Schaufensterkrankheit (Stadium II der arteriellen Verschlusskrankheit) und fehlendem Ruheschmerz dürfen durch Bagatellschädigung (schlechtes Schuhwerk, nicht fachmännische Pediküre) entstandene Gewebeverletzungen nicht als für das Stadium IV typisches Geschwür missdeutet werden. Hier handelt es um ein kompliziertes Stadium II.

Ein unsicheres Krankheitszeichen der arteriellen Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) ist ein Kältegefühl im betroffenen Körperteil. Dieses ist nur dann bedeutsam, wenn ein echter Seitenunterschied der Hauttemperatur festgestellt werden kann.

Schmerzort als Indiz

Der Ort der Schmerzen gibt Aufschluss über die ungefähre Lokalisation der Arterieneinengung, der schmerzhafte Bereich liegt dabei jeweils jenseits (unterhalb) des Durchblutungshindernisses: Verschlussprozesse in den Beckenarterien führen zu typischen belastungsabhängigen Schmerzen der Gesäß- und/oder Oberschenkelmuskulatur. Verschlussprozesse in den Oberschenkelarterien bewirken vorwiegend belastungsabhängige Schmerzen in der Unterschenkelmuskulatur. Schmerzen bei Verschlüssen der Unterschenkelarterien betreffen die Fußregion.

Auslöser: Was verursacht PAVK?

Die Periphere Arterielle Verschlusskrankheit ist zu 95 Prozent auf arteriosklerotische Gefäßveränderungen zurückzuführen, in fünf Prozent aller Fälle wird sie durch Gefäßentzündungen ausgelöst.

Die sogenannte Schaufensterkrankheit ist charakterisiert durch eine begrenzte Dickenzunahme der Arterienwandschicht infolge von Flüssigkeits- oder Fetteinlagerungen, Zunahme und Wachstum von Zellen in der Arterienwand. Diese Umbauprozesse der Arterienwand können durch genetische Information (Vererbung), Umwelteinflüsse oder individuelle Lebensgewohnheiten in Gang gesetzt werden. Durch die Zunahme der Gefäßwanddicke und fett- und kalkhaltige Ablagerungen wird der innere Durchmesser der Arterien eingeengt und der Blutfluss behindert. Der Körper kann die Folgen dieser Gefäßverengungen bis zu einem gewissen Maß dadurch abmildern, dass er neue Blutgefäße wachsen lässt, die einen Umgehungskreislauf um die Verengung bilden. Geschieht dies jedoch nicht in ausreichendem Maße, kommt es zu einer Sauerstoffmangelversorgung in dem betroffenen Gebiet.

Die Entwicklung der Arteriosklerose

Bei einer mechanischen Überbeanspruchung, etwa durch zu hohen Blutdruck, kommt es zu einer Verletzung der dünnen Blutgefäßinnenhaut (Endothel). An der Verletzungsstelle laufen Reparaturvorgänge ab, Blutplättchen und Monozyten lagern sich an. Oxidierte Fettmoleküle (LDL-Cholesterin) lagern sich bevorzugt ab und werden von Fresszellen (Makrophagen) vernichtet. Die Reaktion führt zur Entzündung in der Gefäßwand, es folgen Narbenbildung und Ablagerungen, die man als fettige Degeneration bezeichnet. Der Gefäßquerschnitt wird weiter verengt, die mechanische Belastung steigt, sodass dieser Prozess, die zunehmende Arteriosklerose immer weiter fortschreitet.

Risikofaktoren, die die Ausbildung arteriosklerotischer Arterienwandveränderungen fördern, sind:

Das inhalative Tabakrauchen ist der wichtigste Risikofaktor chronischer Gliedmaßenarterienverschlüsse. 80 bis 90 Prozent der Patienten mit dieser Erkrankung sind Raucher. Zweithäufigste Ursache stellt die Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus) dar.

Risiko für Schaufensterkrankheit stark erhöht

Innerhalb von fünf Jahren haben Personen mit einem einzigen der genannten Risikofaktoren gegenüber Gesunden ein um 1,7 bis zweifach erhöhtes Risiko, Personen mit zwei oder drei der genannten Risikofaktoren eine um das 3,3-fache beziehungsweise sechsfach erhöhte Gefahr, eine PAVK (Schaufensterkrankheit) zu entwickeln.

Diagnose von PAVK: Wie Ärzte die Schaufensterkrankheit feststellen

Zur Diagnose der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit kommen neben der körperlichen Untersuchung vor allem Oszillographie, Dopplerdruckmessung oder die Dopplerkurvenanalyse zum Einsatz.

Eine Schaufensterkrankheit kann durch körperliche Untersuchung sowie die Anwendung der mechanischen und elektronischen Oszillographie, der Dopplerdruckmessung oder der Dopplerkurvenanalyse in 95 Prozent der Fälle erkannt werden. Zur Beurteilung und Wahl möglicher Behandlungsverfahren ist der Einsatz der Duplexsonographie, in speziellen Fällen die Röntgenkontrastmitteldarstellung von Arterien, erforderlich.

Zur körperlichen Untersuchung beim Verdacht auf PAVK (Schaufensterkrankheit) gehören die Inspektion der Gliedmaßen, das Fühlen der Arterienpulse und spezielle Funktionstests.

Inspektion der Gliedmaßen bei Schaufensterkrankheit

Bei der Inspektion wird auf Zeichen eines schlechten natürlichen Umgehungskreislaufs von Gliedmaßenarterienverschlüssen geachtet. Diese Zeichen sind:

  • blasse und kühle Gliedmaßen
  • Geschwüre
  • Schädigungen der Fuß- und Handnägel, übermäßige Verhornung

Das Fühlen der Arterienpulse

Typische Orte, an denen die Gliedmaßenarterienpulse gefühlt werden können, sind die Leiste, die Kniekehle, die Innenknöchelhinterseite, der Fußrücken, die Ellenbeuge und das Handgelenk.

Das Fühlen der Arterienpulse im Bereich der genannten Regionen dient zur Feststellung der Verschlussetage. Zum Beispiel fehlt bei einem Beckenarterienverschluss der Leistenarterienpuls und bei einem Oberschenkelarterienverschluss der Kniekehlenarterienpuls.

Funktionstest: Lagerungsprobe nach Ratschow

Der Patient wird aufgefordert, in Rückenlage die Beine senkrecht aufzurichten und mit den Füßen 30 Kreisbewegungen durchzuführen. Normalerweise ist während der Fußrollübungen keine oder allenfalls eine geringe Abblassung der Fußsohle zu beobachten. Im Falle der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) tritt eine Blässe im Bereich der betroffenen Gliedmaße auf. Nach Aufrichten des Patienten und Herabhängenlassen der Beine tritt normalerweise spätestens nach fünf bis zehn Sekunden eine Rötung der Gliedmaße und nach acht bis zwölf Sekunden eine Wiederauffüllung der Gliedmaßenvenen ein. Bei Gliedmaßenarterienverschlüssen ist der Eintritt der reaktiven Hautrötung verzögert.

Apparative Untersuchungsmaßnahmen

Nicht invasive Untersuchungsmaßnahmen sind Verfahren, die für den Patienten nicht belastend und schmerzlos sind. Invasive Untersuchungsmaßnahmen sind apparative Verfahren, die für den Patienten mit einer gewissen Belastung verbunden sind.

Mechanische oder elektronische Oszillographie

Nach Aufblasen von Druckmanschetten, die sich an Ober- und Unterschenkel, den Füßen oder Ober- und Unterarmen befinden, auf Werte, die über dem systolischen Blutdruck (dem oberen Blutdruckwert) liegen, erfolgt während des langsamen, stufenweisen (20 mmHg) Ablassens des Manschettendrucks die Aufzeichnung des Pulses mittels mechanischer oder elektronischer Pulsabnehmer. Im Anschluss an diese Ruhemessung wird eine Belastungsmessung durchgeführt.

Normalerweise ist die arterielle Pulskurve durch einen steilen Anstieg mit einer spitzen Amplitude und einem zweigipflig abfallenden Schenkel charakterisiert (Abbildung). Bei der arteriellen Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) ist der Anstieg der Kurve flacher, die Höhe der Kurve vermindert. Zusätzlich ist die Zweigipfligkeit der abfallenden Kurve aufgehoben.

Dopplerdruckmessung und Dopplerkurvenanalyse

Bei der Dopplerdruckmessung wird mittels einer Blutdruckmanschette und einer Ultraschallstiftsonde der Blutdruck in den Arterien der betroffenen Extremität gemessen. Die Dopplerkurvenanalyse zeichnet die Blutflusskurve, also den Anstieg und Abfall des Blutdrucks in der Extremität bei jedem Pulsschlag auf. Die Form dieser Kurve gibt Aufschluss über das Ausmaß einer Arterienverengung.

Duplexsonographie

Die Schwarz/weiß- oder Farbduplexsonographietechnik ist ein Ultraschall-Verfahren, mit dem in einem Untersuchungsgang nicht invasiv und schmerzlos die Arterie mit eventuellen Verengungen oder Verschlüssen dargestellt werden kann und in der Arterie die Blutströmung gemessen werden kann.

Röntgenkontrastdarstellung der Arterien (Angiographie)

Die Röntgendarstellung von Gliedmaßenarterien mittels Spritzen von Kontrastmittel in das Gefäß ist vor geplanter Operation oder Aufdehnung von Arterieneinengungen oder -verschlüssen notwendig. Im Gegensatz zu den duplexsonographischen Verfahren lässt sich mit dieser Röntgenmethode das Gliedmaßenarteriensystem in seiner Gesamtübersicht sowie ein mehr oder weniger ausgeprägter arterieller Umgehungskreislauf darstellen.

Zur Untersuchung liegt der Patient auf einem Röntgentisch unter einer Röntgenröhre. Zunächst erfolgt die Punktion einer Leisten- oder Ellenbeugenarterie, um einen Katheter in das Gefäßsystem einführen zu können. Dieser Eingriff ist relativ schmerzlos, da die Ellenbeuge- oder Leistenregion zuvor mittels Spritze betäubt wird. Der Katheter wird bis zur Hauptschlagader vorgeschoben, dann erfolgt maschinell das Einspritzen von Kontrastmittel über den Katheter in das Arteriensystem. Während des Einspritzens von Röntgenkontrastmittel, bei dem der Patient ein Hitzegefühl in der betroffenen Gliedmaße verspüren kann, werden der Kontrastmittelanstrom, Kontrastmittelfüllung und der Kontrastmittelabfluss in den Arterien mithilfe des Röntgengeräts verfolgt und serienweise Röntgenaufnahmen angefertigt.

PAVK-Therapie: So wird die Gefäßverengung behandelt

Zur Therapie der PAVK kommen gezielte Bewegung, medikamentöse und operative Verfahren zum Einsatz. Die Behandlung der Schaufensterkrankheit ist durch folgende Maßnahmen möglich: Geh- und Gefäßtraining, Medikamente, Aufdehnung der Arterie mittels Ballon (Ballondilatation, PTA) und Operationen.

Geh- und Gefäßtraining gegen Schaufensterkrankheit

Dies ist die Behandlungsmethode von Gliedmaßenarterienverschlüssen im Stadium II. Ihre Ziele sind:

  • Verbesserung der Sauerstoffausschöpfung in der Muskulatur
  • Bildung von Umgehungsarterien
  • Zunahme der kleinen Gefäße im Gewebe
  • Steigerung der muskulären Ausdauerleistung
  • Erhöhung des Sauerstoffangebots im Gewebe

Das Trainingsprogramm sollte mindestens zwei- bis viermal pro Woche für die Dauer von 60 Minuten durchgeführt werden. Eine Übungsstunde umfasst vier Trainingsphasen mit folgenden Inhalten:

  • Aufwärmphase (zehn Minuten): Lockerungs-, Dehnungs- und Koordinationsübungen
  • Gehtraining (20 Minuten): belastungsorientiertes Intervallgehtraining, bei dem der Patient mit einer ansteigenden Ganggeschwindigkeit von 60 bis 150 Schritten pro Minute dreimal zwei Drittel seiner schmerzfreien Wegstrecke zurücklegt und danach eine Pause von zirka zwei Minuten einlegt. Ein Metronom, ein mechanischer oder elektronischer Taktgeber, wie ihn auch Musiker verwenden, hilft bei der Vorgabe der Schrittfrequenz.
  • Pedal-Ergometer-Training (20 Minuten): Metronomgesteuertes Pedal-Ergometer-Training mit Pausen von zwei Minuten
  • Entspannungsphase (zehn Minuten): Ballspiel, Lockerungsübung
  • Abschlussgespräch mit Trainer und Arzt

Durch ein über vier bis fünf Jahre hinweg durchgeführtes Gefäßtraining kann eine bis zu 600-prozentige Verlängerung der schmerzfreien Wegstrecke erzielt werden.

Medikamentöse Behandlung

Medikamente, die sich zur Behandlung von chronischen Gliedmaßenarterienverschlüssen eignen, sind Thrombozytenaggregations-Hemmer (Substanzen, die ein Verklumpen von Blutplättchen verhindern) und vasoaktive Medikamente (sie verbessern die Fließeigenschaft des Blutes, verbessern den Zellstoffwechsel und/oder führen zu einer Gefäßerweiterung).

Thrombozytenaggregations-Hemmer

Medikamente, die die Verklumpung von Blutplättchen und damit einem Gliedmaßenarterienverschluss vorbeugen oder diesen verhindern können, sind Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel.

In einer amerikanischen Untersuchung an 22.071 gesunden Personen (Physicians' Health Study) konnte gezeigt werden, dass unter denjenigen Personen, die jeden zweiten Tag 325 Milligramm (ASS) bekamen, erheblich weniger Gefäßoperationen durchgeführt werden mussten als bei den unbehandelten. An 240 Patienten mit chronischen Gliedmaßenarterienverschlüssen konnte gezeigt werden, dass in einem Zeitraum von zwei Jahren bei den mit Acetylsalicylsäure (990 Milligramm/Tag) behandelten Personen die Zunahme weiterer Gefäßveränderungen deutlich geringer war als gegenüber den unbehandelten (4,1 Prozent gegenüber 6,2 Prozent).

Vasoaktive Medikamente

Zu dieser Medikamentengruppe gehören die Substanzen Pentoxifyllin, Naftidrofuryl, Buflomedil, Bencyclan und Prostaglandin. Untersuchungen konnten zeigen, dass durch die Behandlung mit diesen Medikamenten die schmerzfreie Wegstrecke von Patienten mit Schaufensterkrankheit um bis zu 70 Prozent gesteigert werden konnte. Das vasoaktive Medikament, das die Substanz Prostavasin enthält, ist zur Behandlung von Patienten mit chronischen Gliedmaßenarterienverschlüssen der Stadien III und IV zugelassen. Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch Infusionen, die entweder in die Vene oder direkt in die Arterie einmal täglich gegeben werden können. Der Behandlungszeitraum beträgt zirka drei bis vier Wochen. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass bei bis zu 42 Prozent der Fälle sich die Krankheitszeichen der Stadien III und IV komplett oder teilweise zurückbildeten. Gegenüber Unbehandelten lässt sich mit Prostavasin die Amputationsrate um zirka 50 bis 70 Prozent senken. Allerdings ist der Erfolg bei Patienten mit Blutzuckerkrankheiten nicht so gut wie bei Patienten, die nicht zusätzlich an einem Diabetes mellitus leiden.

Aufdehnung von Engstellen oder Verschlüssen

Die durch Ultraschall-Untersuchung oder Kontrastmitteluntersuchung erkannten Einengungen oder Verschlüsse von Arterien können mittels Katheter, an dem sich ein Ballon befindet, aufgedehnt werden. Nicht alle Gefäßverengungen oder Verschlüsse eignen sich für dieses Behandlungsverfahren. Der Gefäßspezialist sollte hierzu unbedingt zurate gezogen werden.

Zunächst wird die Gliedmaßenarterie punktiert und über eine Kanüle ein dünner, sogenannter Führungsdraht durch die Verengung oder den Verschluss der Gliedmaßenarterie vorgeführt. Über diesen Draht wird dann der Katheter, an dessen Spitze sich ein Ballon befindet, unter Röntgendurchleuchtung vorgeschoben. Nachdem der Ballon im Bereich der Verengung oder des Verschlusses platziert wurde, wird er mittels einer Kochsalzlösung aufgedehnt. Hierbei können Schmerzen auftreten, der Dehnvorgang dauert zirka eine Minute. Nach Entleeren des Ballons lassen die Schmerzen sofort nach. In direktem Anschluss an das Aufdehnungsmanöver wird das Ergebnis durch Einbringen von Kontrastmittel in das Gefäß und Röntgen kontrolliert.

In speziellen Fällen kann es notwendig sein, dass Verkalkungen im Gefäß durch einen Katheter, der mit einem rotierenden kleinen Messer ausgerüstet ist (Atherektomiekatheter), vor der Ballondilatation abgetragen werden müssen. Im Anschluss an den Eingriff wird ein Kompressionsverband angelegt, damit es aus der Punktionsstelle nicht blutet. Eine Bettruhe von zirka 24 Stunden sollte eingehalten werden.

Mögliche Komplikationen der Ballondilatation:

  • tödlicher Zwischenfall (Häufigkeit weniger als ein Prozent)
  • Einreißen der Gefäßinnenwand (Häufigkeit zirka fünf Prozent)
  • Notfalloperation (Häufigkeit zirka zwei Prozent)

Einlage einer Gefäßstütze (Stent)

In der letzten Zeit versucht man, neben der Erweiterung von Arterienverengungen mittels Ballon sogenannte Stents (Gittergerüste) in das Gefäß einzubringen. Sie sollen ein Wiederauftreten der Gefäßeinengung an dieser Stelle verhindern. Es hat sich gezeigt, dass diese Maßnahme im Fall von Einengungen im Bereich der Beckenarterie durchaus sinnvoll ist. Werden Stents in die Oberschenkelarterie eingebracht, so ist die Gefahr des Wiederauftretens der Gefäßeinengung paradoxerweise erhöht.

Grund hierfür ist, dass im Gegensatz zur Beckenarterie die Oberschenkelarterienwand muskelfaserhaltiger ist. Durch den Druck, den das Gittergerüst von innen auf die Gefäßwand ausübt, werden die Muskelfasern in den Oberschenkelarterien zum Wachstum stimuliert, so dass diese das Gitter von außen zudrücken. Aus diesem Grund sollten auch Stents in die Kniekehlenarterie oder die Unterschenkelarterien nicht mehr eingebracht werden.

Im Anschluss an eine Ballonaufdehnung von Gliedmaßenarterienverengungen oder -verschlüssen oder nach Einbringen von Stents sollte eine Langzeit-Nachbehandlung mit Aspirin zur Verhütung erneuter Verschlüsse erfolgen, um die periphere Arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) effizient zu behandeln.

So kann man der Schaufensterkrankheit vorbeugen

Zur PAVK-Vorbeugung sollte man die Risikofaktoren für die Entstehung der Erkrankung meiden. Dazu gehört in erster Linie der Verzicht auf Zigaretten: Da das Rauchen den Hauptrisikofaktor für Schaufensterkrankheit darstellt, sollten Raucher den Nikotinkonsum unbedingt einstellen.

Zusätzlich zum Einstellen des Rauchens müssen andere PAVK-Risikofaktoren wie Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes optimal eingestellt werden, um einer arteriellen Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) vorzubeugen. Lokale Wärmeanwendungen oder Salben, die eine wärmende Wirkung haben, sind unbedingt zu vermeiden. Hierdurch wird die Blutzirkulation der Haut, aber nicht die der Muskulatur gesteigert, so dass sich die Mangelversorgung des Muskelgewebes verschlimmert. Auch Kälteeinwirkung muss vermieden werden, da diese dazu führt, dass sich die Blutgefäße an der Körperoberfläche zusammenziehen und die Durchblutung sich verringert.

Begleiterkrankungen der Schaufensterkrankheit

Zu enges Schuhwerk kann Druckstellen an den Füßen verursachen, aus denen Geschwüre entstehen können. Geschwüre können auch auf dem Boden von Fußpilz entstehen. Daher ist eine fachmännische Fußpflege durch eine Fußpflegerin notwendig. Unsachgemäße Fußpflege geht mit der Gefahr von Bagatellverletzungen einher, die beim Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit schlecht abheilen.

Die Einnahme ergotaminhaltiger (mutterkornhaltiger) Migränemittel bewirkt die Engstellung kleiner Gefäße mit der Gefahr der Verschlimmerung der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit.

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Letzte Aktualisierung: 02. August 2016

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