Erkrankungen der Wirbelsäule

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps)

Unter einem Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) versteht man eine schmerzhafte Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Gewebe aus der Bandscheibe austritt. Dieses kann auf die umliegenden Nerven drücken und löst dann die Beschwerden aus.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps)
Heftige Rückenschmerzen: Ein Bandscheibenvorfall muss nur selten operiert werden.
©2009 Getty Images

Ein Bandscheibenvorfall, medizinisch als Bandscheibenprolaps bezeichnet, ist eine Erkrankung der Wirbelsäule. Dabei tritt Gewebe aus der Bandscheibe aus und verursacht Schmerzen und Nervenstörungen.

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Die Bandscheiben liegen in der Wirbelsäule zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Sie verbinden diese miteinander und wirken gleichzeitig als elastischer Puffer, indem sie Belastungen ausgleichen und gleichmäßig auf den Wirbel verteilen. Dadurch schützen sie die Wirbelsäule vor Überlastungen.

Gesunde Bandscheibe bleibt dank Faserring in Form

Die Bandscheiben bestehen aus einem elastischen Gallertkern und einem Faserring. Der Gallertkern liegt innen und ist mit elastischem Gewebe gefüllt. Dieses Gewebe verformt sich bei Bewegungen wie ein Wasserkissen. Um den Gallertkern herum liegt der Faserring, der nur leicht elastisch ist. Dadurch behält der Gallertkern seine Form.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps): Symptome

Erstes Symptom eines Bandscheibenvorfalls (Bandscheibenprolaps) sind in der Regel starke Schmerzen. Das ausgetretene Gewebe drückt meist auf den Spinalnerv, der im Rückenmark entspringt, und das Rückenmark. Dadurch kommt es zu Schmerzen und Lähmungserscheinungen.

Lendenwirbel-Bereich am häufigsten betroffen

Am häufigsten tritt der Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf (lumbaler Bandscheibenvorfall). Es kommt dort zu akut einschießenden Schmerzen, die bis in die Beine oder Zehen ausstrahlen können. Die Schmerzen verstärken sich bei Belastung oder Druckerhöhung, etwa beim Niesen. Störungen der Sensibilität in den betroffenen Bereichen und Taubheitsgefühl sind ebenfalls Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall. Je nach Schwere kann es zu neurologischen Ausfällen und Störungen von Blase und Darm kommen. Diese äußern sich im schlimmsten Fall als Harn- oder Stuhlinkontinenz.

Der Bandscheibenvorfall tritt seltener im Bereich der Halswirbelsäule auf. Auch hier kommt es zu Schmerzen und Lähmungserscheinungen. Sie können in die Schulter-, Arm- und Nackenregion ausstrahlen.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps): Ursachen

Die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) sind Veränderungen des Faserrings, der die Bandscheiben umgibt. Wird er rissig oder durchlässig, kann Gallertgewebe aus dem Kern der Bandscheibe austreten. Dieses Gewebe drückt auf die umliegenden Regionen und verursacht Beschwerden.

Die Bandscheiben unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einem normalen Verschleiß. Dieser Verschleißprozess kann jedoch durch andauernde Fehlbelastungen der Wirbelsäule oder durch Traumata beschleunigt und verstärkt werden und einen Bandscheibenvorfall auslösen.

Bandscheibenvorfall durch Fehlbelastungen und falsche Haltung

Zu den häufigen Fehlbelastungen der Wirbelsäule gehört das Heben von schweren Gegenständen in falscher Haltung. Aber auch dauerndes Sitzen in ungünstiger Haltung, etwa im Büro oder beim Autofahren, kann die Bandscheiben schädigen und zu einem Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) führen. Seltener liegen die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall in Verletzungen der Wirbelsäule.

Neben der falschen Haltung beim Heben oder Sitzen ist starkes Übergewicht ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls. Durch Übergewicht werden die Gelenke und Knochen überproportional belastet. Das fördert den Verschleiß der Bandscheiben.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps): Therapie

Die Therapie eines Bandscheibenvorfalls (Bandscheibenprolaps) richtet sich nach seiner Schwere. Mögliche Therapiemaßnahmen sind Physiotherapie, Stufenbettlagerung, Medikamente und – nur in schweren Fällen – eine Operation. Meist werden mehrere Therapieformen miteinander kombiniert.

Physiotherapie

Häufig können die Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls schon durch eine konsequente Physiotherapie gelindert werden. Diese besteht aus verschiedenen Anwendungen, die auch kombiniert werden können. Dazu gehören:

• Wärmetherapie

• Krankengymnastik

Massagen

• Bewegungstherapie

Stufenbettlagerung

Die Stufenbettlagerung ist im Grunde eine nahezu völlige Ruhigstellung der Wirbelsäule. Sie wird beim lumbalen Bandscheibenvorfall angewendet und dauert bis zu vier Wochen. In dieser Zeit werden bei Bettruhe die Beine in einem 90-Grad-Winkel von Hüft- und Kniegelenken auf einem würfelförmigen Polster gelagert. Die Wirbelsäule wird so dauerhaft entlastet und der gereizte Nerv kann sich beruhigen. Das ausgetretene Material an der Bandscheibe trocknet langsam aus und drückt so nicht weiter auf den Nerv.

Medikamentöse Therapie

Der Einsatz von Medikamenten bei einem Bandscheibenvorfall dient in erster Linie dazu, die Schmerzen zu lindern. Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Antirheumatika mindern Schmerzen und wirken entzündungshemmend. Zur Muskelentspannung werden Muskelrelaxantien eingesetzt.

Bandscheibenoperation

Schlägt die konservative Therapie bei einem Bandscheibenvorfall nicht an, kann eine Operation notwendig sein. In akuten Fällen mit deutlichen Lähmungserscheinungen und Schmerzen wird sie ebenfalls durchgeführt. Für die Operation stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, bei denen das ausgetretene Gewebe entfernt wird.

Bei der Diskotomie wird unter Vollnarkose der ausgetretene Gallertkern entfernt. Bei diesem Verfahren besteht ein vergleichsweise hohes Risiko für Komplikationen. Es kann zu schmerzhaften Narbenwucherungen kommen, die unter Umständen eine erneute Operation erforderlich machen.

Bei der Mikrodiskotomie wird durch einen kleinen Zugang die ausgetretene Flüssigkeit entfernt. Das Risiko von Narbenwucherungen ist dabei minimal. Die am häufigsten durchgeführte Form der Mikrodiskotomie ist die Chemonukeolyse. Bei dieser wird der Gallertkern durch eingespritzte Enzyme verflüssigt und anschließend abgesaugt. Sie kann nur bei einem intakten Faserring durchgeführt werden. Bei der perkutanautomatisierten Nukleotomie wird der ausgetretene Gallertring mithilfe von Zangen entfernt. Alle Verfahren der Mikrodiskotomie können in der Regel ambulant und unter lokaler Betäubung durchgeführt werden.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps): Diagnose

Bei der Diagnose eines Bandscheibenvorfalls (Bandscheibenprolaps) wird Ihr Arzt als Erstes ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese). Anschließend folgt eine Neurologische Untersuchung, bei der Ihre Reflexe überprüft und die Bewegungsgeschwindigkeit gemessen werden. Bei Lähmungserscheinungen wird zusätzlich die Nervenleitgeschwindigkeit geprüft. Außerdem kann der Arzt mithilfe verschiedener Funktionstests prüfen, ob es sich um einen Bandscheibenvorfall handeln könnte.

Wichtiges Diagnosetool: Bildgebende Verfahren

Mithilfe von bildgebenden Verfahren können die Wirbelsäule und das Weichteilgewebe abgebildet werden. Dies ist bei der Diagnose des Bandscheibenvorfalls besonders wichtig. Deshalb kommen häufig die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) zur Anwendung. Die Gabe von Röntgenkontrastmitteln vor der Untersuchung macht zusätzlich die Nervenwurzeln und das Rückenmark sichtbar.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps): Verlauf

Ein Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) verläuft meist ohne Komplikationen. Meist werden Sie auch ohne eine Operation wieder gesund. Mögliche Komplikationen nach einer Operation lassen sich durch umfassend Rehabilitationsmaßnahmen mindern.

Rückenschule hilft, neuen Bandscheibenvorfällen vorzubeugen

Um die Prognose zu verbessern, sollten Sie sich nur maßvoll körperlich bewegen, Rückengymnastik durchführen und eine rückenschädigende Haltung beim Heben und Sitzen vermeiden. Auf diese Weise können Sie auch erneuten Bandscheibenvorfällen vorbeugen. Eine gezielte Rückenschule kann Ihnen helfen, Ihre Haltung im Alltag zu verbessern und dauerhaft beizubehalten.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps): Vorbeugen

Einem Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) können Sie durch eine gesunde Haltung und Bewegung vorbeugen. Der Verschleiß der Bandscheiben ist mit zunehmendem Alter zwar natürlich – die Bandscheiben trocken sozusagen aus. Das Risiko für einen Bandscheibenvorfall verstärkt sich jedoch durch ständiges falsches Heben und Tragen oder durch falsches Sitzen. Wenn Sie Ihre Haltung korrigieren, können Sie deshalb einem Bandscheibenvorfall vorbeugen. Im Rahmen einer Rückenschule können Sie lernen, worauf Sie im Alltag achten sollten und wie Sie richtig heben, tragen und sitzen.

Bandscheiben brauchen Bewegung

Bewegung ist ebenfalls ein sinnvoller Weg, einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Die Bandscheiben brauchen nicht nur die nächtlichen Ruhephasen, um sich zu regenerieren. Sie benötigen auch Bewegung, damit der Nährstoffaustausch mit dem umliegenden Gewebe funktioniert. Eine kräftige Rücken- und Bauchmuskulatur unterstützt die Wirbelsäule zusätzlich.

Bandscheibenvorfall: Rat und Hilfe

• Online-Informationen der EMMA Klinik Seligenstadt

• Die Bandscheibe – Informationen und Forum

Forum Gesunder Rücken – besser leben e.V.

• Konföderation der Deutsche Rückenschulen

Aktion Gesunder Rücken e.V.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. September 2011
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie: Lumbaler Bandscheibenvorfall. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 008/022 (Stand: März 2005) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO): Bandscheibenbedingte Ischialgie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/022 (Stand: April 2002) Dobos, G., Deuse U., Michaelsen, A. (Hrsg.): Chronische Erkrankungen integrativ. Konventionelle und komplementäre Therapie. Urban & Fischer, München 2006 Krämer, R., Herdmann, J., Krämer, J.: Mikrochirurgie der Wirbelsäule. Lumbaler Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose: Indikation, Technik, Nachbehandlung. Thieme, Stuttgart 2005

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