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Leukozyten

Die Leukozyten, kurz Leukos, werden nach ihrer Farbe auch weiße Blutkörperchen genannt. Denn sie transportieren, anders als die Erythrozyten, keinen roten Blutfarbstoff. Die Leukozyten sind ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr und sozusagen die "Gesundheitspolizei" im Körper.

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Leukozyten (rechts) sind die "Wächter" des Immunsystems. Der Leukozytenwert kann akute oder chronische Infektionen, aber auch Krebserkrankungen anzeigen.
iStock

Bakterielle Infektionen,  Krebserkrankungen wie Leukämie, aber auch Stress können zu erhöhten Werten führen. Liegen Virusinfekte, Blutbildungsstörungen oder bestimmte Autoimmunkrankheiten vor, können die Leukozytenwerte sinken. Leukozyten nutzen das Blut als Transportmittel und patrouillieren als Teil des Immunsystems ständig im Organismus auf der Suche nach Fremdkörpern und Krankheitserregern wie Viren, Bakterien, Pilzen, Giftstoffen, kranken oder entarteten Zellstrukturen wie Tumorzellen.

Die weißen Blutkörperchen können als "Killerzellen" in verschiedene Organgewebe eindringen und dort ihre Wächter-Funktion ausüben. Durch ihre Oberflächenstruktur erkennen die Leukozyten körperfremde Strukturen, sie können sich an sie heften, sie markieren und zerstören.

Je nach Aufgabe in der Immunabwehr werden die Leukozyten in verschiedene Gruppen eingeteilt. Zu den Leukozyten gehören:

  • dendritische Zellen
  • neutrophile  Granulozyten
  • Monozyten (Makrophagen) = Fresszellen

Die größte Gruppe der weißen Blutkörperchen bildet dabei die der neutrophilen Granulozyten (oder Neutrophile) mit einem Anteil von etwa 60 Prozent.

Im Differenzialblutbild kann die Menge der einzelnen Leukozyten-Arten genau bestimmt werden. Dazu wird ein Tropfen Blut auf einem Glasplättchen verstrichen. Unter dem Mikroskop begutachtet man dann Anzahl, Verteilung und Zustand der einzelnen Zellen.

Form, Aussehen, Lebensdauer der Leukozyten

Ein Leukozyt hat meist eine rundliche Form, je nach Art ist er zwischen sieben und 20 Mikrometer groß. Zum Vergleich: Ein rotes Blutkörperchen hat eine durchschnittliche Größe von 7,5 Mikrometer. Die Oberfläche der weißen Blutkörperchen ist je nach Aufgabe so strukturiert, dass spezifische körperfremde Strukturen erkannt, markiert oder transportiert und "entsorgt" werden können.

Gebildet werden die Leukozyten zunächst in den Stammzellen im Knochenmark. Diese Ausgangszelle erhält dann je nach Aufgabe in den Lymphknoten, in Milz, Mandeln oder Knochenmark ihre endgültige Gestalt. Lebensfähig ist ein Leukozyt zwischen wenigen Stunden und mehreren Wochen bis Monaten. Danach werden ihre Überreste im jeweiligen Gewebe abgebaut oder über die Niere mit dem Harn ausgeschieden.

Wann wird der Leukozytenwert bestimmt?

Die Leukozytenanzahl im Blut oder im Urin ist ein wichtiger Indikator für Entzündungsvorgänge im Körper und zeigt an, wie intakt das Immunsystem ist. Leukozyten können im Vollblut und im Urin bestimmt werden.

Neben der optischen Prüfung wird in Arztpraxen für einen Schnelltest in der Regel ein Teststreifen benutzt. Diese Teststreifen gibt es auch in der Apotheke für die Anwendung daheim. Damit kann man nicht nur Leukozyten, sondern auch andere Werte im Harn (wie Glukose, pH-Wert, Protein) bestimmen und kontrollieren. Solche Selbsttests dürfen jedoch nicht den Gang zum Arzt ersetzen.

Normwert für Leukozyten

Bei gesunden Erwachsenen finden sich zwischen 4.000 und 10.000 Leukozyten pro Mikroliter Blut. Bei Kindern und Heranwachsenden ist dei Leukozytenzahl deutlich höher – das Immunsystem hat während der körperlichen Entwicklung bedeutend mehr zu tun. Normal sind bei Neugeborenen bis zu 30.000, bei Schulkindern noch bis zu 15.000 pro Mikroliter Blut.

Trüber Urin durch Leukozyten

Eine geringe Menge Leukozyten im Harn ist ganz normal. Denn die weißen Blutzellen werden auch über Niere und Blase ausgeschieden. Bei extrem erhöhter Leukozytenzahl ist der Harn eingetrübt - ein deutliches Anzeichen für eine (bakterielle) Infektion von Niere oder Blase. Wird eine entsprechende Entzündung bereits mit Antibiotika behandelt, so ist der Leukozyten-Messwert im Urin ebenfalls erhöht.

Bei Männern kommt als Ursache für übermäßig viele Leukozyten im Urin auch eine Erkrankung der Prostata infrage. Bei Frauen kann es durch Scheidenausfluss zu einer hohen Konzentration kommen.

Zu viele Leukozyten im Blut

Wenn das Blutbild eine zu hohe Anzahl von Leukozyten (Leukozytose) zeigt, kann das auf eine Infektionskrankheit, Leukämie oder Entzündungen im Körper hinweisen. Auch bei sportlicher Betätigung, bei Rauchern und in der Schwangerschaft ist der Leukozytenwert erhöht. Bestimmte Medikamente können die Zahl der Leukozyten im Blut ebenfalls steigen lassen. Dazu zählen zum Beispiel kortisonhaltige Präparate oder Medikamente gegen Epilepsie.

Zu niedrige Leukozytenwerte

Sind zu wenige Leukozyten vorhanden, so nennt man das Leukopenie. Ursachen dafür können Autoimmunkrankheiten, Krebserkrankungen, Erkrankungen des Knochenmarks und Virusinfektionen sein. Schmerzmedikamente, Arzneien bei Rheuma und manche Antibiotika vermindern die Zahl der Leukozyten.

Im Rahmen einer Chemotherapie können mit Absicht Medikamente eingesetzt werden, die die Funktion des Knochenmarks ausschalten oder herabsetzen und die Leukozytenzahl damit enorm vermindern.

Wenn zu wenige Leukozyten im Blut sind, dann ist der Organismus anfälliger für Infekte in Mund, Hals, Nase, Ohren, Lunge und Haut. Zudem können die Lymphknoten anschwellen.

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Dezember 2015
Durch: sw
Quellen: Internisten im Netz: Erklärung Leukozyten http://www.internisten-im-netz.de/ abgerufen September 2015; Dr. C. Schottdorf-Timm/Prof. Dr. V. Maier: GU-Kompass Laborwerte, Gräfe Unzer 2015

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