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Analprolaps: Ursachen, Symptome und was tun?

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Ein Analprolaps tritt auf, wenn sich der Analkanal aus dem After stülpt. Zusätzlich können auch Teile des Enddarms vorfallen. Neben Hämorrhoiden gibt es eine Reihe weiterer Ursachen. Warum ein Analprolaps ärztlich behandelt und nicht selbst behoben werden sollte.

Frau sitzt mit Toilettenpapier in den Händen auf der Toilette
© methaphum – stock.adobe.com

Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten

Was ist ein Analprolaps? Vorfall des Analkanals und möglicherweise von Teilen des Darms aus dem After. In schwereren Fällen kann ein Rektumprolaps entstehen, bei dem größere Darmanteile sichtbar werden.

Wie bemerkt man einen Analprolaps? Sichtbares Heraustreten von Gewebe aus dem Anus, unangenehme Empfindungen oder Schmerzen im Analbereich sowie Blutungen oder Schleimabsonderungen sind möglich.

Was tun bei einem Analprolaps? In leichten Fällen kann eine Reposition erfolgen, dabei wird das vorgefallene Gewebe zurückgeschoben. Gelingt dies nicht, ist eine Operation erforderlich.

Vorbeugen: Belastungen und Druck auf den Analbereich vermeiden, Verstopfung durch ballaststoffreiche Ernährung und Trinken lösen, zusätzlich kann Beckenbodentraining sinnvoll sein.

Artikelinhalte im Überblick:

12 häufige Analerkrankungen und ihre Ursachen

Was ist ein Analprolaps?

Bei einem Analprolaps kommt es zu einer Ausstülpung der Analschleimhaut. Dies geschieht meist, wenn Druck auf die Analregion ausgeübt wird, zum Beispiel beim Stuhlgang (Defäkation). Tritt zusätzlich der Mastdarm aus, sprechen Fachleute von einem Rektumprolaps.

Unterscheidung der Enddarmvorfälle:

  • Analprolaps: Vorfall der Schleimhaut maximal 1 bis 2 Zentimeter, der Finger lässt sich kaum in den Analkanal einführen

  • Rektumprolaps (Mastdarmvorfall): Vorfall des Rektums bis 10 Zentimeter, der Finger lässt sich über den Schließmuskel hinein einführen

Meist tritt vor dem Prolaps ein ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden (3. und 4. Grades) auf, es kann manchmal auch zeitgleich vorkommen.

Da Frauen oft einen schwächeren Beckenboden haben als Männer, ist ihr Risiko für einen Analprolaps generell erhöht. Dies gilt insbesondere nach Geburten.

Symptome: Wie bemerkt man einen Analprolaps?

Je länger der Analvorfall besteht, desto ausgeprägter können die Symptome sein. Bleibt der Prolaps unbehandelt, kann sich als Folge der Überdehnung des Schließmuskels beispielsweise eine Inkontinenz entwickeln.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Juckreiz

  • Nässen

  • Schmerzen

  • Kontaktblutungen am Anus

  • Stuhlschmieren (auch Kotspuren in der Unterwäsche)

  • Stuhlinkontinenz

  • unvollständige Entleerung beim Stuhlgang

  • Fremdkörpergefühl

  • tastbare Ausstülpung von Gewebe am After

Nicht selten werden die ausgestülpten Anteile der Schleimhaut vom analen Schließmuskel regelrecht eingeschnürt. Ein sogenannter inkarzerierter Prolaps ist sehr schmerzhaft, zeigt rötliche Verfärbungen der Haut und kann von einem Ödem (Wasseransammlung) begleitet werden. Dieser Verlauf ist eine Notfallsituation und sollte umgehend behandelt werden, da das Gewebe absterben kann.

Grafik Analprolaps
© rob3000 – stock.adobe.com/Lifeline

Ursachen für einen Analprolaps

Es gibt einige Risikofaktoren, die mit der Entstehung eines Analvorfalls in Verbindung gebracht werden. In erster Linie sind das ein fortgeschrittenes Hämorrhoidalleiden und starkes Pressen beim Stuhlgang durch harten Stuhl und Verstopfung. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen der Auslöser nicht klar ist.

Weitere Ursachen im Überblick:

  • chronische Verstopfung (Obstipation)
  • chronischer Durchfall (Diarrhö)
  • Hämorrhoiden (Grad 3-4)
  • Schwäche des Schließmuskels (Anals­phinkter­)
  • Beckenbodenschwäche
  • Verletzungen im Analbereich
  • Entzündungen
  • Tumoren
  • angeborene Fehlbildungen
  • Bindegewebsschwäche
  • Mukoviszidose (zystische Fibrose) bei Kindern

Auch eine falsch durchgeführte Sklerosierung (Verödung) von Hämorrhoiden oder andere operative Eingriffe am Analkanal können zu einem Prolaps führen.

Therapie des Analprolaps

Die Behandlung eines Analprolaps richtet sich nach dem Schweregrad und dem Auslöser. In leichten Stadien reicht möglicherweise eine Reposition der vorgefallenen Schleimhaut aus. Dazu wird das Gewebe wieder nach innen geschoben. Eine solche Reposition sollte jedoch nur unter fachkundiger Anleitung oder durch eine*n Ärztin*Arzt erfolgen.

Ein schwerwiegender Analprolaps wird in einer Operation behoben. Durch einen chirurgischen Eingriff wird die Darmschleimhaut wieder fixiert und einem erneuten Vorfall vorgebeugt. Der Zugang erfolgt entweder über den Anus (perineal) oder den Bauch (transabdominal). Meist wird die Operation in Voll- oder Teilnarkose stationär durchgeführt.

Liegt eine Erkrankung wie vergrößerte Hämorrhoiden zugrunde, können diese durch Sklerosierung oder durch eine operative Hämorrhoidektomie entfernt werden.

Unterstützende Maßnahmen

Bei ausgeprägten Schmerzen kommen kurzzeitig schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente wie Kortison zum Einsatz. Auch kühlende Maßnahmen wie Kühlpads oder Eisfingerlinge können helfen.

Zusätzlich sollten Betroffene für weichen Stuhl sorgen, indem sie sich ballaststoffreich ernähren und ausreichend trinken. In der Folge müssen sie auch weniger stark Pressen beim Stuhlgang.

Diagnose bei Verdacht auf Analvorfall

Die richtige Anlaufstelle zur Diagnose eines Analprolaps ist die hausärztliche Praxis. Bei Bedarf können Patient*innen auch an eine proktologische Praxis überwiesen werden – diese ist auf Erkrankungen des Enddarms spezialisiert. Hier können weiterführende Untersuchungen wie eine Endoskopie des Darms oder Analkanals (Rektoskopie) erfolgen.

Zunächst werden im Rahmen der Anamnese die vorliegenden Beschwerden geklärt. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. In vielen Fällen genügt eine Blickdiagnose auf den Afterbereich. Dazu können Betroffene in Seitenlage liegen oder leicht vorgebeugt stehen. Ist der Prolaps nicht sichtbar, kann er mitunter gezielt durch Husten oder Anspannen der Bauchmuskulatur oder des Beckenbodens gezielt hervorgerufen werden.

In Einzelfällen können auch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden. Mögliche Differenzialdiagnosen zum Analprolaps sind ein Vorfall von inneren Hämorrhoiden, Marisken, Entzündungen oder ein Analkarzinom. Diese gilt es abzuklären.

Wie lässt sich einem Analprolaps vorbeugen?

Da die häufigste Ursache für den Vorfall ein ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden ist, gilt es diesem vorzubeugen. Hämorrhoiden wiederum werden oft durch Verstopfung und harten Stuhlgang begünstigt, weil Patient*innen durch starkes Pressen den Druck auf die Analregion erhöhen.

Hilfreiche Tipps:

  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (1-2 Liter pro Tag)
  • ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornbrot, Gemüse und Hülsenfrüchte
  • Flohsamenschalen können ergänzend verzehrt werden
  • tägliche Bewegung und sportliche Aktivitäten
  • Beckenbodentraining zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur
Abführende Lebensmittel: Dieses Essen fördert die Verdauung
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