Verschreibungspflichtige Schmerzmittel

Opioide: Wann und wie helfen die starken Schmerzmittel?

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Opioide gelten als die effektivsten Schmerzmittel in der Medizin. Wie wirken sie und wann setzt man sie ein? Wann sollte man sie nicht einnehmen und warum eignen sich Opioide nicht zur dauerhaften Therapie?

Frau nimmt Tablette mit Glas Wasser ein
Opioide zählen zu den stärker wirksamen, verschreibungspflichtigen Schmerzmedikamenten.
© iStock.com/Tassii

Artikelinhalte im Überblick:

Pflanzliche Alternativen zur Schmerzbehandlung

Was sind Opioide?

Opioide nennen Pharmakologen eine Gruppe von Substanzen aus natürlichen, halbsynthetischen und synthetischen Pharmaka, die Mediziner als starke Schmerzmittel nutzen. Das bekannteste Opioid ist Morphin (früher als Morphium bezeichnet), ein natürlicher Pflanzenwirkstoff, den man aus dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns herstellt. Man unterscheidet die unterschiedlichen Opioide nach ihrer analgetischen Potenz, also nach der jeweiligen Stärke ihrer schmerzhemmenden Wirkung.

Zu den schwach wirksamen (niedrig-potenten) Opioiden zählen zum Beispiel Tramadol, Dihydrocodein und Tilidin. Zu den stark wirksamen (hoch-potenten) Opioiden gehören Morphin, Buprenorphin, Oxycodon, Hydromorphon und Fentanyl. Die starken Opioide sowie einige Kombinationspräparate unterliegen wegen ihres Abhängigkeitspotenzials dem Betäubungsmittelgesetz.

Opioide kommen insbesondere bei der Schmerztherapie zum Einsatz, bei akuten starken Schmerzen oder bei chronischen Schmerzen, wenn nicht-opioide Analgetika nicht helfen. Einige Opioide dienen in der Anästhesie auch während einer Narkose zur Schmerzunterdrückung.

Körpereigene Opioide

Es gibt auch körpereigene Opioide, zu denen Endorphin gehört. Das Gehirn selbst verfügt demnach über ein endogenes Opioidsystem, das Stress, Angst und Schmerzen vermindern und zu Glücksgefühlen führen kann. Somit können wir erklären, warum wir zum Beispiel bei Stress oder Angst Schmerzen weniger empfinden. Allerdings funktioniert dieses körpereigene System nur in einem gewissen Rahmen.

Welche Schmerzmittel enthalten Opioide?

Opioide sind grundsätzlich verschreibungspflichtig (in manchen Fällen unterliegen sie dem Betäubungsmittelgesetz) und lassen sich hinsichtlich der Wirkstärke unterscheiden. Es gibt zahlreiche opioide Schmerzmittel sowie Kombinationspräparate, die Opioide enthalten.

Schwach wirksame Opiate (Beispiele):

  • Kodein
  • Tramadol
  • Tilidin

Stark wirksame Opiate (Beispiele):

  • Morphin
  • Piritramid
  • Buprenorphin

Was ist der Unterschied zu Opiaten? 

Die Bezeichnung Opiate steht für Wirkstoffe, die tatsächlich aus Schlafmohn gewonnen werden oder zumindest den natürlichen Substanzen chemisch noch sehr ähnlich sind. Sie enthalten also Opium oder Opiumalkaloide. Morphin gehört zu dieser Gruppe. Von Opioiden spricht man dagegen auch bei synthetischen oder halbsynthetischen Substanzen mit morphinähnlicher Wirkung.

Wie wirken Opioide im Körper?

Man spricht bei opioiden Schmerzmitteln auch von Opioid-Analgetika. Dazu gehören alle Schmerzmittel, die an Opioidrezeptoren wirken, indem sie den Schmerz dämpfen. Opioidrezeptoren sind körpereigene zelluläre Bindungsstellen, die sich vor allem im zentralen Nervensystem, also im Gehirn und im Rückenmark, aber auch in vielen peripheren Organen wie zum Beispiel dem Magen-Darm-Trakt befinden. Opioid-Analgetika docken an diese Rezeptoren an und aktivieren sie so. Als Folge sind die Neuronen weniger erregbar, die Nerven leiten also den Reiz – in diesem Fall den Schmerz – nur noch geschwächt weiter. Opioide wirken demnach in erster Linie auf das zentrale Nervensystem, indem sie die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzreizen hemmen beziehungsweise unterdrücken.

Wann und wie setzt man Opioide ein?

Eine Schmerztherapie mit opioiden Analgetika erfolgt häufig bei Tumorschmerzen, nach großen Verletzungen und bei Operationen, generell jedoch nur, wenn nicht-opioide Schmerzmittel nicht wirken oder nicht ausreichen. Patienten bekommen die jeweiligen Opioide entweder als Injektion oder nehmen sie zum Beispiel als Tablette, Kapsel oder Tropfen ein. Einige der Schmerzmittel stehen auch in Form von Nasensprays oder Pflastern zur Verfügung. 

Grundsätzlich sollten Ärzte möglichst niedrig potente Opioide sowie die geringste sinnvolle Dosis wählen. Auch gilt es, den Wirkstoffpegel im Blut der Betroffenen sowie eventuelle Nebenwirkungen oder Veränderungen unbedingt engmaschig zu kontrollieren.

Konzentration im Blut wichtig

Die Konzentration des Analgetikums im Blut sollte möglichst wenig schwanken, um den schmerzstillenden Effekt zu erreichen. Um einen gleichbleibend hohen Pegel zu gewährleisten, nehmen Betroffene die Medikamente daher regelmäßig und nach einem festen Zeitschema ein, beziehungsweise der behandelnde Arzt verabreicht sie nach festen Zeiten. Auch eine Anwendung mit Pflastern, die ihren Wirkstoff kontinuierlich und in der entsprechenden Menge über die Haut abgeben, ist möglich. Dies kann für Menschen sinnvoll sein, die besonders stabil eingestellt sind oder unter Kontrolle stehen, Schluckbeschwerden haben oder sehr vergesslich sind.

Schmerzen: Akut oder chronisch

Bei Unfällen oder auch großen Operationen kann es zu akuten starken bis sehr starken Schmerzen kommen. Wenn nicht-opioide Schmerzmittel hier nicht greifen oder nicht ausreichend wirken, können Opioide die richtige Variante zur Schmerztherapie sein.

Bei chronischen, nicht-tumorbedingten Schmerzen sind Opioide nur eingeschränkt wirksam. Laut Studien können sie bei chronischen Erkrankungen wie Nervenschmerzen bei Diabetes, schmerzhaftem Gelenkverschleiß, chronischen Rückenschmerzen oder nach einer Gürtelrose für bis zu drei Monate helfen. Da opioide Analgetika Nebenwirkungen haben und langfristig apathisch und sogar süchtig machen können, darf man sie jedoch nicht zur Dauermedikation benutzen. 

Bei langanhaltenden Schmerzen sind Opioide auch nicht grundsätzlich wirksamer als andere Schmerzmittel. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, verschiedene Analgetika zu kombinieren. Meist setzen Mediziner bei Langzeitschmerzen auch auf eine Kombination aus medikamentösen, physiotherapeutischen und psychologischen Maßnahmen.


Opioide bei Krebs

Bei Menschen mit bestimmten Krebsarten sind opioide Analgetika oft ein wichtiger Bestandteil der Schmerztherapie. In der Regel führen Mediziner die Schmerztherapie bei Krebs nach dem WHO-Stufenschema durch.

Schmerzstufe Eingesetztes Schmerzmittel (Analgetikum)
Stufe 1 Nicht-opioides Analgetikum
Stufe 2 Schwaches Opioid, bei Bedarf in Kombination mit nicht-opioiden Analgetika
Stufe 3 Starkes Opioid, bei Bedarf in Kombination mit nicht-opioiden Analgetika

Das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt davor, bei Krebspatienten so lange mit der Einnahme von opioiden Schmerzmitteln zu warten, bis sie es gar nicht mehr aushalten. Die Wirksamkeit sei besser, wenn man rechtzeitig mit der Therapie beginnt. Je nach Krankengeschichte und Befund verschreiben Ärzte möglichst Medikamente, bei denen der Wirkstoff erst nach und nach und sehr gleichmäßig freigesetzt wird, wie zum Beispiel sogenannte Retard-Kapseln oder auch Pflaster. 

Wogegen werden Opioide nicht empfohlen?

Laut Deutscher Ärztekammer sollte man bei folgenden Erkrankungen keine Opioide einsetzen, da sie dagegen kaum oder gar nicht wirken oder die zu erwartenden Nebenwirkungen überwiegen:

Gegenanzeigen: Kontraindikationen

Bestimmte Erkrankungen können auch sogenannte Kontraindikationen sein. Das heißt, wenn sie vorliegen, dürfen Betroffene gewisse Opioide nicht einnehmen. Das können zum Beispiel Lungen- oder Leberstörungen, ein Schädel-Hirn-Trauma sowie Alkohol- oder Schlafmittelvergiftungen sein. Auch während Schwangerschaften und Stillzeiten gibt es jeweils wichtige Einschränkungen zu beachten. Opioide haben außerdem eine immunsuppressive Wirkung. Das bedeutet, sie unterdrücken das Immunsystem, können somit das Infektionsrisiko erhöhen und sich daher für bestimmte Patienten nicht eignen.

Nebenwirkungen von Opioiden

Recht häufige Nebenwirkung bei der Einnahme von Opioiden sind Darmträgheit und Verstopfung, die meistens auch nach einer Gewöhnungsphase nicht verschwinden. Mediziner empfehlen daher präventiv oft "Hausmittel" wie Dörrpflaumen oder Leinsamen oder sie verordnen ein Abführmittel. Während der ersten Wochen der Therapie kann es auch zu Übelkeit, Müdigkeit oder Schwächegefühlen kommen. Seltener sind Juckreiz oder Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Schwindel.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Verstopfung
  • trockener Mund
  • Müdigkeit, Schwächegefühl
  • Juckreiz
  • Abfall von Herzfrequenz und Blutdruck
  • vermehrtes Schwitzen
  • geringes sexuelles Lustempfinden
  • Menstruationsstörungen

Darf man bei einer Opioid-Therapie Autofahren?

Ob man während einer Behandlung mit opioiden Analgetika Autofahren kann, sollte man im Einzelfall immer mit dem behandelnden Arzt besprechen. Fest steht, dass diese Schmerzmittel die komplexe sensorisch-motorische Leistungsfähigkeit der Betroffenen beeinträchtigen können. Das bedeutet, dass das Steuern von Maschinen sowie das Fahren von Fahrzeugen eventuell nicht mehr so gewährleistet ist, wie ohne Medikation.

Abhängigkeit: Machen Opioide süchtig?

Bei einer Behandlung mit Opioiden, die länger als vier Wochen andauert, kann eine körperliche Abhängigkeit (Gewöhnung) entstehen. Dies bedeutet jedoch noch nicht, süchtig zu sein. Opioide haben neben der Schmerzhemmung auch eine angstlösende und stimmungsaufhellende Wirkung. Sie lässt allerdings bei einer längerfristigen Einnahme nach. So kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen. Wenn der Betroffene das Medikament schließlich absetzt, fehlt dem Körper die Unterstützung seiner Psyche von außen und es kann zu psychischen Entzugserscheinungen kommen.

Hier ist wichtig, dass die Einnahme, die Dosierung wie auch das Absetzen von Opioiden unter ständiger ärztlicher Kontrolle stattfinden, um ein eigenständiges Nachdosieren und somit eine Sucht zu verhindern. Aufgrund der Nebenwirkungen und der Möglichkeit, eine Sucht zu entwickeln, sind Opioide außer bei der Krebstherapie nicht zur Dauermedikation geeignet. 

Opioide: Gibt es Entzugserscheinungen?

Setzen Schmerztherapeuten Opioide ab, geschieht dies schrittweise, um mögliche Entzugserscheinungen zu mindern. Und doch kann es zu körperlichen Reaktionen wie Schweißausbrüchen oder Frieren, seltener auch zu Durchfall oder Erbrechen kommen. Schwieriger als der körperliche Entzug ist jedoch meist der psychische. Opioide können für einen besseren Schlaf sorgen, die Stimmung aufhellen und entspannen. Fehlen dem Betroffenen die Wirkstoffe, kann es zu Schlafschwierigkeiten oder auch zu depressiven Stimmungen kommen.

Überdosierung: Atemstillstand durch Opioide?

Bei starker Überdosierung beziehungsweise Missbrauch von Opioiden kann es zur gefürchteten Opioidvergiftung (Opioidintoxikation) kommen. Sie führt zu einem Abfallen von Blutdruck und Puls, eventuell zu einer Atemdepression, die bis hin zu einem lebensbedrohlichen Atemstillstand gehen kann. Auch Bewusstseinsstörungen und eine auffallende Engstellung der Pupillen sind Merkmale einer starken Überdosierung. Solche Überdosierungen kennt man beispielsweise bei Suchtpatienten, die Heroin und Opium unkontrolliert zu sich nehmen. Dies sind bekannte Rauschmittel, die ebenfalls in die Gruppe der Opioide gehören.

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