Lebensnotwendige Versorgung durch parenterale Ernährung

Parenterale Ernährung ist eine Art der künstlichen Ernährung, die bei schwer kranken Patienten zum Einsatz kommt. Sie sorgt dafür, dass der Betroffene lebensnotwendige Nährstoffe erhält, ohne den Magen-Darm-Trakt zu passieren. Aber wann muss man künstlich ernährt werden?

Parenterale Ernährung
Bei einer kurzzeitigen parenteralen Ernährung kann der Patient über eine Verweilkanüle ernährt werden.
©iStock.com/CaroleGomez

Eine regelmäßige und ausgewogene Aufnahme von Wasser, Energie und Nährstoffen ist essenziell für die menschliche Gesundheit und Lebensqualität. Ist der Patient nicht mehr in der Lage, Nahrung selbst aufzunehmen, drohen ein unkontrollierter Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Die Folge: Er muss künstlich ernährt werden. Aber auch Patienten mit bereits bestehender Mangelernährung können von einer künstlichen Ernährung profitieren, indem diese als lebenserhaltende Maßnahme dient und die Gesundheit wiederherstellen kann.

Besonders häufig sind Patienten nach schwerwiegenden Operationen auf die künstliche Zufuhr von Nährstoffen angewiesen. Ebenso gelten gravierende Störungen des Magen-Darm-Trakts und ungewollter Gewichtsverlust als Folge von Krebserkrankungen, Aids oder Autoimmunerkrankungen als Indikationen. Darüber hinaus zählen alte Menschen, chronisch Erkrankte und Krebspatienten häufig zu den künstlich Ernährten.

Da das heutige Wissen über den Nährstoffverbrauch, Veränderungen des Stoffwechsels und spezifische Gegebenheiten von Patienten mit verschiedenen Krankheiten und Krankheitsstadien sehr groß ist, wirkt sich eine künstliche Ernährung positiv auf die Heilungschancen der Erkrankten aus. Je nach Krankheit und deren Ausprägung werden unterschiedliche Arten von künstlicher Ernährung verordnet: enterale oder parenterale Nahrungszufuhr. 

Wie funktioniert die parenterale Ernährung?

Bei einer parenteralen Ernährung werden Nährstoffe direkt in die Blutbahn des Patienten eingebracht. Das heißt, sowohl der Mund-Rachen-Raum als auch der Magen-Darm-Trakt werden umgangen. Das ist zum Beispiel dann notwendig, wenn Magen oder Darm nicht in der Lage sind, die Nahrung zu verarbeiten, etwa bei einem Tumor, einer Verengung im Darmtrakt oder einem sogenannten Kurzdarmsyndrom. Wird der Patient ausschließlich parenteral ernährt (totale parenterale Ernährung), muss der Arzt sicherstellen, dass die Nährstoffe reichlich, richtig zusammengesetzt und nicht überdosiert verabreicht werden. Der Tagesbedarf muss an den des Patienten angeglichen sein. Dabei gibt es eine Vielzahl an zusammengesetzten Infusionslösungen. Darin enthalten sind:

  • Proteine in Form von Aminosäuren; Zucker (Glukose) und Fett

  • Spurenelemente wie Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Molybdän, Chrom, Selen, Jod und Fluor

  • Vitamine: Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E, Vitamin K, Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B6 (Pyridoxin), Niacin, Pantothensäure, Biotin, Folsäure, Vitamin B12 (Cyanocobolamin) und Vitamin C

Es gibt sogenannte Fertigarzneimittel, die industriell hergestellt werden und standardisierte Mengen an Inhaltsstoffen beinhalten. Demgegenüber stehen individuell hergestellte parenterale Präparate, auch Bausteinlösungen genannt, mit denen der genaue Patientenbedarf verabreicht werden kann. Der Arzt kann Inhaltsstoffe weglassen oder hinzufügen. Der Nachteil ist, dass sie teurer und beim Mischen anfällig für Verunreinigungen (Kontaminationen) sind.

Wie wird man künstlich ernährt?

Die Lösung wird über einen Venenzugang in die Blutbahn eingebracht. Je nach Dauer der künstlichen Ernährung und Konzentration des Inhalts können verscheiden Arten von Venenzugängen gewählt werden:

  • Ernährungsdauer 5 bis 7 Tage und niedrige Konzentration: Mit einer Verweilkanüle können verschiedene periphere Venen (Venen, die nah an der Hautoberfläche liegen) als Zugang dienen. Das ist oft nur dann möglich, wenn der Patient anteilig Nahrung anderweitig aufnehmen kann. Dazu eignen sich die Vena subclavia (Vene am Schlüsselbein), die Vena jugularis interna (Halsvene) und die Vena basilica (Ellenbeuge).

  • Ernährungsdauer länger als 7 Tage mit hoher Konzentration: Ein zentraler Venenkatheter sorgt dafür, dass dauerhaft große Mengen an Nährstoffen in die Blutbahn gelangen. Dazu eignen sich besonders die Vena subclavia (Vene am Schlüsselbein), die Vena jugularis interna (Halsvene) und die Vena basilica (Ellenbeuge). Der Katheter muss unter strengen sterilen Bedingungen angebracht und gepflegt werden. Er sollte aus Teflon, Polyethylen, Polyurethan oder Silikonkautschuk bestehen und muss nach etwa 7 Tagen ausgewechselt werden.

  • Muss langfristig künstlich ernährt werden, kommen sogenannte Hickman-Broviac-Katheter oder Portsysteme in Frage. Ein Portkatheter wird operativ unter die Haut oder auch selten in die Bauchhöhle implantiert, um einen Zugang zum Blutsystem zu erlangen. Er kann aus einer oder mehreren Kammern bestehen. Von den Kammern aus verläuft ein dünner Schlauch zur Vene. Mit einer eigens dafür genutzten Spritze kann die Lösung von außen in die Kammern injiziert werden.

Was ist der Unterschied zwischen der enteralen und parenteralen Ernährung?

Grundsätzlich gilt, dass eine parenterale Ernährung die letzte Instanz ist. Kann der Patient anderweitig Nahrung aufnehmen, beispielsweise über enterale Ernährung, so wird diese vorgezogen. Häufig ergänzen sich beide Formen der künstlichen Ernährung.

Im Gegensatz zur parenteralen Ernährung wird bei der enteralen Ernährung der Magen-Darm-Trakt genutzt. Die Nährstoffkombinationen werden unterhalb der Mundhöhle, etwa mittels einer Magensonde verabreicht. Die Sonde, ein flexibles Kunststoffröhrchen, wird in den meisten Fällen durch die Nase zum Magen geführt, also transnasal. Seltener wird das Röhrchen in einer Operation durch die Bauchdecke mit einer PEG-Sonde verlegt. Etwa dann, wenn der Nasen-Rachen-Raum zu eng oder verletzt ist. Wenn Patienten starke Schluckbeschwerden haben, können sie auch hochkalorische Trinknahrung zu sich nehmen.

Im Vergleich zur parenteralen Ernährung ist die enterale günstiger und risikoärmer, da die Kontaminationsgefahr geringer ist. Zusätzlich ist sie einfach zu verabreichen und hält die Funktion der Magen- und Darmschleimhaut aufrecht. Das Ziel der künstlichen Ernährung ist immer der Weg zurück zur oralen Nahrungsaufnahme. Ist ein total-parenteral ernährter Patient auf dem Weg der Besserung, können auch beide Methoden zum Einsatz kommen. Es gibt folgende Möglichkeiten:

  • ausschließliche parenterale Ernährung
  • überwiegend parenterale Ernährung und minimal enterale Ernährung
  • teilweise parenterale und teilweise enterale Ernährung
  • komplette enterale Ernährung
  • enterale und minimal orale Ernährung
  • teilweise enterale und orale Ernährung

Ambulante künstliche Ernährung?

Nicht nur Patienten auf einer Intensivstation oder während eines stationären Aufenthalts in einem Krankenhaus können künstlich ernährt werden. Seit den 1970er Jahren steht auch eine ambulante enterale oder parenterale Ernährung zur Verfügung. Das heißt Patienten können zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen auf eine künstliche Nahrungszufuhr zurückgreifen. Dabei werden bei der enteralen Ernährung PEG-Sonden gesetzt, die regelmäßig gesäubert und kontrolliert werden müssen.

Bei der heimischen parenteralen Ernährung muss ein Katheter oder ein implantiertes Portsystem gewählt werden, das die wenigsten Komplikationen mit sich bringt und einfach zu bedienen ist. Auch dieses muss regelmäßig von ausgebildeten Pflegekräften begutachtet werden. Betroffene, Angehörige und geschultes Pflegepersonal haben bei der Pflege der Zugangswege besonders auf Hygiene zu achten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin fasst alle umfangreichen Kriterien einer ambulanten künstlichen Ernährung in einer Leitlinie für Ärzte zusammen.

Rechtliche Situation bei künstlicher Ernährung

Rechtlich gesehen kann niemand zu einer künstlichen Ernährung gezwungen werden. Ist der Patient nicht mehr entscheidungsfähig, übernimmt sein Bevollmächtigter diese Aufgabe. Oft ist eine künstliche Ernährung bei älteren und sich im Sterbeprozess befindenden Patienten nötig. Hier muss entschieden werden, ob die künstliche Zufuhr von Nährstoffen mit einer Steigerung der Lebensqualität einhergeht oder ob damit der unausweichliche Tod künstlich verlängert wird. Geschieht künstliche Ernährung gegen den Willen des Patienten, zählt dies als Körperverletzung.

Bevollmächtigte, in den meisten Fällen Verwandte, sind emotional stark betroffen und wollen den Patienten nicht verhungern oder verdursten lassen. Wenn aus medizinischer Sicht aber keine künstliche Nahrungszufuhr mehr notwendig ist, darf sie auch nicht erfolgen. Diese Situation kann für alle Beteiligten schwierig werden. Ein intensives Arzt-Angehörigen-Gespräch kann helfen, Klarheit zu schaffen und nochmals die Ziele und den Nutzen vor Augen zu führen.

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