Druckgeschwüre

Dekubitus (Wundliegen): Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung

Zuerst wird die Haut rot, dann entstehen Schäden am Gewebe, die sich bis zum Knochen "durchfressen" können: Dekubitus entsteht vor allem durch langes Liegen und ist schwer zu behandeln. Besser ist, den Druckgeschwüren vorzubeugen. Die wichtigsten Fakten über das Wundliegen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Pflege einer älteren Dame im Bett
Vor allem Senioren und Kranke, die sich wenig bewegen können, haben ein hohes Risiko für Dekubitus, also Druckgeschwüre und Wundliegen. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern.
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Bettlägrige Patienten sind besonders gefährdet, Dekubitus zu entwickeln. Dementsprechend sind laut Robert-Koch-Institut vor allem Menschen betroffen, die lange liegen müssen – die also auf der Intensivstation oder in einer Pflegeeinrichtung untergebracht sind.

Lange wurde das weit verbreitete Wundliegen in Alten- und Seniorenheimen wenig beachtet. Erst eine Reihe von Pflegeskandalen rückte das Problem Dekubitus ins Licht der Öffentlichkeit. So traten noch in den 1980er Jahren bei 35 Prozent der Intensivpatienten Druckgeschwüre auf, in Altenheimen wurden zu dieser Zeit rund 20 Prozent der Bewohner Opfer des Dekubitus.

Jährlich 400.000 neue Fälle von Dekubitus

Seitdem hat sich die Situation zwar merklich gebessert. Schätzungen – genaue Zahlen gibt es nicht – gehen aber davon aus, dass jährlich rund 400.000 neue Fälle von Dekubitus dazukommen. 30 Prozent der Patienten in der ambulanten Pflege und 50 Prozent der Bewohner von Altenheimen haben noch immer ein erhöhtes Risiko für Druckgeschwüre und Wundliegen. Das Gefährliche an Dekubitus: "Es können Infektionen entstehen, die zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen", warnt Norbert Matscheko, Direktor der Bayerischen Pflegeakademie.

Übersicht:

Dekubitus: Die besten Maßnahmen gegen Wundliegen

Gradeinteilung des Dekubitus

Je nach Ausprägung der Schädigung wird Dekubitus international in vier Grade eingeteilt:

  • Grad 1: Klar definierte, gerötete Hautstelle. Die Rötung verschwindet auch dann nicht mehr, wenn für zwei Stunden kein Druck auf der Region lastet.

  • Grad 2: Es bilden sich Blasen und kleine Hautschäden, die Haut wird an dieser Stelle nicht mehr durchblutet.

  • Grad 3: Haut und Gewebe sind bis in die Tiefe geschädigt. Das Gewebe stirbt langsam ab.

  • Grad 4: Es bilden sich Löcher. Haut, Gewebe und Knochen sind geschädigt und teilweise abgestorben.

Besonders gefährdete Stellen

Dekubitus und andere chronischen Wunden bilden sich vor allem an Stellen, wo zwischen Haut und darunter liegendem Knochen wenig Muskeln und Fett vorhanden sind. Besonders gefährdet sind auch Stellen mit Knochenvorsprüngen. Je nachdem, in welcher Position sich der Mensch die meiste Zeit befindet, haben folgende Körperregionen ein erhöhtes Risiko für Dekubitus:

  • beim Liegen auf der Seite: Wangenknochen, Ellenbogen, Hüfte, Knie, kleiner Zeh

  • beim Liegen auf dem Rücken: Hinterkopf, Schulterblatt, Steißbein, Ferse

  • im Sitzen: Steißbein und Ferse

Wie kommt es zum Dekubitus?

Der bedeutendste Auslöser für Wundliegen ist Immobilität. Lastet ständig Druck auf bestimmten Hautregionen, können die winzigen Kapillaren, also die kleinsten Blutgefäße in der Haut, die Region nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Besteht dieser Druck über Stunden, kommt es zu Sauerstoffmangel und einzelne Zellen sterben ab. Je häufiger und länger dieser Druck die Mikrozirkulation drosselt, desto größer wird das Ausmaß der Zellschädigung: Dekubitus entsteht.

Druck plus Zeit plus Scherkräfte

Die ausschlaggebenden Faktoren sind also Druck und Zeit. Dabei gibt es in Zusammenhang mit Dekubitus zwei unterschiedlich Formen von Druck:

  • Druck von außen: harte Unterlage, Falten in der Bettwäsche oder der Kleidung

  • Druck von innen: Knochen drückt von unten auf die Haut.

Beide Dekubitus-Risikofaktoren verstärken sich gegenseitig. Eine weitere Rolle spielen Scherkräfte. Sie entstehen beim Umdrehen und Ziehen an der Haut. Dabei verschieben sich die Hautschichten gegeneinander. Das beeinträchtigt ebenfalls die Blutzirkulation.

Risikofaktoren für Wundliegen

Dekubitus ist kein zwangsläufiges Schicksal von alten und immobilen Menschen. Es gibt eine ganze Reihe von zusätzlichen Risikofaktoren, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. Dabei handelt es sich vor allem um Krankheiten, die den Stoffwechsel beeinträchtigen und/oder mit Immobilität einhergehen sowie zu schlechter Durchblutung führen. Einige Beispiele:

Therapie bei Dekubitus

Je nach Grad des Dekubitus richtet sich auch die Behandlung. Auf jeden Fall muss ein Arzt hinzugezogen werden. In der Praxis sieht es jedoch meist so aus, dass Pflegekräfte die Dekubitusversorgung übernehmen.

Abgesehen vom Dekubitus-Grad lautet das oberste Gebot, für umfangreiche Druckentlastung zu sorgen. Dies funktioniert mit speziellen Lagerungstechniken, Kissen und Keilen. Handelt es sich um Grad 1 des Dekubitus, kann oft schon diese Entlastung dazu führen, dass die Rötung verschwindet. Darüber hinaus sollte der Patient so weit wie möglich bewegt werden, um die Blutzirkulation in der Haut anzuregen.

Maßnahmen und Behandlung bei Dekubitus je nach Grad

Zusätzlich sind abhängig von der Ausprägung des Dekubitus ein professionelles Wundmanagement und Schmerztherapie nötig. Dazu gehören je nach Dekubitus-Grad:

  • Grad 1: Druckentlastung plus Hautpflege mit Pflegemitteln auf Basis von Wasser-Öl-Emulsionen

  • Grad 2: Wunde spülen mit speziellen Lösungen, abdecken mit Hydrokolloidverband (feuchte, fest abschließende Wundauflage), eventuell Antibiotikatherapie

  • Grad 3: Je nach Wundausprägung trockene oder feuchte Wundversorgung, eventuell Behandlung mit Antibiotika

  • Grad 4: chirurgische Entfernung von Nekrosen, falls möglich Hauttransplantation, Wunddrainage, spezielle Verbände

Allerdings ist die Behandlung von Dekubitus langwierig und schwierig. Besser ist es deshalb, die chronischen Wunden von vornherein zu verhindern. Dabei hilft eine spezielle Dekubitus-Prophylaxe.

Dekubitus vorbeugen: Umlagern, Mobilisation und Hautpflege

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"Neben Druckentlastung und Bewegungsförderung ist Positionswechsel wichtig zur Vermeidung von Dekubitus," sagt Experte Norbert Matscheko. So ist etwa die 30-Grad-Lagerung, also nur halb auf der Seite, ein gute Alternative zu Rücken- und Seitenlagerung. Auch die Mikrolagerung ist sinnvoll. Dabei wird der Patient nur sanft und minimal bewegt. Trotzdem lässt sich damit Wundliegen in vielen Fällen vermeiden.

Gerollte Kissen und Handtücher sorgen für Druckentlastung

Gefaltete oder gerollte Handtücher, Decken sowie Kissen können gezielt gefährdete Regionen entlasten, etwa die Fersen. Matratzen oder Auflagen mit Wechseldruck, bei denen Teile unterschiedlich mit Luft aufgepumpt werden und dadurch immer neue Körperregionen ent- und belastet werden, spielen bei der professionellen Dekubitus-Vorbeugung ebenfalls eine große Rolle. "Bei der Pflege von bettlägerigen Menschen zu Hause ist eine druckverteilende Matratze oder – für Patienten, die im Rollstuhl sitzen –, eine druckverteilende Auflage sinnvoll", sagt Pflegefachmann Matscheko. Die Produkte gibt es in Sanitätsfachhäusern zu kaufen.

Sanfte Hautpflege ohne Rubbeln und Reiben

Zur Hautpflege von pflegebedürftigen Personen eignen sich vor allem Produkte auf Basis einer Wasser-in-Öl-Emulsion. Pflegemittel für Dekubituspatienten sollten ph-neutal und parfumfrei sein.

Das Einreiben mit aggressiven, alkoholhaltigen Hautpflegeprodukten ist nach neuesten Pflegemaßstäben weniger sinnvoll. Sie können die Haut austrocknen. Allerdings spielt Hautpflege eine kleinere Rolle, als allgemein vermittelt wird, weiß Norbert Matscheko. "Sicher ist geeignete Hautpflege wichtig. Wenn der Druck kommt, nutzt jedoch auch die beste nichts", stellt der Dekubitusexperte fest.

Die Prophylaxe des Wundliegens ist also nicht ganz einfach. Am besten erlernen pflegende Angehörige die Basis in einem Kurs, wie ihn etwa viele Krankenkassen anbieten. Zusätzliche Unterstützung bieten Pflegeberater, die auch ins Haus kommen und individuelle Tipps geben, zugeschnitten auf die persönliche Situation des Pflegebedürftigen und dessen Angehörige.

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