Bakterien im Knochenmark

Osteomyelitis: Vier Formen der Knochenmarkentzündung

Osteomyelitis ist eine Entzündung des Knochenmarks, die sich zudem auf den Knochen und die Knochenhaut ausdehnen kann. Die Osteomyelitis äußert sich meist durch Schmerzen im betroffenen Knochen oder Gelenk. Die Ursache der Knochenmarkentzündung sind häufig Bakterien, vor allem Staphylokokken. Die Keime geraten entweder von außen über die Blutbahn ins Knochenmark oder breiten sich von einem bestehenden Infektionsherd dorthin aus, etwa den Mandeln. Die Knochenmarkentzündung wird mit Antibiotika behandelt.

Frau mit Laborproben
Eine Blutanalyse liefert Hinweise auf den Erreger, der hinter der Osteomyelitis steckt.
(c) George Doyle

Osteomyelitis ist eine Knochenmarkentzündung, die sich auf den gesamten Knochen (Osteitis) und die Knochenhaut (Periostitis) ausbreiten kann. Die Ursache der Knochenmarkentzündung ist meist eine Infektion mit Bakterien, am häufigsten mit dem Keim Staphylococcus aureus. Seltener sind Viren oder Pilze die Verursacher. Oft entsteht die Knochenmarkentzündung nach Verletzungen, etwa einem Unfall oder einer Operation, wenn die Erreger von außen eindringen und über die Blutbahn zu den Knochen gelangen. Aber auch bestehende Infektionen an einer anderen Stelle des Körpers können eine Osteomyelitis hervorrufen, wenn sich die Erreger in Richtung der Knochen ausbreiten.

Ärzte unterscheiden mehrere Formen der Osteomyelitis, darunter eine akute und chronische Variante. Auch auf welchem Weg die Erreger zu den Knochen gelangen, spielt für die Einteilung eine Rolle. Das häufigste Osteomyelitis-Symptom sind Schmerzen. Die Knochenmarkentzündung muss schnell mit Antibiotika behandelt werden, damit sie nicht chronisch wird.

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Osteomyelitis-Symptome – Schmerzen im Vordergrund

Die Symptome einer Osteomyelitis können ganz unterschiedlich sein. Sie hängen unter anderem davon ab, ob Bakterien die Verursacher der Knochenmarkentzündung sind und ob sie akut oder chronisch verläuft.

Akute Osteomyelitis

Die akute Osteomyelitis geht in der Regel mit schweren, sehr allgemeinen Symptomen einher. Beispiele sind:

  • Fieber, Schüttelfrost
  • Schmerzen im Infektionsgebiet
  • Druckschmerz, Schwellung, Rötung und Übererwärmung des betroffenen Knochens

Meist ist die Körpertemperatur nur wenig erhöht, das Gelenk leicht erwärmt. Die Patienten klagen eher über Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Manchmal tritt über einen Verbindungskanal durch die Haut, eine sogenannte Fistel, Sekret aus. Bei einer chronischen Knochenmarkentzündung oder bei Erwachsenen sind die Symptome weniger stark ausgeprägt – außer im akuten Schub.

Nicht-bakterielle Knochenmarkentzündung

Bei der Osteomyelitis, die nicht nur von Bakterien verursacht wird, fehlen solche allgemeinen Symptome. Das wichtigste Symptom sind Schmerzen in mehreren Körperregionen. Auch eine Schwellung und Überwärmung, die örtlich begrenzt ist, kann auftreten. Bei dieser rheumatischen Form der Knochenmarkentzündung finden Ärzte manchmal Hautveränderungen wie bei einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder Akne.

Ursachen und Formen der Osteomyelitis

Prinzipiell können Bakterien die Knochen auf zwei Wegen erreichen: Entweder dringen sie von außen ein, etwa über eine Wunde oder bei einer Operation, und infizieren das Knochenmark direkt. Oder sie breiten sich von einem bestehenden Infektionsherd im Körper über die Blutbahn auf die Knochen und das Knochenmark aus.

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In etwa 80 Prozent aller Osteomyelitis-Fälle ist Staphylococcus aureus das auslösende Bakterium. Aber auch Streptokokken, Haemophilus influenzae, Pseudomonas aeruginosa, Salmonellen, Mycobacterium tuberculosis und Escherichia coli können die eitrige Knocheninfektion hervorrufen. Seltener sind Viren oder Pilze die Osteomyelitis-Ursache. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für eine Knochenmarkentzündung, zum Beispiel die Zuckerkrankheit Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem. Mediziner unterschieden verschiedene Formen der Osteomyelitis.

Akute endogene Osteomyelitis

Bei der akuten hämatogenen Osteomyelitis werden Bakterien aus einem anderen Infektionsherd im Körper in das Knochenmark gespült und infizieren es. Dies kann zum Beispiel eine Mandelentzündung oder eine Harnwegsinfektion sein. Die Erreger sind also schon im Körper vorhanden. Deshalb heißt diese Form auch endogene Knochenmarkentzündung.

Die endogene Osteomyelitis tritt meist bei Kindern und Jugendlichen auf. Ärzte kennen drei Altersgipfel: in den ersten beiden Lebensjahren, mit fünf und mit 18 Jahren. Jungen sind anfälliger als Mädchen. Zudem sind der Oberschenkelknochen (Femur) und der Schienbeinknochen (Tibia) häufiger betroffen als andere Röhrenknochen. Die Gründe dafür sind unklar. Im Erwachsenenalter sind Männer auch wieder stärker gefährdet als Frauen. In dieser Lebensphase kann die Knochenmarkentzündung zusätzlich zu den Röhrenknochen die Wirbelsäule betreffen.

Besonders gefürchtet ist die Säuglingsosteomyelitis, die beispielsweise durch eine Nabelschnurinfektion oder Lungenentzündung (Pneumonie) ausgelöst wird. Es besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis). Eine Osteomyelitis bei kleinen Kindern kann bedeuten, dass die Knochenrinde durchlöchert wird und sich der Infekt entlang der Knochenhaut ausbreitet – dann stirbt das darunter liegende Knochengewebe ab. Bei Erwachsenen kommt diese Form der Osteomyelitis eher selten vor.

Akute exogene Osteomyelitis

Bei der akuten exogenen Osteomyelitis tritt die eitrige Entzündung des Knochenmarks nach einem offenen Knochenbruch (Fraktur) oder einer Operation am Knochen auf. Der Erreger wird also von außen (exogen) eingeschleppt und gelangt nicht über die Blutbahn in den Knochen.

Primär-chronische Osteomyelitis

Bei der primär-chronischen Osteomyelitis haben sich die Bakterien ursprünglich über das Blut im Körper ausgebreitet. Das körpereigene Immunsystem konnte die Erreger zwar in Schach halten, aber nicht erfolgreich beseitigen. In der Folge entsteht ein Abszess im Knochen (Brodie-Abszess) oder die Knochenrinde verhärtet sich (Sklerosierung). Die auslösenden Bakterien sind meist nicht nachweisbar.

Sekundär-chronische Osteomyelitis

Bei der sekundär-chronischen Osteomyelitis wurden die Erreger von außen in das Gelenk oder den Knochen eingeschleppt und haben sich dort angesiedelt. Dadurch verursachen sie entzündliche Schübe und eitrige Fisteln.

Andere Osteomyelitis-Formen

Daneben gibt es rheumatische Osteomyelitis-Formen, die nicht durch eine Infektion mit Bakterien bedingt sind. Eine wichtige Sonderform ist die chronisch rekurrierende (wiederkehrende oder rezidivierende) multifokale Osteomyelitis (CRMO), die vornehmlich im Kindes- und Jugendalter auftritt und häufig mit einer Autoimmunerkrankung verbunden ist.

So läuft die Diagnose der Osteomyelitis ab

Zur Diagnose einer Osteomyelitis setzen Ärzte verschiedene Verfahren ein. Diese sind bei allen Formen der Osteomyelitis gleich.

Anamnese – diese Fragen stellt der Arzt

Der Arzt erhebt zunächst die Krankengeschichte, um Hinweise auf einen bestehenden Infektionsherd zu bekommen. Er fragt zum Beispiel, ob eine Mandelentzündung (Tonsillitis), Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Zahnwurzelentzündung oder die Entzündung einer Talgdrüse (Furunkel) bekannt ist. In Kombination mit den geschilderten Beschwerden erhält der Arzt erste Hinweise darauf, ob eine endogene Osteomyelitis vorliegen könnte. Hatten Sie kürzlich eine Gelenkoperation oder wurden Arm oder Bein durch einen Unfall verletzt, spricht dies eher für eine exogene Osteomyelitis.

Blutuntersuchung und Gelenkpunktion

Eine Blutuntersuchung zeigt, ob bestimmte Entzündungswerte erhöht sind. Zudem lässt sich der Erreger isolieren und identifizieren, was für die Wahl des richtigen Antibiotikums wichtig ist. Dies gelingt auch durch eine Gelenkpunktion, bei der ein Arzt Gelenkflüssigkeit mithilfe einer dünnen Nadel entnimmt.

Bildgebende Verfahren

Zudem setzen Ärzte bildgebende Verfahren ein, um den Ort und das Ausmaß der Knochenmarkentzündung genauer zu bestimmen. Dazu gehören:

  • Ultraschalluntersuchung: Nachweis des Abszesses (eitrige Entzündung) oder Gelenkergusses

  • Szintigraphie: vor allem bei akuter hämatogener Osteomyelitis

  • Magnetresonanztomographie (MRT = Kernspintomographie): Ein MRT hilft vor allem, die Knochenmarkentzündung von einem Ewing-Sarkom abzugrenzen, einer sehr bösartigen Form von Knochenkrebs. Diese Krebsart betrifft hauptsächlich Kinder und Jugendliche, wuchert sehr schnell, streut in andere Organe und bildet Absiedelungen (Metastasen). Außerdem lassen sich Knochenveränderungen im MRT früher nachweisen als im Röntgenbild.

  • Röntgenuntersuchung: im Spätstadium, wenn bereits knöcherne Veränderungen vorliegen

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Behandlung bei Knochenmarkentzündung

Die Behandlung der Osteomyelitis ist extrem wichtig! Es kann eine lebensgefährliche Blutvergiftung drohen, wenn sich die Erreger über die Blutbahn ausbreiten. Bei Kindern bis zum zweiten Lebensjahr besteht zudem die Gefahr, dass Bakterien die Gelenke befallen. Die Folgen können eitrige Gelenkergüsse, Gelenkschäden und Wachstumsstörungen sein.

Antibiotika und Ruhigstellung

Bei einer akuten Knochenmarkentzündung wird die betroffene Extremität mit einem Gips oder einer Schiene ruhiggestellt. Zudem erhalten die Patienten hochdosierte Antibiotika über etwa sechs bis acht Wochen. Kinder werden meist mit Penicillinen behandelt.

Operation beseitigt Bakterien

Bessern sich die Beschwerden durch die Antibiotika nicht innerhalb von 24 Stunden, versuchen Ärzte, die Bakterien durch eine Operation zu entfernen. Diese Maßnahme ist vor allem bei Erwachsenen wichtig. Chirurgen beseitigen so einen Abszess oder abgestorbenes Gewebe (Nekrose). Diese bilden den Nährboden dafür, dass die Infektion weiterhin besteht und sich eventuell ausbreitet.

Bei einer chronischen Osteomyelitis platzieren Ärzte manchmal eine Einlage mit Antibiotika an die Stelle des eitrigen Infektionsherdes, um die Bakterien vollständig abzutöten. Haben die Keime die Knochensubstanz stark zerstört, muss sie aufgefüllt werden, um die Stabilität des Knochens zu gewährleisten. Bei dieser sogenannten Spongiosaplastik transferiert der Chirurg gesundes Knochengewebe in den erkrankten Knochenabschnitt.

Nach der Operation erhalten die Patienten weiterhin Antibiotika und die betroffene Körperregion wird ruhiggestellt. Im ersten Jahr müssen Patienten alle drei Monate zu Kontrollen gehen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Osteomyelitis vollständig ausgeheilt ist. In den anschließenden beiden Jahren genügen Kontrollen einmal pro Jahr.

Verlauf und Heilungschancen bei Osteomyelitis

Entscheidend ist es, dass Ärzte die akute Knochenmarkentzündung rechtzeitig diagnostizieren und behandeln. Dann heilt sie oft ohne bleibende Schäden aus. Bei Säuglingen und Kindern kann eine akute endogene Osteomyelitis die Wachstumszonen des Knochens schädigen und so zu Wachstumsstörungen führen. Die betroffene Extremität verkürzt oder verformt sich, wodurch nachfolgende orthopädische Eingriffe notwendig werden können. Erwachsene neigen eher zu chronischen Verläufen der Osteomyelitis, die mit Knochenveränderungen einhergehen und das Risiko für einen Knochenbruch erhöhen.

Osteomyelitis vorbeugen – das können Sie selbst tun

Einer Osteomyelitis können Sie nicht gezielt vorbeugen. Bestehende Infektionen sollten Sie aber immer schnellstmöglich behandeln lassen, um das Risiko einer Osteomyelitis zu verringern. Falls Sie eine Erwärmung Ihrer Gelenke feststellen, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen und die Ursache abklären lassen.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Juli 2017
Quellen: Leitlinie Osteomyelitis, Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG), in Überarbeitung; Reinehr T. et al.: Akute Osteomyelitis im Kindesalter, Monatszeitschrift Kinderheilkunde 1998, 12, 146, Springer Medizin Verlag; Reuter P: Springer: Lexikon Medizin, 1. Auflage, 2004, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York; Jansson A.F.: Nichtbakterielle Osteitis, Monatszeitschrift Kinderheilkunde 2009; 157: 664-669, Springer Medizin Verlag; Jansson A.F. et al.: Die kindliche Osteomyelitis, Orthopäde 2009; 38: 283-294, Springer Medizin Verlag; Bertram C.: Endogene (hämatogene) Osteomyelitis; in: Fortbildung Osteologie, 2006, Volume 1, 111-115, Springer Verlag, Heidelberg; Mayo Clinic, http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/osteomyelitis/basics/definition/con-20025518

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