Prostatabiopsie

Die Prostatabiopsie ist ein Diagnoseverfahren zur weiteren Abklärung, wenn eine Tast- oder Ultraschalluntersuchung der Prostata einen verdächtigen Befund ergeben hat oder bei erhöhtem PSA-Wert. Dabei wird Gewebe aus der Prostata entnommen.

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Die Prostata grenzt an den Enddarm. Daher wird die Biopsienadel transrektal eingeführt.
Getty Images/Hemera

Unter einer Prostatabiopsie, genauer Prostatastanzbiopsie versteht man die Entnahme von Gewebe aus der Prostata oder Vorsteherdrüse, wie das Organ auch genannt wird, mit einer Hohlnadel. Die entnommenen Gewebsproben werden dann unter dem Mikroskop untersucht. Aus Sicht des Berufsverbandes der Deutschen Urologen und der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist dieses Diagnoseverfahren derzeit die beste Methode, um nach einem verdächtigen Vorbefund Prostatakrebs auszuschließen oder den Verdacht auf diese Erkrankung zu bestätigen.

Daneben gibt es noch die Aspirationsbiopsie, bei der einzelne Prostatazellen über eine dünne Nadel abgesaugt werden. Aufgrund weniger aussagekräftiger Ergebnisse kommt diese Methode in Deutschland eher selten zur Anwendung.

Vorbereitung der Prostatabiopsie

Zur Vorbereitung auf die Prostatastanzbiopsie gehört ein ausführliches Informationsgespräch beim Facharzt für Urologie. Beim Vorgespräch mit dem Urologen ist in der Regel ein Fragebogen auszufüllen, mit dem eventuell vorhandene Allergien, Operationen und eingenommene Medikamente abgefragt werden. Wichtig ist vor allem die Angabe von Medikamenten, die Auswirkungen auf die Blutgerinnung haben, wie zum Beispiel Aspirin oder Marcumar. Diese dürfen in Rücksprache mit dem Arzt drei bis sechs Tage vor der Biopsie nicht mehr eingenommen werden, weil ansonsten das Risiko für Blutungen zu hoch wäre.

Da die Biopsienadel über den Enddarm eingeführt wird, muss der Darm zuvor entleert werden. Dazu gibt der Arzt in der Regel ein Abführmittel mit, das am Vortag der Untersuchung und  am Untersuchungstag einzunehmen ist. Die Einnahme eines Antibiotikums vor und nach der Untersuchung soll der Entstehung einer Infektion vorbeugen.

Ablauf der Prostatabiopsie

Die Untersuchung kann ambulant, beispielsweise in einer urologischen Praxis vorgenommen werden und dauert nur wenige Minuten. Der Untersuchte liegt dabei mit angewinkelten Beinen auf dem Rücken oder in Seitenlage. Die Prostata liegt direkt neben dem Enddarm; daher wird die Biopsienadel transrektal eingeführt, was so viel bedeutet wie "über den Enddarm". Den Weg weist eine Ultraschallsonde, auf die das Biopsiegerät aufgesetzt ist.

Es handelt sich bei dieser Diagnosemethode also genau genommen um eine Kombination aus einer Transrektalen Ultraschalluntersuchung (TRUS) und einer Stanzbiopsie. Ein Gleitmittel und eine vorherige örtliche Betäubung sorgen dafür, dass dieser Vorgang schmerzfrei von statten geht. Auch die Gewebsentnahme selbst ist dank des Federdruckapparats, mit dem moderne Biopsiegeräte ausgestattet sind, kaum schmerzhaft: Die Nadel fährt so schnell in und aus dem Gewebe, dass der Untersuchte nur einen kurzen Stich  spürt.

Bei Verdacht auf Prostatakrebs werden üblicherweise zehn bis zwölf Stanzproben entnommen, vor allem aus Bereichen, die bei Voruntersuchungen auffällig erschienen. In Einzelfällen können bis zu 30 Proben nötig sein. Man spricht dann von einer Sättigungsbiopsie, die stationär im Krankenhaus und oft unter Narkose vorgenommen wird.

Nach der Untersuchung Ruhezeit einplanen

Ist die Untersuchung beendet, bleibt der Untersuchte noch einige Zeit unter Beobachtung. Vor dem Verlassen der Praxis wird meist der Urin auf Blut untersucht, um größere Blutungen auszuschließen. Idealerweise sollte man sich abholen lassen und darauf verzichten, selbst Auto zu fahren. Denn die oft verabreichten Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie die örtliche Betäubung können die Fahrtüchtigkeit für den Rest des Tages beeinträchtigen.

Risiken und Komplikationen

Nach der Untersuchung ist Ruhe angesagt, Anstrengungen sollte man vermeiden. Mit kleineren Blutspuren in Urin, Samenerguss oder am Stuhl ist in der ersten Zeit nach der Biopsie zu rechnen. Auch ein leichtes Druckgefühl ist nicht ungewöhnlich. Bei Schmerzen und Fieber sollte aber sofort der Arzt eingeschaltet werden, da es sich um eine Prostataentzündung handeln könnte. Auch wenn starke Blutungen und/oder Kreislaufprobleme auftreten, ist das in jedem Fall Grund, den Arzt zu kontaktieren.

Gewebeprobe kann Krebszellen entlarven

Die entnommenen Proben werden von einem Pathologen aufbereitet und unter dem Mikroskop auf Tumorzellen untersucht. Wird ein Prostatakrebs diagnostiziert, kann der Pathologe auch Aussagen über das Stadium und die Ausbreitung der Krankheit machen. Bis ein Ergebnis vorliegt, können mehrere Tage vergehen.

Eine Prostatabiopsie wird erst dann in Betracht gezogen, wenn andere Diagnosemethoden den Verdacht auf Prostatakrebs ergeben und dieser nicht auf anderem Wege ausgeräumt werden kann. Die Gewebeentnahme aus der Vorsteherdrüse gilt zwar als sehr aussagekräftiges Verfahren, kann aber eine mögliche Krebserkrankung auch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen. Bei einem negativen Befund können daher weitere Untersuchungen nötig sein, beispielsweise bei einem weiterhin hohen oder ansteigenden PSA-Wert.

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