Hormonelle Verhütung im Vergleich

Pille oder Hormonspirale?

Die Pille
Pille und Hormonspirale sind in Punkto Sicherheit vergleichbar.

Sowohl die Pille als auch die Hormonspirale sind sehr sichere Verhütungsmittel, die beide hormonell eine Schwangerschaft verhindern. Während die Pille als Verhütungsmittel Nummer 1 bei jungen Mädchen gilt, raten Experten besonders Frauen über 35 z.B. zur Hormonspirale.

Pille und Hormonspirale gehören zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Sie wenden jedoch Hormone in unterschiedlicher Konzentration und Zusammensetzung an und unterscheiden sich auch in ihrer Wirkweise. Daher ergeben sich jeweils Vorteile für bestimmte Nutzerinnen.

Hormonelle Verhütung, aber auf unterschiedliche Weise

Antibabypillen sind Kombinationspräparate. Sie enthalten jeweils ein Östrogen und ein Gestagen. Durch die gezielte Einnahme der beiden Hormone wird der hormonelle Regelkreis des Körpers so beeinflusst, dass Reifung und Entwicklung der Eizellen in den Eierstöcken gestört sind und ein Eisprung nicht erfolgen kann. Auf diese Weise wird verhindert, dass eine Befruchtung, also die Vereinigung der männlichen Samenzelle mit der Eizelle, stattfindet. Dies ist das wichtigste Wirkprinzip der Pille. Antibabypillen werden daher auch Ovulationshemmer (Ovulation=Eisprung) genannt.

Die Hormonspirale beeinflusst den Hormonkreislauf des Körpers hingegen kaum, der Eisprung findet in der Regel statt. Die wichtigsten Wirkmechanismen der Hormonspirale sind einerseits die Verdickung des Schleims im Gebärmutterhals, was ein Vordringen der Spermien in die Gebärmutter verhindert, und andererseits der verminderte Aufbau der Gebärmutterschleimhaut durch die kontinuierliche Abgabe des Hormons Levonorgestrel. Letzteres macht das Einnisten einer befruchteten Eizelle unmöglich, falls doch einmal eine Befruchtung stattgefunden hat. Die beiden genannten Wirkmechanismen der Hormonspirale spielen zwar auch bei der Pille eine Rolle, sie finden hier aber nicht in dem Maße statt wie bei der Hormonspirale, die ihr Gestagen Levonorgestrel kontinuierlich und direkt in die Gebärmutter freisetzt.

Wie wirken Pille und Hormonspirale?

Da die kontinuierliche Freisetzung des Hormons Levonorgestrel im Falle der Hormonspirale den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut vermindert, blutet entsprechend weniger ab. Davon können zum Beispiel Frauen mit übermäßig starker Blutung profitieren. Bei einigen Frauen führt dies dazu, dass die Blutung nach einiger Zeit der Anwendung der Hormonspirale ganz ausbleibt. Der Zyklus läuft trotzdem unverändert ab, auch ein negativer Effekt auf die Fruchtbarkeit nach Absetzen der Verhütung ist nicht zu befürchten. Von der Pille können wiederum Frauen mit zum Beispiel unregelmäßigen Blutungen profitieren, da die Pille den „Zyklus“ reguliert.

Pille oder Spirale: Was ist risikovoller?

Hormonelle Verhütungsmittel können mit einem gewissen Risiko behaftet sein. So gilt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombose unter Anwendung hormoneller Verhütungsmittel als erhöht. Wie hoch dieses Risiko letztlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von den enthaltenen Hormonen und der Art und Weise, wie sie angewendet werden. Hier unterscheiden sich Hormonspirale und Pille.

Die Pille wird eingenommen. Dies bedeutet, dass die Hormone über den Magen-Darm-Trakt in den Blutkreislauf gelangen und im ganzen Körper verfügbar sind. Dies wird auch als systemische Wirkweise bezeichnet. Die Hormonspirale zeichnet sich dagegen durch ein vorwiegend lokales Wirkprinzip aus. Sie setzt ihr Hormon, das Gestagen Levonorgestrel, kontinuierlich in die Gebärmutter frei, wo es direkt seine Wirkung entfaltet. Auf diese Weise sind nur sehr geringe Hormonkonzentrationen nötig. Nur ein sehr geringer Teil des freigesetzten Levonorgestrels wird über die Schleimhaut ins Blut aufgenommen. Dadurch verringert sich, verglichen mit der Pille, das Risiko für die genannten Nebenwirkungen. Zudem enthält die Hormonspirale nur ein Gestagen, wodurch mögliche Nebenwirkungen, die mit Östrogenen verbunden sein können, nicht zum Tragen kommen.

Individuelle Voraussetzungen entscheiden

Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass die Hormonspirale per se die bessere Verhütungsmethode sei. Das Risiko für Nebenwirkungen wird stark beeinflusst durch die individuellen Risikofaktoren, die bei der Frau bestehen. Junge gesunde Frauen und Mädchen, bei denen keine Herz-Kreislauf-Risiken vorliegen - dazu gehört auch das Rauchen -, können daher problemlos die Pille anwenden. In dieser Altersgruppe gilt die Pille bei Abwesenheit von Risikofaktoren sogar als Verhütungsmittel der ersten Wahl.

Mit fortschreitendem Alter treten bestimmte Risikofaktoren wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, ein gesteigertes Thromboserisiko oder Diabetes mellitus jedoch weitaus häufiger auf. Diese Risiken können sich besonders durch Einnahme der Pille noch verstärken. Für diese Frauen stellt die vorwiegend lokal wirksame östrogenfreie Hormonspirale oft eine gute Alternative dar.

Was kosten Pille und Spirale?

Auch für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung kann die Hormonspirale eine gute Alternative zur Pille sein. Einmal eingelegt, kann sie fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben und schützt über diesen Zeitraum sicher vor einer Schwangerschaft, ohne dass die Frau ständig an das Einnehmen denken muss. Einnahmefehler wie bei der Pille spielen keine Rolle. Wichtig für die Entscheidung für das eine oder andere Verhütungsmittel können auch die Kosten der Verhütung sein. Für Frauen, deren Familienplanung noch nicht sicher abgeschlossen ist, empfiehlt sich die Hormonspirale aus finanzieller Perspektive eher nicht. Für Einsetzung und Beratung fallen etwa 250 bis 350 Euro an. Nur bei längerer Anwendung, zum Beispiel über fünf Jahre hinweg, lohnt sich der finanzielle Aufwand im Vergleich zu beispielsweise der Pille oder anderen Verhütungsmethoden.

Beratung beim Arzt

Allgemein sind bei der Auswahl eines geeigneten Verhütungsmittels in erster Linie die gesundheitlichen Voraussetzungen, die persönlichen Wünsche der Frau und deren Lebensumstände entscheidend, auf deren Basis der Arzt gemeinsam mit der Frau eine Entscheidung trifft.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2012
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Empfängnisverhütung. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/015 Entwicklungsstufe: 1. (Stand August 2008) URL: http://www.awmf.org/ uploads/tx_szleitlinien/015-015.pdf (Stand 20.05.2011) Grüne, B.; Gröger, S.: Kontrazeption. In: Diedrich, K.; Holzgreve, W.; Jonat, W., Schultze-Mosgau A., Schneider, K.-T. M. und Weiss J. M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer 2007, S. 125-162; Schüring, A.; Kiesel, L.: Orale Kontrazeptiva. Wirkungen, Risiken und Verordnung. In: Gynäkologische Endokrinologie. (3) 2006, S. 161-173; Pro familia – Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V.: Broschüre: Verhütungsmethoden: Hormonale Langzeitverhütung. 2. Aufl. 2008. URL: http://www.profamilia.de/shop/download/151.pdf (Stand: 20.05.2011); Pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband: „Die Spirale“. (Stand 11.02.2011) URL: http://www.profamilia.de/erwachsene/verhuetung/spirale.html (Stand 20.05.2011); Reuter, P.: Springer Wörterbuch Medizin. 2.Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer 2005, S. 1605 (Ovulationshemmer)

Stellen Sie selbst eine Frage!

...an andere Nutzer der Lifeline-Community oder unsere Experten

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang