Häufiges Symptom der Wechseljahre

Scheidentrockenheit behandeln: Das bringt den Spaß am Sex zurück

Viele Frauen in und nach den Wechseljahren leiden unter Scheidentrockenheit. Schuld daran ist Östrogenmangel, der die Schleimhaut dünner und weniger elastisch werden lässt. Cremes, Gele und Salben beugen einer trockenen Scheide vor und lindern Schmerzen. Das Sexleben betroffener Frauen und ihrer Partner gewinnt dadurch enorm.

Älteres Paar im Bett
Wenn die Frau beim Sex Schmerzen hat, kann das einem Paar gehörig den Spaß verderben. Doch es gibt wirksame Mittel gegen Scheidentrockenheit.
iStock

Bis zu 40 Prozent aller Frauen berichten während der oder nach den Wechseljahren von Symptomen wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder auch Juckreiz im Scheidenbereich. Grund ist, dass sich durch den Östrogenmangel die Scheidenschleimhaut zurückbildet. Experten sprechen von einer vaginalen Atrophie, auch Vaginalatrophie, vulvovaginale oder urogenitale Atrophie genannt.

Wie die Sexualität unter Scheidentrockenheit leidet

Scheidentrockenheit kann eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität mit sich bringen. Schließlich ist der Wunsch nach erfüllter Sexualität selbstverständlich auch im höheren Alter vorhanden. Bei Schmerzen und Scheidentrockenheit ist das sexuelle Erleben jedoch stark beeinträchtigt. Das bekräftigt eine Untersuchung der nordamerikanischen Menopause-Gesellschaft (NAMS). Etwa tausend Männer und Frauen zwischen 55 und 65 Jahren nahmen daran teil.

In der Befragung stellte sich heraus, dass fast 60 Prozent der Frauen in diesem Alter dem Sex mit ihrem Partner aus dem Weg gehen, weil sie Schmerzen fürchten. Knapp 70 Prozent gaben an, dass ihnen deshalb komplett die Lust vergangen war.

78 Prozent der Männer mieden den Geschlechtsakt, um ihrer Partnerin nicht weh zu tun. Ein Drittel der Teilnehmer hatte deshalb überhaupt keinen Sex mehr.

Wechseljahre: Die ersten Symptome

Lifeline/Wochit

Ursachen der Scheidentrockenheit

Um Scheidentrockenheit effektiv zu behandeln, muss man zunächst ihren Ursachen auf die Schliche kommen.Normalerweise hält ihre Haut die Vagina feucht und sorgt so für eine gesunde Scheidenflora: Milchsäurebakterien bilden einen natürlichen Schutz gegen krankmachende Keime.

Während der Wechseljahre und danach bildet sich die Scheidenschleimhaut zurück, die vaginale Atrophie setzt ein. Die Vagina wird trocken, ihre Haut reißt leicht ein. Das führt nicht nur zu Schmerzen – auch Keime können in die nun nicht mehr abwehrfähige Scheidenhaut eindringen.

Unbehandelt können sich die Beschwerden verstärken. Daher sollte man bei anhaltenden oder schlimmer werdenden Schmerzen einen Gynäkologen aufsuchen, rät Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF). Es müsse "abgeklärt werden, ob eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen vorliegt".

Zu viel Hygiene oder Probleme in der Partnerschaft

Auch bei übertriebener Intimpflege drohen Störungen der Scheidenflora. "Beim Baden oder Duschen ist es völlig ausreichend, den äußeren Bereich der Vagina mit klarem Wasser und hautneutralen Waschlotionen zu reinigen", erklärt Frauenärztin Angelika Ruß, Mitglied im Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin.

Als psychische Faktoren für Scheidentrockenheit gelten Angst, Stress und Nervosität. Auch auf Probleme mit der Erregbarkeit kann vaginale Trockenheit hinweisen: Normalerweise nimmt beim Lustempfinden vor und während des Geschlechtsverkehrs die Produktion von Scheidensekret zu. Fehlt bei der Frau die Erregung, bleibt in aller Regel auch die zusätzliche Sekret-Produktion aus. "Dann sollte ausgelotet werden, ob in der Paarbeziehung alles in Ordnung ist", rät BVF-Präsident Albring.

Scheidentrockenheit: Diese Tipps helfen Frauen

Salben, Cremes und Gele gegen Scheidentrockenheit und Schmerzen

Ist die trockene Scheide Folge eines Östrogenmangels, lässt sie sich mit verschiedenen Salben und Cremes behandeln:

  • Feuchtigkeitscreme für die Vagina
  • Gleitgele (ob wasser-, silikon- oder lieber ölbasiert, sollte man am besten ausprobieren)
  • niedrig dosierte Hormontherapie in Form von Salben oder Tabletten

Feuchtigkeitscremes und Gleitgele kommen ohne Hormone aus, bekämpfen Trockenheit und Schmerzen laut der Amerikanischen Menopause-Gesellschaft aber dennoch wirksam und bringen so den Spaß am Sex zurück.

Funktioniere diese Therapie-Option nicht, könne man auf niedrig dosierte östrogenhaltigen Salben zurückgreifen, heißt es seitens der NAMS.

2015 hat die EU mit Ospemifem zudem einen neuen Wirkstoff zur Behandlung der vaginalen Atrophie zugelassen, der in Tablettenform verabreicht wird.

Sex trotz Scheidentrockenheit

Daten der NAMS zeigen, dass die Behandlung mit Östrogen extrem effektiv ist: 93 Prozent der Frauen berichten von einer deutlichen Abnahme der Schmerzen beim Sex. Bis zu Dreiviertel der weiblichen Befragten gaben an, ihr sexuelles Wohlbefinden wiedererlangt zu haben.

Sogar das Selbstbewusstsein der Frauen wuchs durch die Behandlung der Scheidentrockenheit: Jede Dritte sah ihr zukünftiges Sexleben optimistisch, in etwa genauso viele fühlten sich hinterher ihrem Mann oder Partner verbundener. "Es muss wirklich nicht sein, dass die Lebensqualität irgendeiner Frau wegen einer vaginalen Atrophie abnimmt", stellt NAMS-Chefin Margery Gass klar.

Weitere Therapiemöglichkeiten bei vaginaler Trockenheit

Auch eine sogenannte mikrobiologische Therapie kann gegen Scheidentrockenheit helfen. Frauenärztin Ruß erklärt: "Dabei werden die gesundheitsfördernden Eigenschaften ausgewählter Bakterienstämme genutzt, um die Scheidenflora zu regulieren." Die mikrobiellen Präparate können beispielsweise als Kapseln verabreicht werden.

Um einer trockenen Scheide entgegenzuwirken, sollten Frauen bei der monatlichen Periode öfter auch Binden nutzen, rät Ruß. Die Verwendung von Tampons saugt neben dem Menstruationsblut auch Scheidensekret auf und begünstigt damit Scheidentrockenheit. Gerade wenn die Monatsblutung schwach ist, sollte auf Tampons daher verzichtet werden.

Lust auf Sex: Elf Wege, die Libido anzufachen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Mai 2016
Durch:
Quellen: Mitteilung der Menopause-Gesellschaft NAMS zu Scheidentrockenheit in den Wechseljahren: http://www.menopause.org/for-women/sexual-health-menopause-online/effective-treatments-for-sexual-problems/vaginal-and-vulvar-comfort-lubricants-moisturizers-and-low-dose-vaginal-estrogen; http://www.eurekalert.org/pub_releases/2013-06/tnam-ths060413.php; mit dpa-Material

Wie gut ist Ihr Medizinwissen?
Wie lautet der Fachbegriff für die Wechseljahre der Frau?
Forum: Wechseljahre

Denn es tut gut, sich mit Anderen austauschen zu können.

Zum Forum
Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang