Katarakt kommt schon bei Babys vor

Grauer Star beim Kind

Grauer Star (Katarakt) ist eine Trübung der im gesunden Auge durchsichtigen Augenlinse. Beim Kind kann diese Krankheit angeboren sein. Auf welche Symptome man achten sollte und welche Behandlung weiterhilft.

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Mädchen beim Augenarzt
Der Graue Star kann angeboren sein.
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Grauer Star (Katarakt) ist eine Trübung der im gesunden Auge durchsichtigen Augenlinse. Beim Kind kann diese Krankheit angeboren sein.

Katarakt kommt vom griechischen Begriff "katarrhaktes" für "herabstürzend". Der Ausdruck stammt aus der Zeit, in der man noch nicht wusste, woher die Sehstörung kommt: Man stellte sich vor, ein kleines Häutchen würde vor der Linse herabfallen und so zu schlechterem Sehen führen. Grauer Star ist der deutsche Begriff für Katarakt.

Grauer Star ist eine Trübung der im gesunden Auge durchsichtigen Augenlinse. Die Trübung kann entweder nur einen Teil der Linse oder aber die gesamte Linse betreffen. Sie kann einäugig oder auch beidäugig auftreten, kann angeboren oder zu einem späteren Zeitpunkt erworben sein. Mitunter kann über den Ort der Trübung auf eine Ursache geschlossen werden. Bis auf wenige Ausnahmen bildet sich die Katarakt nicht von allein zurück (das heißt sie ist irreversibel) und kann bei entsprechender Ausprägung nur durch eine Operation beseitigt werden. Ohne Operation wird das noch nicht ausgereifte Sehorgan am Sehen gehindert und die für gutes Sehen notwendige Reifung kann nicht stattfinden.

Symptome des Grauen Stars bei Kindern

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Ist beim Grauen Star beim Kind die Linsentrübung stark genug, wird er in der Regel von den Eltern, Familienangehörigen oder dem erstuntersuchenden Arzt als heller Fleck in der dunklen Pupille wahrgenommen.

Während der zweiten Vorsorgeuntersuchung im Säuglingsalter (U2) kann der Arzt den Katarakt nachweisen. Oft wird die Linsentrübung auch von den Eltern als heller Fleck bemerkt. Wird die Katarakt erst zu einem späteren Zeitpunkt manifest beziehungsweise erkannt, berichten die Eltern in der Regel über erhöhte Blendempfindlichkeit des Kindes, wobei die erhöhte Lichtempfindlichkeit auch auf ein kindliches hindeuten kann. Oder die Eltern bemerken ein Schielen, das heißt Abweichen des betroffenen Auges nach außen oder innen. Ist die Katarakt noch mit anderen Missbildungen des Auges verbunden, ist das betroffene Auge oft kleiner als das Partnerauge (Mikropthalmus = kleines Auge).

Grauer Star beim Kind: Ursachen

In vielen Fällen von Grauem Star bei Kindern kann keine genaue Ursache festgestellt werden. Bei den bekannten Ursachen handelt es sich jedoch in der Regel um eine Störung der normalen Reifung der Augenlinse während der Schwangerschaft. Schädigende Auswirkungen können haben:

  • Röntgenstrahlen im Bereich des Beckens während einer Schwangerschaft insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel

  • bestimmte während der Schwangerschaft eingenommene Medikamente

  • Stoffwechselstörungen bei Mutter oder Kind (zum Beispiel Galaktosämie = Unverträglichkeit von Milchzucker, Kalziummangel im Blut, Unterzucker)

  • Infektionen während der Schwangerschaft (vor allem Röteln, aber auch andere Viruserkrankungen)

  • genetische Festlegungen mit einem bestimmten Vererbungsmuster, zum Teil verbunden mit anderen Missbildungen des Auges oder des Körpers. Zu diesen anderen Fehlbildungen gehören beispielsweise das Alport-Syndrom (das Krankheitsbild ist durch eine Nierenentzündung, Innenohrschwerhörigkeit und Augenveränderungen gekennzeichnet), das Lowe-Syndrom (bei dem geringe Muskelbildung, Sehstörungen und geistige Behinderung zusammen auftreten) oder die Neurofibromatose Typ 2 (hier kommen am ganzen Körper Geschwulste der Nervenumhüllungen vor, dazu Haut- und Augenveränderungen). Der familiäre vordere oder hintere Polstar (vererbter grauer Star), und der sogenannte primäre hyperplastische Glaskörper (eine Fehlbildung der gallertartigen Masse zwischen Augenlinse und Netzhaut) zählen ebenfalls zu den genetisch bedingten Ursachen des Katarakt.

  • eine chromosomale Schädigung des Kindes.

Sehstörungen und was sie bedeuten

Diagnose des Grauen Stars

Oft ist ein Katarakt so ausgeprägt, dass die Eltern und der Arzt die Trübung direkt sehen können. Manche Trübungen können jedoch nur durch spezielle Untersuchungen nachgewiesen werden.

Brückner'sche Durchleuchtungstest

Ein sehr eleganter und sogar bei Neugeborenen leicht durchführbarer Test, um einen Grauen Star beim Kind zu diagnostizieren, ist der Brückner'sche Durchleuchtungstest, bei dem der Arzt mit einer Lichtquelle die Augen des Säuglings beleuchtet. Kann das Licht ungehindert in das Auge einfallen, erhält er über den gesamten Bereich der Pupille einen schönen roten Reflex der durchbluteten Netzhaut zurück, ist der Weg des Lichtstrahls auch nur durch eine kleine Trübung gestört, fällt diese als dunkler Punkt auf der roten Reflexfläche auf. Leuchtet die Netzhaut überhaupt nicht rot zurück, handelt es sich um eine sehr dichte Trübung, die kein Licht durchlässt. Jetzt muss der Arzt nach einer Trübung der brechenden Medien (Linse und Glaskörper) suchen.

Ein Sehtest, der auch im Säuglingsalter durchgeführt werden kann, gibt Aufschluss darüber, ob das Sehvermögen gegenüber gesunden Vergleichskindern vermindert ist. Des Weiteren wird nachgeprüft, ob das Kind schielt.

Spaltlampenuntersuchung

Mithilfe einer augenärztlichen Untersuchungslampe, der sogenannten Spaltlampe, kann die Trübung genau betrachtet und analysiert werden. Anschließend prüft der Augenarzt mit einer Lupe den Augenhintergrund, sucht nach sonstigen Missbildungen oder Veränderungen und testet sowohl bei medikamentös erweiterter als auch bei nicht medikamentös erweiterter Pupille, welche Einzelheiten der Netzhaut er trotz Trübung der Augenlinse noch untersuchen kann. Vom Ergebnis der Untersuchung hängt ab, ob eine Operation nötig ist oder nicht.

Ultraschalluntersuchung

Zusätzlich bringt eine Ultraschalluntersuchung die nötige Information über die Größe des Auges und kann weitere Fehlbildungen nachweisen. Diese Untersuchung wird in der Regel zu Beginn der Operation durchgeführt, wenn das Kind bereits in Narkose liegt. Man kann aber auch ohne Narkose Kinder schmerzfrei per Ultraschall untersuchen: Der Schallkopf wird dann auf das geschlossene Auge, beziehungsweise auf die mit Augentropfen betäubte Hornhaut aufgesetzt.

Grauer Star beim Kind: Therapien

Nicht jeden Grauen Star beim Kind muss man auch operieren. Die Behandlungsmethode hängt unter anderem von der Stärke der Linsentrübung und vom Alter des Kindes ab.

Nicht-operative Behandlung

Sind das Sehen und die kindliche Sehentwicklung durch den Grauen Star nicht wesentlich gefährdet, kann man auf eine Operation der Katarakt verzichten. Wenn die Linsentrübung nicht stark ausgeprägt ist, kann der Augenarzt davon ausgehen, dass das Kind auch so an der Linsentrübung vorbei sieht. Der Augenarzt erkennt das daran, dass er problemlos die Makula (die Stelle der kindlichen Netzhaut, über die das zu sehende Bild an das Gehirn weitergeleitet wird) untersuchen kann, ohne die Pupille des Kindes mit Augentropfen zu erweitern.

Ohne Operation erhält das kindliche Auge seine Fähigkeit zur Linsenbeweglichkeit (Akkommodation) und zum scharfen Sehen für die Ferne und Nähe. Begleitendes Schielen und mangelnde Sehschärfenentwicklung sollten nachgewiesen und konservativ (das heißt ohne Operation) durch eine zeitweilige Abklebetherapie des guten, führenden Auges mit abdeckenden Pflastern (Okklusionspflastern) behandelt werden.

Das Sehvermögen eines solchen Kindes muss jedoch engmaschig (je nach Alter in Abständen zwischen zwei und sechs Monaten) kontrolliert werden, da bei Zunahme der Linsentrübung beziehungsweise nicht zufriedenstellender Sehentwicklung eventuell doch noch eine Operation durchgeführt werden sollte.

Operative Behandlung

Bei entsprechender Ausprägung der Linsentrübung kann die Sehfähigkeit beim Katarakt nur durch operative Entfernung der getrübten Linse erhalten werden. Hierzu wird in Vollnarkose das Auge über winzige Schnitte mit sehr feinen Instrumenten am Augenrand geöffnet. Dann entfernt man möglichst unter Erhalt der Linsenkapsel die getrübte Linse. Dieser Eingriff lässt keine sichtbaren Narben zurück. Da die Augenlinse einen erheblichen Anteil der Brechkraft des Auges hat und damit für die gute Abbildung eines Bildes auf der Netzhaut verantwortlich ist, muss nach Entfernung der natürlichen Linse die entsprechende Brechkraft wieder ersetzt werden. Sonst kann das Kind zwar sehen, das Auge aber kein scharfes Bild einstellen. Hierbei hängt es im Wesentlichen vom Alter des Kindes zum Zeitpunkt der Operation ab, nach welcher Methode man verfährt.

Folgende Möglichkeiten bestehen zum Ersatz der fehlenden Brechkraft der natürlichen Augenlinse:

  1. Bei der Operation wird nur die Linsenkapsel belassen. Die fehlende Brechkraft der natürlichen Linse muss von außen ersetzt werden, entweder durch eine sogenannte Star- oder Aphakiebrille mit recht dicken Gläsern (das heißt eine Brille für ein Auge ohne Linse; a- = ohne; phakos = Linse) oder durch eine Kontaktlinse, die direkt nach der Operation angepasst wird.

  2. Einsetzen einer Kunststofflinse (Intraokularlinse) in die noch vorhandene Linsenkapsel (Standardverfahren bei Erwachsenen).

Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zirka 20 Monate verzichtet man in der Regel auf das Einpflanzen einer Linse in das Auge, denn bei diesen Patienten ist das Augenwachstum noch nicht abgeschlossen. Durch das Einsetzen einer Kunststofflinse könnte ein so gravierender Brillenfehler entstehen, dass eventuell später eine erneute Operation erforderlich würde. Bis jetzt wurde auch keine geeignete Kunststofflinse mit einer festgelegten Brechkraft entwickelt, die sowohl während der Wachstumsphase des Auges als auch im ausgewachsenen Zustand ein normalsichtiges Auge gewährleisten könnte.

Stattdessen wird bei diesen Kindern eine Kontaktlinse angepasst, deren Stärke man je nach Wachstum des Auges wählt. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Augenwachstum abgeschlossen ist, kann in einem weiteren Eingriff eine Kunststofflinse nachträglich eingepflanzt werden.

Etwa ab einem Alter von 20 Monaten wird den Kindern eine Kunststofflinse eingepflanzt. Im Alter von zwei bis vier Jahren wird dabei dem noch ausstehenden Restwachstum des Auges durch einen Korrekturfaktor bei der Linsenberechnung Rechnung getragen.

Verlust der Linsenbeweglichkeit (Akkommodation)

Weder die Kontaktlinse noch die eingepflanzte Linse (Intraokularlinse) besitzen die Fähigkeit der natürlichen Linse, durch Formänderung eine scharfe Abbildung der Umwelt bei Blick sowohl in die Ferne als auch in die Nähe zu ermöglichen. Es kann nur eine Brechkraft gewählt werden, mit der man lediglich in einer definierten Entfernung scharf sehen kann. Bei Säuglingen und Kleinkindern vor dem Kindergartenalter wird diese Brechkraft so gewählt, dass die Kinder in der Nähe, also ihrer Alltagsentfernung, scharf sehen können.

Dieser Sehanreiz reicht für eine normale Sehentwicklung aus. Ab dem Kindergartenalter trägt das Kind zusätzlich eine zweigeteilte oder Gleitsichtbrille (Bifokal- oder Multifokalglas). Dadurch erhält es sowohl in der Ferne als auch in der Nähe eine scharfe Abbildung der Umwelt. Solch eine Korrektur ist lebenslang erforderlich, da die ursprüngliche Akkommodationsfähigkeit nicht mehr vorhanden ist und mit heute üblichen Techniken noch nicht ersetzt werden kann.

Lässt sich grauem Star vorbeugen?

In Familien, in denen ein Grauer Star im Kindesalter bereits aufgetreten ist, sollte die Erkrankung beim Neugeborenen aktiv, das heißt durch eine Augenuntersuchung ausgeschlossen werden.

Bei der U2, der zweiten kinderärztlichen Untersuchung, überprüft der Arzt das Kind auf eine Trübung von Hornhaut, Linse und Glaskörper und schließt mittels eines Stoffwechseltests unter anderem die Galaktosämie (Unverträglichkeit des Milchzuckers Galaktose) als mögliche Kataraktursache aus. Sind jedoch andere Stoffwechseldefekte in der Familie bekannt, sollte auch hier eine aktive Abklärung erfolgen, um einen eventuellen Grauen Star rechtzeitig zu erkennen.

Frauen, die eine Schwangerschaft planen, müssen durch den Arzt (meist Hausarzt oder Gynäkologen) klären lassen, ob sie durch abgelaufene Infektion oder Impfung einen ausreichenden Schutz gegen Rötelnviren haben.

Gesunde Augen mit Genuss

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2016
Durch: sist