Vertigo: Wenn die Erde schwankt

Schwindel

Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. In vielen Fällen werden die Attacken durch eine harmlose Störung im Innenohr ausgelöst. Manchmal verbirgt sich dahinter jedoch auch eine Erkrankung mit Gefahrenpotenzial.

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Für Sekunden, Minuten oder gar Stunden: Alles dreht sich während der Schwindelattacke!
(c) Hemera Technologies

Ob nach dem Ringelreihen oder einer Karussellfahrt: Das Gefühl von Schwindel (lateinischer Begriff Vertigo) kennt jeder aus eigener Erfahrung. Doch während Reize wie drehende Körperbewegungen den Gleichgewichtssinn nur kurzfristig irritieren, führen diverse gesundheitliche Störungen zu wiederkehrenden Schwindelattacken. Diese können immer in ganz bestimmten Situationen oder Bewegungen auftreten, oder auch ohne erkennbaren Auslöser. Sie können Sekunden, Minuten, aber auch Stunden anhalten.

Ständig schwindelig oder Schwindel nur im Liegen

Einige der Betroffenen fühlen sich während einer Attacke lediglich etwas unsicher und benommen, andere glauben, die Erde schwanke. Manche haben gar dauerhaft ein Gefühl, als wären sie auf einem Boot bei hohem Seegang, auch und vor allem im Liegen. "An Fahrrad- oder Autofahren ist dann für die Patienten nicht zu denken", erklärt Professor Dr. med. Thomas Haarmeier von der Schwindelambulanz an der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen. "Nicht selten ist während der Schwindelattacken sogar das Gehen und Stehen unmöglich."

Schwindel ist demnach nicht nur eine harmlose Befindlichkeitsstörung; die Attacken belasten die Betroffenen oftmals stark und können zu schweren Verletzungen führen. Oft geht Schwindel auch mit Übelkeit einher. Bei wiederkehrenden Schwindelanfällen ist mitunter die Angst vor der nächsten Attacke äußerst beklemmend, was zum psychogenen Schwankschwindel, dem sogenannten Angstschwindel, führen kann.

Schwindel: Die besten Übungen gegen Vertigo

Schwindelattacken: Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt

Diverse Krankheiten können Gleichgewichtsstörungen und Schwindelattacken auslösen. Wer medizinische Unterstützung sucht, sollte sich an seinen Hausarzt wenden. Doch wann ist es dringend zu empfehlen, wegen Vertigo einen Arzt aufzusuchen? Die Empfehlungen von Professor Dr. med. Thomas Haarmeier, Schwindelambulanz an der Neurologische Universitätsklinik Tübingen, finden Sie hier..

Wichtige Hinweise auf die mögliche Ursache der Schwindelbeschwerden erhält der Hausarzt bereits im Gespräch. Deshalb wird er nach der Art, Häufigkeit und Form des Schwindels fragen, ebenso nach aktuell bestehenden oder früher durchgemachten Erkrankungen. Weiteren Aufschluss geben Tests zur Prüfung der Koordinationsfähigkeit, Untersuchungen der Funktion von Herz und Kreislauf, eine Prüfung der Ohren, des Bewegungsapparats und der Nervenfunktionen.

Je nach vorherrschender Symptomatik wird der Hausarzt den Betroffenen zu einem Facharzt überweisen. Das kann je nach Beschwerdebild ein Neurologe sein, vor allem bei Drehschwindel auch ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Gilt es, eine Blutdruckregulationsstörung  oder Herzrhythmusstörungen auszuschließen, wird man einen Internisten hinzu ziehen. In manchen Fällen erscheint zudem eine augenärztliche, orthopädische oder psychiatrische Untersuchung als sinnvoll. Art und Umfang der diagnostischen Maßnahmen hängen von der vermuteten Ursache des Schwindels ab.

Die häufigste Form von Schwindel, unter dem vor allem Menschen im höheren Lebensalter zu leiden haben, ist der sogenannte gutartige (benigne) anfallsweise auftretende (paroxysmale) gutartigem Lagerungsschwindel. Bis zum 70. Lebensjahr leidet jeder Dritte irgendwann mal unter dieser harmlosen, aber zunächst bedrohlich erscheinenden Schwindelform.

Mögliche Ursachen von Schwindel

Verschiedene Krankheiten können Schwindel verursachen. Dazu zählen unter anderen

Häufige Auslöser von Schwindel: Verspannungen und Stress

Woran jedoch die wenigsten denken, obwohl es sich um besonders wichtige Ursachen von Schwindel handelt, sind Stress, aber auch Probleme mit der Halswirbelsäule oder den Kiefergelenken. Sowohl bei Stress als auch den orthopädischen Erkrankungen im Hals- und Kopfbereich reagiert der Körper mit Verspannungen. Diese wiederum verändern die Durchblutung, auch im Ohr und den Gehörgängen.

Darüber hinaus kann eine dauerhafte, massive Verspannung dazu führen, dass sich Bandscheiben der Halswirbelsäule vorzeitig abnutzen und sogar ein Bandscheibenvorfall ist möglich. Auch diese Erkrankungen können Schwindel als Begleitsymptom aufweisen.

Die richtige Therapie gegen Schwindel

Ist das Gleichgewichtssystem gestört, hängt die Art der Behandlung von der Ursache der Störung ab:

  • Liegt eine Übererregbarkeit des Innenohrs bzw. des Gleichgewichtsnerven vor, kommen mitunter Antiepileptika zum Einsatz.

  • Manchmal ist der Einsatz von durchblutungsfördernden Mitteln oder Kortikosteroiden angebracht.

  • Bei heftigen Schwindelbeschwerden können spezielle Arzneimittel gegen Schwindel (sogenannte Antivertiginosa) dem Patienten helfen.

  • Bei Tumoren oder Gefäßproblemen kann eine Operation notwendig werden.

Bei gutartigem Lagerungsschwindel steht therapeutisch das Lagerungstraining im Vordergrund. Dabei werden wiederholt bestimmte Körperbewegungen durchgeführt, durch die die Ablagerungen im Innenohr in einen Bereich befördert werden, in dem sie die Sinneszellen nicht mehr reizen können.

Unerlässlich ist ein begleitendes Gleichgewichtstraining, das das Gleichgewichtssystem allgemein stärkt, den Heilungsprozess unterstützt und Prozesse zur Kompensation fördert.

Schwindel vorbeugen: Wie Sie im Gleichgewicht bleiben

Wer sich regelmäßig bewegt, ausgewogen ernährt, sowie Alkohol, Nikotin und Stress meidet, trägt dazu bei, die Gefäße, den Stoffwechsel und die Psyche gesund zu erhalten – und schafft damit bereits wichtige Voraussetzungen für ein gesundes Gleichgewicht, ohne Schwindel.

Autor: Lifeline Redaktion / ah
Letzte Aktualisierung: 06. Mai 2015
Durch: mp

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