Lockstoffe & Reize
Warum der Mensch Sex hat
Menschen haben Sex- immer wieder, überall. Doch wieso eigentlich? Forscher wollten es genau wissen und kamen 237 zum Teil sehr skurrilen Motiven auf die Schliche.
Den ein oder anderen wird der Wissensdurst der Forscher vielleicht wundern. Ist es nicht eindeutig, wieso sich Menschen in den Federn wälzen? Immerhin macht Sex Spaß, ist Ausdruck echter Zuneigung oder Vorraussetzung für den ersehnten Nachwuchs.
Ganz so einfach ist es nicht, das erbrachte eine Studie der University of Texas in Austin.
Cindy Meston und David Buss vom Institut für Psychologie der Universität von Texas befragten fast 2000 Menschen nach den Gründen für die Hingabe. Die mitunter verblüffenden Ergebnisse sind in den Archives of Sexual Behaviour" nachzulesen. Buss und Meston begründen die Studie mit der Tatsache, dass bisher nur sehr wenig über die Motive des Sexes bekannt ist, obwohl das Thema Sex als solches überaus präsent ist in den Medien.
Es war also an der Zeit, die Motive unter die Lupe zu nehmen. Die befragten Menschen scheuten sich nicht und nannten hunderte verschiedene und sehr komplexe Gründe für den Sex. Dazu zählen neben pragmatischen Gründen wie Energiegewinn und Langeweile auch altruistische wie der Wunsch, dass der andere sich wohl fühlt oder skurrile Antriebe wie das Verlieren einer Wette, das Beeindrucken von Freunden oder auch Rachsucht und spirituelle Gründe. Stolze 237 Motivationen konnten die Forscher in zwei Untersuchungen aufdecken.
In der ersten Studie sollten 400 Männer und Frauen Gründe nennen, aus denen Menschen Sex haben. Im zweiten Durchlauf enthüllten mehr als 1500 Studenten für die Wissenschaft ihre sexuellen Vorlieben und gewichteten die einzelnen Motive.
Die Motive für Sex sind sehr unterschiedliche
Buss und Meston konnten vier große Motivationskomplexe mit untergeordneten Motiven festhalten. Der erste Komplex fasst die körperlichen Gründe zusammen. Dazu zählt etwa die körperliche Befriedigung (Ich war erregt und wollte die Befriedigung", Ich wollte einen Orgasmus erreichen", Ich wollte pures Vergnügen"), die Stressreduktion oder andere körperlichen Motivationen (Es schien ein guter Ausgleichssport zu sein", Ich wollte Kalorien verbrennen", Ich dachte, es hilft mir beim Einschlafen", Ich wollte meine Kopfschmerzen loswerden"). Ebenfalls im ersten Motivationskomplex fand sich der Wunsch, nach einer Erweiterung des Erfahrungshorizontes ( Ich war neugierig auf Sex", Ich war neugierig, welche sexuellen Fähigkeiten ich habe") und die körperliche Attraktivität des Geschlechtspartners (Die Person trug aufreizende Kleidung", Das Aussehen der Person machte mich an").
Der zweite Motivationskreis fasst recht pragmatische Gründe zusammen. Dazu zählen praktische (Ich wollte ein Kind", Ich wollte mich stärker auf die Arbeit fokussieren - sexuelle Gedanken lenken ab"), der Wunsch nach sozialer Anerkennung ( Ich wollte begehrt sein", Ich habe mit jemanden anders darum gewetteifert, die Person zu kriegen", Die Person war berühmt, und ich wollte sagen können, dass ich mit ihm/ihr Sex hatte") und Rachegefühl (Ich wollte meinen Eltern eins auswischen", Ich wollte die Beziehung von jemand anderem zerstören").
Im dritten Komplex landete emotionale Motive wie Liebe (Ich wollte meine Liebe ausdrücken", Ich wollte mich nah und verbunden fühlen", Ich brauchte emotionale Nähe") oder der Wunsch, sich auszudrücken ( Ich wollte mich bedanken", Ich wollte mich verabschieden").
Im letzten Motivationskomplex sind all jene Motive zusammengefasst, die mit persönlicher Unsicherheit zusammenhängen. Wichtig ist hier das Selbstwertgefühl (Die Person sorgte dafür, dass ich mich sexy fühlte", Ich wollte Aufmerksamkeit haben", Die Person schmeichelte mir") und das Gefühl, zum Sex verpflichtet zu sein (Die Person hatte mich zu einem teuren Abendessen ausgeführt", Ich wurde verbal dazu genötigt", Mein Partner bestand darauf").
Die Studie brachte eines ganz klar ans Licht: Menschen haben zahlreiche und mitunter recht seltsame Gründe für die schönste Nebensache der Welt.









