Bildgebende Verfahren

Kernspintomographie/Magnetresonanztomographie (MRT)

Mittels MRT können sehr detailreiche Bilder vom Körperinneren ohne Röntgenstrahlen gemacht werden. Es ist eine schonende Untersuchung, die heute bei vielen möglichen Erkrankungen zur Diagnose eingesetzt wird.

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Schonende Methode: Die MRT-Untersuchung im "Kernspin" kommt ohne Röntgenstrahlung aus. Das Liegen in der engen Röhre führt bei manchen jedoch zu Engegefühlen.
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Die Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie oder kurz MRT genannt, ist die jüngste Methode der bildgebenden Verfahren in der Medizin. Sie kann besonders detailreiche Schnittbilder erzeugen, vor allem die Darstellung von weichem Gewebe hat sich deutlich verbessert. Auch sind Bilder aus verschiedenen Ebenen möglich.

Anders als die Computertomographie arbeitet die Kernspintomographie nicht mit Radioaktivität. Stattdessen wird mithilfe eines starken Magnetfelds das Körperwasser sichtbar gemacht. Medizinische Laien verwenden oft das Synonym "Kernspin" für die Untersuchung. Der physikalische Begriff bezeichnet den Drehimpuls eines Atomkerns um seinen Schwerpunkt. Diese Eigenschaft macht man sich bei der Kernspintomographie (alternative Schreibweisen: Kernspintomografie oder Magnetresonanztomografie) zunutze.

So funktioniert die Kernspintomographie

Das Prinzip der MRT beruht darauf, dass der Wasseranteil der Organe und Gewebe sichtbar gemacht wird. Der menschliche Körper besteht zu etwa 60 Prozent aus Wasser. Dieses ist in den Organen in unterschiedlicher Menge vorhanden. Zeigt die Wasserverteilung Veränderungen, kann der Arzt erkennen, ob Erkrankungen im Körper vorliegen.

Die Atomkerne des Wasserstoffs sind magnetisch. Im Magnetresonanztomographen befindet sich ein starkes Magnetfeld. Die Wasserstoffatome richten sich, ähnlich wie eine Kompassnadel, nach dem Magnetfeld aus. Hier kommen Radiowellen ins Spiel. Diese sind auf eine bestimmte Wellenlänge eingestellt, welche die Wasserstoffatomkerne erkennt und die Atomkerne aus der durch das Magnetfeld eingestellten Position reißt.

Wenn die Radiowellen wieder ausgeschaltet werden, schwingen die Atome in den Ausgangszustand zurück. Dieses Zurückschwingen nennt man Resonanz. Die Resonanz wird im Magnetresonanztomographen gemessen. Der Computer kann aufgrund dieser Resonanz-Messungen genaue Schnittbilder in verschiedenen Ebenen erzeugen, die die Körperzusammensetzung im untersuchten Gewebe zeigen.

Vorbereitung zur MRT: Metall am und im Körper

Eine Kernspinuntersuchung wird in spezialisierten Radiologie-Praxen sowie in diagnostischen Abteilungen von Krankenhäusern und Kliniken durchgeführt. Da Anschaffung und Betrieb eines Magnetresonanztomographen teuer sind, verfügen nicht alle Krankenhäuser über solch ein Gerät. Je nach Region und Dringlichkeit der Untersuchung kann es deshalb zu Wartezeiten kommen.

Weil sie ohne Röntgenstrahlung auskommt, ist die MRT ein sehr schonendes und risikoarmes Untersuchungsverfahren.

Bedingt durch die starken Magnetfelder im Inneren des Gerätes können sich jedoch Metallteile am Körper während des Betriebs stark erwärmen, zu Schäden am Gerät oder zu Fehlern (Artefakten) bei der Bildaufzeichnung führen. Deshalb müssen alle Metallgegenstände, die sich am Körper befinden, vor Betreten des Untersuchungsraumes abgenommen werden.

Noch wichtiger ist es, vor der Untersuchung zu prüfen, ob Metallteile im Körper eine MRT behindern. Zu solchen Teilen gehören unter anderem

  • chirurgische Nägel, Drähte, Schrauben und Platten, wie sie nach Knochenbrüchen in Operationen eingesetzt werden
  • künstliche Gelenke und Implantate,
  • fester Zahnersatz,
  • Spiralen zur Schwangerschaftsverhütung,
  • künstliche Herzklappen und Stents zur Erweiterung von Gefäßen

Die meisten dieser Materialien bestehen zwar heute aus nichtmagnetischem Material, jedoch sollte das vor einer MRT ausgeschlossen werden. Zahnplomben sind in der Regel kein Ausschlusskriterium, da die Materialien nicht magnetisch sind und nur lokal zu Fehlern in der Darstellung führen.

Tattoos und MRT

Jedoch sind bestimmte Farben von Tattoos und Permanent-Makeup häufig eisenhaltig. Diese Tätowierungen können sich während der Untersuchung unangenehm erwärmen, Schwellungen und Schmerzen auftreten. Stärker tritt dieser Effekt bei neueren MRT-Geräten ein, die ein stärkeres Magnetfeld erzeugen und eine schnellere Untersuchung ermöglichen.

Das medizinische Personal sollte vor der Kernspintomographie auf vorhandene Tätowierungen aufmerksam gemacht werden. Wenn in der Praxis oder der Klinik verschiedene Kernspintomographen zum Einsatz kommen, kann für die Untersuchung das mit dem schwächeren Magnetfeld ausgewählt werden.

Elektronische Geräte bei der MRT

MRT-Aufnahmen  des Schädels
So sieht eine MRT-Aufnahme des Schädels aus.
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Zu beachten ist darüber hinaus, dass auch elektronische Geräte wie Smartphones oder MP3-Player sowie Chip- und Geldkarten während der MRT-Durchführung Schaden nehmen können. Sie müssen im Vorbereitungszimmer abgelegt werden. Entsprechende Hinweise bekommen Patienten sowohl im Vorbereitungsgespräch als auch auf Aushängen in der Umkleidekabine und im Aufklärungsbogen.

Wann kann keine MRT gemacht werden?

Ausgeschlossen ist eine Kernspintomographie, wenn der Patient einen Herzschrittmacher oder implantierten Defibrillator, ein Innenohr-Implantat oder eine Insulinpumpe trägt. Diese hochsensiblen Geräte würden bei der Untersuchung Schaden nehmen. Metallsplitter besonders im Kopf- und Augenbereich können für das umliegende Gewebe gefährlich werden – sie sind deshalb ebenfalls eine Kontraindikation.

Untersuchungsablauf bei der MRT

Nach dem Vorbereitungsgespräch legt der Patient alle metallischen Gegenstände, Geldbörse und anderes im Vorraum ab. Die Untersuchung wird mit Kleidung vorgenommen. Man muss sich nicht nackt ausziehen, nur diejenigen Kleidungsstücke müssen abgelegt werden, welche Metall enthalten. Dazu gehören Knöpfe, Gürtelschnallen, Metallfolienaufdrucke auf T-Shirts, BHs mit Metallbügeln und -verschlüssen. Auch Schmuck wie Uhren, Ohrringe, Armbänder, Ketten, Percings, Brillen, Hörgeräte, Zahnspangen können den MRT-Scan stören und müssen vorher entfernt werden.

Panik vor enger MRT-Röhre

Die meisten MRT-Gerät sind heute als Röhre gebaut. Die Röhrenform des Magnetresonanztomographen wird von einer großen Magnetspule bestimmt. Der Patient wird auf einem Untersuchungstisch in die etwa 60 bis 70 Zentimeter große Öffnung gefahren, bis der zu untersuchende Körperbereich sich in der Mitte des MRT-Gerätes befindet.

Je nachdem, welcher Körperteil dargestellt werden soll, ist nicht immer ein komplettes Einfahren in das Untersuchungsgerät nötig. Wenn der Patient unter Klaustrophobie, Platzangst oder Panikattacken leidet, kann vorher ein Beruhigungsmittel gegeben werden. Darüber hinaus ist man während der gesamten Zeit über eine Sprechverbindung mit dem medizinischen Personal verbunden, oft werden Puls und Blutdruck überwacht. Mit einem Notfallknopf kann der Patient die Kernspinuntersuchung jederzeit abbrechen.

Mittlerweile gibt es zwar auch mobile MRT-Geräte mit einer offenen Bauweise ohne enge Röhre. Diese liefern jedoch nicht so genaue Bilder. Die offene Kernspintomographie kann zudem nicht an allen Körperregionen eingesetzt werden.

Lautstärke und Untersuchungsdauer

Während der Kernspintomographie erzeugt das Gerät sehr laute Klopfgeräusche in unterschiedlichen Rhythmen. Diese können bis zu 80 Dezibel betragen, das entspricht dem Geräuschpegel einer Bohrmaschine und kann als unangenehm empfunden werden. Ohrstöpsel oder spezielle Kopfhörer zum Teil mit Musik dämpfen jedoch diesen unangenehmen Lärm.

Je nach diagnostischer Fragestellung dauern MRTs zwischen wenigen Minuten und einer Stunde – manchmal auch länger. Als Patient sollte man dabei sehr ruhig liegen und gleichmäßig atmen, weil ansonsten die gescannten Bilder fehlerhaft werden können.

Kontrastmittel bei der MRT

Für manche diagnostische Fragestellung wird vor der Untersuchung ein Kontrastmittel intravenös gespritzt. Nötig wird das, um verschiedene Gewebearten voneinander besser abgrenzen zu können. Ist der Einsatz eines Kontrastmittels vorgesehen, muss vorher die Verträglichkeit und die Nierenfunktion (Kreatinin-Wert) überprüft werden. Die MRT-Kontrastmittel sind nicht jodhaltig, können also auch bei Störungen der Schilddrüse oder Allergien gegen jodhaltige Mittel verabreicht werden.

Einsatzmöglichkeiten der Kernspintomographie

MRTs sind aus der medizinischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken. Die Untersuchungsmethode kann zur Abklärung von ganz verschiedenen Symptomen und Krankheitszuständen und auch zur Verlaufskontrolle während der Behandlung eingesetzt werden. Da die Geräte jedoch teuer und nicht überall verfügbar sind, sollte der Einsatz auch immer unter ökonomischen und zeitlichen Aspekten abgewogen werden.

Die Kernspintomographie ist besonders gut geeignet, um Weichteilgewebe und Organe sehr präzise darzustellen. Computertomographie, Röntgen oder Ultraschall stoßen bei diesen Fragestellungen schnell an ihre Grenzen.

Eine MRT wird deshalb eingesetzt, wenn es um die genaue Beurteilung von Gewebe, Gewebeveränderungen und Organen in fast allen Körperregionen geht. Mittlerweile können sogar Organe in ihrer Funktion im Detail dargestellt werden. In der Herzdiagnostik können so Störungen am Herzen und einzelnen Bereichen (Herzklappen) sichtbar gemacht werden. 

Besonders gut lassen sich mit einem MRT-Scan beurteilen:

  • Gehirn und Veränderungen des Gehirns und des Kopfes
  • Rückenmark und Nervenkanäle
  • Wirbelsäule, Bandscheiben und Bandscheibenvorfälle
  • innere Organe (zum Beispiel Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse)
  • Muskeln, Sehnen, Bänder
  • Gelenkveränderungen (zum Beispiel des Kniegelenks)
  • Blutgefäße

Eine entscheidende Rolle spielen MRTs in der Diagnose und Behandlung von Tumorerkrankungen. Sie ist die sicherste Methode, um eine Krebserkrankung auszuschließen. Mit dem MRT-Scan lassen sich außerdem Tumoren und Tochtergeschwüre (Metastasen) genau lokalisieren. Auch Strahlenbehandlungen oder eine Operation von Tumoren können mithilfe der MRT geplant werden.

Durch die fehlende Strahlenbelastung können auch Schwangere (außer im ersten Schwangerschaftsdrittel) und Kinder untersucht werden.

Die MRT stößt an ihre Grenzen, wenn das Gewebe wenig Wasser (wie die Knochen) oder aber viel Luft enthält (wie die Lungen). Andere Untersuchungsmethoden (CT, Röntgen) sind in diesen Fällen besser geeignet.

Die wichtigsten Untersuchungen beim Arzt und in der Klinik

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. November 2016
Quellen: Kompetenznetz Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie Franken, Infos zum MRT, www.kompetenznetz-franken.de, abgerufen Januar 2016; Internisten im Netz, Informationen zur Kernspintomographie, www.internisten-im-netz,de, abgerufen Januar 2016; Grundlagen der Magnetresonanztomographie, Magnetresonanztomographie, Lernskript für Mediziner, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Januar 2013

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