Zahn- und Kieferfehlstellungen behandeln

Zahnspange: So werden schiefe Zähne wieder gerade

Etwa jedes zweite Kind in Deutschland leidet unter Fehlstellungen von Kiefer und Zähnen. Korrigiert werden diese bereits im Kindesalter mit verschiedenen Arten von Zahnspangen. Auch im Erwachsenenalter kann eine Behandlung noch erfolgreich. Wann Zahnspangen nötig sind, wie sie Fehlstellungen beheben und was das Verfahren kostet – unser Überblick.

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Zahnspangen können Fehlstellungen korrigieren.
istock

Eine Zahnspange zu tragen, ist unter Jugendlichen nichts Ungewöhnliches mehr – bei etwa jedem zweiten Kind wird heute eine kieferorthopädische Behandlung per Zahnspange durchgeführt. Die Behandlung ist sehr zeitaufwändig und erfordert von den jungen Patienten viel Geduld und Mitarbeit.

Mit verschiedenen kieferorthopädischen Apparaten – gemeinhin "Zahnspange" genannt – werden ganz unterschiedliche Arten von Fehlstellungen an Zähnen und Kiefer korrigiert. Schief stehende Zähne und nicht zusammenpassende Kiefer können angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen. Häufig ist die Fehlentwicklung eine Kombination aus beidem.

Zu den angeborenen Fehlstellungen des Gebisses gehören:

  • Vorbiss (Progenie): ein großer, ausgeprägter Unterkiefer, bei dem die unteren Schneidezähne vor die oberen beißen

  • Deckbiss oder Tiefbiss: Die oberen, mittleren Schneidezähne überdecken die unteren.

  • Distalbiss: ein Rückbiss des Unterkiefers, häufig mit nach vorne abstehenden Schneidezähnen

  • Missbildungen: Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Zahnüber- oder unterzahl, Zahnverlagerung

Zudem kann es während der Entwicklung des Gebisses und der Kieferknochen zu anatomischen Verschiebungen und damit verbundenen Platzproblemen kommen, sodass einzelne Zähne kippen oder abgedrängt werden und vor oder hinter der eigentlichen Zahnreihe stehen.

Bei den erworbenen Fehlstellungen sind oft schlechte Gewohnheiten schuld. Dazu gehören Lutschen an Daumen oder Stiften sowie zu langes Nuckeln an Schnuller und Flaschen. Aber auch der frühzeitige Verlust der Milchzähne begünstigt Fehlentwicklungen im Zahn- und Kieferbereich.

Warum eine Zahnspange wichtig ist

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Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Ein gestörter Zusammenbiss beeinträchtigt das Kauen und die Nahrungsaufnahme, die Mundschleimhaut und die Lippen können verletzt werden. Zu eng oder verschachtelt stehende Zähne begünstigen die Entstehung von Karies und Zahnfleischerkrankungen, weil die Zähne nicht optimal geputzt werden können. Durch ungleichmäßige Belastung des Gebisses können weitere Zähne kippen, Zahnbetterkrankungen sowie Probleme im Kiefergelenk, Nacken- und Gesichtsmuskelverspannungen entstehen.

Schiefe Zähne können zu Sprachstörungen (zum Beispiel Lispeln) führen. Massive Fehlstellungen beeinträchtigen nicht nur das Aussehen, sondern auch das Selbstwertgefühl und verursachen nicht selten psychische Probleme.

Zudem haben schiefe Zähne Langzeitfolgen, weil im späteren Leben häufiger ein Zahnersatz angepasst werden muss.

Zahnspange gegen schiefe Zähne – auch für Erwachsene!

Angeborene Fehlentwicklungen wie eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte werden meist schon im Kleinkindalter behandelt. Doch in den meisten Fällen sind die kleinen Patienten zwischen acht und zehn Jahre alt, wenn sie beim Kieferorthopäden vorgestellt werden. In diesem Alter macht man sich die Wachstumsvorgänge des Gesichtsschädels zu Nutze. Abhängig von den Fehlstellungen dauert die Behandlung etwa zwei bis vier Jahre.

Auch im Erwachsenenalter ist eine Zahnkorrektur noch möglich. Hier sind dem Kieferorthopäden jedoch Grenzen gesetzt: Eine Zahnspange kann bei Erwachsenen keine Fehlstellungen des Kiefers mehr korrigieren, da die Wachstumsphase abgeschlossen ist.

Zur Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen kommen herausnehmbare oder festsitzende Korrektursysteme zum Einsatz. Möglich ist auch eine Kombination aus beiden Verfahren. So wird zu Beginn der kieferorthopädischen Behandlung bei Kindern häufig eine lose Zahnspange eingesetzt, um erste Korrekturen an den Zahnbögen vorzunehmen. Wenn der Zahnwechsel abgeschlossen ist, wird dann auf eine festsitzende Zahnspange gewechselt, die die Hauptarbeit der Zahnkorrektur übernimmt. Jedes Verfahren hat Vor- und Nachteile.

Herausnehmbare Zahnspangen

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Herausnehmbare Zahnspangen erfordern die Mitarbeit der jungen Patienten: Sie müssen regelmäßig getragen werden.
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Bei diesen Geräten sind an einer Kunstoffbasis Edelstahldrähte angebracht, welche die Zähne nach und nach in die richtige Position schieben und die Kaumuskeln trainieren. Sie müssen für mehrere Stunden am Tag und auch nachts getragen werden. Mittels Schrauben werden die Zahnspangen Schritt für Schritt nachjustiert. Mit herausnehmbaren Zahnspangen können sowohl am Oberkiefer als auch am Unterkiefer Korrekturen vorgenommen werden. Sie üben nicht so starke Kräfte auf das Zahn-Kiefersystem aus, Überlastungsschäden an der Zahnsubstanz sind eher gering.

Lose Zahnspangen sind zudem im Alltag äußerst praktisch. Sie können vor dem Essen oder Sport entfernt werden. Auch das Zähneputzen gestaltet sich bei einer losen Zahnspange einfach – so sinkt das Risiko für Karies und andere Zahnerkrankungen erheblich.

Jedoch verlängert sich bei diesem System auch die Behandlungsdauer. Hinzu kommt, dass Kinder die Zahnspange nicht immer zuverlässig tragen, denn sie behindert beim Sprechen und sieht nicht besonders schick aus. Eine inkonsequente Handhabe beeinträchtigt den Erfolg der Behandlung. Denn bereits nach kurzer Zeit verschiebt sich das Gebiss wieder in seine alte Form.

Festsitzende Zahnspangen

Bei festen Zahnspangen werden kleine Plättchen meist aus Metall auf die Zähne geklebt. Diese "Brackets" werden mit Metallringen und Drähten verbunden, die unter Spannung die Zahnstellung regulieren. Bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen werden die Drahtbögen nachgezogen, um die Zähne nach und nach in die gewünschte Position zu bewegen. Die Brackets sind mit der Zeit immer kleiner geworden. Mittlerweile gibt es sie auch aus Glasfaser oder Keramik. Dadurch fallen sie weniger auf, sind jedoch teurer und in der Regel keine Kassenleistung.

Die Behandlungszeit bei einer festen Zahnspange ist deutlich kürzer, da sie Tag und Nacht auf Zähne und Kiefer einwirkt. Die Kräfte auf die Zähne sind jedoch größer, mitunter kann es zu Schäden an Zahnwurzeln und Zahnhalteapparat kommen.

Zahnpflege bei festen Zahnspangen

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Eine sorgfältige Mundhygiene ist bei festen Zahnspangen besonders wichtig.
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Das größte Problem ist jedoch, dass eine festsitzende Zahnspange die Zahnpflege enorm behindert. In den Zwischenräumen, unter den Brackets oder Drähten können sich Speisereste leicht verfangen, das Entfernen von Zahnbelägen ist erschwert. Wenn die Mundhygiene nicht regelmäßig und sorgfältig durchgeführt wird, kann es zu Schäden am Zahnschmelz, Karies und Entzündungen der Mundschleimhaut kommen.

Bei allen festen Zahnspangen ist deshalb eine gründliche Zahnpflege besonders wichtig: Die Zähne sollten nach jeder Mahlzeit sorgfältig geputzt werden. Zahnseide und Interdentalbürsten sind dabei unentbehrlich für schwer zugängliche Stellen.

Unsichtbare Zahnspangen und Aligner

Egal ob feste oder lose Zahnspange – beide sehen optisch nicht besonders schön aus. Viele wünschen sich deshalb heute eine unsichtbare Zahnspange. Durch die Weiterentwicklung von Materialien bietet die Zahntechnik mittlerweile eine Reihe von Möglichkeiten an.

Bei einer innenliegenden Zahnspange werden die Brackets auf der Zahninnenseite angebracht, sodass sie kaum sichtbar sind. Verbunden ist dieses Verfahren jedoch mit einem höheren zeitlichen und technischen Aufwand als bei normalen festen Zahnspangen, der entsprechend teurer ist. Ein weiterer Nachteil ist die längere Gewöhnungsphase und eventuelle Probleme bei der Aussprache, da diese Zahnspangen die Zunge behindern.

Eine unsichtbare Korrektur ist auch mit den sogenannten Aligner möglich. Dabei handelt es sich um herausnehmbare und farblose Kunststoffschienen, die über die Zähne geschoben werden. Diese sind kaum sichtbar und eignen sich daher vor allem für Erwachsene, die – zum Beispiel durch ihren Beruf – besonderen Wert auf Ästhetik legen. Die Modelle können jedoch in den meisten Fällen nur leichte Fehlstellungen der Zähne korrigieren. Aligner lassen sich beim Essen oder zum Zähneputzen herausnehmen und erleichtern somit die Zahnpflege.

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Wer trägt die Behandlungskosten bei Zahnspange und Co?

Bei Kindern und Jugendlichen übernehmen die gesetzliche Krankenkassen zwischen dem 10. und 18. Lebensjahr die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung. Zunächst werden 80 Prozent (bei mehreren Kindern 90 Prozent) der Kosten übernommen, den Rest müssen die Eltern vorstrecken. Wenn die Behandlung nach zwei bis drei Jahren erfolgreich abgeschlossen wurde, zahlt die Krankenkasse auch den Restbetrag zurück.

Voraussetzung dafür ist, dass die Behandlung medizinisch notwendig ist. Die Zahn- oder Kieferfehlstellung muss das Schlucken, Sprechen, Kauen oder Atmen erheblich beeinträchtigen. Die Korrektur von nur leichten Zahnfehlstellungen ist in der Regel keine Kassenleistung.

Extras zahlt die Kasse nicht

Von der Kostenübernahme ausgenommen sind zudem all die Leistungen, die keine Standard-Versorgung darstellen. Viele Extras, die die kieferorthopädische Behandlung angenehmer machen oder verkürzen, müssen aus der eigenen Tasche gezahlt werden. Dazu gehören zum Beispiel Brackets in Zahnfarben oder besonderen Materialien, Spezialversiegelung für die Zähne oder für bestimmte Drähte.

Erwachsene gehen grundsätzlich leer aus, es sei denn, es handelt sich um schwere, behandlungsbedürftige Kieferfehlbildungen. Bei den privaten Krankenkassen hängt die Kostenübernahme von der persönlichen Tarifgestaltung ab.

Zähne putzen - aber richtig!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 29. März 2017
Durch: es
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: www.dgzmk.de, Patienteninformationen über kieferorthopädische Apparaturen und festsitzende Zahnspangen, abgerufen 28. März 2017 Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung: www.kzbv.de: Patienteninformationen zu Zahnfehlstellungen und deren Korrektur, URL: http://www.kzbv.de/haufige-fehlstellungen.315.de.html abgerufen 28. März 2017

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