Akupunktur statt Medikamente
Akupunktur bei Schwangerschaftsbeschwerden wie Rückenschmerzen
"Da kann man nichts machen" oder "Das gehört eben dazu." So oder ähnlich lauten die Kommentare häufig, wenn es um Beschwerden geht, die typischerweise während der Schwangerschaft auftreten. Dazu gehören bei vielen Frauen auch Rückenschmerzen, besonders unten und im Beckenbereich. Weil schmerzstillende Medikamente während der Schwangerschaft für die meisten tabu sind, erscheint "Durchhalten" als einzige Alternative. Dabei schränken die Beschwerden die Schwangeren im Alltag oft erheblich ein und beeinträchtigen sie beim Laufen und während der Arbeit.
Rückenschmerzen während der Schwangerschaft haben mehrere Ursachen: Zum einen führt die Hormonumstellung im Körper dazu, dass sich das Gewebe auflockert. Folge sind Wassereinlagerungen sowie die Lockerung von Sehnen, Bändern und Gelenken. Auch die Wirbelsäule verliert an Stabilität.
Gleichzeitig hat sie jedoch durch die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft mehr zu tragen. Die Muskeln müssen folglich ausgleichen, was die Wirbelsäule nicht schafft. Die ermüdeten Muskeln verursachen dann Schmerzen und Verspannungen im unteren Rücken- und Beckenbereich. Hinzu kommt, dass sich durch das zunehmende Gewicht der Schwerpunkt des Bauches weiter nach vorne verlagert. Viele Frauen kompensieren das durch eine Hohlkreuzhaltung, welche die Schmerzen zusätzlich verstärken kann.
Schwangere im Mittelpunkt der Akupunktur-Forschung
Ob Akupunktur-Behandlungen gegen solche Rückenbeschwerden helfen können, das wollten der Wissenschaftler João Bosco Guerreiro da Silva und seine Kollegen aus Brasilien jetzt herausfinden. Die Bedingungen für ihre Untersuchungen sollten so lebensnah wie möglich sein: Man teilte insgesamt 61 schwangere Frauen, die unter Schmerzen im unteren Rücken- und Beckenbereich litten, zufällig in eine Test- und in eine Kontrollgruppe ein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Teilnehmerinnen ausschließlich mit herkömmlichen Methoden behandelt worden. Von jetzt an wurden die 27 Frauen der Testgruppe zusätzlich acht Wochen lang mit klassischer Akupunktur behandelt. Die Kontrollgruppe, bestehend aus 34 Probandinnen, erhielt weiterhin die herkömmliche Behandlung.
Zunächst wurden alle an der Studie beteiligten Frauen zu ihren bisherigen Schmerzen befragt: Auf einer Skala von Null bis Zehn sollten sie die Intensität ihrer Rückenschmerzen einstufen. Außerdem beurteilten sie ihre körperliche Belastbarkeit bei der Verrichtung alltäglicher Aktivitäten, beim Arbeiten und beim Gehen. Wenn die Frauen schmerzstillende Medikamente einnahmen, wurde auch das im Protokoll festgehalten. Im Laufe der folgenden acht Wochen, während die Testgruppe Akupunktur-Anwendungen erhielt, wurden die Befragungen der Patientinnen alle zwei Wochen wiederholt, insgesamt fünf Mal. Alle Teilnehmerinnen blieben bis zum Abschluss der Studie dabei.
Akupunktur konnte die Rückenschmerzen erheblich reduzieren
Nach Auswertung aller Befragungen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Akupunktur-Behandlungen bei den Schwangeren deren Schmerzen im Rücken und im Beckenbereich insgesamt deutlich linderten. Bei 21 Teilnehmerinnen der Testgruppe (das entspricht 78 Prozent) sank das Schmerzniveau im Laufe der Therapie mindestens um die Hälfte. Innerhalb der Testgruppe trat dieser Effekt nur bei fünf Frauen auf, das entspricht 18,6 Prozent. Im Vergleich zur Kontrollgruppe sanken auch der maximal empfundene Schmerz und der Schmerz zum Zeitpunkt der Befragung. Die akupunktierten Frauen waren außerdem körperlich deutlich belastbarer im Alltag. Verglichen mit der Testgruppe, fiel Ihnen das Arbeiten und Gehen leichter. Außerdem waren sie deutlich weniger auf das Schmerzmittel Paracetamol angewiesen.
Werdende Mütter profitieren besonders von der Akupunktur
Dank ihrer guten Verträglichkeit eignet sich die Akupunktur gerade für schwangere Frauen mit Rückenschmerzen. Auch Dr. Bernd Ramme von der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM) betont den hohen Nutzen dieser schonenden Behandlungsmethode: "Die Akupunktur bedeutet einen enormen Gewinn bei der Behandlung von Schwangerschaftsbeschwerden", kommentiert er die neuen Ergebnisse aus Brasilien. Die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kommt folglich sowohl den Müttern als auch ihren ungeborenen Kinder zugute.




