Herstellung homöopathischer Streukügelchen

Globuli: So kommt der Wirkstoff in die Streukügelchen

Globuli sind die bekannteste Darreichungsform homöopathischer Arzneimittel. Daneben gibt es homöopathische Tabletten oder Tropfen. Sie können entweder ärztlich verordnet oder in der Apotheke zur Selbstmedikation empfohlen werden. Doch wie werden Globuli eigentlich hergestellt?

Mann streut Globuli aus Flasche
© Getty Images/EThamPhoto

Globuli (Mehrzahl, Einzahl ist "Globulus") gibt es in unterschiedlichen Größen. Für die üblichen D- und C-Potenzen werden gemäß Herstellvorschrift im Homöopathischen Arzneibuch (HAB ) Globuli der Größe 3 verwendet.

Homöopathische Arzneimittel für die Hausapotheke

Globuli: 2.500 Wirkstoffe für unterschiedliche Anwendungsgebiete

Ein Globulus der Größe 3 wiegt etwa acht Milligramm und hat etwa zwei Millimeter Durchmesser. Nach Vorschrift 10 des HAB werden 100 Gewichtsanteile Kügelchen, die aus Kristallzucker (Saccharose) bestehen, mit einem Teil flüssigem Wirkstoff (mindestens 60 Prozent Alkohol) benetzt. Dies heißt Imprägnation und findet in großen Dragierkesseln statt. Durch die Rotation der Kessel und eine genau definierte Auftragungsweise findet die heilsame Flüssigkeit ihren Weg bis in den letzten Globulus.

Von Arnica über Okoubaka bis hin zu Zincum valerianicum – in der Homöopathie gibt es etwa 2.500 anerkannte Wirkstoffe. Deren Einsatz basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das heißt, der Stoff wird bei den Symptomen eingesetzt, die er bei einem gesunden Menschen auslöst. Beispiel Zwiebel: Sie wird als homöopathischer Wirkstoff Allium cepa bei tränenden Augen und laufender Nase zum Beispiel bei Heuschnupfen eingesetzt. Bei Fieber wird Belladonna oder Aconitum eingesetzt, Nux vomica kann bei Verdauungsbeschwerden helfen. Der genaue Wirkmechanismus, also wie die Wirkung zustande kommt, ist noch nicht geklärt. Zahlreiche klinische Studien belegen jedoch die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel.

So werden Globuli hergestellt: Die einzelnen Schritte

Am Anfang der Herstellung homöopathischer Arzneimittel steht die Urtinktur. Heilpflanzen oder ihre Teile wie Blüten oder Wurzeln werden zerkleinert, in ein Alkohol- und Wassergemisch eingelegt und gelöst. Dieser als Mazeration bezeichnete Vorgang dauert zehn bis 30 Tage. Anschließend werden die gelösten Pflanzen beziehungsweise deren Teile abgepresst. Es entsteht die Urtinktur, die Basis für alle weiteren Herstellungsschritte.

Die Urtinktur selbst kann bei bestimmten Pflanzen auch schon in homöopathischen Arzneimitteln verwendet werden. Durch Potenzierung (Verschüttelung mit Alkohol-Wasser) werden aus der Urtinktur sogenannte Dilutionen hergestellt: D-Potenzen im Verhältnis 1:10 (Ausgangsstoff zu Trägerstoff), C-Potenzen im Verhältnis 1:100 und LM (Q)-Potenzen 1:50.000.

Je nach gewünschter Potenz der Globuli werden sie mit der entsprechenden Dilution aus mikrofeinen Düsen besprüht. 

Bei festen, nicht löslichen Ausgangsmaterialien wie Mineralien, wird nach Vorschrift 6 HAB zunächst verrieben. Die Verreibung, auch Trituration in den Folgestufen genannt, findet in Mühlen verschiedener Größe statt, die wie Mörser arbeiten. Der Mahlvorgang dauert mehrere Stunden. Jeweils 99 Teile Milchzucker (Lactose) werden mit einem Teil Ausgangsstoff verrieben. Das Resultat enthält Partikel nur noch in Mikrometergröße. Homöopathische Tabletten enthalten laut HAB als Trägersubstanz Lactose.

Darreichungsformen in der Homöopathie

Globuli: Dosierung für Erwachsene und Kinder

Für Globuli gelten die gleichen Anwendungsmöglichkeiten wie bei anderen Darreichungsformen. Sie sind in der Regel sehr verträglich und auch für Kinder und ältere Menschen geeignet. Der*die Apotheker*in berät, wofür und für wen es passt.

Die übliche Dosierung sind dreimal täglich

  • für Erwachsene 5 Globuli,
  • für Säuglinge (1. Lebensjahr) 2 Globuli,
  • für Kleinkinder (bis 6. Lebensjahr) 3 Globuli,
  • für Kinder (6.- 12. Lebensjahr) 4 Globuli,
  • ab 12 Jahren 5 Globuli.

Die Kügelchen werden gelutscht. So lösen sie sich im Mund auf und der Wirkstoff kann über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Bei Babys wird der Globulus am besten in die Backentasche gegeben. Auch Tropfen und Tabletten sollte man wie Globuli kurze Zeit im Mund behalten.

Praktischer Einsatz von Globuli

Homöopathische Arzneimittel sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich. Globuli sind meist "Einzelmittel". Diese enthalten nur einen einzigen Wirkstoff wie Arnica. Einzelmittel führen meist keine Angabe des Einsatzgebietes (Indikation) auf dem Beipackzettel, hier erhält man Beratung in der Apotheke.

Wenn mehrere Wirkstoffe in einem Präparat miteinander kombiniert sind, spricht man von Kombinations- oder Komplexpräparaten. Diese gibt es meist in Form von Tabletten. Die Indikation ist meist auf Packung und Beipackzettel angegeben. Komplexmittel sind also besonders leicht anzuwenden.

Homöopathische Arzneimittel können im Rahmen der apothekengestützten Selbstmedikation bei leichteren Erkrankungen eingesetzt werden. Das sind meist akute Beschwerden, etwa im Rahmen von Erkältungen oder Magen-Darm-Verstimmungen. Die Symptome können aber auch im Zusammenhang mit einer leichteren Grunderkrankung stehen wie beim Heuschnupfen. 

In der ärztlichen homöopathischen Therapie ist das Spektrum der Erkrankungen, die behandelt werden können, entsprechend größer. Das liegt daran, dass der Einsatz und die Überwachung durch den*die Arzt*Ärztin stattfinden und bei Bedarf schulmedizinische Basismedikamente eingesetzt werden. Meist stehen dabei chronische Erkrankungen im Fokus. Neben dem alleinigen Einsatz können homöopathische Arzneimittel also auch ergänzend beziehungsweise unterstützend eingesetzt werden.

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