Selbst produzierte Schmerzhemmer

Endorphine: Wie werden Glückshormone freigesetzt?

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Endorphine sind viel mehr als Auslöser von Glücksgefühlen. Sie lösen Euphorie aus und lindern Schmerzen, damit der Körper Extremsituationen meistern kann. Wann der Mensch die Rauschhormone ausschüttet und wie sich ihre Freisetzung steigern lässt.

Joggerin läuft durch Wald
© Getty Images/Westend61

Artikelinhalte im Überblick:

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Was sind Endorphine?

Bei Endorphinen handelt es sich um Opioidpeptide, die vom Körper selbst produziert werden. Ihre Unterscheidung erfolgt meist in die drei Haupttypen:

  • Alpha-Endorphine
  • Beta-Endorphine
  • Gamma-Endorphine

Die Botenstoffe (Neurotransmitter) werden in den Zellen des peripheren und zentralen Nervensystems (Hypophyse und Hypothalamus) sowie in bestimmten Zellen des Immunsystems gebildet.

Opioide,umgangssprachlich auch als Opiate bezeichnet, spielen als Medikamente vor allem in der Behandlung von starken Schmerzen eine Rolle. Zu den stärksten Schmerzmitteln gehört Morphin. Die vom Körper selbst produzierten Endorphine docken an denselben Rezeptoren an wie opioidhaltige Schmerzmittel. Sie werden daher auch als endogene (vom Körper produzierte) Morphine bezeichnet. Endorphine besitzen genau wie die Medikamente eine stark schmerzlindernde (analgetische) Wirkung. Bei den Endorphinen tritt diese durch eine Blockade der Schmerzreizübertragung im Hinterhorn des Rückenmarks ein. Hier findet die zentrale Umwandlung der Schmerzempfindung statt.

Wie wirken Endorphine?

Endorphine werden vor allem in Extremsituationen ausgeschüttet. Sie fungieren wie eine Art Schutzschild für den Körper, damit er in Gefahrensituationen handlungsfähig bleibt. Das Endorphinsystem wird in solchen Fällen aktiviert und eine vorübergehende Schmerzlosigkeit tritt ein. Ein Beispiel für diesen Effekt: Direkt nach einem Fahrradsturz werden keine Schmerzen verspürt und man fährt einfach weiter. Erst nach einiger Zeit – wenn der Endorphinspiegel wieder gesunken ist – bemerkt man seine schmerzenden Verletzungen. Dies ist eine clevere Erfindung der Natur, die im Überlebenskampf bereits seit Urzeiten eine entscheidende Rolle spielt: In belastenden Situationen und Notfallsituationen ist der Körper zu Flucht oder Kampf bereit – selbst unter starken Verletzungen.

Neben Serotonin, Dopamin oder Oxytocin sind Endorphine außerdem an der Entstehung von euphorischen Gefühlen beteiligt und dienen der Steuerung des Antriebs. Aus diesem Grund werden sie häufig zu den sogenannten Glückshormonen gezählt, die für Glücksgefühle verantwortlich sind. Zudem wird davon ausgegangen, dass Endorphine in weiteren Bereichen eine Rolle spielen: bei der Regulation des Hungergefühls, der Körpertemperatur und bei der Produktion von Sexualhormonen.

Ein Endorphinmangel wird mit depressiven Verstimmungen und einer verminderten Schmerztoleranz in Verbindung gebracht. Der genaue Zusammenhang von Depressionen und Endorphinen muss von Forschenden noch untersucht werden.

Die Wirkung von Opioiden kann durch den Gegenspieler Naloxon geblockt werden. Hierbei handelt es sich um ein Notfallmedikament, das unter anderem bei einer Opioidvergiftung durch Drogen oder Medikamentenmissbrauch zum Einsatz kommt. Naloxon kann sowohl die Wirkung von opiathaltigen Schmerzmitteln und Drogen als auch die von körpereigenen Opioiden hemmen.

Endorphine freisetzen – wie gelingt das?

In Extremsituationen schüttet der Körper automatisch Endorphine aus, um im Notfall weiter funktionieren zu können. Denn die Hauptaufgabe der Endorphine ist es schließlich, schwere Schmerzen zu lindern oder gar zu unterdrücken. Auch psychische Stresssituationen können die Endorphine hervorlocken. Die Botenstoffe helfen dabei, die Belastungen erträglicher zu machen und leistungsfähig zu bleiben.

Wer seine Glückshormone steigern will, muss sich deshalb aber trotzdem nicht in Gefahr begeben oder sich massivem Stress aussetzen. Denn es gibt andere Möglichkeiten, die Endorphin-Ausschüttung zu steigern:

  • UV-Licht: Durch Sonnenbaden steigen die Endorphinwerte. Eine Extraportion Tageslicht kann daher im Winter bei einer saisonbedingten Winterdepression stimmungsaufhellend wirken. Im Sommer sollte die Sonne trotzdem mit Vorsicht und ausreichendem Sonnenschutz genossen werden.

  • Positive Erlebnisse: Es wird davon ausgegangen, dass schöne Ereignisse das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren und dadurch unter anderem Endorphine ausgeschüttet werden. Diese Botenstoffe führen dazu, dass euphorische Gefühle entstehen. Auch Lachen fördert die Freisetzung von Endorphinen.

  • Sex: Während des Orgasmus schüttet der Körper einen ganzen Hormon-Cocktail aus. Neben Serotonin und Oxytocin gehören dazu auch die Endorphine. Sie sorgen dafür, dass man sich entspannt und glücklich fühlt.

  • Geschwindigkeit: Ob bei einer rasanten Autofahrt, in der Achterbahn oder bei einem Fallschirmsprung: Dass ein solcher Geschwindigkeitsrausch einen Kick verursacht, liegt unter anderem an den Hormonen. In diesen Situationen aktiviert der Körper sein Warnsystem und bereitet sich auf das Schlimmste vor: Er schüttet die Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus, um alle Energiereserven zu aktivieren und der Endorphinspiegel erhöht sich, um sich vor den befürchteten Schmerzen zu wappnen. Manche Menschen finden an diesem Nervenkitzel Gefallen und wollen ihn möglichst oft wiederholen – sie werden auch als Adrenalin-Junkies bezeichnet.

  • Ernährung: Der Konsum von Chili kann zu einem sogenannten "Pepper High"-Effekt führen. Gemeint ist ein Hochgefühl, das durch den enthaltenen Scharfmacher Capsaicin ausgelöst wird. Dieser Inhaltsstoff sorgt für das typische brennende Gefühl im Mund. Um diesen Schmerz zu lindern, schüttet der Körper Endorphine aus. Chili gilt daher auch als "Happy Food".

  • Sport: Bewegung setzt Endorphine frei. Das trifft vor allem auf den Ausdauersport zu, aber auch auf Aktivitäten wie Tanzen. Bei Letzterem sorgt nicht nur die körperliche Bewegung, sondern auch das Hören der Musik für den Endorphin-Flug.


Runner’s High durch Endorphine?

Als absolutes Hochgefühl beim Sport ist unter Läufer*innen das sogenannte Runner’s High bekannt. Durch die Ausschüttung von Endorphinen soll es bei anstrengenden Langstreckenläufen von besonderer Intensität möglich sein, den körperlichen Schmerz auszublenden. Läufer*innen sollen dadurch in eine Ekstase geraten und einen Rausch-ähnlichen Zustand erleben. Weil sie dieses Gefühl immer wieder erneut hervorrufen wollen, könnte dies sogar in eine regelrechte Laufsucht münden.

Welche Mechanismen beim Runner's High tatsächlich eine Rolle spielen, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Während früher allein die Endorphine dafür verantwortlich gemacht wurden, zeigen neuere Studien, dass den Endocannabinoiden eine größere Bedeutung zuzukommen scheint. Es handelt sich dabei um Cannabis-ähnliche Substanzen, die vom Körper selbst hergestellt werden.

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