An Händen, Achseln oder Gesicht

Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen stoppen

Mann benutzt Deo
Antitranspirantien, die wie Deo-Spray verwendet werden, können die Schweißproduktion etwas unterdrücken.
(c) George Doyle

Riesige Schweißflecken unter den Achseln, glitschige Hände und Füße: Menschen mit Hyperhidrose schwitzen extrem, selbst dann, wenn es nicht besonders warm ist. Ihre Schweißdrüsen sind überaktiv und produzieren mehr Feuchtigkeit, als für die körpereigene Kühlung notwendig ist. Hyperhidrose kann eine eigenständige Erkrankung darstellen oder auch Symptom sein für andere Krankheiten. Es gibt verschiedene Behandlungen, um das übermäßige Schwitzen in den Griff zu bekommen, zum Beispiel mit Aluminiumsalzen oder dem Nervengift Botox.

Schwitzen ist ein lebenswichtig für die Wärmeregulation und sorgt dafür, dass der Körper nicht überhitzt. Schweißdrüsen sondern ein wässriges Sekret ab, das auf der Haut verdunstet und so den Körper kühlt. Je nach Außentemperatur und körperlicher Anstrengung produziert ein Mensch mehrere Liter Schweiß pro Tag. Menschen mit einer Hyperhidrose schwitzen dagegen viel mehr, als für die Temperaturregulierung notwendig ist. Die Schweißdrüsen sind weder vermehrt noch vergrößert, sondern lediglich überstimuliert.

Mittel gegen starkes Schwitzen

Einteilung der Hyperhidrose: primär, sekundär, fokal, generalisiert

Mediziner teilen die Hyperhidrose nach verschiedenen Kriterien ein:

  • Die fokale Hyperhidrose bedeutet, dass die übermäßige Schweißproduktion auf einzelne Körperregionen begrenzt ist, vor allem die Achselhöhlen, Fußsohlen, Handflächen und das Gesicht (Stirn).

  • Bei der generalisierten Hyperhidrose ist der gesamte Körper betroffen.

  • Bei der primären Hyperhidrose (idiopathische Hyperhidrose) lässt sich keine Krankheit oder äußere Ursache festmachen. Sie kommt am häufigsten vor, betrifft meist nur einzelne Körperregionen und nimmt ihren Anfang in der Pubertät.

  • Die sekundäre Hyperhidrose ist dagegen auf eine bestehende Grunderkrankung zurückzuführen. Sie ist ein Symptom bei Grippe, Tuberkulose, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Krebs oder lebensbedrohlichen Zuständen wie einem Schock oder einer Unterzuckerung. Auch bestimmte Medikamente lösen eine sekundäre Hyperhidrose aus. Meist schwitzen Menschen mit dieser Form der Schwitzattacken generalisiert am ganzen Körper.

Die Erkrankung bedeutet für Betroffene oft einen hohen Leidensdruck und eine eingeschränkte Lebensqualität. Aus Scham ziehen sie sich aus der Gesellschaft zurück, meiden soziale Kontakte und isolieren sich zunehmend – auch im Beruf. Zudem bietet die feuchte Haut ideale Bedingungen für Keime aller Art: Pilze, Viren und Bakterien haben leichtes Spiel. Sie vermehren sich und breiten sich aus. Die Folgen sind Hautauschläge, Hautrötungen, Warzen und andere Hautveränderungen.

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

Symptome der Hyperhidrose: Schwitzen extrem!

Das Hauptsymptom der primären Hyperhidrose ist der übermäßige Schweißfluss aufgrund einer gestörten Schwitzfunktion. Für Betroffene sind die erheblichen Schweißmengen äußerst unangenehm und störend. Auch für die Mitmenschen ist das übermäßige Schwitzen meist gut sicht- oder spürbar. Die Hände schwitzen so extrem, dass jedes Händeschütteln unangenehm ist. Auch das Papier beim Schreiben wellt sich unter dem übermäßigen Schweißfluss. Zudem bilden sich große, dunkle Schweißflecken auf der Kleidung unter den Achseln – obwohl es gar nicht heiß ist.

Typisch für die häufiger auftretende primäre Hyperhidrose:

  • Die Symptome beginnen im Kindes- oder Jugendalter vor dem 25. Lebensjahr.
  • Das Schwitzen tritt unabhängig von der Temperatur auf, ist nicht vorhersehbar und mit dem Willen nicht zu kontrollieren.
  • Das Schwitzen tritt lokal an einer oder mehreren Stellen auf, meist an beiden Körperhälften und symmetrisch
  • Betroffene schwitzen mehr als einmal pro Woche extrem und der Alltag ist erheblich beeinträchtigt.
  • Im Schlaf verstärkt sich das Schwitzen nicht.
  • Die Hyperhidrose kommt bereits in der Familie vor.

Ursachen: Warum kommt es zum übermäßigen Schwitzen?

Schwitzen ist keine Krankheit, sondern dient der Regulation der Körpertemperatur und schützt den Organismus vor dem Überhitzen. Vor allem bei heißen Außentemperaturen im Sommer, beim Sport kühlt oder in Zusammenhang mit Infektionskrankheiten und Fieber kühlt das Schwitzen den Körper ab.

Der menschliche Organismus verfügt über rund zwei Millionen Schweißdrüsen, die über die Körperoberfläche verteilt sind. Schweißproduzierende Drüsen kommen in drei Formen vor:

  • Rund drei Viertel aller Drüsen sind reine Schweißdrüsen (ekkrine Schweißdrüsen), die ausschließlich Schweiß abgeben.

  • Etwa ein Viertel sind Duftdrüsen (apokrine Schweißdrüsen), die für den typischen Körpergeruch eines Menschen verantwortlich sind. Duftdrüsen finden sich vor allem unter den Achseln und im Genital- sowie Afterbereich. Während Nervenfasern die reinen Schweißdrüsen aktivieren, reagieren Duftdrüsen auf Hormone.

  • Außerdem gibt es Schweißdrüsen vom gemischten Typ, deren Rolle beim übermäßigen Schwitzen bisher nicht geklärt ist.

Was man bei Hitze nicht tun sollte!

Lifeline/Wochit

Eine Hyperhidrose tritt – anders als das "normale" Schwitzen – unabhängig von der Außentemperatur und fiebrigen Erkältungen auf.

Primäre Hyperhidrose: Ursachen sind unbekannt

Die primäre Hyperhidrose bedeutet, dass dem Schwitzen keine Erkrankung zugrunde liegt. Die genauen Ursachen sind noch unklar. Allerdings scheint die Veranlagung eine wichtige Rolle zu spielen, weil Hyperhidrose in einigen Familien gehäuft vorkommt. Die unkontrollierbaren Schweißausbrüche beginnen häufig in der Pubertät und verstärken sich bei Stress, Angst und Nervosität. Die Betroffenen fühlen sich in ihrer Lebensqualität oft stark beeinträchtigt, da sich die übermäßige Schweißproduktion nach außen hin kaum verbergen lässt.

Sekundäre Hyperhidrose: Ursachen sind meist Krankheiten

Die sekundäre Hyperhidrose geht in der Regel auf Krankheiten und andere Faktoren zurück. Die häufigsten sind:

Hormon- und Stoffwechselstörungen, hormonelle Einflüsse

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Das Schwitzen geht mit schnellem Pulsschlag, Nervosität, Schlaflosigkeit und Gewichtsverlust einher.
  • Überfunktion der Hirnanhangdrüse (Hypophysenüberfunktion): Beispiele sind ein Überschuss an Wachstumshormonen (Akromegalie) oder ein krankhaft erhöhter Prolaktinspiegel im Blut (Hyperprolaktinämie).
  • Diabetes: Das Schwitzen ist ein Anzeichen für die Unterzuckerung, zum Beispiel in Verbindung mit Heißhunger, Zittern, Unruhe und schnellem Puls.
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Wechseljahre: Schwitzen steht häufig in Zusammenhang mit Schlafstörungen, Reizbarkeit, Nervosität und trockenen Schleimhäuten, beispielsweise im Genitalbereich.
  • Schwangerschaft
  • Menstruation

Nervenerkrankungen und psychische Belastungen

  • Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson): Typisch sind Schwitzen, fettige Gesichtshaut oder Handzittern in Ruhe.
  • Schädigungen des Sympathikus (Teil des vegetativen, autonomen Nervensystems)
  • Störungen der Hirndurchblutung, etwa durch Kopfverletzungen oder Schlaganfall
  • Gustatorisches Schwitzen (beim Konsum scharfer Speisen)
  • Stress, Angst, Panik, Schmerz, Nervosität, innere Unruhe

Krebserkrankungen

  • bestimmte Nebennierentumoren (Phäochromozytom)
  • Karzinoidsyndrom bei neuroendokrinen Tumoren (NET)
  • knochenmarkvermehrende Erkrankungen (bestimmte Leukämieformen)
  • Hodgkin-Lymphom

Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Tuberkulose (TBC)
  • Akute Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Kreislaufschock
  • akutes Herzversagen, etwa nach Herzinfarkt oder Lungenembolie

Medikamente und Drogen

  • Antidepressiva
  • Kortison (Glukokortikosteroide)
  • Antibiotika
  • Parasympathomimetika
  • Alkohol

Hyperhidrose-Diagnose: Wie wird übermäßiges Schwitzen festgestellt?

Wenn Sie unter unkontrollierbaren Schweißausbrüchen leiden und sich dadurch in Ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, besprechen Sie das Problem mit dem Hausarzt oder einem Dermatologen. Durch Fragen zu Ihrer Krankheitsgeschichte und Untersuchungen erhält der Arzt Hinweise, die für die Diagnose hilfreich sind.

  • Zum Ratgeber Wechseljahre

    Die Wechseljahre sind eine Phase des Umbruchs. Doch wie kündigen sich die Wechseljahre  eigentlich an? Welche Beschwerden können auftreten? Und was kann helfen? Hier erfahren Sie alles rund um die Menopause.

Zunächst wird der Arzt Ihnen einige Fragen stellen. Zum Beispiel:

  • Seit wann schwitzen Sie übermäßig viel?
  • Wie lange halten die Schwitzattacken an?
  • Ist das Schwitzen auf bestimmte Körperregionen beschränkt oder betrifft es den ganzen Körper?
  • Tritt das Schwitzen in bestimmten Situationen beziehungsweise zu bestimmten Zeiten verstärkt auf?
  • Leiden Sie unter weiteren Symptomen, zum Beispiel Schlafstörungen, Nervosität Gewichtsverlust, Unruhe, Fieber? Die Ursachen können die Wechseljahre, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Infektion sein.
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Konsumieren Sie Drogen oder haben Sie in der Vergangenheit solche zu sich genommen?
  • Sind Krankheiten bei Ihnen bekannt, zum Beispiel Diabetes? Zittern, Heißhunger und Schwitzen sind Zeichen einer Unterzuckerung.

Ihre Antworten liefern dem Arzt schon erste Hinweise darauf, ob das übermäßige Schwitzen eine eigenständige Störung oder eine andere Erkrankung der Verursacher ist.

Jod-Stärke-Test auf der Haut

Die körperliche Untersuchung hilft dem Arzt, den Gründen für das verstärkte Schwitzen auf die Spur zu kommen. Ist die Hyperhidrose auf bestimmte Körperbereiche begrenzt, lassen sich diese durch den Jod-Stärke-Test nach Minor genauer eingrenzen: Der Arzt bringt eine Jod-Stärke-Lösung auf die fraglichen Hautregionen auf. Schwitzt ein Mensch stark, verfärbt sich die Haut innerhalb weniger Sekunden violett.

Hilfreich ist manchmal auch die Bestimmung der Schweißmenge mittels Gravimetrie. Ärzte messen diese mit Filterpapier, Stoppuhr und einer Ultrafeinwaage. Die Aussagekraft der Messwerte ist allerdings nicht sehr hoch, weil die Erkrankung in Attacken auftritt und die Schweißmenge daher individuell extrem schwankt.

  • Zur Übersicht

    Bei Entzündungen und Infektionen steigen die Entzündungswerte im Blut an. Wie genau sind CRP, BSG & Leukozyten in der Diagnose? Alle Informationen!

Besteht der Verdacht, dass eine andere Krankheit das vermehrte Schwitzen auslöst, folgen weitere Untersuchungen. Eine Blutuntersuchung zeigt, wie es um Ihren Hormonhaushalt bestellt ist. Eine neurologische Untersuchung, Röntgenaufnahmen und die Magnetresonanztomographie (MRT) bringen ans Licht, ob eine Erkrankung der Nerven zugrunde liegt.

Hyperhidrose ist unterschiedlich schwer ausgeprägt

Ärzte teilen die Hyperhidrose in verschiedene Schweregrade ein:

  • Grad 1: Es kommt zu vermehrter Hautfeuchtigkeit an Achseln, Handflächen und Fußsohlen; unter den Achseln sind Schwitzflecken von fünf bis zehn Zentimeter Durchmesser.

  • Grad 2: Es bilden sich Schweißperlen; das Schwitzen ist auf Achseln, Handflächen und Fußsohlen begrenzt; Schwitzflecken unter den Achseln sind zehn bis 20 Zentimeter groß.

  • Grad 3: Der Schweiß tropft unter Achseln, auf Handflächen und Fußsohlen; auch die Finger, Zehen und seitlichen Hand- und Fußränder schwitzen stark; die Schwitzflecken unter den Achseln messen mehr als 20 Zentimeter.

Behandlung der Hyperhidrose: von Botox bis OP

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des verstärkten Schwitzens. Sind die Schwitzattacken das Ergebnis einer anderen Erkrankung, behandeln Ärzte zunächst diese. Damit bessert sich meist auch die Hyperhidrose. Es gibt verschiedene, direkte Behandlungsmöglichkeiten, die Sie teilweise auch selbst anwenden können. Zunächst versuchen Ärzte, die primäre Hyperhidrose konservativ – also ohne Operation – zu behandeln.

Folgende Therapien kommen in Frage:

  • Antiperspiranzien: Leichte Formen lassen sich mit Aluminiumsalzen behandeln, die Sie örtlich auf die betroffenen Körperregionen auftragen. Aluminiumsalze reduzieren die Schweißproduktion, indem sie die Ausführungsgänge der ekkrinen Schweißdrüsen verschließen. Es gibt Deoroller und Cremes für die Achseln, Hände und Füße, die Aluminiumsalze in verschiedenen Konzentrationen enthalten. Lassen Sie die Mittel abends  zwei bis fünf Minuten einwirken und testen Sie die Behandlung über mehrere Wochen; als Nebenwirkungen können Hautentzündungen (Dermatitis) auftreten.

  • gerbsäurehaltige Cremes, Lotionen und Pulver für Achsel, Hände und Füße; sie besitzen adstringierende (zusammenziehende) Wirkung.

  • Leitungswasser-Iontophorese: Sie eignet sich vor allem, wenn Sie an den Händen und Füßen schwitzen, bei den Achseln ist die Behandlung schwieriger durchzuführen; in einem Wasserbad wird ein schwacher, ungefährlicher Gleichstrom erzeugt und durch die Hautareale geleitet. Das Schwitzen normalisiert sich, weil vermutlich die Schweißdrüsen gehemmt werden. Die Behandlung müssen Sie regelmäßig wiederholen; im Sanitätsfachhandel gibt es Geräte für zu Hause.

  • Botulinumtoxin A (Botox): Die Injektion von Botox in die schwitzende Hautregion ist eine der effektivsten Methode, um übermäßiges Schwitzen zu reduzieren, weil das Nervengift bestimmte Nervenfasern außer Gefecht setzt; Ärzte sprechen von Chemodenervierung. Nach etwa sechs Wochen lässt die Wirkung nach, weil neue Nervenendigungen in das Gebiet einwachsen, und die Behandlung muss wiederholt werden. Botulinumtoxin A ist für die starke, primäre Hyperhidrose der Achseln zugelassen, die sich äußerlich nicht ausreichend behandeln lässt. Die Behandlung von Händen, Füßen, Stirn und anderen Hautbereichen ist "off label", also ohne Zulassung. Dennoch scheint die Substanz auch hier gut wirksam zu sein, wie Studien ergaben.

Tabletten gegen Hyperhidrose (systemische Behandlung)

Tabletten eignen sich für Menschen mit generalisierter Hyperhidrose, manchmal auch mit lokal begrenzter Schwitzkrankheit, bei der andere Behandlungen keinen Erfolg gebracht haben. Folgende Medikamente kommen zum Einsatz:

  • Salbei: Die Wirkung von Tabletten mit Salbeiextrakten basiert auf Erfahrungswissen. In Studien nachgewiesen ist die Wirksamkeit nicht. Salbei-Tabletten sind im Handel erhältlich und eventuell eine Ergänzung zu anderen Hyperhidrose-Therapien.

  • Antihydrotika: In Deutschland sind zwei Präparate mit den Wirkstoffen Bornaprin und Methantheliniumbromid als Tabletten gegen Hyperhidrose zugelassen. Die anticholinergen Substanzen blockieren – wie Botox – die Nervenfasern. Die Medikamente sind aber nicht die Therapie der ersten Wahl, weil sie nicht unerhebliche Nebenwirkungen haben: Mundtrockenheit, Herzrasen, Probleme beim Wasserlassen, Konzentrationsstörungen.

  • Psychopharmaka, Beruhigungsmittel und Betablocker: Die Wirksamkeit bei Hyperhidrose ist nicht ausreichend nachgewiesen; Ärzte verschreiben sie nur in Einzelfällen, wenn die Psyche erheblich belastet ist.

Operation bei Hyperhidrose

Eine chirurgische Entfernung des Hautareals mit den überaktiven Schweißdrüsen (Exzision) ist eine Möglichkeit, wenn Sie vor allem in den Achseln zu übermäßigem Schwitzen neigen. Sie ist eine Option, wenn andere Behandlungen versagt haben. Chirurgen führen den Eingriff unter Vollnarkose oder regionaler Anästhesie durch. Der Vorteil: Eine einmalige Operation vermindert die Symptome dauerhaft. Die Nachteile sind mögliche Wundheilungsstörungen, Narben, Bewegungseinschränkungen und eine lange Heilungsphase. Wurden die überaktiven Schweißdrüsen nicht komplett entfernt, schwitzen die Patienten weiter, allerdings nicht mehr so extrem. Dieser Eingriff wird nur in Einzelfällen empfohlen.

Bei der Kürettage/Saugkürettage (Ausschaben) schält ein Chirurg die Schweißdrüsen an der Unterseite der Achselhaut mit einem scharfen Instrument heraus. Narben bilden sich bei dieser Technik kaum und das kosmetische Ergebnis ist meist gut. Allerdings muss der Operateur einige Erfahrung mitbringen.

Die Endoskopische thorakale Sympathektomie (ETS, Sympathikolyse) eignet sich für die Hyperhidrose der Hände, Achseln und des Gesichts. Dabei werden bestimmte Nervenstränge durch Hitze (Elektrokauterisation) oder mit Hilfe eines Clips (Klipping) unterbrochen. Die CT-gesteuerte perkutane Sympathikolyse funktioniert analog der ETS. Die Nervenstränge schalten Ärzte jedoch durch Injektion von konzentriertem Alkohol aus.

Hausmittel gegen Schwitzen

Auch einige Hausmittel gelten als wirksam gegen übermäßiges Schwitzen. Einen Versuch sind sie eventuell wert.

  • Trinken Sie eine Tasse Salbeitee! Salbei besitzt schweißhemmende Wirkung. Nehmen Sie einige Salbeiblätter und gießen Sie diese mit etwa 250 Milliliter kochendem Wasser auf. Lassen Sie den Tee etwa zehn Minuten ziehen und seihen Sie ihn durch ein Sieb ab. Sie können den Tee auch mit ein wenig Honig süßen.

  • Waschen Sie sich mit einer Tinktur aus Eichenrinde. Brühen Sie einen Esslöffel Eichenrinde mit heißem Wasser auf und lassen Sie die Mischung mehrere Minuten ziehen. Gießen Sie das Wasser durch ein Sieb ab, tränken Sie einen Waschlappen darin und benetzen Sie die Hautstellen mit dem Eichenrinden-Sud, an denen Sie besonders schwitzen. Eichenrinde hemmt die Schweißbildung.

Allgemein gilt: Regelmäßiger Sport, Kneipp-Anwendungen, Saunagänge, salzarme Ernährung, der Verzicht auf Alkohol, Kaffee und stark gewürzte Speisen sowie atmungsaktive Kleidung können starkem Schwitzen vorbeugen.

Verlauf der Hyperhidrose: Ist Heilung möglich?

Der Verlauf einer Hyperhidrose hängt entscheidend von der Ursache ab. Ist eine Krankheit der Auslöser des starken Schwitzens und behandeln Ärzte diese ausreichend, nimmt auch das Schwitzen ab. Die Behandlung der primären Hyperhidrose, bei der keine Krankheit als Verursacher der Schwitzattacken infrage kommt, gestaltet sich häufig schwierig. Die Hyperhidrose lässt sich zwar durch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten deutlich bessern, aber meist nicht ganz beseitigen.

Patienten mit Hyperhidrose leiden auch unter den Folgen der Krankheit. Das feuchte Milieu der Haut bietet Keimen ideale Bedingungen, um sich zu vermehren. Betroffene erkranken oft an Fußpilz (Tinea pedis), Warzen (Verrucae), bakteriellen Hautveränderungen an den Fußsohlen (Keratoma sulcatum) oder bakteriellen Hautinfektionen (Erythrasma). Auch die psychosozialen Folgen der Hyperhidrose sind nicht zu unterschätzen: Manche Betroffene kapseln sich aus Scham ab und vereinsamen. Suchen Sie also immer rechtzeitig einen Arzt auf, wenn Sie verstärkt schwitzen.

Die besten Lebensmittel bei Hitze

Autor:
Letzte Aktualisierung: 24. November 2017
Durch: sist
Quellen: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004 / Gesenhues, S., Ziesché, R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin; S1-Leitlinie "Definition und Therapie der primären Hyperhidrose", Stand 2012, in Überarbeitung, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-059l_S1_prim%C3%A4re_Hyperhidrose_Definition_Therapie_2012-01-abgelaufen.pdf; Deutsche Dermatologische Gesellschaft, http://www.derma.de (Abruf: 11.8.2017); Mayo Clinic, Hyperhidrosis, http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/hyperhidrosis/basics/definition/con-20030728 (Abruf: 10.8.2017); Ärzteblatt "Hyperhidrose: Ursachen und Therapien von übermäßigem Schwitzen", https://www.aerzteblatt.de/archiv/63004/Hyperhidrose-Ursachen-und-Therapie-von-uebermaessigem-Schwitzen; Urban & Fischer, München 2003 /Mader, F.H., Weißgerber H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003; Eisenach JH, et al. Hyperhidrosis: evolving therapies for a well-established phenomenon. Mayo Clin Proc. 2005; 80: 657-66. URL: http://www.mayoclinicproceedings.com/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=15887434; Haider A, Nowell S. Focal hyperhidrosis: diagnosis and management. CMAJ. 2005; 172: 69-75. URL: http://www.cmaj.ca/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=15632408; Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-059.pdf; Morrison SF, et al. Central control of thermogenesis in mammals. Exp Physiol. 2008; 93: 773-97. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2496891/pdf/nihms-59720.pdf; Lippert H. Lehrbuch Anatomie. 7. Auflage, Elsevier, München 2006; Siegenthaler W (Hrsg.), et al. Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 16. Auflage, Stuttgart, New York 1988.

Meistgelesen in dieser Rubrik
Mittel gegen starkes Schwitzen
Körpergeruch

Starkes Schwitzen ist nicht schädlich, aber vielen peinlich. Mit welchen Mitteln man Hyperhidrose verringern kann und welche Methoden bei Härtefällen helfen mehr...

Aktuelle Artikel Ernährung & Fitness
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Zum Seitenanfang