Essstörung

Binge Eating: Teufelskreis aus Essanfällen und Schuldgefühlen

Binge Eating, auch Binge-Eating-Störung oder Binge Eating Disorder genannt, bezeichnet eine Form der Essstörung. Personen, die unter dieser Krankheit leiden, verzehren innerhalb kurzer Zeit ungewöhnlich große Mengen an Essen. Die Essanfälle erscheinen Betroffenen dabei unkontrollierbar, der Leidensdruck ist groß. Frauen erkranken häufiger an der Binge-Eating-Essstörung als Männer.

Krankheitslexikon-Binge-eating-Störung
Wer häufig binnen kürzester Zeit Unmengen in sich "hineinfrisst", leidet wahrscheinlich an der Binge Eating Disorder. Frauen sind von der Essstörung häufiger betroffen.
(c) Stockbyte

Hauptmerkmal der Binge-Eating-Essstörung – englisch Binge Eating Disorder (BED) – sind wiederkehrende Fressanfälle. Nichts anderes bedeutet der Begriff "Binge Eating" übersetzt.

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In diesen Perioden verspüren von der Esssucht Betroffene keinerlei Kontrolle mehr über ihr Handeln. Sie können einfach nicht aufhören zu essen, selbst wenn sie längst satt sind oder der Bauch schmerzt. Solche Attacken treten bei einem sogenannten Binge Eater mindestens ein bis zweimal wöchentlich auf, es kann aber auch deutlich öfter vorkommen.

Betroffene erleben das ungebremste Essen laut Fichter zunächst als eine Art Entspannung oder Erleichterung, hinterher schämen sie sich oder sind depressiv verstimmt. Auch halten Schamgefühle die Patienten meist lange davon ab, sich Hilfe zu suchen.

Binge Eating ruft Schuldgefühl hervor – ein Teufelskreis

Im Gegensatz zu Bulimikern versuchen Menschen mit einer Binge-Eating-Störung nicht, die hohe Kalorienzufuhr beispielsweise durch Erbrechen, den Missbrauch von Abführmitteln oder Fasten zu kompensieren.

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Betroffene leiden infolge der Binge-Eating-Störung oft unter Schuldgefühlen, Ekel gegenüber sich selbst oder Depressionen, die durch die wiederholten Essanfälle und die fehlende Kontrolle darüber ausgelöst und verstärkt werden. Der Leidensdruck ist ähnlich wie bei Bulimie und Magersucht sehr groß.

Während die zugrunde liegenden Ursachen wie bei anderen Essstörungen noch im Dunkeln liegen – Experten vermuten ein Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren –, sind konkrete Auslöser des Binge Eatings besser bekannt: Extreme Emotionen wie Frust, Wut und Trauer beispielsweise können einen Essanfall triggern.

Unzufriedenheit mit der Figur und eine Überbewertung der äußeren Erscheinung können die Essstörung begünstigen. Weitere Risikofaktoren sind ein geringes Selbstwertgefühl, wenig soziale Unterstützung sowie depressive Symptome und emotionales Essverhalten.

Fressanfälle schlagen sich auf der Waage nieder

Durch die stark erhöhte Kalorienzufuhr – bei einem Essanfall können es Tausende bis Zehntausend Energieeinheiten sein – kommt es im Laufe der Binge-Eating-Erkrankung zu einer fortschreitenden Gewichtszunahme. Als übergewichtig gelten Patienten mit einem BMI von 25 und mehr, von Fettleibigkeit oder Adipositas spricht man ab einem Body-Mass-Index von 30.

Neben der psychischen Belastung kann die Essstörung auch zu durch das Übergewicht bedingten körperlichen Gefahren wie Bluthochdruck führen, wenn sie nicht frühzeitig behandelt wird.

Die Definition und Diagnose der Binge-Eating-Störung war lange umstritten. Inzwischen ist die Krankheit jedoch als solche anerkannt und damit behandlungsbedürftig. Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung sind heute von der Essstörung betroffen.

Frauen leiden häufiger an der Binge-Eating-Essstörung

Dabei weisen zwischen vier und neun Prozent der stark übergewichtigen (adipösen) Menschen Anzeichen von Binge Eating auf. Das Krankheitsbild zeigt sich beinahe zweimal so häufig bei Frauen wie bei Männern.

Um eine Binge-Eating-Störung in den Griff zu bekommen, müssen Betroffene sich als erstes selbst eingestehen, dass sie eine Essstörung haben und Hilfe brauchen.

Da Binge Eater ihre Fressattacken meist allein ausleben, haben Angehörige schlechte Chancen, die Krankheit zu erkennen. Wenn Betroffene aber selbst Hilfe suchen, stehen die Heilungschancen der Binge-Eating-Störung aber sehr gut. Behandelt wird die Esssucht zum Beispiel mit Verhaltens- und Gesprächstherapie. Auch Antidepressiva können zum Einsatz kommen, um den Teufelskreis aus Ekel, Frust und Fressanfällen zu durchbrechen.

Hilfe bekommen Binge Eater zum Beispiel bei Beratungsstellen, beim Haus- oder einem Facharzt. Auch auf Essstörungen spezialisierte Kliniken können direkte Anlaufstellen sein.

Was genau gilt als Fressanfall? Symptome des Binge Eating

Das Hauptsymptom der Binge Eating Disorder sind die wiederholten Fressanfälle, die mit einer sehr hohen Kalorienaufnahme verbunden sind.

Man spricht beim Binge Eating von einem Fressanfall, wenn in einer bestimmten Zeit eine Menge an Nahrung zu sich genommen wird, die bedeutend größer ist, als die Nahrungsmenge, die andere Menschen in einer vergleichbaren Zeitspanne zu sich nehmen könnten oder würden.

Personen mit der Binge-Eating-Störung essen wesentlich schneller als normal und hören auch nicht auf zu essen, selbst wenn ein unangenehmes Völlegefühl und Übelkeit eintreten. Während der Essattacken erleben sie einen Kontrollverlust, bei dem sie das Gefühl haben, nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können.

Nach dem Essanfall kommt der Ekel – aber kein Erbrechen

Nach einer solchen Heißhungerattacke fühlen sich die Betroffenen schuldig oder empfinden Ekelgefühle gegenüber sich selbst. Aus diesem Grund essen sie auch vorwiegend, wenn sie alleine sind.

Im Gegensatz zur Bulimie versuchen Personen mit der Binge-Eating-Störung nicht, der durch die übermäßige Kalorienzufuhr bewirkten Gewichtszunahme durch irgendwelche Maßnahmen entgegenzuwirken (Erbrechen, Fasten, extremen Sport betreiben oder Abführmittel benutzen).

Ursachen der Binge Eating Disorder

Zur Entstehung der Binge-Eating-Störung (Binge-Eating-Disorder) gibt es, wie bei anderen Essstörungen auch, unterschiedliche Erklärungsansätze. Man geht davon aus, dass psychologische Faktoren wie Langeweile, Stress oder emotionale Schwierigkeiten die Krankheit verursachen. Personen mit einer Binge-Eating-Störung versuchen nach Meinung vieler Psychologen, diese unangenehmen emotionalen Zustände durch den Essvorgang zu überbrücken.

Ernährungspsychologen behaupten, dass ein zu gezügeltes Essverhalten die Ursache für die Heißhungerattacken darstellt. Als Risikofaktoren gelten sexueller Missbrauch, körperliche Vernachlässigung, Durchführen von Diäten, niedriges Selbstwertgefühl, hohe Bedeutsamkeit von Figur und Gewicht und sozialer Druck, dünn zu sein, negative Lebensereignisse und mangelnde soziale Unterstützung.

Kennzeichen für die Diagnose von Binge Eating

Eine Episode von Fressanfällen ist durch die übermäßige Nahrungsaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraums und den währenddessen erlebten Kontrollverlust gekennzeichnet.

Die Episoden treten zusammen mit wenigstens drei der nachfolgend genannten Binge-Eating-Symptome auf:

  • Wesentlich schneller essen als normal
  • Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl
  • Essen großer Nahrungsmengen, obwohl man sich gar nicht hungrig fühlt
  • alleine essen aus Scham vor anderen aufgrund der großen Menge, die gegessen wird
  • Ekelgefühle gegenüber sich selbst
  • Deprimiertheit oder große Schuldgefühle nach Fressanfällen

Mehrmals wöchentlich Fressattacken

Weiterhin beinhaltet die Diagnose einen erheblichen Leidensdruck aufgrund der Essattacken. Die Fressanfälle treten im Durchschnitt an mindestens zwei Tagen in der Woche für mindestens sechs Monate auf.

Eine ausführliche Diagnostik erfolgt anhand von strukturierten Interviews, die von einem Mediziner oder Psychologen durchgeführt werden sollten. Dabei sollte auf zusätzliche Störungen geachtet werden. Oft treten bei Personen mit einer Binge-Eating-Störung parallel Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch und -abhängigkeit sowie Persönlichkeitsstörungen auf.

Das Krankheitsbild der Binge-Eating-Störung wird von der Bulimie abgegrenzt, indem überprüft wird, ob die Person kompensatorische Verhaltensweisen, die bei der Bulimie üblich sind, an den Tag legt.

Binge Eating: Therapie

In der Psychotherapie von Essstörungen wie dem Binge Eating hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als sehr wirksam herausgestellt. Dabei versucht der Therapeut, das Essverhalten und Gewicht der Betroffenen zu normalisieren und deren Körperwahrnehmung und -akzeptanz zu verbessern. Weiterhin werden die der Störung zugrundeliegenden Problembereiche psychotherapeutisch bearbeitet, um die Binge-Eating-Störung (Binge-Eating-Disorder) langfristig in den Griff zu bekommen.

Ein medikamentöser Behandlungsansatz ist die Therapie mit Antidepressiva. Diese wirken allerdings nur kurzfristig gegen die Heißhungerattacken. Langfristig scheint eine Psychotherapie einen größeren Effekt auszuweisen.

Rückfälle bei behandelter Binge-Eating-Störung selten

Die Binge-Eating-Störung (Binge-Eating-Disorder) ist gut behandelbar. Ungefähr 80 Prozent der Betroffenen, die sich in eine stationäre Behandlung begeben haben, erleben auch nach etwa sechs Jahren keinen Rückfall.

Vorbeugen einer Binge Eating Disorder nicht möglich

Leider gibt es keine allgemeingültigen Maßnahmen, die die Entstehung einer Binge-Eating-Störung (Binge-Eating-Disorder) verhindern könnten.

Magersucht, Bulimie oder Binge Eating Disorder

Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Binge Eating Disorder werden von der Psychologin Silke Hagena im Gespräch mit Theresa von Tiedemann erläutert.

Asklepios Kliniken

Autor:
Letzte Aktualisierung: 30. September 2014
Durch: sw
Quellen: mit Material der dpa; Informationen von Hungrig-Online e.V. ; American Psychiatric Association: Diagnostic Criteria from DSM-IVTM, Washington, DC 2005 Reinecker, H.: Lehrbuch der Klinischen Psychologie und Psychotherapie: Modelle psychischer Störungen. Hogrefe, Göttingen 2003 Online-Informationen des Beratungs- und Informationsservers zu Essstörungen, http://www.ab-server.de/ WHO: Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10, Kapitel V (F), Diagnostische Leitlinien, 2.Auflage, Huber, Bern 1993 Wittchen, H. & Hoyer, J.: Klinische Psychologie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2006

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