Übermäßiges Schwitzen an den Händen oder im Gesicht

Hyperhidrose: Ursachen und ihre Behandlung

Schwitzen ist lebensnotwendig für den menschlichen Körper und an sich nichts Schlimmes. Durch die rasche Verdunstung des Schweißes wird dem Körper Wärme entzogen, so dass der Organismus vor Überhitzung geschützt ist.

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Anti-Transpirantien, die als DEO-Spray verwendet werden, können die Schweißproduktion etwas unterdrücken.
(c) George Doyle

Die tägliche Schweißmenge kann mehrere Liter pro Tag erreichen. Als Hyperhidrose bezeichnet man wiederum medizinisch ein extrem starkes Schwitzen, welches über die notwendige Wärmeregulation hinausgeht. Da es vielen peinlich ist, wenn ihre Hände beim Begrüßen feucht sind oder unter den Achseln große Schweißflecken sichtbar werden, führt übermäßiges Schwitzen für viele zu sozialen Problemen und beruflichen Einschränkungen, bedeutet eine verringerte Lebensqualität.

Die primäre Hyperhidrose bezeichnet das übermäßige Schwitzen ohne zugrunde liegende Erkrankung. Die sekundäre Hyperhidrose tritt dagegen als Folge oder Symptom einer anderen Erkrankung auf.

Zur Häufigkeit der Hyperhidrose gibt es keine genauen Angaben, Schätzungen schwanken zwischen etwa einem und zwei Prozent der Bevölkerung. Frauen und Männer sind ungefähr gleich häufig betroffen.

Symptome der Hyperhidrose

Die Hände so schwitzig, dass jedes Händeschütteln peinlich wird, große Schweißflecken unter den Achseln, feuchte Füße selbst bei Kälte: Unter dem Fachbegriff Hyperhidrose versteht man Schwitzen, das weit über das normale Maß hinausgeht.

Vom Betroffenen wird die Hyperhidrose als sehr unangenehm und störend empfunden. Das Hauptsymptom ist übermäßiger Schweißfluss, der sich beispielsweise in dunklen Flecken auf der Kleidung äußert. Bei starkem Handschweiß wellt sich außerdem beispielsweise das Papier beim Schreiben.

Je nach Art der Hyperhidrose tritt die Nässe auch völlig unabhängig von Temperatur und Gemütszustand auf.

Ursachen: Warum kommt es zur Hyperhidrose?

Bei der primären Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen) ist keine genaue Ursache bekannt. Sie wird auch als idiopathische Hyperhidrose bezeichnet.

Unterschiedliche Erkrankungen können die vermehrte Neigung zum Schwitzen mit sich bringen. Schwankungen der Hormone und anderer Botenstoffe führen häufig zur sekundären Hyperhidrose. Beispielsweise bei starkem Übergewicht, im Rahmen der Wechseljahre oder bei einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) kommt es zu diesen Schwankungen. Auch Botenstoffe produzierende Tumoren wie das Phäochromozytom der Nebenniere können Ursache für vermehrtes Schwitzen sein.

Medikamente können als Nebenwirkung starkes Schwitzen hervorrufen oder begünstigen. Ebenso führen starke psychische Belastung, Angst und Stress häufig zur Hyperhidrose.

Im Rahmen einiger vor allem neurologischer Erkrankungen kommt es zusätzlich zur vermehrten Produktion von Talg in den Talgdrüsen und so zum öligen Schwitzen (Seborrhoe oder Hyperhidrosis oleosa). Vor allem bei Parkinson tritt dieses Symptom häufig auf.

Hyperhidrose-Diagnose: Wie wird übermäßiges Schwitzen festgestellt?

Die Diagnose der Hyperhidrose wird in erster Linie durch ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Betroffenem (Anamnese) gestellt. Wichtig ist auch, ob die Hyperhidrose am gesamten Körper (generalisiert) oder nur an bestimmten Stellen wie den Händen oder Füßen auftritt. Außerdem erfolgt beim Arzt eine vollständige körperliche Untersuchung.

Um Grunderkrankungen als Ursache für das vermehrte Schwitzen auszuschließen, können verschiedene Untersuchungen notwendig werden. Blut- und Urinuntersuchungen geben Aufschluss über die Konzentration verschiedener Hormone und anderer Botenstoffe im Körper. Eine Überfunktion der Schilddrüse kann so beispielsweise ausgeschlossen werden, ebenso wie Tumoren, die Botenstoffe produzieren.

Schweißmenge messen oder Jodfärbung prüfen

Wenn die genaue Schweißmenge festgestellt werden soll, die pro Minute produziert wird, kann eine Gravimetrie durchgeführt werden, bei der die Schweißbildung auf einem saugfähigen Filterpapier nachgewiesen wird. Beim sogenannten Jod-Stärke-Test werden durch ein Färbungsverfahren die Hautareale, in denen am meisten Schweiß gebildet wird, sichtbar gemacht.

Behandlung der Hyperhidrose: Therapie von Botox bis OP

Liegt eine Erkrankung als Ursache für die Hyperhidrose vor, so sollte die Grunderkrankung behandelt werden. Beispielsweise kann eine Überfunktion der Schilddrüse vorliegen. Der Arzt behandelt sie mit Medikamenten, in der Folge normalisiert sich auch die Schweißproduktion.

Eine Hyperhidrose an Händen und Füßen können spezialisierte Ärzte mit einer Leitungswasser-Iontophorese behandeln. Dabei wird Leitungswasser auf die Haut aufgebracht und die darin enthaltenen Ionen über Elektroden, durch die Strom fließt, unter die Haut geschleust. Die Schweißproduktion kann so gehemmt werden. Vier von fünf Betroffenen hilft dieser Eingriff.

Botox injizieren oder Schweißdrüsen absaugen

Das Einspritzen von Botulinumtoxin unter die Haut kann bis zu sechs Monate lang eine deutliche Minderung der Schweißproduktion bewirken. Es handelt sich hierbei um ein Nervengift, das in sehr geringen Mengen von spezialisierten Ärzten verabreicht wird. Die Kosten für diese Behandlung werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

In einigen Fällen kann die operative Entfernung der Schweißdrüsen beispielsweise in der Achselhöhle (Axilla) zur Minderung der Schweißproduktion führen. Die Operation kann über einen relativ großen Schnitt erfolgen (Exzision) oder aber über kleine Einschnitte und anschließendes Auskratzen beziehungsweise Absaugen der Schweißdrüsen (Kürettage oder Saug-Kürettage).

OP hat Nebenwirkungen – und nicht immer den gewünschten Effekt

Die Anteile des sogenannten sympathischen Nervensystems, welche die Schweißproduktion steuern, können zudem operativ durchtrennt werden (Sympathikolyse). Die operativen Verfahren führen jedoch nicht selten zu Komplikationen – und nicht immer zum Erfolg. Autogenes Training lindert häufig eine psychisch bedingte Hyperhidrose.

Verlauf der Hyperhidrose: Ist Heilung möglich?

Der Verlauf einer Hyperhidrose hängt ganz wesentlich von der Ursache ab. Wird die Ursache beseitigt beziehungsweise behandelt, kann die Erkrankung geheilt werden.

Die Behandlung der idiopathischen Hyperhidrose gestaltet sich häufig schwierig. Das vermehrte Schwitzen kann zwar durch die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten deutlich gemindert, jedoch nicht ganz beseitigt werden.

Komplikation der Hyperhidrose ist in erster Linie die Besiedlung der Haut durch Pilze (Dermatophytose), die durch die fortwährende Feuchtigkeit begünstigt wird. Auch die psychosozialen Folgen der Hyperhidrose sind nicht zu unterschätzen: Manche Betroffene kapseln sich aus Scham ab und vereinsamen unter Umständen.

Anti-Transpirantien können bei starkem Schwitzen helfen

Der Hyperhidrose oder dem übermäßigen Schwitzen kann mit Anti-Transpirantien vorgebeugt werden, die die Schweißproduktion hemmen. Ebenso helfen Spezialbäder oder sogar chirurgische Eingriffe, allerdings ist eine OP nicht risikofrei.

Sogenannte Anti-Transpirantien enthalten Aluminiumverbindungen und unterdrücken die Schweißproduktion in geringem Grad. Sie werden als Deodorant oder Fußspray angeboten. Die Aluminiumsalze riegeln sozusagen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen ab, was den Schweißfluss reduziert.

Wer vorbeugen möchte, trägt das Deo über mehrere Wochen abends für zwei bis fünf Minuten auf Hände, Füße und Achselhöhlen auf. Zunächst kann es dabei zu Irritationen und Rötungen kommen, da die Haut durchs Schwitzen empfindlich geworden ist. Aber das sollte verschwinden, sobald die Therapie für eine Weile unterbrochen wird.

Der Arztbesuch bei der Entwicklung einer starken Hyperhidrose ist wichtig, um die notwendige Diagnostik und Therapie frühzeitig einleiten zu können.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2016
Durch: sba
Quellen: Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/059 (Stand: Februar 2007) / Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004 / Gesenhues, S., Ziesché, R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2003 /Mader, F.H., Weißgerber H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003

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