Bergkankheit

Höhenkrankheit: Atemlos am Berg

Die Gipfel im Himalaya locken viele an: Was ist die Höhenkrankheit?

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Die Höhenkrankheit durchleiden nicht nur Bergsteiger im Himalaya, sondern das, was früher Bergkrankheit genannt wurde, kann schon ab einer Höhe von 2000 bis 2500 Metern auftreten.
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Die Höhenkrankheit, auch Bergkrankheit genannt, kann bei Bergsteigern ab einer Höhe von etwa 2000 bis 2500 Metern auftreten. Leitsymptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Schlafstörungen. Erfolgt trotz erster Symptome der Höhenkrankheit ein weiterer Aufstieg, kann die Erkrankung in ein lebensbedrohliches Hirn- und/oder Lungenödem übergehen.

Zur Höhenkrankheit kommt es durch einen stetig sinkenden Luftdruck und den damit einhergehenden abnehmenden Sauerstoffgehalt der Luft in höheren Lagen und in der Todeszone etwa der Achttausender im Himalaya. Es kommt zum Sauerstoffmangel in Blut und Organen, der bestimmte Anpassungsstörungen des Körpers  - zum Beispiel beschleunigte Atmung und steigenden Blutdruck - zur Folge haben kann.

Komplikationen können innerhalb weniger Stunden zum Tod führen

Menschen, die nicht an die klimatischen Bedingungen in höheren Lagen gewöhnt sind, haben ein besonders hohes Risiko, Symptome der Höhenkrankheit zu entwickeln. Die Erkrankung kann in drei unterschiedlichen Ausprägungsformen in Erscheinung treten und in seltenen Fällen einen dramatischen Verlauf nehmen.

  • Akute Höhenkrankheit ("Acute mountain sickness", AMS)

Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen, die einzeln oder in Kombination auftreten können. Die akute Höhenkrankheit ist relativ häufig und tritt meist in Höhen zwischen 2500 und 6000 Metern auf. Erste Anzeichen zeigen sich in vielen Fällen sechs bis zwölf Stunden nach Ankunft in einer neuen Höhenlage. In diesem Stadium verläuft die Krankheit undramatisch, Symptome können mit Schmerzmitteln (zum Beispiel Ibuprofen) und/oder Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) behandelt werden.

  • Akutes Höhenhirnödem ("High altitude cerebral edema", HACE)

Die Erkrankung stellt eine sehr seltene, aber lebensgefährliche Steigerung der akuten Höhenkrankheit dar. Das Höhenhirnödem tritt meist über Höhen von 6000 Metern auf und kann innerhalb 24 Stunden zum Tod führen. Die milden Symptome der akuten Höhenkrankheit gehen dabei in eine deutlich schwerere Symptomatik über. Typisch sind vernichtende Kopfschmerzen, die sich nicht mit Schmerzmitteln lindern lassen, starker Schwindel (Gang- und Standunsicherheit), wiederholtes Erbrechen und leichtes Fieber. Erste und potentiell lebensrettende Therapie-Maßnahme ist ein umgehender Abstieg um mindestens 1.000 Höhenmeter.

  • Akutes Höhenlungenödem ("High altitude pulmonary edema", HAPE)

Das ebenfalls seltene Höhenlungenödem tritt meist in Höhen zwischen 2500 und 6000 Meter auf. Symptome zeigen sich häufig in der zweiten Nacht in einer neuen Höhe. Charakteristische Warnsignale sind trockener Husten, deutlicher Leistungsabfall und  erhöhte Atemfrequenz (> 25 Atemzüge pro Minute). Patienten mit akutem Höhenlungenödem befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand, auf den umgehend reagiert werden muss (wichtigste Maßnahme: mindestens 1.000 Höhenmeter Abstieg).  Sie kann wie das akute Höhenhirnödem als Steigerung der Bergkrankheit, aber auch plötzlich und unabhängig von deren Symptomen auftreten.

Ein moderater Aufstieg verringert die Erkrankungsgefahr

Das Risiko an der akuten Bergkrankheit und/oder deren lebensbedrohlichen Steigerungsformen zu erkranken, steigt mit zunehmender Höhe. Das Erkrankungsrisiko kann deutlich verringert werden, indem in Höhen über 2000 Meter langsam aufgestiegen wird (maximal 300 bis 500 Meter pro Tag) und Bergsteiger ihrem Körper etappenweise Gelegenheit geben, sich den klimatischen Bedingungen in höheren Lagen anzupassen.

Faustregel: "Climb high, sleep low" Höhenkrankheit (Bergkrankheit): Vorbeugen

Zur Vermeidung der Höhenkrankheit hat sich besonders das sogenannte "Climb-high-sleep-low-Prinzip" (="hoch aufsteigen und in tieferen Lagen schlafen") bewährt. "Bergsteiger sollten etwa eine Woche in gleichbleibender Höhe zwischen 2.000 und 3.000 Meter übernachten und nur Tagestouren in höhere Lagen zu unternehmen", rät Höhen-Mediziner Professor Peter Bärtsch. "Nach dieser Phase hat sich der Organismus in der Regel akklimatisiert und es kann ein weiterer Aufstieg erfolgen."

In höheren Lagen steigt das Erkrankungsrisiko auf bis zu 85 Prozent

Die undramatische und leicht behandelbare Ausprägungsform der Höhenkrankheit ist weit verbreitet: Zehn bis 25 Prozent der nicht-akklimatisierten Bergsteiger sind ab einer Höhe von 2.500 Metern von akuten Symptomen wie Kopfschmerzen und Übelkeit betroffen. Nicht-akklimatisierte Bergsteiger, die zu schnell in Lagen über 4.500 Meter aufsteigen, erkranken sogar zu 50 bis 85 Prozent. Als Faustregel gilt: Je größer die Höhe, umso länger ist die dafür benötigte Anpassungszeit (Akklimatisation), was gerade für Expeditionen in den Himalaya gilt.

Die Gefahr, Symptome des lebensbedrohlichen Höhenhirnödems zu entwickeln, ist dagegen wesentlich geringer. Professor Bärtsch: "Das Risiko beim Bergsteigen an einem Höhenhirnödem zu erkranken, liegt in Höhen zwischen 4.000 und 5.000 Metern bei 0,5 bis einem Prozent. Das Höhenlungenödem ist ebenfalls sehr selten, tritt bei zu schnellem Aufstieg in Höhenlagen um 5.500 Metern aber etwas häufiger auf."

Abwarten und Zögern kann bei der Höhenkrankheit tödlich enden

Bei den ersten Anzeichen einer schweren Höhenkrankheit (Höhenhirn-, oder -lungenödem) ist ein sofortiger und schneller Abstieg oberstes Gebot. Insbesondere das Höhenhirnödem kann unbehandelt innerhalb von 24 Stunden nach dem erstmaligen Auftreten schwerer Symptome zum Tod führen.

Zur Therapie können zwar auch Medikamente und/oder ein Luftdrucksack zum Einsatz kommen, eine rasche Höhenreduzierung um mindestens 1000 Meter hat sich in der Bergmedizin jedoch als wirksame Maßnahme erwiesen, um einen lebensbedrohlichen Verlauf abzuwenden.

Der Abtransport des Patienten in tiefere Lagen sollte nur bei Gefahr für den Betroffenen und dessen Retter aufgeschoben werden (zum Beispiel bei Lawinengefahr oder Gewitter).

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. April 2014
Quellen: Peter Bärtsch, M.D., and Erik R. Swenson, M.D.: Acute High-Altitude Illness, New England Journal of Medicine, June 13, 2013

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