Dauerhafte Korrektur

Augenoperation gegen Fehlsichtigkeit: Refraktive Chirurgie

Bei der refraktiven Chirurgie handelt es sich um eine Augenoperation, bei der Fehlsichtigkeiten korrigiert werden. Anders als bei Sehhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen erhofft man sich durch den operativen Eingriff einen dauerhaften Effekt.

Augenoperation
Fehlsichtigkeiten können durch Augenoperationen dauerhaft korrigiert werden.
(C) iStockphoto

Bei den Fehlsichtigkeiten des menschlichen Auges werden achsensymmetrische und astigmatische Formen unterschieden, wobei in vielen Fällen mehrere Fehlsichtigkeiten gleichzeitig vorliegen. Zu den achsensymmetrischen Fehlsichtigkeiten gehören die Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit. Bei der astigmatischen Fehlsichtigkeit (Astigmatismus) werden die Lichtstrahlen durch Krümmungen (Hornhautverkrümmung) an der Hornhaut und Augenlinse unterschiedlich gebrochen. Dadurch entsteht kein punktförmiges, sondern ein verschobenes oder verzerrtes Bild auf der Netzhaut ("Stabsichtigkeit"). Ebenfalls eine Form der Fehlsichtigkeit ist die Altersweitsichtigkeiten, bei der die Linse ihre Elastizität verliert und dadurch an Brechkraft einbüßt.

Augenoperation durch refraktiv-chirurgische Verfahren

Bei den operativen Korrekturverfahren von Fehlsichtigkeiten werden die refraktive Hornhaut- und die refraktive Linsenchirurgie unterschieden.

Refraktive Hornhautchirurgie

Die refraktive Hornhautchirurgie wird in zwei große Bereiche unterteilt: die Excimer-Laser-Verfahren und die Inzisionen.

Mit den Excimer-Laser-Verfahren können Kurz- und Weitsichtigkeit korrigiert werden. Die Hornhaut wird mithilfe von Laserstrahlen an bestimmten Stellen abgetragen, sodass sich die in das Auge einfallenden Lichtstrahlen schließlich auf der Netzhaut im Punkt des schärfsten Sehens, der sogenannten Makula, vereinen. Der Excimer-Laser ist ein Argon-Fluorid-Laser, der in einem Wellenlängenbereich von 193 nm arbeitet.

Angewendet werden:

  1. Lamelläre Behandlungsverfahren: Ein solches Verfahren ist etwa die sogenannte Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK). Hierbei wird eine dünne Hornhautlamelle geschnitten und nach oben geklappt. Dann wird mittels Laser in einer tieferen Hornhautschicht, dem vorderen Stroma, Gewebe abgetragen. Anschließend wird die Lamelle zurückgeklappt – innerhalb weniger Stunden wächst sie wieder an.

  2. Verfahren zur Oberflächenbehandlung: Photorefraktive Keratoektomie (PRK), Laser-subepitheliale Keratomileusis (LASEK) und Epi-LASIK. Bei diesen Verfahren wird das Hornhautgewebe mit dem Laser direkt unter der äußersten Hornhautschicht (Epithel) abgetragen. Das Hornhautepithel wird zuvor abgelöst und nach dem Eingriff wieder zurückgelegt.

Inzisionen (lateinisch "Einschnitte") werden zur Korrektur eines Astigmatismus angewendet. Mit einem Diamantmesser oder einem Laser werden mehrere mikroskopisch kleine Schnitte senkrecht in die Hornhaut gesetzt. Dadurch verändert sich die Oberflächenkrümmung der Hornhaut, der Astigmatismus wird ausgeglichen.

Refraktive Linsenchirurgie

Bei sehr starken Fehlsichtigkeiten und Hornhautverkrümmungen kann eine künstliche Linse in das Auge eingebracht werden – entweder zusätzlich zur natürlichen Augenlinse oder nach ihrer Entfernung. Die Hornhaut bleibt dabei unberührt. Die Verfahren eignen zur Korrektur von starker Kurz- , Weit- und Altersweitsichtigkeiten. Darüber hinaus kann die refraktive Linsenchirurgie mitunter auch bei weniger ausgeprägten Fehlsichtigkeiten eingesetzt werden, wenn Laser-Verfahren aus gewissen Gründen (beispielsweise zu geringe Hornhautdicke) nicht infrage kommen.

Refraktive Chirurgie – wer übernimmt die Kosten?

Refraktiv-chirurgische Verfahren sind in der Regel keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch kann aufgrund einer solchen Operation keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt werden. Die refraktive Chirurgie ist von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in den Katalog der individuell zu finanzierenden Gesundheitsleistungen aufgenommen worden. Allerdings können eventuell auftretende Komplikationen nach der Operation bei der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden. Bei einem komplikationslosen Verlauf ist die Behandlung in der Regel nach drei Monaten abgeschlossen. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine refraktive Operation teilweise oder sogar vollständig. Generell sollten Patienten sich vor einem Eingriff bei ihrer Krankenkasse nach den jeweiligen Regelungen erkundigen.

Refraktive Chirurgie: Wann die Augenoperation sinnvoll ist

Die verschiedenen refraktiv-chirurgischen Verfahren werden bei unterschiedlichen Formen der Fehlsichtigkeit angewendet:

Oberflächenbehandlungen (PRK, LASEK, Epi-LASIK)

Empfohlene Anwendung:

Grenzbereich:

  • Kurzsichtigkeit bis -8 dpt
  • Astigmatismus bis 6 dpt
  • bis +4 dpt

Für die Durchführung müssen darüber hinaus weitere Parameter wie die Hornhautdicke berücksichtigt werden.

LASIK

Empfohlene Anwendung:

  • Kurzsichtigkeit bis -8 dpt
  • Astigmatismus bis 5 dpt
  • Weitsichtigkeit bis +3 dpt

Grenzbereich:

  • Kurzsichtigkeit bis -10 dpt
  • Astigmatismus bis 6 dpt
  • Weitsichtigkeit bis +4 dpt

Auch hier müssen weitere Untersuchungsergebnisse (Hornhautverkrümmung, Hornhautdicke) in die Entscheidung für oder gegen LASIK einbezogen werden.

phake IOL (phake Intraokularlinse, also Zusatzlinse im Auge)

Empfohlene Anwendung:

  • ab -8 dpt
  • ab +4 dpt

Grenzbereich:

  • ab -5 dpt
  • ab +3 dpt

In manchen Fällen kann ein Einsatz auch bei geringer ausgeprägten Fehlsichtigkeiten in Frage kommen, etwa wenn eine Laserbehandlung aufgrund gewisser Faktoren wie einer zu geringen Hornhautdicke nicht durchgeführt werden kann.

Vorbereitung auf die Augenoperation

Der Augenarzt führt vor dem Eingriff zahlreiche Untersuchungen am Auge durch, um festzustellen, welche Methode infrage kommt, ob es eventuelle Ausschlussgründe für die Operation gibt und welche Verhältnisse am Auge vorliegen, die bei der Operation berücksichtigt werden müssen. Zu den Voruntersuchungen zählen beispielsweise eine Sehschärfeprüfung, eine Spaltlampenuntersuchung des vorderen Augenabschnitts und eine Spiegelung des Augenhintergrunds, um weitere Erkrankungen auszuschließen. Der Augenarzt misst zudem die Brechkraft der Hornhaut, die Tiefe der Augenvorderkammer und die Augenlänge. Er klärt darüber hinaus, welche Erwartungen der Patient mit der Operation verknüpft, welche Verbesserungen er sich davon verspricht.

Um eine Infektion bei der Operation zu verhindern, erhält der Patient meist einige Tage vor dem Eingriff antibiotisch wirksame Augentropfen. Unmittelbar vor der Operation wird die Pupille mit Hilfe von Augentropfen weitgetropft.

Damit die Hornhaut zum Zeitpunkt des Eingriffs nicht verformt ist, wird den Patienten empfohlen, einige Wochen vor einer refraktiven Operation auf das Tragen von Kontaktlinsen zu verzichten.

Gesunde Augen mit Genuss

Refraktive Chirurgie: So wird die Augenoperation durchgeführt

Refraktiv-chirurgische Verfahren werden in der Regel ambulant durchgeführt. Das Auge wird mithilfe von Tropfen schmerzunempfindlich gemacht, sodass keine Vollnarkose nötig ist. Auf Wunsch kann der Patient ein Beruhigungsmittel erhalten.

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Der Eingriff selbst dauert nur wenige Minuten, insgesamt sollten aber mindestens zwei Stunden eingeplant werden. Während zum Beispiel bei LASIK in der Regel beide Augen an ein und demselben Tag operiert werden, wird beim Einsatz von Kunstlinsen mitunter empfohlen, zunächst ein und etwas später das zweite Auge zu behandeln.

Nach der Augenoperation muss der Patient mit vorübergehend verschwommenem Sehen rechnen und sollte anschließend nicht Auto fahren.

In der Zeit nach dem Eingriff sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt erforderlich. Dieser untersucht den Zustand der Hornhaut, prüft die Sehstärke und misst den Augeninnendruck. Die Patienten müssen darüber hinaus meist mehrere Wochen lang Augentropfen anwenden, die Antibiotika und antientzündliche Wirkstoffe enthalten. Bei Bedarf, wenn die Augen trocken sind, können sie Tränenersatzmittel erhalten.

Kann die Fehlsichtigkeit nicht gleich bei der ersten Operation vollständig behoben werden oder lässt der Operationserfolg mit der Zeit nach, ist ein zweiter Eingriff grundsätzlich möglich.

Risiken der Augenoperation

Die Methoden der refraktiven Chirurgie sind mittlerweile so gut entwickelt, dass Komplikationen selten auftreten. Dennoch sind Nebenwirkungen der Behandlung möglich.

Refraktive Hornhautchirurgie

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Mit 15 bis 20 Prozent ist ein vorübergehend trockenes Auge die häufigste Nebenwirkung nach LASIK. Dies bessert sich jedoch in den meisten Fällen innerhalb von sechs Monaten. Ebenfalls mögliche Nebenwirkungen refraktiver Hornhautoperationen sind Infektionen am Auge, eine Vorwölbung der Hornhaut (Keratektasie), Astigmatismus und das Einwachsen von Hornhautepithel in die gesetzten Schnitte.

Refraktive Linsenchirurgie

Nach dem Einsetzen der künstlichen Linse kann es durch den direkten oder indirekten Kontakt der künstlichen Linse und der innersten Schicht der Hornhaut, dem Endothel, zu einem Verlust von Endothelzellen der Hornhaut kommen. Wird die natürliche Augenlinse nicht entfernt, kann es zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen und innerhalb von einigen Jahren zu einer Trübung der Augenlinse und der Entwicklung von Grauem Star kommen. Weitere seltene, aber mögliche Nebenwirkungen sind Makulaödem (Wasseransammlung am Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut) mit einer Einschränkung der Sehfähigkeit, eine Netzhautablösung sowie eine Verschlechterung des Dämmerungssehvermögens mit dem Sehen von Lichthöfen (Wahrnehmung ringförmiger Lichtreflexe um Lichtquellen) und erhöhter Blendempfindlichkeit.

Nutzen und Risiko müssen im individuellen Fall gründlich gegeneinander abgewogen werden.

Sehstörungen und was sie bedeuten

Wann die refraktive Chirurgie nicht angewendet werden sollte

Der Einsatz der refraktiven Operationsmethoden sollte ausschließlich nach den gegebenen Indikationen erfolgen, um Risiken zu vermeiden. Ist beispielsweise die Hornhaut zu dünn, sollte von einem Laserverfahren Abstand genommen werden.

Da erst im Erwachsenenalter das Wachstum des Auges abgeschlossen ist, sollten die Patienten bei einem refraktiv-chirurgischen Eingriff mindestens 18 Jahre alt sein. Zudem sollte die Fehlsichtigkeit bereits seit einigen Jahren weitgehend stabil sein.

Einige Augenerkrankungen wie chronisch fortschreitende Hornhauterkrankungen, Grüner oder Grauer Star können ein Ausschlussgrund für eine refraktive Operation sein. Auch während der Schwangerschaft oder Stillzeit sollte man möglichst auf die Augenoperation verzichten.

Autor:
Letzte Aktualisierung:14. Februar 2012
Letzte Änderung durch: sist

Quellen: Gerste, R. D.: Abschied von der Lesebrille. In: Deutsches Ärzteblatt 107(13), (2010), A592-A593. Kohnen, T. et al.: Basiswissen refraktive Chirurgie. Korrektur von Refraktionsfehlern mit modernen chirurgischen Verfahren. In: Deutsches Ärzteblatt 105(9), (2008), S. 163-173. Kohnen, T. et al.: Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe durch die DOG und den BVA. Stand Mai 2011. In: Der Ophthalmologe 108(9), (2011), S. 869-882.

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