Ausleitendes, alternatives Heilverfahren

Baunscheidtieren (Baunscheidt-Verfahren)

Beim Baunscheidtieren oder Baunscheidt-Verfahren wird durch Hautreizungen ein künstlicher Hautausschlag in Form von flüssigkeitsgefüllten Bläschen ausgelöst mit dem Ziel, auf diese Weise Giftstoffe aus dem Körper abzuleiten.

Baunscheidtieren (Baunscheidt-Verfahren)
Ein Mückenstich in die schmerzende Hand, worauf sich die Beschwerden besserten, war die Geburtsstunde des Baunscheidtierens.
© Getty Images / iStock.com / Kraivuttinun

Das Baunscheidtieren oder Baunscheidt-Verfahren als ausleitendes Heilverfahren ist wenig bekannt. Es gehört zu den "Pustulantien", das heißt Hautreizmethoden, die einen künstlichen Hautausschlag bewirken und von alters her in der Medizin verwendet wurden. Damit sollen Stoffwechseltätigkeit und Organfunktionen angeregt, das Immunsystem aktiviert, das Hormonsystem stimuliert und eine allgemein kräftigende Wirkung erzeugt werden. Wissenschaftlich belegt ist dies jedoch nicht.

Was genau ist Baunscheidtieren?

Bei der Behandlung wird ein Apparat, der mit feinen Nadeln versehen ist (eine Nadelrolle), über mehrere Hautpartien gerollt. Die Nadeln dringen ein bis zwei Millimeter tief in die Haut ein. Die dabei entstehenden Wunden werden mit hautreizenden Salben oder Ölen bestrichen. Es entstehen so vorübergehend flüssigkeitsgefüllte Bläschen (Quaddeln), die bewirken sollen, dass Giftstoffe aus dem Körper abgeleitet werden.

Diese spezielle Methode wurde vom Feinmechaniker Carl Baunscheidt vor etwa 100 Jahren entwickelt. Er baute sich hierfür ein besonderes Nadelinstrument, den sogenannten "Lebenswecker" und verwendete ein hautreizendes Öl, dessen Originalrezeptur nicht mehr bekannt ist. Auf die Idee gebracht hat ihn nach eigenen Bekundungen ein Mückenstich in die von Rheuma oder Gicht - hierzu finden sich in verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben - gestochen hat, worauf sich die Beschwerden besserten.

Ablauf der Behandlung

Das zu behandelnde Areal wird zunächst rasiert und danach die Haut mit Alkohol gründlich desinfiziert. Dann wird die Haut individuell gestichelt und mit Paste oder Öl eingerieben. Einreibedruck und Zeitdauer richten sich individuell nach der Konstitution des Patienten. Die richtige Sticheltiefe liegt dann vor, wenn die Haut danach gerötet erscheint. Das Areal wird mit Watte abgedeckt, die mit einem Verband mit Pflaster fixiert wird.

Die Wirkung der Baunscheidtbehandlung ist dann gut, wenn hirsekorngroße, klare oder mit Eiter gefüllte Pusteln oder Blasen auftreten. Sie platzen nach einigen Tagen auf oder trocknen ab. Ein Verbandswechsel ist nach zwei Tagen zur Kontrolle möglich, muss aber nicht sein. Nach fünf Tagen wird der Verband entfernt und die Haut mit Mandelöl abgewischt. In diesen fünf Tagen fühlt sich der Patient meist sehr warm. Bei einer sehr schwachen Reaktion kann die Behandlung nach drei Wochen wiederholt werden.

Baunscheidtöl gilt als krebserregend

Das im Baunscheidtöl meist verwendete Krotonöl (Croton tiglium) gilt als kokarzinogen, als krebserregend, und wird nicht zuletzt deshalb von Gegnern der Methode abgelehnt. Es gibt jedoch auch krotonölfreie Baunscheidtöle.

Als mögliche unerwünschte Nebenwirkungen der Methode sind Juckreiz bis hin zu Schmerzen oder starken Begleitreaktionen bekannt sowie allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Salbe oder des Öles. Bei richtiger Anwendung kommt es normalerweise zu keiner Narbenbildung. Weil das Baunscheidtieren eine sehr eingreifende Methode ist, sollte es - wenn überhaupt - nur von erfahrenen Therapeuten angewendet werden.

Mögliche Anwendungsgebiete und Gegenanzeigen

Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten des Baunscheidtierens zählen Schmerzzustände bei Gicht, rheumatischen Erkrankungen und Osteoporose, muskulöse Verspannungen, allgemeine Infektanfälligkeit, Reizmagen und Reizdarm, Harnwegsinfekte, Hormonstörungen.

Nicht zum Einsatz kommen sollte das Verfahren bei allergische und Autoimmunerkrankungen, hohem Fieber.

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