Was ist komplementäre Medizin?

Therapieformen, die nicht zur Schulmedizin zählen, sind immer häufiger im Gespräch. Doch was bedeuten Begriffe wie alternative-, komplementäre und integrative Medizin? Ist das jeweils das gleiche oder gibt es Unterschiede?

Arzt untersucht Schulter von Patientin
Komplementäre Medizin umfasst eine Vielzahl an Therapieformen.
© iStock.com/FatCamera

Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Begriffen alternative-, komplementäre- und integrative Medizin. Die alternative Medizin ist in diesem Dreiklang eigentlich der überholte Begriff. Denn er bedeutet ja „eine andere Möglichkeit", also ein „Entweder-Oder“. Doch heute geht es darum, die jeweils geeigneten Therapiemöglichkeiten miteinander zu verbinden. Das nennt man übrigens integrative (= einbeziehende) Medizin. Was kann man miteinander verbinden? Das sind konventionelle Methoden, sprich Schulmedizin und ergänzende Methoden, sprich komplementäre (= ergänzende) Medizin.

Medizin von heute arbeitet „Hand-in-Hand“

Unter dem Begriff komplementäre Medizin werden verschiedene Therapieformen zusammengefasst, die ein Arzt ergänzend zur Schulmedizin einsetzen kann. Das kann „Hand-in-Hand“ sein aber auch mal „stattdessen“, wenn die Schulmedizin nicht notwendig ist oder gar nicht so gut passt. Zur komplementären Medizin zählen zum Beispile Pflanzenmedizin, Homöopathie, Akupunktur, Osteopathie oder Ernährungstherapien.

In verschiedenen Bereichen der komplementären Medizin haben Ärzte die Möglichkeit, sich weiterzubilden und Zusatzbezeichnungen wie Naturheilverfahren, manuelle Medizin/Chirotherapie, Akupunktur, Homöopathie unter anderem zu tragen. Die Voraussetzungen und Inhalte regelt die Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer.

Mit der Komplementärmedizin haben Ärzte eine zusätzliche Option in ihrem Therapie-Repertoire. Die Kosten von vielen komplementären Heilverfahren wie zum Beispiel Homöopathie bzw. homöopathische Arzneimittel erstatten auch gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten (dort nachfragen bzw. Leistungsumfänge im Web checken www.dhu-globuli.de/service/erstattung/).

Drei bekannte komplementärmedizinische Heilmethoden:

  • Akupunktur: Die Akupunktur gehört zur über 200 Jahre alten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die Vorstellung dahinter ist, dass im Körper die Lebensenergie „Qi“ in Leitbahnen, Meridiane genannt, fließt. Blockaden des Energieflusses führen zu Krankheiten. Mit Nadeln an bestimmten Stellen der Meridiane lassen sich die Blockaden wieder lösen. Untersuchungen zeigen, dass durch Akupunktur tatsächlich auch Hormone und Neurotransmitter wie Serotonin und Endorphine freigesetzt werden können, die eine schmerzstillende und stimmungsaufhellende Wirkung haben. Eine Akupunkturbehandlung kann z.B. bei Schmerzen eingesetzt werden, weitere Indikationen sind Heuschnupfen und Schlafstörungen.

  • Homöopathie: Die Homöopathie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip, also „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“. Konkret heißt das: eine Substanz, die bei einem Gesunden bestimmte Symptome auslöst, kann bei einem Kranken helfen, der unter ähnlichen Beschwerden leidet. Bespiel Kaffee. Macht aktiv und munter, wie jeder weiß. Kaffee wird als homöopathisches „Coffea“ bei Unruhe und Schlafproblemen eingesetzt. Der Schöpfer der Homöopathie, der Arzt und Apotheker Samuel Hahnemann, machte zudem die Entdeckung, dass die Stoffe verdünnt und verschüttelt besonders gut wirken. Diesen Herstellungsvorgang nannte er „Potenzieren“. Die Homöopathie kann von einem Arzt oder Heilpraktiker angewendet bzw. verordnet werden. Homöopathische Arzneimittel können aber auch in der Selbstmedikation eingesetzt werden. Dazu berät der Apotheker.

  • Osteopathie: Darunter versteht man ein manuelles Behandlungsverfahren, bei dem der Osteopath Blockaden erspürt und durch sanfte Griffe löst. Die Osteopathie geht davon aus, dass Blockaden und Bewegungseinschränkungen mit vielen Erkrankungen in Zusammenhang stehen, die so behoben werden können. Der Osteopath hat umfangreiches Wissen aus verschiedene Bereichen wie Anatomie, Physiologie und Neurologie, das er bei seiner Arbeit miteinander verbindet. Behandelt werden eine Vielzahl von Beschwerden u.a. aus den Bereichen Bewegungsapparat und Organe, häufig verbunden mit Schmerzen. Der Körper braucht in der Regel etwas Zeit, um zu reagieren. Zwischen den Behandlungen liegt mindestens eine Woche Pause. Kennzeichnend für Osteopathie ist, dass sie ausschließlich mit den Händen ausgeführt wird.

Wer nutzt komplementäre Medizin?

Ärzte und Heilpraktiker setzen komplementäre Verfahren bei vielen Erkrankungen routinemäßig ein. Speziell z. B. in Naturheilverfahren oder Homöopathie weitergebildete Mediziner können dies in dem jeweiligen Gebiet sehr professionell tun. Vor allem bei chronischen Erkrankungen kann Komplementärmedizin helfen, die Beschwerden zusätzlich zu lindern, die Befindlichkeit insgesamt zu verbessern oder (durch zum Beispiel notwendige schulmedizinische Präparate ausgelöste) Begleiterscheinungen zu mildern. In der Bevölkerung werden komplementärmedizinische Arzneimittel, also z.B. pflanzliche oder homöopathische Medikamente, im Rahmen der Selbstmedikation häufig bei leichteren akuten Beschwerden wie Verdauungsprobleme oder Infekten eingesetzt.

Einen besonderen Stellenwert hat der ärztliche Einsatz komplementärer Medizin im Umfeld von Krebserkrankungen Medizinische Fachgesellschaften verschiedener Fachgebiete haben sich zusammengeschlossen, um eine wissenschaftliche Leitlinie zur Komplementärmedizin in der unterstützenden Behandlung von Krebspatienten zu erstellen. Darin sollen die wichtigsten Methoden, Verfahren und Wirkstoffe aus der komplementären Medizin bewertet werden, die derzeit in Deutschland eingesetzt werden. Die Fertigstellung der Leitlinie ist für Ende 2020 geplant.

Laut einer aktuellen Befragung von Kantar TNS von 2018 zeigt sich, dass 75 Prozent der Deutschen ein solches Konzept der integrativen Medizin begrüßen. An verschiedenen Kliniken z.B. der anthroposophischen Medizin wird die integrative Medizin schon seit vielen Jahren umgesetzt. Eine jüngere praktische Umsetzung ist das Ende 2017 in Baden-Württemberg gegründete Kompetenznetzwerk Integrative Medizin. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss mehrerer Kliniken mit dem Ziel, in verschiedenen medizinischen Bereichen die Möglichkeiten einer integrativen Medizin verstärkt zu nutzen.

Initiative Homöopathie. Natürlich. Meine Entscheidung!

Die Initiative "Homöopathie. Natürlich. Meine Entscheidung!" wurde im April 2018 in Leben gerufen. Initiator ist die Deutsche Homöopathie-Union DHU Arzneimittel GmbH & Co. KG. Die Initiative setzt sich u.a. für Therapiefreiheit ein, „jeder Mensch sollte selbst wählen dürfen, welche medizinischen Heilmethoden er oder sie anwendet“. Immerhin vertrauen über die Hälfte der erwachsenen Deutschen (33 Millionen Menschen) auf homöopathische Arzneimittel, wie eine aktuelle Umfrage von forsa 2018 belegt.

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