An Händen, Achseln oder Gesicht

Hyperhidrose: Wenn starkes Schwitzen zur Krankheit wird

Menschen mit Hyperhidrose schwitzen extrem, oft unabhängig von äußeren Einflüssen. Das beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen oft erheblich. Um starkes Schwitzen in den Griff zu bekommen, gibt es zahlreiche Therapieoptionen.

Antitranspirantien, die wie Deo-Spray verwendet werden, können die Schweißproduktion etwas unterdrücken.
© iStock.com/Koldunov

Schwitzen ist keine Krankheit, sondern hat vor allem bei heißen Außentemperaturen, im Sommer, beim Sport und bei Fieber eine wichtige Kühlfunktion. Die Aktivität der Schweißdrüsen wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert und läuft überwiegend unwillkürlich ab. Die übermäßige Schweißproduktion bei Menschen mit Hyperhidrose bringt dagegen erhebliche Probleme mit sich.  

Mittel gegen starkes Schwitzen

Was Hyperhidrose von normalem Schwitzen unterscheidet

Der Begriff Hyperhidrose bezeichnet dagegen das übermäßige, krankhafte Schwitzen. Es kann zeitweise auftreten oder die normale Schweißproduktion dauerhaft ersetzen. Oft beginnen die Probleme schon in der Kindheit oder der Pubertät und bei den Betroffenen tritt ohne erkennbare Ursache, oder schon bei dem geringsten Anlass, eine erhöhte Schweißproduktion auf. Die, häufig schwallartigen, Schweißausbrüche können alle Körperregionen betreffen. Durch die erhöhte Dichte von Schweißdrüsen sind aber Hand- und Fußflächen, die Stirn sowie die Achseln und der behaarte Kopf besonders stark betroffen. Die Schweißmengen lassen sich weder mit Deodorants, leichter Kleidung noch mit kühlenden Maßnahmen effektiv eindämmen und belasten die Betroffenen oft sehr stark. Es ist allerdings manchmal schwer, zwischen einer krankhaften Hyperhidrose und einer normalen, aber sehr starken Schweißproduktion zu unterschieden, da manche Menschen von Natur aus mehr und andere weniger schwitzen.

Aus diesem Grund gibt es auch sehr unterschiedliche Zahlen darüber, wie viele Menschen unter Hyperhidrose leiden. Man geht aber davon aus, dass weltweit etwa drei Prozent der Menschen weltweit dadurch eingeschränkt sind, dass sie stark schwitzen.

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Welche Probleme bringt starkes Schwitzen mit sich?

Hyperhidrose bedeutet für Betroffene oft einen hohen Leidensdruck und eine eingeschränkte Lebensqualität. Besonders in der Öffentlichkeit können die starken Schweißabsonderungen zu peinlichen Situationen führen. Große Schweißflecke auf der Haut, nasse Hände, Schweißfüße oder unangenehmer Körpergeruch sind für die Betroffenen ebenso wie für das Umfeld unangenehm. Aus Scham ziehen sich Menschen mit Hyperhidrose oft aus der Gesellschaft zurück, meiden soziale Kontakte und isolieren sich zunehmend. 

Auf der ständig schweißnassen Haut bilden sich Pickelchen, Juckreiz und Hautrötung. Diese Körperstellen sind anfälliger für Pilzerkrankungen, Entzündungen, Ausschläge, Warzen und Hautgeschwüre.

Frischer Schweiß riecht im Normalfall nicht unangenehm. Der typische Schweißgeruch entsteht durch Bakterien, die den Schweiß zersetzen. Auch Schweiß, der an Körperstellen mit starker Hornhautbildung (zum Beispiel Fußsohlen) entsteht, riecht nach der Zersetzung durch Hautbakterien besonders stark. Vor allem in der Pubertät kann eine deutliche Geruchsproblematik das starke Schwitzen verschlimmern. Dies nennt man Bromhidrose und es besteht ein Zusammenhang mit den Duftdrüsen (apokrine Schweißdrüsen) der Haut. Diese werden durch Sexualhormone stimuliert und sondern insbesondere unter den Achseln und im Intimbereich ihr Sekret ab.

In vielen Fällen werden die übermäßigen Schweißausbrüche von einer starken, anfallsartigen Hautrötung und Hitzegefühl begleitet. Dieser Flash kann von Empfindungsstörungen und sogar Schmerzen begleitet werden und ist insbesondere in den Wechseljahren ein häufiges Leiden.

Ursachen: Warum kommt es zum übermäßigen Schwitzen?

Ärzte unterteilen das starke Schwitzen in verschiedene Formen: Die Unterscheidung in primäre und sekundäre Hyperhidrose richtet sich nach dem Grund der Störung. Unterscheidet man in fokale und generalisierte Hyperhidrose, so betrachtet man ausschließlich die Lokalisation der betroffenen Körperregionen.

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Primäre Hyperhidrose

Bei dieser, auch essentielle oder idiopathische Hyperhidrose genannten Form, lässt sich keine äußere Ursache oder auslösende Krankheit für das übermäßige Schwitzen finden. Aus ungeklärter Ursache produzieren die Schweißdrüsen mehr Sekret, als zu diesem Zeitpunkt nötig. Die primäre Form ist die häufigste Erscheinungsform der Hyperhidrose. Es kommt meist zu anfallsartigen Schweißausbrüchen, die durch geringe Auslöser wie warme Temperaturen, Aufregung, Stress oder Anspannungen ausgelöst werden, aber auch völlig ohne Auslöser beginnen können. 

Die primäre Hyperhidrose beginnt meist in der Pubertät und es zeigt sich eine deutliche familiäre Veranlagung. Die Anfälle treten fast nur tagsüber auf und konzentrieren sich meist symmetrisch auf bestimmte Körperstellen an beiden Körperhälften. 

Sekundäre Hyperhidrose

Bei dieser Form ist das starke Schwitzen Symptom einer Erkrankung oder besonderen Lebensphase (Wechseljahre). Meist kommt es bei den Betroffenen zu Schweißausbrüchen am ganzen Körper, die auch in der Nacht auftreten können.

Die häufigsten Krankheiten und Lebensphasen, die mit einer sekundären Hyperhidrose einhergehen, sind:

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann eine übermäßige Schweißproduktion als Nebenwirkung mit sich bringen:

Generalisierte Hyperhidrose

Hier ist der ganze Körper vom starken Schwitzen betroffen. Die generalisierte Hyperhidrose kommt insbesondere bei der sekundären Form der Hyperhidrose vor, ist also meist Symptom einer Krankheit.

Fokale Hyperhidrose

Die Patienten schwitzen nur an bestimmten Körperstellen übermäßig, während der übrige Körper ein normales Schweißverhalten zeigt. Besonders betroffen sind die Körperstellen, die besonders viele Schweißdrüsen aufweisen, wie Achseln, Kopf, Dekolleté, Hände und Füße. Diese Verteilung des verstärkten Schwitzens ist typisch für die primäre Form der Hyperhidrose. Da sich hier oft kleine Stellen ausmachen lassen, die besonders stark schwitzen, sind diese Fälle der Hyperhidrose besonders gut operativ behandelbar.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Hyperhidrose?

Der erste Schritt in der Diagnostik von starkem Schwitzen ist immer eine ausführliche Anamnese beim Hausarzt oder Dermatologen (Hautarzt). Bei diesem ausführlichen Gespräch werden Anhaltspunkte dafür gesucht, dass die Schweißabsonderungen über ein normales Maß hinausgehen und krankhaften Charakter haben. Dies ist nicht immer eindeutig, da es sehr unterschiedlich ist, wie Menschen in unterschiedlichen Situationen schwitzen. Es gibt fünf Bereiche, die abgefragt werden müssen:

Es gibt vier spezielle Untersuchungen, die einerseits zur Diagnose der Hyperhidrose, andererseits zur Überprüfung von Behandlungsfortschritten dienen. Für manche Therapien ist es wichtig, genau zu wissen, wo die Hautstellen sind, die besonders stark schwitzen.

Da es sehr viele, teilweise schwerwiegende, mögliche Ursachen für eine sekundäre Hyperhidrose gibt, kommt eine Vielzahl an Untersuchungen in Betracht. Eine körperliche Untersuchung, sowie Messungen der Körpertemperatur und des Blutdrucks gehören immer dazu. Danach können Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT, Untersuchungen des Knochenmarks, EKG und neurologische Untersuchungen weitere Aufschlüsse bringen.

Welche Therapie hilft bei übermäßigem Schwitzen?

Je nach Krankheitsform und Symptomen des starken Schwitzens kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Anwendung. Sind die Schwitzattacken Symptom einer anderen Erkrankung, muss zunächst diese behandelt werden. In diesen Fällen bessert sich meist auch die Hyperhidrose.

Bei einer primären Hyperhidrose gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten, die sich vor allem danach richten, an welchem Körperteil man verstärkt schwitzt:

Welches Medikament bei starkem Schwitzen?

Ein Ansatz des übermäßigen Schwitzens ist die Behandlung mit Medikamenten. Dazu gehören in erster Linie sogenannte Anticholinergika (diese blockieren die Wirkung von Acetylcholin, dem Überträgerstoff im Nervensystem, der die Schweißdrüsen zur Produktion und Sekretion von Schweiß anregt) und Mittel auf pflanzlicher Basis wie beispielsweise Salbei. In Einzelfällen werden auch Medikamente verordnet, die eigentlich nicht speziell für Hyperhidrose zugelassen sind. Solche Medikamente sind beispielsweise Betablocker, Psychopharmaka und blutdrucksenkende Mittel.

Deodorants und Antitranspirants

Iontophorese

Bei der Iontophorese wird in einem Wasserbad ein schwacher, ungefährlicher Gleichstrom erzeugt und durch die Haut geleitet. So werden Ionen in die Haut eingeschleust, die vermutlich die Schweißdrüsen hemmen. Der genaue Wirkungsmechanismus der Iontophorese ist noch nicht geklärt. Einschränkend ist aber, dass die zu behandelnden Areale in wassergefüllten Schalen oder Wannen passen müssen. Deshalb kommt die Iontophorese hauptsächlich bei schwitzenden Händen und Füßen zur Anwendung. Es gibt spezielle Schwämme, die angefeuchtet in den Achselhöhlen platziert werden können, aber nicht so effektiv wie die Iontophorese im Wasserbad sind.

Botox

Der Wirkstoff Botulinumtoxin ist ein hochwirksames Nervengift, das hauptsächlich aus der Schönheitschirurgie bekannt ist. Die Injektion von Botox in die schwitzende Hautregion ist eine effektive Methode, um übermäßiges Schwitzen zu reduzieren, da das Nervengift bestimmte Nervenfasern außer Gefecht setzt. Botox muss in der Achselhöhle an 15 bis 20 Stellen in die Haut injiziert werden und ist für die starke, primäre Hyperhidrose der Achseln zugelassen, die sich ansonsten nicht ausreichend behandeln lässt. Auch an Händen, Füßen und am Kopf werden Botox-Injektionen zur Verminderung des Schwitzens durchgeführt. Für diese Anwendung gibt es allerdings keine Zulassung und die Behandlung ist wesentlich schmerzhafter als die Botox-Therapie in den Achselhöhlen. Die Wirkung der sogenannten Schwitz-Spritze ist nach ein bis zwei Wochen voll vorhanden und hält dann für etwa sechs Wochen an.

Operationen

Eine Operation zur Behandlung einer Hyperhidrose ist nur bei schweren Formen der fokalen Hyperhidrose sinnvoll. Folgende Operationen kommen in Frage:

Kürettage

Bei der Ausschabung werden spezielle Instrumente unter die Hautoberfläche geschoben und die Schicht, in der sich die Schweißdrüsen befinden, ausgeschabt. Die Kürettage wird häufig mit der Schweißdrüsenabsaugung kombiniert.

Laserbehandlung

Besonders im Bereich der Achseln wird der Laser zur Entfernung der Schweißdrüsen benutzt. Unter örtlicher Betäubung wird eine Laserfaser in das Hautareal unter den Achseln eingeführt.  Durch Erhitzung des Gewebes werden die Schweißdrüsen zerstört.

Sympathikusblockade

Durch verschiedene Methoden wird der Sympathikusnerv, der die Schweißdrüsen zur Sekretion von Schweiß anregt, blockiert. Diese Methoden werden vor allem bei der Hyperhidrose der Hände und des Gesichts, mit geringerem Erfolg auch bei starkem Achselschweiß angewendet. Beide Operationen werden nur dann ausgeführt, wenn die Beschwerden erheblich sind und keine andere Therapie einen sichtbaren Nutzen hatte.

Hausmittel gegen starkes Schwitzen

Betroffene fragen sich: was tun, wenn man übermäßig schwitzt? Außer den ärztlichen Therapien gibt es eine ganze Reihe an Tipps, die bei Hyperhidrose hilfreich sein können. Regelmäßiger Sport, Kneipp-Anwendungen, Saunagänge, salzarme Ernährung, der Verzicht auf Alkohol, Kaffee und stark gewürzte Speisen sowie die Verwendung atmungsaktiver Kleidung, können starkem Schwitzen vorbeugen.

Gegen unangenehmen Körpergeruch hilft gute Körperhygiene, regelmäßiges Wechseln der Kleidung und Antitranspirantien. Bei übergewichtigen Betroffenen, kann eine Normalisierung des Körpergewichts die Hyperhidrose verbessern. Treten die Schwitzattacken im Zusammenhang mit Stress oder Aufregung auf, können regelmäßige Entspannungs- und Atemübungen, Yoga oder Meditationstechniken helfen.

Es gibt zahlreiche Hausmittel, die gegen starkes Schwitzen ausprobiert werden können:

Welche dieser Verhaltensweisen helfen, müssen Betroffene durch Ausprobieren herausfinden. Es lohnt sich auf alle Fälle, hier zu experimentieren und mit diesen einfachen Maßnahmen die Hyperhidrose zu lindern oder ärztliche Therapien zu unterstützen. 

Verlauf: Ist eine Hyperhidrose heilbar?

Der Verlauf einer Hyperhidrose hängt entscheidend von der Ursache ab. Ist bei einer sekundären Hyperhidrose eine Krankheit der Auslöser des starken Schwitzens und wird diese erfolgreich behandelt, nimmt das Schwitzen ab und kann ganz ausbleiben. Die Behandlung der primären Hyperhidrose, bei der keine Krankheit als Verursacher der Schwitzattacken infrage kommt, gestaltet sich häufig schwierig.

Die Hyperhidrose lässt sich durch die verschiedenen, zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessern, aber meist nicht ganz beseitigen. Bei Kindern und Jugendlichen bildet sich das verstärkte Schwitzen häufig ganz ohne Behandlung zurück, sobald die Pubertät einsetzt. Beginnt die primäre Hyperhidrose aber erst in der Pubertät oder danach, ist ein Verschwinden der Hyperhidrose ohne Behandlung sehr selten.

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Letzte Aktualisierung: 13. März 2019
Quellen
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