An Händen, Achseln oder Gesicht

Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen stoppen

Riesige Schweißflecken unter den Achseln, glitschige Hände und Füße: Menschen mit Hyperhidrose schwitzen extrem, selbst dann, wenn es nicht besonders warm ist. Ihre Schweißdrüsen sind überaktiv und produzieren mehr Feuchtigkeit, als für die körpereigene Kühlung notwendig ist. Hyperhidrose kann eine eigenständige Erkrankung darstellen oder auch Symptom sein für andere Krankheiten. Es gibt verschiedene Behandlungen, um das übermäßige Schwitzen in den Griff zu bekommen, zum Beispiel mit Aluminiumsalzen oder dem Nervengift Botox.

Antitranspirantien, die wie Deo-Spray verwendet werden, können die Schweißproduktion etwas unterdrücken.
(c) George Doyle

Schwitzen ist ein lebenswichtig für die Wärmeregulation und sorgt dafür, dass der Körper nicht überhitzt. Schweißdrüsen sondern ein wässriges Sekret ab, das auf der Haut verdunstet und so den Körper kühlt. Je nach Außentemperatur und körperlicher Anstrengung produziert ein Mensch mehrere Liter Schweiß pro Tag. Menschen mit einer Hyperhidrose schwitzen dagegen viel mehr, als für die Temperaturregulierung notwendig ist. Die Schweißdrüsen sind weder vermehrt noch vergrößert, sondern lediglich überstimuliert.

Mittel gegen starkes Schwitzen

Einteilung der Hyperhidrose: primär, sekundär, fokal, generalisiert

Mediziner teilen die Hyperhidrose nach verschiedenen Kriterien ein:

Die Erkrankung bedeutet für Betroffene oft einen hohen Leidensdruck und eine eingeschränkte Lebensqualität. Aus Scham ziehen sie sich aus der Gesellschaft zurück, meiden soziale Kontakte und isolieren sich zunehmend – auch im Beruf. Zudem bietet die feuchte Haut ideale Bedingungen für Keime aller Art: Pilze, Viren und Bakterien haben leichtes Spiel. Sie vermehren sich und breiten sich aus. Die Folgen sind Hautauschläge, Hautrötungen, Warzen und andere Hautveränderungen.

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

Symptome der Hyperhidrose: Schwitzen extrem!

Das Hauptsymptom der primären Hyperhidrose ist der übermäßige Schweißfluss aufgrund einer gestörten Schwitzfunktion. Für Betroffene sind die erheblichen Schweißmengen äußerst unangenehm und störend. Auch für die Mitmenschen ist das übermäßige Schwitzen meist gut sicht- oder spürbar. Die Hände schwitzen so extrem, dass jedes Händeschütteln unangenehm ist. Auch das Papier beim Schreiben wellt sich unter dem übermäßigen Schweißfluss. Zudem bilden sich große, dunkle Schweißflecken auf der Kleidung unter den Achseln – obwohl es gar nicht heiß ist.

Typisch für die häufiger auftretende primäre Hyperhidrose:

Ursachen: Warum kommt es zum übermäßigen Schwitzen?

Schwitzen ist keine Krankheit, sondern dient der Regulation der Körpertemperatur und schützt den Organismus vor dem Überhitzen. Vor allem bei heißen Außentemperaturen im Sommer, beim Sport kühlt oder in Zusammenhang mit Infektionskrankheiten und Fieber kühlt das Schwitzen den Körper ab.

Der menschliche Organismus verfügt über rund zwei Millionen Schweißdrüsen, die über die Körperoberfläche verteilt sind. Schweißproduzierende Drüsen kommen in drei Formen vor:

Was man bei Hitze nicht tun sollte!

Lifeline/Wochit

Eine Hyperhidrose tritt – anders als das "normale" Schwitzen – unabhängig von der Außentemperatur und fiebrigen Erkältungen auf.

Primäre Hyperhidrose: Ursachen sind unbekannt

Die primäre Hyperhidrose bedeutet, dass dem Schwitzen keine Erkrankung zugrunde liegt. Die genauen Ursachen sind noch unklar. Allerdings scheint die Veranlagung eine wichtige Rolle zu spielen, weil Hyperhidrose in einigen Familien gehäuft vorkommt. Die unkontrollierbaren Schweißausbrüche beginnen häufig in der Pubertät und verstärken sich bei Stress, Angst und Nervosität. Die Betroffenen fühlen sich in ihrer Lebensqualität oft stark beeinträchtigt, da sich die übermäßige Schweißproduktion nach außen hin kaum verbergen lässt.

Sekundäre Hyperhidrose: Ursachen sind meist Krankheiten

Die sekundäre Hyperhidrose geht in der Regel auf Krankheiten und andere Faktoren zurück. Die häufigsten sind:

Hormon- und Stoffwechselstörungen, hormonelle Einflüsse

Nervenerkrankungen und psychische Belastungen

Krebserkrankungen

Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Medikamente und Drogen

Hyperhidrose-Diagnose: Wie wird übermäßiges Schwitzen festgestellt?

Wenn Sie unter unkontrollierbaren Schweißausbrüchen leiden und sich dadurch in Ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, besprechen Sie das Problem mit dem Hausarzt oder einem Dermatologen. Durch Fragen zu Ihrer Krankheitsgeschichte und Untersuchungen erhält der Arzt Hinweise, die für die Diagnose hilfreich sind.

Zunächst wird der Arzt Ihnen einige Fragen stellen. Zum Beispiel:

Ihre Antworten liefern dem Arzt schon erste Hinweise darauf, ob das übermäßige Schwitzen eine eigenständige Störung oder eine andere Erkrankung der Verursacher ist.

Jod-Stärke-Test auf der Haut

Die körperliche Untersuchung hilft dem Arzt, den Gründen für das verstärkte Schwitzen auf die Spur zu kommen. Ist die Hyperhidrose auf bestimmte Körperbereiche begrenzt, lassen sich diese durch den Jod-Stärke-Test nach Minor genauer eingrenzen: Der Arzt bringt eine Jod-Stärke-Lösung auf die fraglichen Hautregionen auf. Schwitzt ein Mensch stark, verfärbt sich die Haut innerhalb weniger Sekunden violett.

Hilfreich ist manchmal auch die Bestimmung der Schweißmenge mittels Gravimetrie. Ärzte messen diese mit Filterpapier, Stoppuhr und einer Ultrafeinwaage. Die Aussagekraft der Messwerte ist allerdings nicht sehr hoch, weil die Erkrankung in Attacken auftritt und die Schweißmenge daher individuell extrem schwankt.

Besteht der Verdacht, dass eine andere Krankheit das vermehrte Schwitzen auslöst, folgen weitere Untersuchungen. Eine Blutuntersuchung zeigt, wie es um Ihren Hormonhaushalt bestellt ist. Eine neurologische Untersuchung, Röntgenaufnahmen und die Magnetresonanztomographie (MRT) bringen ans Licht, ob eine Erkrankung der Nerven zugrunde liegt.

Hyperhidrose ist unterschiedlich schwer ausgeprägt

Ärzte teilen die Hyperhidrose in verschiedene Schweregrade ein:

Behandlung der Hyperhidrose: von Botox bis OP

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des verstärkten Schwitzens. Sind die Schwitzattacken das Ergebnis einer anderen Erkrankung, behandeln Ärzte zunächst diese. Damit bessert sich meist auch die Hyperhidrose. Es gibt verschiedene, direkte Behandlungsmöglichkeiten, die Sie teilweise auch selbst anwenden können. Zunächst versuchen Ärzte, die primäre Hyperhidrose konservativ – also ohne Operation – zu behandeln.

Folgende Therapien kommen in Frage:

Tabletten gegen Hyperhidrose (systemische Behandlung)

Tabletten eignen sich für Menschen mit generalisierter Hyperhidrose, manchmal auch mit lokal begrenzter Schwitzkrankheit, bei der andere Behandlungen keinen Erfolg gebracht haben. Folgende Medikamente kommen zum Einsatz:

Operation bei Hyperhidrose

Eine chirurgische Entfernung des Hautareals mit den überaktiven Schweißdrüsen (Exzision) ist eine Möglichkeit, wenn Sie vor allem in den Achseln zu übermäßigem Schwitzen neigen. Sie ist eine Option, wenn andere Behandlungen versagt haben. Chirurgen führen den Eingriff unter Vollnarkose oder regionaler Anästhesie durch. Der Vorteil: Eine einmalige Operation vermindert die Symptome dauerhaft. Die Nachteile sind mögliche Wundheilungsstörungen, Narben, Bewegungseinschränkungen und eine lange Heilungsphase. Wurden die überaktiven Schweißdrüsen nicht komplett entfernt, schwitzen die Patienten weiter, allerdings nicht mehr so extrem. Dieser Eingriff wird nur in Einzelfällen empfohlen.

Bei der Kürettage/Saugkürettage (Ausschaben) schält ein Chirurg die Schweißdrüsen an der Unterseite der Achselhaut mit einem scharfen Instrument heraus. Narben bilden sich bei dieser Technik kaum und das kosmetische Ergebnis ist meist gut. Allerdings muss der Operateur einige Erfahrung mitbringen.

Die Endoskopische thorakale Sympathektomie (ETS, Sympathikolyse) eignet sich für die Hyperhidrose der Hände, Achseln und des Gesichts. Dabei werden bestimmte Nervenstränge durch Hitze (Elektrokauterisation) oder mit Hilfe eines Clips (Klipping) unterbrochen. Die CT-gesteuerte perkutane Sympathikolyse funktioniert analog der ETS. Die Nervenstränge schalten Ärzte jedoch durch Injektion von konzentriertem Alkohol aus.

Hausmittel gegen Schwitzen

Auch einige Hausmittel gelten als wirksam gegen übermäßiges Schwitzen. Einen Versuch sind sie eventuell wert.

Allgemein gilt: Regelmäßiger Sport, Kneipp-Anwendungen, Saunagänge, salzarme Ernährung, der Verzicht auf Alkohol, Kaffee und stark gewürzte Speisen sowie atmungsaktive Kleidung können starkem Schwitzen vorbeugen.

Verlauf der Hyperhidrose: Ist Heilung möglich?

Der Verlauf einer Hyperhidrose hängt entscheidend von der Ursache ab. Ist eine Krankheit der Auslöser des starken Schwitzens und behandeln Ärzte diese ausreichend, nimmt auch das Schwitzen ab. Die Behandlung der primären Hyperhidrose, bei der keine Krankheit als Verursacher der Schwitzattacken infrage kommt, gestaltet sich häufig schwierig. Die Hyperhidrose lässt sich zwar durch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten deutlich bessern, aber meist nicht ganz beseitigen.

Patienten mit Hyperhidrose leiden auch unter den Folgen der Krankheit. Das feuchte Milieu der Haut bietet Keimen ideale Bedingungen, um sich zu vermehren. Betroffene erkranken oft an Fußpilz (Tinea pedis), Warzen (Verrucae), bakteriellen Hautveränderungen an den Fußsohlen (Keratoma sulcatum) oder bakteriellen Hautinfektionen (Erythrasma). Auch die psychosozialen Folgen der Hyperhidrose sind nicht zu unterschätzen: Manche Betroffene kapseln sich aus Scham ab und vereinsamen. Suchen Sie also immer rechtzeitig einen Arzt auf, wenn Sie verstärkt schwitzen.

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Autor: Jan Groh, Medizinautor / Silke Stadler, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 10. September 2018
Quellen Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004 / Gesenhues, S., Ziesché, R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin; S1-Leitlinie "Definition und Therapie der primären Hyperhidrose", Stand 2012, in Überarbeitung, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-059l_S1_prim%C3%A4re_Hyperhidrose_Definition_Therapie_2012-01-abgelaufen.pdf; Deutsche Dermatologische Gesellschaft, http://www.derma.de (Abruf: 11.8.2017); Mayo Clinic, Hyperhidrosis, http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/hyperhidrosis/basics/definition/con-20030728 (Abruf: 10.8.2017); Ärzteblatt "Hyperhidrose: Ursachen und Therapien von übermäßigem Schwitzen", https://www.aerzteblatt.de/archiv/63004/Hyperhidrose-Ursachen-und-Therapie-von-uebermaessigem-Schwitzen; Urban & Fischer, München 2003 /Mader, F.H., Weißgerber H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003; Eisenach JH, et al. Hyperhidrosis: evolving therapies for a well-established phenomenon. Mayo Clin Proc. 2005; 80: 657-66. URL: http://www.mayoclinicproceedings.com/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=15887434; Haider A, Nowell S. Focal hyperhidrosis: diagnosis and management. CMAJ. 2005; 172: 69-75. URL: http://www.cmaj.ca/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=15632408; Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-059.pdf; Morrison SF, et al. Central control of thermogenesis in mammals. Exp Physiol. 2008; 93: 773-97. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2496891/pdf/nihms-59720.pdf; Lippert H. Lehrbuch Anatomie. 7. Auflage, Elsevier, München 2006; Siegenthaler W (Hrsg.), et al. Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 16. Auflage, Stuttgart, New York 1988.
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