Tipps für die empfindliche Haut

Die richtige Hautpflege bei Neurodermitis

Neurodermitis-Patienten müssen der Hautpflege besonders viel Aufmerksamkeit schenken. Denn bei atopischem Ekzem ist die Haut sehr empfindlich, durch ungeeignete Pflegeprodukte flammen schnell Rötungen und Ekzeme auf. Was sollten Neurodermitiker bei der Hautpflege beachten?

Eincremen bei Neurodermitis
Neurodermitishaut muss regelmäßig mit Feuchtigkeit und Fett versorgt werden, damit sie geschmeidig bleibt. Der gesamte Körper sollte deshalb zweimal täglich mit Pflegelotion oder Creme versorgt werden.
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Die beste Vorsorge von akuten Schüben bei Neurodermitis ist eine sorgfältige Hautpflege. Eine glatte, geschmeidige Beschaffenheit verschafft der Haut eine erhöhte Widerstandsfähigkeit.

Grundsätzlich sollte bei Neurodermitis oder der Veranlagung dazu jede übertriebene Hygiene vermieden werden. Denn diese fördert das Austrocknen der Haut. Ungeeignete Pflege- und Reinigungsprodukte können die bereits gestörte Hautbarriere weiter reizen oder einen Entzündungsschub auslösen.

Neurodermitiker sollten baden statt duschen

Die tägliche Dusche ist für Neurodermitiker nicht empfehlenswert, denn jeder Wasserkontakt trocknet die Haut zusätzlich aus. Sinnvoller sind Wannenbäder, doch auch hier gilt der Grundsatz: nicht zu oft, so kurz wie möglich und mit lauwarmem Wasser. Die ideale Badetemperatur liegt bei 34 Grad Celsius, bei Kindern sogar noch darunter. Länger als zehn Minuten sollte man nicht im Wasser sitzen.

Neurodermitis: Die besten Tipps für die Hautpflege

Schaumbadezusätze sind ungeeignet. Am besten baden Neurodermitiker fünf Minuten lang in klarem Wasser, um Hautschuppen und Schmutz abzuspülen. Anschließend sorgt ein Ölbadezusatz sowohl für schonende Reinigung als auch für die Rückfettung und Pflege der Haut. Das enthaltene Öl liegt als Schicht auf der Wasseroberfläche. Dieser Film legt sich beim Verlassen der Wanne auf die Haut und erreicht so auch Körperstellen, an die man beim Eincremen nur schwer kommt.

Je nach Stadium der Neurodermitis können dem Badewasser auch medizinische Zusätze beigemischt werden, die der Hautarzt verschrieben hat.

Wer trotzdem duscht, sollte für die Reinigung keine herkömmlichen Duschbäder nehmen, sondern Ölduschbäder oder seifenfreie, milde Waschlotionen verwenden, die den Säureschutzmantel der Haut nicht verletzen.

Nach dem Duschen, Baden oder der Körperwäsche wird die Haut nicht abgerubbelt, sondern mit einem möglichst weichen Handtuch nur abgetupft. Die Haare lässt man möglichst an der Luft trocknen – heiße Luft aus dem Föhn reizt die Kopfhaut und trocknet sie zusätzlich aus.

Leben mit seltener Hautkrankheit

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Wichtigster Pflegetipp bei Neurodermitis: Cremen, cremen, cremen

Nach dem Abtrocknen ist das Eincremen unverzichtbar:  Mindestens zweimal täglich und vor allem nach der Hautreinigung wird der gesamte Körper mit einem Pflegeprodukt behandelt. Pflegelotions zum Beispiel mit Harnstoff (Urea) führen der Haut Fett und Feuchtigkeit zu und sorgen dafür, dass die Haut auch an nicht betroffenen Stellen elastisch bleibt. Ein Neurodermitis-Schub kann dadurch sogar verzögert werden.

Cremes und Lotionen für die Körperpflege sollten frei von Duft- und Konservierungsstoffen und speziell für die empfindliche Haut bei Neurodermitis geeignet sein.

Hautstellen, die von Entzündungen und Rötungen betroffen sind, werden dabei mit speziellen wirkstoffhaltigen Salben und Cremes behandelt, die der Arzt verschreibt. Diese enthalten je nach Stadium juckreizhemmende, antiseptische und antientzündliche Stoffe.

Pflegetipps bei Neurodermitis an den Händen

Neurodermitis zeigt sich oft verstärkt an den Händen. Das liegt daran, dass die Haut an den Händen meist den ganzen Tag unbedeckt ist und durch die vielen täglichen Handgriffe sowie häufigen Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln sehr stark beansprucht und gereizt wird. Nicht nur Juckreiz, auch schmerzhafte Hautrisse, Entzündungen und Ekzeme machen sich viel schneller bemerkbar. Wer an Neurodermitis leidet, sollte seine Hände besonders sorgfältig pflegen. Dies gilt nicht nur während einer akuten Entzündung.

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Wichtiges Accessoire für die Hände: Gummihandschuhe schützen bei Arbeiten im Haushalt die Hände vor Wasser, reinigungsmitteln und allen anderen Substanzen, die Neurodermitis-Haut zusätzlich reizen können.
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Wichtig ist, den Wasserkontakt mit den Händen zu minimieren. Bei allen Arbeiten, die mit Wasser zu tun haben oder bei denen die Hände mit Reinigungsmitteln, säurehaltigen Lösungen oder Schmutz in Berührung kommen – wie Putzen, Kochen, Gartenarbeiten – sollten wasserdichte Handschuhe getragen werden. Da bei längeren Arbeiten mit Gummi- oder Latexhandschuhen die Hände in den Handschuhen oft schwitzen, empfiehlt es sich, zusätzlich dünne Baumwollhandschuhe in den Gummihandschuhen zu tragen.

Gereinigt werden die Hände mit milden, seifenfreien Waschlotionen oder Waschgelen, die auch beim Duschen verwendet werden. Wie beim Baden gilt auch beim Händewaschen, dass die Wassertemperatur nur mäßig warm sein sollte. Beim Abtrocknen ist besonders auf Fingerzwischenräume zu achten: Bleibt dort Feuchtigkeit zurück, wird die Hornschicht aufgeweicht und kann später zu Rissen und Hautentzündungen führen.

Unerlässlich bei Neurodermitis an den Händen ist das anschließende Eincremen. Für stark strapazierte Hände eignen sich fettreiche Pflegesalben. Diese führen der Haut Feuchtigkeit zu und bilden eine wasserabweisende Schicht. Die Haut ist vor Feuchtigkeitsverlust geschützt und hat die Möglichkeit, wieder geschmeidig zu werden. Abends kann man diese Creme auch etwas dicker auftragen und dünne Baumwollhandschuhe überstreifen. So kann die Creme über Nacht einziehen und wirken.

Pflegetipps bei Neurodermitis im Gesicht

Frau wäscht sich mit Wasser das Gesicht
Das ebste Reinigungsmittel für das Gesicht bei Neurodermitis ist klares Wasser.
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Sehr häufig ist bei Neurodermitis auch das Gesicht betroffen. Es ist – anders als von Kleidung bedeckte Stellen – äußeren Einflüssen und möglichen schubauslösenden Reizen (zum Beispiel Pollen) viel stärker ausgesetzt und gleichzeitig besonders empfindlich und dünn. Vor allem die Kopfhaut, die Stirn, der Bereich um die Augen und hinter den Ohren, bei Babys und Kindern oft zusätzlich die Wangen sind betroffen. In schubfreien Phasen ist die Haut extrem trocken, mitunter schuppig. Während eines aktiven Ausbruchs kommen Rötungen, Juckreiz und kleine Hautrisse hinzu. Die Symptome machen den Betroffenen nicht nur körperlich zu schaffen, sie sind auch psychisch beeinträchtigt durch Schlafmangel, Nervosität und den Juckreiz. Sie ziehen sich zurück, weil sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen und ihr Gesicht nicht gern herzeigen wollen.

Wer an Neurodermitis-Symptomen im Gesicht leidet, sollte der Pflege der dortigen Hautbereiche viel Aufmerksamkeit schenken. So lassen sich akute Schübe abmildern und die gereizte Haut kann sich erholen.

Für die schonende Reinigung des Gesichts reicht klares Wasser (kühl bis lauwarm) aus. Wenn eine Reinigungsmilch benutzt wird, sollte sie für Neurodermitis-Haut geeignet sein und frei von hautirritierenden Inhaltsstoffen.

Peelings und Gesichtsmasken sind bei Neurodermitis nicht zu empfehlen. Diese würden die Haut zur zusätzlich strapazieren. Dies gilt auch für Hilfsmittel zur Reinigung wie Schwämme und anderes.

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Für die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit und Fett wird eine spezielle Gesichtscreme, zum Beispiel mit Harnstoff verwendet. Beim Cremen heißt es "viel Fett, aber nicht abdichten", damit der Schweiß abfließen kann und nicht zu Juckreiz führt. Im Winter trocknen Heizungsluft und Kälte die Gesichtshaut zusätzlich aus, die Haut ist oft noch trockener und spannt. Deshalb sind in der kalten Jahreszeit Wasser-in-Öl-Cremes sinnvoll, im Sommer leichtere Öl-in-Wasser-Präparate. Empfehlenswert ist es übrigens, Pflegeprodukte für Neurodermitis im Kühlschrank zu lagern – so bieten sie beim Auftragen einen zusätzlichen kühlenden Effekt für die Haut.

Rissige Mundwinkel und trockene Lippen behandelt man mit speziellen Lippenpflegestiften oder -cremes. Diese spenden nicht nur Fett und Feuchtigkeit, sondern enthalten auch entzündungshemmende Inhaltsstoffe.

Auf Make-up müssen Neurodermitis-Patientinnen nicht verzichten, sofern es das Hautbild es zulässt und keine Stellen akut von einem Schub betroffen sind. Bei der Auswahl von Foundation, Abdeckstiften, Lidschatten, Lipgloss, Lippenstift und Puder sollte darauf geachtet werden, dass diese für sensible Haut geeignet und frei von reizenden Stoffen sind. Wichtig: Vor dem Auftragen des Make-ups wird das Gesicht mit der Basispflege eingecremt. Bei akut geröteten oder entzündeten Stellen ist es besser, bis zum Abheilen auf Schminke zu verzichten.

Beim Rasieren von Neurodermitishaut ist die Trockenrasur die schonendere Variante. Weil die Scherköpfe des Rasierapparates nur die zu langen Haare abschneiden, wird die Haut nur minimal beansprucht. Wer auf eine gründlichere Nassrasur nicht verzichten will, sollte dafür scharfe Klingen und sensitiven Rasierschaum benutzen. Nach der Rasur sorgt ein alkohol- und parfümfreies Aftershave-Balsam für Feuchtigkeit und Pflege.

Weitere Tipps zur Hautpflege bei Neurodermitis

  • Inhaltsstoffe kennen: Der Gebrauch von Kosmetika und Pflegeprodukten mit Duftstoffen, Farbstoffen und Konservierungsmitteln kann einen Neurodermitisschub auslösen und sollte möglichst vermieden werden. Das gilt auch für ätherische Öle, die oft in Naturkosmetik eingesetzt werden. Auch Alkoholzusätze in Kosmetika (zum Beispiel in Haarwässern, Shampoos, Stylingprodukten und Parfüms oder zur Konservierung in Naturkosmetika) reizen die Haut und trocknen sie aus.

  • Bei einer nur leichten Entzündung kann ein fettfeuchter Umschlag helfen: Dazu cremt man die betroffene Stelle ziemlich dick ein. Darüber kommt erst ein mit Wasser, Schwarztee oder Kochsalzlösung angefeuchteter Schlauchverband und dann ein trockener Schlauchverband. Solche Umschläge können die Betroffenen über Stunden hinweg unter der Kleidung oder nachts tragen. Die Creme zieht dann bis in die tieferen Hautschichten ein.

  • Die richtige Kleidung bei Neurodermitis: Kleidungsstücke aus Wolle und reiner Synthetik werden von vielen Betroffenen nicht vertragen. Der Grund: Die Stoffe reiben und scheuern, reizen die Haut und führen zu Juckreiz. Besser ist Kleidung aus Baumwolle, Seide oder Leinen. Die Kleidungsstücke sollten häufiger als normal gewaschen werden – mit wenig Waschmittel, denn Rückstände davon können die Haut ebenfalls reizen.

13 bewährte Heilpflanzen: Die helfen natürlich!

  • Schwitzen vermeiden: Vor allem bei Kindern mit Neurodermitis sollten Eltern darauf achten, dass diese nicht zu warm angezogen sind. Denn beim Spielen kommen die Kinder leicht ins Schwitzen, was die Haut zusätzlich reizt.

  • Kleidung mit Silberionen bei Neurodermitis: Auch antibakterielle Kleidung und Bettzeug sollen Neurodermitis lindern. Dafür sorgen silberummantelte Mikrofasern. Die freigesetzten Silberionen reagieren mit dem Protein von Krankheitskeimen und vernichten es. Durch diese ständige Eigensterilisation wird der quälende Juckreiz eingedämmt, die Haut kann in Ruhe und ohne zusätzliche Infektionen abheilen.

  • Sonnenschutz und Solarium: Sonnenlicht wirkt sich günstig auf den Verlauf aus, jedoch können Neurodermitiker genauso wie Hautgesunde einen Sonnenbrand bekommen. Deshalb ist ein geeigneter   Sonnenschutz wichtig. Auch künstliches UV-Licht kann einen positiven Effekt bei Neurodermitikern haben: Hautentzündungen heilen schneller ab, der Juckreiz wird gelindert. Allerdings sollten Betroffene nicht einfach ins Solarium gehen, sondern den Hautarzt nach einer speziellen UV-Lichttherapie zu fragen. Dabei wird der Patient mit einer abgestimmten und genau dosierten Kombination aus UV-A und UV-B-Licht bestrahlt.

  • Auf das Rauchen sollte vollständig verzichtet werden, da Nikotin die Hautdurchblutung zusätzlich herabsetzt. Die meisten Menschen mit Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis leiden ohnehin unter einer schlechten Durchblutung und daraus resultierenden Problemen. Nikotingenuss würde die Symptome weiter verstärken.

Neurodermitiker sollten Pflegeprodukte vorher austesten

Zum Schluss sei gesagt: Jede Neurodermitis-Haut reagiert anders. Was der eine Betroffene verträgt, löst bei dem anderen Rötungen und Schübe aus. Selbst wenn man ein Pflegeprodukt lange Zeit gut vertragen hat, ist das keine Garantie, dass das immer so bleibt.

Neue Cremes sollten, bevor man sie am ganzen Körper anwendet, an einer kleinen Stelle im Gesicht oder an der Innenseite des Handgelenks ausprobiert werden. Dafür kann man die in Drogerien oder Apotheken angebotenen Probierpackungen nutzen.

Diese Hausmittel und Heilpflanzen helfen bei Neurodermitis

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. April 2017
Quellen: Leitlinie Neurodermitis (atopisches Ekzem; atopische Dermatitis) AWMF-Registernummer: 013-027, 04/2008, Stand: 03/2015; Werfel T, Schwerk N, Hansen G, Kapp A: The diagnosis and graded treatment of atopic dermatitis. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 509–20. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0509; Deutscher Neurodermitisbund e.V: Der Hautfreund, Ausgabe 5 / 2015; Hautarztzentrum Kiel, Johannes Müller-Steinmann: Rasur bei Problemhaut – Nass oder trocken? URL: http://www.hautarztzentrum-kiel.de/rasur-bei-problemhaut-nass-oder-trocken-das-ist-die-frage/, Stand: 28. Dezember 2010, abgerufen: 19.04.2017

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