Infektionskrankheiten oder Hautkrankheiten

Krätze – Jucken und Krabbeln unter der Haut

Es juckt, brennt und krabbelt unter der Haut: Krätze ist eine äußerst unangenehme Infektionskrankheit, bei der sich zusätzlich ein unschöner Hautausschlag bildet. Die Verursacher der Skabies sind Krätzmilben, vor allem die weiblichen Tiere. Sie bohren Gänge durch die Hornhaut. Durch engen Hautkontakt können sich Menschen mit Krätze anstecken. Allerdings können Wochen vergehen, bis sich die ersten Symptome der Skabies zeigen. Die Hautmilben lassen sich effektiv mit Medikamenten abtöten.

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Krätzmilben bohren Gänge in die Haut und verursachen starken Juckreiz. In den Gängen deponieren die Parasiten Eier und ihren Kot.
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Krätze ist eine äußerst unangenehme Hautkrankheit. Der Verursacher der Krätze ist die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei), die sich in die oberste Hautschicht eingräbt und dort umher krabbelt. Die Krätze heißt auch Skabies, Krätze-Krankheit oder auf Englisch Scabies. Typisch ist ein quälender Juckreiz, der sich vor allem nachts verstärkt, etwa wenn es warm ist unter der Bettdecke. Der heftige Juckreiz entsteht, wenn die Krätzmilben ihre Eier, Kotballen und andere Ausscheidungen unter der Haut ablegen und der Organismus auf die Fremdkörper reagiert. Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Infektionskrankheit (Inkubationszeit) beträgt zwei bis fünf Wochen, wenn man sich zum ersten Mal mit der Krätze infiziert. Bei einer erneuten Ansteckung mit Krätzmilben ist sie kürzer.

Wie stecke ich mich mit Krätze an?

Anders als viele glauben, hat die Krätze weniger mit mangelnder Hygiene zu tun. Vielmehr kann sich jeder Mensch an Orten anstecken, an denen viele Personen zusammenkommen und in engen Hautkontakt miteinander treten. Beispiele sind Kindergärten, Schulen oder Pflegeeinrichtungen für Senioren. Für die Übertragung der Milben muss der Hautkontakt allerdings einige Minuten andauern – ein kurzes Händeschütteln oder eine flüchtige Umarmung reicht meist nicht aus. Besonders gefährdet sind Kinder, chronisch Kranke, Pflegebedürftige und Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Meist werden die Krätzmilben über den direkten Hautkontakt übertragen. Seltener stecken sich Personen über verunreinigte Gegenstände und gemeinsam verwendete Utensilien an, beispielsweise über Handtücher, Bettwäsche oder Kleidung.

Übriges können sich auch Tiere Krätzmilben einfangen. Oft sind sie bei Hunden zu finden. Die Krätze bei Tieren heißt Räude.

Krätze ist ein weltweites Problem

Die Parasiten der Art Sarcoptes scabiei gehören zu den Spinnentieren und sind weltweit verbreitet. Mediziner schätzen, dass die  Krätze insgesamt etwa 300 Millionen Menschen betrifft. Besonders häufig sind die Parasiten in Slums, bei Straßenkindern und in Flüchtlingslagern zu finden. Auch in Deutschland gibt es sporadische Ausbrüche der Krätze. Wie hoch die Zahlen in Deutschland genau sind, ist aber unbekannt.

Ist Krätze meldepflichtig?

Die Krätze gehört nach dem Infektionsschutzgesetz nicht grundsätzlich zu den meldepflichtigen Krankheiten. Einen Krätzeausbruch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Kinder- und Jugendheimen oder Senioreneinrichtungen müssen die Verantwortlichen aber sofort an das Gesundheitsamt melden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Krätzmilben als Auslöser

Die Verursacher der Krätze sind Krätzmilben. Der lateinische Name der Hautmilbe lautet Sarcoptes scabiei variatio hominis. Krätzmilben sind Parasiten und zählen zu den  Spinnentieren. Menschen stecken sich in erster Linie durch engen Hautkontakt mit infizierten Personen an, etwa beim Spielen, Kuscheln, Geschlechtsverkehr oder bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen. Auch beengte und hygienisch bedenkliche Wohnverhältnisse sowie die gemeinsame Benutzung verunreinigter Kleidungsstücke, Handtücher, Bettwäsche und anderer Textilien begünstigen die Verbreitung der Krätze.

Weibliche Krätzmilben übertragen die Krankheit

Übertragen wird die Krätze durch befruchtete weibliche Krätzmilben. Die männlichen Spinnentiere sterben nach der Befruchtung ab, während die weiblichen Tiere in die Hornhaut eindringen, dort Gänge graben und ihre Eier ablegen. Krätzmilben messen 0,3 bis 0,5 Millimeter und sind mit bloßem Auge nur als winzige Punkte erkennbar. Manchmal kann man die Milbengänge als feine dunkle Linien auf der Haut erkennen.

Wie lange ist Krätze ansteckend?

Die weiblichen Parasiten verbleiben meist ihr Leben lang (30 bis 60 Tage) im Tunnelsystem der Haut, das sie angelegt haben. Außerhalb ihres menschlichen Wirts können sie vermutlich bis zu 48 Stunden überdauern, zum Beispiel in der Bettwäsche, in Kleidern oder gemeinsam benutzten Handtüchern oder Wolldecken. Temperaturen unter 16 Grad und über 50 Grad (Waschmaschine, Trockner) verkürzen die Lebensdauer der Parasiten deutlich. Solange sich Krätzmilben auf der Haut befinden, können infizierte Personen andere anstecken. In den ersten Monaten nach der Infektion vermehren sich die Milben. Danach verringert ein intaktes Immunsystem die Zahl der Parasiten wieder.

Krätze-Symptome – So erkennen Sie Skabies

Krätze macht sich zunächst durch Brennen und Juckreiz der Haut bemerkbar, der sich bei Wärme noch weiter verstärkt, zum Beispiel nachts unter der Bettdecke. Die meisten empfinden das Jucken als unerträglich. Der Grund ist, dass sich die Krätzmilben in die Haut bohren und dort horizontal herumkrabbeln. Auch sondern sie Eier und Kot ab, was den Juckreiz ankurbelt. Nach einiger Zeit entwickelt sich ein typischer Hautausschlag mit Bläschen, Pusteln und rötlichen Knötchen von der Größe eines Stecknadelkopfes. Langfristig kann sich ein allergischer Hautausschlag als Reaktion des Immunsystems auf die Milbenprodukte, etwa die Kotballen und andere Ausscheidungen der Tiere bilden.

Im Schnitt vergehen nach der Ansteckung etwa vier Wochen, bis sich die ersten Krätze-Symptome zeigen. Nur die weiblichen Tiere dringen in die menschliche Haut ein, die männlichen Parasiten sterben nach der Befruchtung ab.

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

Symptome zeigen sich erst später

Wenn Sie sich mit Krätze angesteckt haben, dauert es einige Zeit bis die ersten Krätze-Symptome auftauchen. Dies hängt mit dem Entwicklungszyklus der Milben zusammen. Wenige Tage nachdem die Milbenweibchen ihre Eier unter die Haut gelegt haben, schlüpfen aus ihnen Larven. Diese wandern zur Hautoberfläche, wo sie sich zu sogenannten Nymphen weiterentwickeln. Aus diesen gehen wiederum männliche oder weibliche Tiere hervor. Die Gesamtentwicklungszeit eines Männchens dauert neun bis vierzehn Tage, Weibchen benötigen bis zur Geschlechtsreife bis zu drei Wochen.

Welche Hautstellen befällt die Krätze mit Vorliebe?

Krätzmilben befallen gerne die Fingerzwischenräume, Handgelenke, Ellenbogen, Leistenregion und die äußeren Geschlechtsorgane. An Stellen, an denen die Haut dünn ist, können sie leichter eindringen. In manchen Fällen breitet sich die Krätze auch am ganzen Körper aus – abgesehen vom Gesicht, das nur selten betroffen ist. In vielen Fällen kommt es nach den ersten Hautreaktionen zu einem allergischen Hautausschlag. Er entsteht durch die Ausscheidungen der Krätzmilben und der Zersetzung abgestorbener Tiere. Dieser Ausschlag zeigt sich bevorzugt rund um die Brustwarzen und am Handrücken.

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem breitet sich die Krätze oft besonders schnell aus. Auch äußern sich die Symptome oft heftiger. Kratzen kann den Juckreiz deutlich verstärken und bakterielle Zusatzinfektionen sowie Entzündungen begünstigen.

Verkrusten sich die Hauterhebungen, ist das ein Hinweis auf die besonders ansteckende und gefährliche Form der Krätze. Sie heißt Borkenkrätze, Krustenskabies, Scabies crustosa oder früher auch Scabies norvegica. Bei der Borkenkrätze fällt der Juckreiz oft geringer aus oder fehlt ganz.

Diagnose bei Krätze: So geht der Arzt vor

Ein erfahrener Hautarzt (Dermatologe) kann die Diagnose oft schon mit einem Blick stellen. Typisch für die Krätze ist der Hautausschlag mit Bläschen, roten Knötchen oder Pusteln an bestimmten Körperstellen. Auch Symptome wie Brennen und heftiger Juckreiz geben dem Arzt weitere Anhaltspunkte für die Krankheit.

Die Bohrgänge in der Haut lassen sich mit Hilfe einer starken Lupe erkennen. Zudem kann der Arzt die Milbengänge mittels einer Spezialflüssigkeit einfärben und so sichtbar machen. Die Milben, Kot oder Eier lassen sich auch in abgeschabten Hautzellen unter dem Mikroskop nachweisen.

Behandlung von Krätze: Medikamente töten Milben ab

Krätze lässt sich mit verschiedenen Wirkstoffen behandeln, welche die Krätzmilben, deren Eier und Larven abtöten. Diese Mittel heißen Skabizide. Erhältlich sind Medikamente gegen Krätze als Salbe, Emulsion oder Spray, die lokal auf die Haut aufgetragen werden.

Folgende Wirkstoffe bekämpfen die Milben effektiv:

  • Permethrin ist das Medikament der Wahl; Patienten tragen den Wirkstoff am besten über Nacht auf die Haut auf und duschen das Mittel am nächsten Tag ab; Permethrin wird einmalig für acht bis zwölf Stunden angewendet.

  • Benzylbenzoat gibt es als Emulsion, die die Patienten an drei aufeinanderfolgenden Tagen anwenden und erst am vierten Tag wieder abwaschen.

  • Crotamiton ist eine Lösung und wird an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen angewendet; erst danach duschen Sie das Mittel ab.

Es gibt aber auch Tabletten, die im gesamten Körper wirken. Bevorzugt setzen Ärzte den Wirkstoff Ivermectin ein, wenn die Behandlung der Haut aus bestimmten Gründen nicht möglich ist oder die Patienten sie nicht zuverlässig durchführen können.

Wie Sie Krätze am besten behandeln

Sie müssen nicht nur die sichtbar von der Krätze befallenen Hautstellen, sondern den gesamten Körper mit dem Antikrätzemittel behandeln – mit Ausnahme des Gesichts. Das Medikament gegen Krätze tragen die Patienten normalerweise vor dem Zubettgehen auf die gesamte Haut auf. Auch Menschen, die mit infizierten Personen engen Hautkontakt hatten, müssen sich behandeln lassen, sonst kehrt die Krätze immer wieder. Das gilt übrigens auch für den Fall, dass sich (noch) keine Symptome zeigen.

Wechseln Sie am besten täglich die Nacht- und Bettwäsche, Kleider und andere Utensilien wie Handtücher. Waschen Sie alles bei 60 Grad Celsius. Diese Temperatur überstehen die Milben in der Regel nicht.

Ansteckungsgefahr bei Krätze nach kurzer Zeit gebannt

Bei richtiger und konsequenter Anwendung der Krätzemittel ist die unmittelbare Ansteckungsgefahr der Skabies oft schon nach einem Tag gebannt. Nicht mehr ansteckend sind Personen etwa acht bis zwölf Stunden nach der Therapie mit Permethrin oder 24 Stunden nach der Behandlung mit Ivermectin.

In manchen Fällen müssen Patienten die Behandlung nach einigen Tagen wiederholen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn mehrere Personen sich mit Krätze angesteckt haben. Oder auch, wenn der Verdacht besteht, dass die erste Therapie nicht erfolgreich war.

Das endgültige Abheilen der Krätze kann einige Wochen dauern. Wer wieder Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten besuchen will, muss meist über ein ärztliches Attest nachweisen, dass die Infektionsgefahr gebannt ist.

Krätze vorbeugen – Diese Tipps schützen!

Einer Krätze vorbeugen können Menschen kaum, denn ein enger Kontakt lässt sich selten vermeiden, wenn man in einem Haushalt lebt, andere Menschen pflegt oder im Kindergarten mit Gleichaltrigen spielt.

Wurde bei einer Person in Ihrem näheren Umfeld Krätze diagnostiziert, sollten Sie engen Hautkontakt mit dem betroffenen Menschen vermeiden. Ergreifen Sie außerdem geeignete Schutzmaßnahmen, um die Ansteckungsgefahr zu vermindern: Waschen Sie zum Beispiel Ihr Bettzeug täglich, reinigen Sie gemeinsam benutzte Gebrauchsgegenstände sorgfältig und achten Sie auf eine ausreichende Hygiene und Körperpflege.

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Letzte Aktualisierung: 30. März 2017
Durch:
Quellen: Merkblatt für Ärzte: Krätzmilbenbefall (Skabies), Robert Koch-Institut, Berlin: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html (Stand Juni 2016), Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Skabies. WMF-Leitlinien-Register Nr. 013/052, Stand 2016, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-052l_S1_Skabies-Diagnostik-Therapie_2016-12.pdf, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/kraetze-skabies/

Beitrag zum Thema aus der Community
  • ER-Archiv (410er)
    Krätze
    18.10.2009 | 21:47 Uhr

    Sehr geehrte Frau Dr. Bernholt, nachdem ich 2malig eine Hautärztin aufsuchte diese mir bei...   mehr...

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