Hautkrankheiten

Krätze: Erste Symptome erst nach vier Wochen

Bei der Krätze (Skabies) handelt es sich um eine hochansteckende Hautkrankheit beim Menschen. Sie führt zu Symptomen wie starkem Juckreiz, der vor allem nachts stärker wird.

Krätze
Krätzmilben bohren Gänge in die menschliche Haut und verursachen starken Juckreiz. In den Gängen deponieren die Parasiten Eier und ihren Kot.
Getty Images/Dorling Kindersley RF

Krätze (Skabies) wird durch den Befall der Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) verursacht und führt zu einem starken Juckreiz, der vor allem nachts verstärkt auftritt. Die Parasiten der Art Sarcoptes scabiei gehören zu den Spinnentieren und sind weltweit verbreitet. Sie bohren Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab, was zu starkem Juckreiz führt. Die Inkubationszeit der Krätze dauert zwischen drei Wochen und eineinhalb Monate.

Die Häufigkeit der Krätze hat weniger mit hygienischen Standards zu tun als mit der Dichte von Menschen an einem Ort. Wo etwa viele Kinder zusammenkommen, haben es nicht nur Läuse leicht, sondern auch Krätzmilben. Daneben ist eine Übertragung der Krätze zum Beispiel über gebrauchte Kleidung wahrscheinlich. Auch Hunde können sich die Parasiten einfangen, bei Tieren heißt die Krätze aber Räude.

Gesundheitsamt über Krätzefälle informieren

Nach dem Infektionsschutzgesetz gehört die Hautkrankheit zwar nicht zu den im Einzelfall meldepflichtigen Krankheiten. Sind jedoch Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Kinder- und Jugendheime sowie Alteneinrichtungen von einem Krätzeausbruch betroffen, müssen sie unverzüglich das Gesundheitsamt verständigen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Weltweit hat die Krätze aktuell etwa 300 Millionen Menschen im Griff. Besonders häufig sind die Parasiten in Slums, bei Straßenkindern und in Flüchtlingslagern. Auch in Deutschland gibt es sporadische Krätze-Ausbrüche, es existiert laut Robert-Koch-Institut (RKI) aber keine Schätzung zu den Fallzahlen für die Bundesrepublik.

Symptome der Krätze: Skabies erkennen

Krätze macht sich zunächst durch Brennen und Juckreiz bemerkbar, zu dem dann stecknadelgroße, rötliche Erhebungen hinzukommen. Oft kommt es auch zu allergischem Hautausschlag.

Bis sich nach einem Befall erste Symptome der Krätze an der Haut zeigen, vergehen im Schnitt vier Wochen. Zunächst macht sich die Bohrtätigkeit der Weibchen durch Brennen und Juckreiz bemerkbar, vor allem nachts unter der warmen Bettdecke. Bald zeigt die Haut an den betroffenen Stellen stecknadelgroße, rötliche Erhebungen, die einzeln oder flächig auftreten können.

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

Weibliche Krätzmilben nach drei Wochen geschlechtsreif

Das verzögerte Auftreten der Symptome nach Befall mit dem Parasiten hängt mit dessen Entwicklung zusammen. Wenige Tage, nachdem die Milbenweibchen ihre Eier unter die Haut gelegt haben, schlüpfen aus ihnen sechsbeinige Larven. Die Larven wandern dann zur Hautoberfläche, wo sie sich zu achtbeinigen sogenannten Nymphen weiterentwickeln. Aus den Nymphen gehen dann entweder männliche oder weibliche Tiere hervor. Die Gesamtentwicklungszeit eines Männchens dauert neun bis vierzehn Tage, Weibchen benötigen bis zur Geschlechtsreife bis zu drei Wochen.

Gesicht nur selten betroffen

Krätze (Skabies)
Krätze geht mit starkem Juckreiz einher.
(c) Stockbyte

Vorzugsweise befallen werden die Fingerzwischenräume, die Handgelenke, die Ellenbogen, die Leistenregion sowie die äußeren Geschlechtsorgane. In manchen Fällen breitet sich die Krätze auch am ganzen Körper aus – abgesehen vom Gesicht, das nur selten betroffen ist.

Verkrusten sich die Hauterhebungen, ist das ein Hinweis auf die besonders hochansteckende Form der Scabies norvegica.

In vielen Fällen kommt es nach den ersten Hautreaktionen zu einem allergischen Hautausschlag, der von den Ausscheidungen der Krätzmilben und der Zersetzung abgestorbener Tiere herrührt. Der Hautausschlag zeigt sich bevorzugt rund um die Brustwarzen und am Handrücken.

Bei Menschen mit einer geschwächten Körperabwehr breitet sich die Krätze oft besonders schnell aus. Auch äußern sich die Symptome oft heftiger. Kratzen kann den Juckreiz deutlich verstärken.

Auslöser der Skabies sind Krätzmilben

Hervorgerufen wird die Krätze durch Krätzmilben. Sie gehören zu den parasitären Spinnentieren. Übertragen werden sie vor allem durch engen Hautkontakt mit befallenen Personen, etwa beim Geschlechtsverkehr oder bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen. Auch beengte und hygienisch nicht einwandfreie Wohnverhältnisse sowie der gemeinsame Gebrauch von nicht ausreichend gereinigten Kleidungsstücken, Handtüchern, Bettwäsche und anderen Textilien tragen zur Verbreitung der Krätze bei.

Weibliche Krätzmilben übertragen die Krankheit

Übertragen wird die Erkrankung meist durch befruchtete weibliche Krätzmilben. Sie sind 0,3 bis 0,5 Millimeter groß und bohren sich innerhalb einer halben Stunde in die Hornschicht der Haut, um dort bis zu ein Zentimeter tiefe Gänge zu graben, wo sie ihre Eier ablegen.

Außerhalb des menschlichen Körpers können Krätzmilben je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit bis zu 14 Tagen überleben. Unterhalb zwölf Grad und oberhalb 50 Grad kann die Lebensdauer der Parasiten deutlich verkürzt werden, auch außerhalb ihres Wirts sterben die Milben nach wenigen Tagen.

Wie der Arzt Krätzmilben-Dermatitis feststellt

Die typischen Hauterscheinungen der Skabies genügen dem erfahrenen Hautarzt (Dermatologen) meist schon, mithilfe einer starken Lupe den Krätzmilbenbefall zu erkennen.

Spezialflüssigkeit macht Milbengänge sichtbar

Zudem können die Milbengänge mittels einer Spezialflüssigkeit eingefärbt und sichtbar gemacht werden. Mit einem Skalpell lassen sich die Milbengänge auch öffnen, um die Milben identifizieren zu können.

Behandlung: Emulsionen und Sprays töten Krätzmilben ab

Zur Behandlung der Krätze kommen verschiedene Wirkstoffe infrage, die entweder als Salbe, Emulsion oder Spray aufgetragen werden. Häufig verwendet werden die Wirkstoffe Hexachlorcychohexan, die Organochlorverbindung Lindan als Salbe oder Emulsion sowie S-Bioallethrin als Spray. Da die Wirkstoffe starke Nebenwirkungen haben können, sollte ein Krätzmilbenbefall nicht auf eigene Faust, sondern stets unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden.

Der ganze Körper muss behandelt werden

Die sichtbar betroffenen Stellen werden besonders intensiv mit dem Antikrätzemittel therapiert, doch wird grundsätzlich der ganze Körper (mit Ausnahme des Gesichts) in die Behandlung einbezogen. Das Präparat wird gewöhnlich vor dem Zubettgehen aufgetragen. In der folgenden Nacht beziehungsweise den folgenden Nächten muss die Behandlung wiederholt werden.

Es empfiehlt sich, an jedem Morgen die Nacht- und Bettwäsche, Handtücher und Körperwäsche zu wechseln. Waschen bei 60 Grad Celsius reicht aus. Bei der Anwendung eines Ganzkörpersprays genügt nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt unter Umständen eine einmalige Behandlung.

Menschen, die mit Betroffenen in engem Hautkontakt getreten sind, sollten sich stets ebenfalls behandeln lassen, auch wenn sich bei ihnen noch keine Symptome zeigen.

Ansteckungsgefahr bei Krätze nach kurzer Zeit gebannt

Fachgerecht behandelt ist die unmittelbare Ansteckungsgefahr der Skabies oft schon nach einem Tag gebannt. Manchmal müssen jedoch mehrere Tage mit wiederholten Behandlungen, mitunter sogar mehrere Wochen vergehen, ehe keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.

Ärztliches Attest muss Milbenfreiheit bestätigen

Wer nach einem überstandenen Befall in eine Gemeinschaftseinrichtung zurückkehren möchte, braucht ein ärztliches Attest, das die Milbenfreiheit bescheinigt.

Das endgültige Abheilen der befallenen Hautbereiche kann einige Wochen dauern, auch wenn keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.

Krätze vorbeugen: Engen Hautkontakt mit Betroffenen meiden

Eine Vorbeugung der Krätze im engeren Sinn ist nicht möglich, zumal jeder gesunde Mensch von Krätzmilben befallen werden kann.

Ist ein Krätzmilbenbefall diagnostiziert, ist es dagegen unbedingt ratsam, engen Hautkontakt mit dem betroffenen Menschen zu vermeiden und in dessen unmittelbaren Umgebung entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen wie das Waschen des Bettzeugs, sorgfältige Körperpflege und Ähnliches zu ergreifen.

Das verraten Ihre Hände und Finger

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. Februar 2017
Durch: Sarah Wagner
Quellen: Merkblatt für Ärzte: Krätzmilbenbefall (Skabies). Robert Koch-Institut, Berlin: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html (letzter Aufruf am 21. Februar 2014) Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Skabies. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/052k

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat vom Hausarzt
    Krätze
    18.10.2009 | 21:47 Uhr

    Sehr geehrte Frau Dr. Bernholt, nachdem ich 2malig eine Hautärztin aufsuchte diese mir bei...   mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang