Moderne Wundversorgung

Wundheilung beschleunigen: Was den Heilungsprozess unterstützt

Eine optimale Wundbehandlung ist wichtig, um die Wundheilung zu beschleunigen. Auch der eigene Lebensstil beeinflusst den Heilungsprozess. Wie Sie zu einer schnellen Wundheilung beitragen.

Wunde an Schulter eines Mannes wird versorgt
Eine optimale Wundversorgung fördert die Wundheilung.
© iStock.com/vladans

Die Wundheilung ist ein komplexer natürlicher Prozess, der durch medizinische Maßnahmen unterstützt werden kann.

Die Dauer der Wundheilung ist abhängig von der Art der Wunde und vielen weiteren Einflussfaktoren: So beeinflussen zum Beispiel die Wundbehandlung, der Lebensstil und der Gesundheitszustand des Betroffenen den Heilungsprozess. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann für eine schlechte Wundheilung verantwortlich sein.

Wenn eine Wunde nach zwei bis drei Wochen nicht abgeheilt ist, sprechen Mediziner von einer chronischen Wunde. 

Im Überblick:

Wie lässt sich die Wundheilung beschleunigen?

 

Wundheilung beschleunigen durch optimale Behandlung

Die Wundbehandlung hängt von der Art und dem Ausmaß der Wunde ab. Kleine und oberflächliche Wunden versorgen die Betroffenen meist zu Hause. Bei größeren und komplizierteren Wunden ist immer die Behandlung durch einen Arzt erforderlich.

Reinigung der Wunde

Nach einer Verletzung ist es zunächst wichtig, die Wunde sorgfältig zu säubern, um Schmutz und Bakterien zu entfernen. Dazu sollten sterile Flüssigkeiten verwendet werden. So ist zum Beispiel Leitungswasser nicht frei von Mikroorganismen. Deshalb sollte es nur zur Spülung der Wunde eingesetzt werden, falls kein geeigneteres Mittel zur Verfügung steht.

Lösungen oder Sprays zur Wundreinigung sind in der Apotheke erhältlich und gehören in jede Hausapotheke.

Besteht Gefahr, dass sich die Wunde infiziert, werden antiseptische Lösungen zur Reinigung der Wunde verwendet. Diese spülen Mikroorganismen nicht nur aus der Wunde, sondern töten sie auch ab. Grundsätzlich sollten antiseptische Lösungen möglichst selten und sparsam eingesetzt werden, da sie auch negative Auswirkungen auf die Wundheilung haben können. Einige Substanzen können zudem Allergien auslösen. Bei kleinen und sauberen Wunden kann auf antiseptische Lösungen in der Regel verzichtet werden.

Chirurgische Wundbehandlung

Ist bereits abgestorbenes Gewebe in einer Wunde vorhanden, muss der Arzt es chirurgisch entfernen, damit die Wunde besser verheilt. Diesen Vorgang bezeichnen Mediziner als Debridement. Wenn erforderlich, näht der Arzt die Wunde.

Trockene versus feuchte Wundheilung

Ursprünglich wurden Wunden mit traditionellen Verbandsmitteln wie Kompressen und Pflastern versorgt, die Flüssigkeit aufnehmen und die Wunde austrocknen. Diese Methode bezeichnet man als trockene Wundversorgung.

Dies änderte sich Anfang der 1960er Jahre: Damals zeigten Forschungsergebnisse, dass das Feuchthalten der Wunde die Wundheilung beschleunigt. Hingegen führt die Austrocknung der Wunde zu Schorfbildung und erhöht das Risiko für Narben.

Inzwischen werden die meisten Wunden mittels feuchter Wundbehandlung versorgt. Diese Form der Wundversorgung wird auch "moderne Wundbehandlung" genannt.

Um die Wunde feucht zu halten, werden beispielsweise Wundgels eingesetzt. Moderne Wundgels enthalten oft zusätzliche Bestandteile, die die Wundheilung unterstützen, wie etwa Zink.

Moderne Verbandsmaterialien

Für alle Phasen der Wundheilung gibt es zahlreiche neuentwickelte Materialien, die eine Heilung durch ein feuchtes Wundklima fördern. Spezielle Verbände nehmen überschüssige Flüssigkeit aus der Wunde auf, ohne dass diese zu trocken wird.

Ein weiterer Vorteil dieser Materialien zeigt sich beim Verbandswechsel: Da traditionelle Verbandsmaterialien die Wunde austrocknen, verkleben sie häufig mit dem Wundgrund und das Ablösen im Rahmen des Verbandswechsels schmerzt. Modernen Materialien verkleben kaum mehr mit dem Gewebe.

Im Rahmen der modernen Wundbehandlung kommen zum Beispiel folgende Wundauflagen zum Einsatz:

  • Hydrogele ermöglichen eine dauerhafte Anfeuchtung des Wundgrundes und wirken vor allem bei trockenen und schmierig belegten Wunden gut. 

  • Alginate sind für stark nässende Wunden geeignet. Sie nehmen Flüssigkeiten auf und bilden dabei ein Gel, das sich an die Oberfläche der Wunde anschmiegt. 

  • Wundauflagen aus Hydrofaser leiten Flüssigkeit in vertikale Richtung aus der Wunde, sodass die Umgebung der Wunde trocken bleibt und nicht gereizt wird. 

  • Schaumstoffverbände bestehen aus Polyurethan oder Silikonsschaum und können je nach Herstellung unterschiedlich viel Flüssigkeit aufnehmen.

  • Antimikrobielle Verbände enthalten Substanzen mit antimikrobieller Wirkung, zum Beispiel Silber oder Jodverbindungen. Sie werden bei einem drohenden Infekt oder Hinweis für eine vermehrte Keimbesiedlung der Wunde eingesetzt.

  • Superabsorber sind Kunststoffe, die in der Lage sind, ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeiten aufzusaugen. Schaumkissen mit Superabsorber-Eigenschaft können in tiefe Wunden oder Gewebehöhlen eingebracht werden.

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Was fördert die Wundheilung?

Durch einen gesunden Lebensstil können Betroffenen dazu beitragen, dass eine Wunde schneller verheilt:

  • Die richtige Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung fördert die Wundheilung. Wichtig ist vor allem die Zufuhr von Eiweißen, Mineralstoffen wie Zink und Eisen sowie Vitaminen wie zum Beispiel Vitamin C. Angestrebt werden sollte ein normales Körpergewicht: Das Risiko für eine schlechte Wundheilung ist sowohl bei untergewichtigen als auch bei stark übergewichtigen Menschen erhöht.

  • Ausreichend trinken: Neben einer gesunden Ernährung ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Diese sorgt für eine gute Durchblutung und stellt so den Nährstofftransport zur Wunde sicher.

  • Nicht rauchen: Nikotinkonsum wirkt sich negativ auf die Wundheilung aus. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass bei Rauchern das Risiko für eine schlechte Wundheilung nach chirurgischen Eingriffen höher ist als bei Nichtrauchern.

  • Stress vermeiden: Auch psychischer Stress wirkt sich negativ auf die Heilung von Wunden aus. 

  • Grunderkrankungen behandeln: Bestimmte Grunderkrankungen können für eine schlechte Wundheilung verantwortlich sein. Ein Beispiel ist Diabetes mellitus: Hier ist es wichtig, dass Betroffene regelmäßig den Blutzuckerspiegel überprüfen, um die Krankheit optimal einzustellen und so auch die Wundheilung zu fördern.

Die Phasen der Wundheilung

Den Wundheilungsprozess unterteilen Mediziner in drei Phasen:

Exsudative Phase (Entzündungsphase) 

Dieser erste Abschnitt der Heilung beginnt direkt nach der Entstehung der Wunde und dauert bis zu vier Tage.

Das Gerinnungssystem wird aktiviert und Entzündungszellen dringen in die Wunde ein. Diese körpereigenen Mechanismen begrenzen den Blutverlust und wirken einer Wundinfektion entgegen.

Außerdem versucht der Körper, die Wunde zu reinigen: Aus kleinen Gefäßen im Bereich der Wunde tritt vermehrt Flüssigkeit aus. Durch diesen als Exsudation bezeichneten Prozess werden Bakterien, Zelltrümmer und eventuell auch Fremdkörper aus der Wunde gespült. 

Proliferative Phase (Granulationsphase) 

Ausgehend von den Wundrändern und dem Wundrand bildet sich nun neues Gewebe. Liegen die Wundränder nicht direkt aneinander an, entsteht zunächst das sogenannte Granulationsgewebe. Es handelt sich dabei um Bindegewebe, das den Wundspalt vorläufig ausfüllt. Granulationsgewebe ist sehr gefäßreich und sieht rot und feucht-glänzend aus.

Reparative Phase (Epithelialisierungsphase) 

In dieser Phase wird das Granulationsgewebe durch Narbengewebe ersetzt. Ausgehend vom intakten Gewebe im Bereich der Wundränder wird die Wunde mit Epithelzellen überwachsen. Die Wunde verheilt nun endgültig.

Formen der Wundheilung

Mediziner unterscheiden zwischen einer primären und einer sekundären Form der Wundheilung.

Primäre Wundheilung

Bei der primären Wundheilung wachsen die Wundränder direkt zusammen und die Wunde heilt rasch und komplikationslos.

Zu dieser Form der Heilung kommt es bei Wunden mit glatten, aneinanderliegenden Wundrändern und sauberen Wundverhältnissen. Eine Operationswunde zum Beispiel heilt im Normalfall primär, sofern sie sich nicht entzündet.

Sekundäre Wundheilung

Wenn die Wundränder weit auseinanderstehen oder die Wunde sich infiziert, kommt es zur sekundärer Wundheilung: Hier entstehen oft größere Vernarbungen.

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