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Lipase

Lipasen sind eine Gruppe von Verdauungsenzymen. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Fette aus der Nahrung in einfache Fettsäuren und Glyzerin zu spalten und so die Fettverdauung möglich zu machen. Für die Diagnose von Bedeutung ist die in der Bauchspeicheldrüse gebildete Pankreas-Lipase.

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Erhöhte Lipase-Werte im Blut weisen auf eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hin
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Der menschliche Körper bildet an verschiedenen Stellen Lipasen, zum Beispiel an der Zunge und im Magen. Die Enzyme können in geringen Mengen auch mit der Nahrung aufgenommen werden.

Für die medizinische Diagnose ist vor allem die Pankreaslipase (kurz: Lipase, PL) wichtig. Sie wird in den Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet und an den Dünndarm abgegeben. Dort findet mit dem Enzym die Verdauung von Fetten stattfinden.

Neben anderen Parametern (zum Beispiel Pankreas-Amylase, Pakreas-Elastase) gibt der Lipase-Wert Aufschluss darüber, wie gut das Organ arbeitet und ob krankhafte Störungen vorliegen.

Lipase wird im Blutserum bestimmt. Ein Nachweis im Urin ist nicht möglich, da Lipase nicht wasserlöslich ist.

Der Lipase-Wert gehört nicht zum Standardprogramm, das bei Check-ups oder dem kleinen und großen Blutbild erhoben wird. Weisen jedoch bestimmte Symptome (vor allem unklare, starke Oberbauchschmerzen) auf eine Beteiligung der Bauchspeicheldrüse hin, wird der Arzt neben anderen Blutwerten auch die Lipase-Konzentration ermitteln lassen.

Normale Werte für Lipase

Der Lipasewert liegt zwischen 13 und 60 U/l (Units pro Liter oder Einheiten pro Liter) im Normalbereich. Der Referenzwert ist jedoch abhängig von den speziellen Untersuchungsmethoden und Analysegeräten, welche das Labor nutzt. Im Zweifelsfall beziehungsweise bei Abweichungen der eigenen Werte sollte immer der vom Labor angegebene Referenzwert für die Interpretation herangezogen werden.

Ursachen für einen erhöhten Lipasewert

Erhöhte Werte im Blut treten immer dann auf, wenn die eigentlich für den Darm bestimmte Lipase ins Blut übertritt. Das ist der Fall, wenn der Abfluss aus der Bauchspeicheldrüse "verstopft" ist – zum Beispiel durch Entzündungen, Gallensteine, Geschwüre oder Ausstülpungen.

So sind erhöhte Lipasewerte typisch für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Die Lipase steigt dabei bereits wenige Stunden nach Einsetzen der Schmerzen über den normalen Wert. Drei bis vier Tage nach Beginn ist die Lipase am höchsten und sinkt danach nur langsam über Wochen hinweh wieder auf Normalwerte.

Erhöhte Lipasewerte sind jedoch nicht automatisch ein Hinweis auf eine Entzündung der Pankreas. Deshalb werden zur Diagnose auch weitere Blutwerte (unter anderem Thrombozyten, Leukozyten, CRP, Spurenelemente, Kreatinin, Harnstoff) herangezogen.

Auch in akuten Phasen bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die Lipase erhöht, bei Tumoren kann sie im Frühstadium erhöht sein.

Zu hohe Werte an Lipase treten darüber hinaus auf bei:

  • Magengeschwüren
  • Geschwüren des Zwölffingerdarms
  • Entzündungen an der Galle
  • Gallensteinen
  • Lebererkrankungen, etwa Virushepatitis
  • der Gabe von Gerinnungshemmern (Heparin) nach Operationen
  • einer endoskopischen Untersuchung von Bauchspeicheldrüse und Gallengängen (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie – ERCP)

Erhöhte Werte treten auch bei Niereninsuffizenz, Typhus und Mumps auf. Desweiteren können eine Reihe von Medikamenten zur Erhöhung des Lipase-Blutwerts führen – unter anderem Opiate, Codein, Morphine und Narkotika.

Lipase: Wenn der Wert zu niedrig ist

Niedrige Werte treten immer dann auf, wenn die Pankreas nicht mehr genügend Lipase produzieren kann. Ist zum Beispiel durch eine chronische oder akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ein Großteil des Organgewebes zerstört, stellt die Drüse ihre Arbeit ein.

Häufigste Gründe für stark erniedrigte Lipasewerte ist die erblich bedingte Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose. Bei einem Großteil der Patienten ist die Funktion des Organs stark herabgesetzt (Pankreasinsuffizenz). Als Standardtherapie erhalten die Betroffenen Verdauungsenzyme wie Lipase, damit fett- und kalorienreiche Kost vom Körper besser verwertet werden kann.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Dezember 2015

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