Myopie / Kurzsichtigkeit
Definition
Kurzsichtigkeit (Myopie) ist eine Sehstörung, bei der Objekte in größerer Entfernung ohne Sehhilfe nicht mehr scharf wahrgenommen werden. Im Nahbereich hingegen kann die Sehkraft vollständig erhalten oder sogar überdurchschnittlich sein.
Kurzsichtigkeit liegt vor, wenn das Auge im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang ist. Lichtstrahlen von weiter entfernten Objekten vereinigen sich dann bereits vor der Netzhaut, so dass kein scharfes Bild entsteht. Objekte in relativer Nähe vermag das Auge hingegen weiterhin scharf auf der Netzhaut abzubilden. In den meisten Fällen ist das Auge zu lang (Achsenmyopie), nur in seltenen Fällen ist die Brechkraft des Auges zu stark (Brechungsmyopie).
Für das Verständnis der Kurzsichtigkeit ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Brechkraft des Auges zu etwa zwei Dritteln von der Hornhaut, also der vorderen, gewölbten Begrenzung des Auges aufgebracht wird. Die verformbare Linse, die auf der optischen Achse hinter der Regenbogenhaut (Iris) liegt, trägt ein Drittel bei. Die Linse vermag aufgrund ihrer Eigenelastizität und unter der Einwirkung des Ziliarmuskels ihre Brechkraft zu verändern. Auf diese Weise kann sich das Auge auf unterschiedliche Blickentfernungen einstellen (akkommodieren).
Die Abweichung der Brechkraft des Auges wird in Dioptrien angegeben. Eine Dioptrie (1 dpt) entspricht der Brechkraft einer Sammellinse, deren Brennpunkt einen Meter von der Linse entfernt liegt (Brennweite).
Eine leichte Kurzsichtigkeit (bis 3 dpt) kann bei der so genannten Alterssichtigkeit (Presbyopie), die sich bei allen Menschen ab einem Alter von etwa 40 Jahren zu entwickeln beginnt, von Vorteil sein, da sie unter Umständen eine Lesebrille erst später erforderlich macht als bei Normalsichtigen. Alterssichtigkeit geht auf einen Elastizitätsverlust der Linse zurück. Die Linse wölbt sich im entspannten Zustand weniger stark, und ihre maximale Brechkraft verringert sich. Der Nahpunkt – der dem Auge nächste Punkt, an dem noch scharf gesehen werden kann – wandert dadurch vom Auge weg. Liegt jedoch eine Kurzsichtigkeit vor, die den Nahpunkt näher an das Auge heranrückt, dauert es länger, bis der Nahpunkt außerhalb der normalen Leseentfernung zu liegen kommt, weshalb auch eine Lesebrille erst später erforderlich wird.
Genaue Angaben zur Häufigkeit von Kurzsichtigkeit sind schwer zu erhalten. Im Schnitt sind in westlichen Gesellschaften etwa 25% der über 40-Jährigen betroffen. Grundsätzlich scheint Kurzsichtigkeit in Städten häufiger aufzutreten als in ländlichen Gebieten. In asiatischen Städten scheint Kurzsichtigkeit unter jüngeren Menschen während der letzten Jahrzehnte stark zugenommen zu haben. Bis zu 80% der jungen Erwachsenen leiden daran. Ob es jedoch tatsächlich eine Zunahme gegeben hat, ob Umweltfaktoren als Verursacher in Frage kommen oder ob Sehstörungen heutzutage nur besser erfasst werden, ist derzeit noch unklar.
Autor: Jan Groh
Grehn F, Leydhecker W. Augenheilkunde (26. Auflage). Berlin, Heidelberg, New York, Barcelona, Budapest, Hong Kong, London, Mailand, Paris, Tokyo 1995
Clin Exp Optom. 2003 Sep;86(5):289-94 http://www.optometrists.asn.au
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