Verschleiß des Hüftgelenks

Hüftarthrose (Coxarthrose)

Der Verschleiß des Hüftgelenks ist die häufigste Form der Arthrose. Alle Infos zu Ursachen, typischen Symptomen, Behandlungsoptionen und Vorbeugung.

Hüftarthrose
Degenerative Veränderungen im Hüftgelenk verursachen Schmerzen, das Hauptsymptom der Hüftgelenksathrose, auch Coxarthrose genannt.
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Coxarthrose (alternative Begriffe: Hüftarthrose oder Hüftgelenksarthrose) ist der medizinische Begriff für die Gelenkveränderung an der Hüfte aufgrund von Verschleiß und Alterung (Degeneration). Der Gelenkverschleiß führt zum Abbau und schließlich zur Zerstörung des Knorpels im Hüftgelenk.

Die Coxarthrose gehört neben der Kniegelenksarthrose zu den häufigsten Formen der Arthrose. Schätzungsweise fünf Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter dem schmerzhaften Verschleiß des Hüftgelenks, die Häufigkeit nimmt im Alter zu.

Die Hüftgelenksarthrose verursacht erhebliche Kosten im Gesundheitssystem. Die stark eingeschränkte Beweglichkeit erfordert oft eine Operation, bei der der Patient ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt bekommt. Laut Zahlen der OECD wurde im Jahr 2013 in Deutschland rund 230.000 mal eine "künstliche Hüfte" eingesetzt. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich eine Operation jedoch lange vermeiden.

Ursachen und Risikofaktoren

Zu den Ursachen der Hüftgelenksarthrose zählen angeborene oder erworbene Gelenkfehlstellungen, Ernährungsstörungen des Gelenkknorpels, Fehlbelastungen, Gelenkverletzungen oder Knochenbrüche sowie ererbte Veranlagungen.

Die möglichen Ursachen für die Coxarthrose in der Übersicht:

  • angeborene Fehlbildungen des Hüftgelenks wie die Hüftdysplasie

  • Krankheiten im Kindesalter wie die jugendliche Hüftkopflösung oder die Perthes-Krankheit. Bei letzterer wird der Gelenkkopf nicht ausreichend durchblutet, stirbt ab und verformt sich.

  • Fehlstellungen der Hüfte (zum Beispiel rachitische O- oder X-Beine) oder langfristige starke Belastung beziehungsweise Fehlbelastung, durch die es zu einer ungleichmäßigen Druckverteilung innerhalb des Gelenkes kommt

  • Gelenkverletzungen, Knochenbrüche, vor allem im Bereich des Oberschenkelhalses

  • Störungen im Gelenkstoffwechsel (nicht-bakterielle Entzündungen, Rheuma, bakterielle Entzündungen): Bei diesen Erkrankungen zerstören Entzündungsprozesse oder Ablagerungen von Stoffwechselprodukten die Gelenkinnenhaut oder den Knorpel.

  • Übergewicht beschleunigt Veränderungen an den gewichttragenden Gelenken, da das Körpergewicht den Druck auf den Knorpel erhöht.

  • Erbanlagen mit Veränderungen der Hüftgelenkform oder der Knorpelqualität

Angeborene Fehlbildung: Hüftdysplasie

Meist aufgrund einer erblichen Anlage, teilweise aber auch aufgrund einer speziellen Lage des Embryos in der Gebärmutter, kann das sogenannte Pfannendach, das den Hüftkopf eng umschließt, unvollständig ausgebildet sein. Dadurch kann der Gelenkkopf nach oben gleiten und im Extremfall völlig aus der Gelenkpfanne heraustreten (Hüftluxation). Das Pfannendach wird übermäßig belastet und ist besonders empfindlich für die Entwicklung einer Hüftarthrose. Eine in der Kindheit unentdeckte, nicht behandelte Hüftdysplasie wird als Präarthrose (Vorstufe zur Arthrose) bezeichnet.

Perthes-Krankheit (Morbus Perthes)

Störungen des Knorpel- und Knochenwachstums können im Kindes- und Jugendalter zur Perthes-Krankheit führen. Hier stirbt der Hüftkopf ab. Wird er belastet, verformt er sich. Der Organismus kann im bestimmten Umfang den Gelenkkopf wieder aufbauen. Wird er unter diesem Neuaufbau jedoch zu stark belastet, gewinnt der Gelenkkopf nicht mehr die für das reibungslose Gelenkspiel notwendige runde Form; denn nur ein rund laufendes Hüftgelenk ist ein gutes Gelenk.

Gelenkfehlstellungen

Für jedes Gelenk existieren Idealachsen. Steht das Gelenk in der Idealachse, sind die am Gelenk ansetzenden Kräfte optimal verteilt. Ist die Gelenkstellung gestört, so erhöht sich die Belastung an bestimmten Stellen, es kommt zum Knorpelabrieb. Dabei wirken sich auch Fehlbelastungen in ferneren Gelenken (zum Beispiel Großzehengrundgelenk, Knie) auf die Hüfte aus. Schmerzen im Fuß oder in der Hüfte können zur Schonung eines Beines führen, die andere Hüfte wird daraufhin umso mehr belastet. Das Risiko einer Coxarthrose steigt.

Gelenkverletzungen, Knochenbrüche

Jede Formveränderung mindert die Gelenkfunktion. Bei einem Schenkelhalsbruch, bei dem der Hüftkopf vom übrigen Oberschenkelknochen getrennt wird, ist die Gelenkbeweglichkeit während des Heilungsprozesses stark eingeschränkt und dadurch die Gefahr der Mangelernährung des Knorpels mit nachfolgender Arthrose hoch.

Nicht-bakterielle Gelenkentzündungen: Arthrose durch Rheuma

Arthrose und Rheuma sind zwei unterschiedliche Krankheitsbilder, die aber häufig verwechselt werden. Allerdings kann eine Arthrose aus Rheuma entstehen.

Arthrose bedeutet zunächst nur Gelenkverschleiß durch erhöhte oder falsche Beanspruchung. Die aktivierte Arthrose ist eine Entzündung, wobei der Entzündungsreiz hier kein Krankheitserreger und keine Abwehrreaktion ist, sondern ein Fremdkörper (zum Beispiel abgeriebene Knorpelteilchen).

Rheuma (primär chronische Polyarthritis) ist eine Krankheit, bei der sich das Abwehrsystem gegen körpereigene Zellen richtet, weil es diese Zellen aufgrund einer Falschinformation für körperfremd hält. Diese Art der Immun-Fehlreaktion wird als Autoaggressionskrankheit bezeichnet. Hier liegt die Ursache nicht im Gelenk selbst, sondern in einer fehlgeleiteten Abwehrreaktion. Bei Rheuma sind die Zellen der Gelenkinnenhaut das Ziel der falschen Abwehrreaktion.

Aufgrund des Immunprozesses, der sich letzten Endes ebenfalls als Entzündung äußert, verdickt sich die Gelenkinnenhaut. Auch dadurch wird die Gelenkfunktion gestört, sodass aus Rheuma eine Arthrose des Hüftgelenks entstehen kann. Hier treffen zwei gelenkzerstörende Prozesse zusammen, so dass die ursprüngliche Krankheit – das Rheuma – intensiv behandelt werden muss. Typisch für Rheuma ist, dass diese Krankheit mehrere Gelenke befällt. Eine ausschließlich auf das Hüftgelenk begrenzte Veränderung ist meistens kein Rheuma.

Bakterielle Entzündungen

Über das Blut verschleppte Bakterien können sich in der Gelenkflüssigkeit (Synovia) ansiedeln und ausbreiten. Dort führen sie zur bakteriellen Gelenkentzündung. Der Stoffwechsel ist bei einer Entzündung stark gesteigert (kenntlich an der Rötung und Überwärmung). Es fallen vermehrt Stoffwechselendprodukte an, die aus dem langsam am Allgemeinstoffwechsel teilnehmenden Gelenkspalt nur verzögert entfernt werden können. Die vor allem sauren Abfallprodukte können zu nachhaltigen Knorpelschäden führen. Die bakterielle Absiedlung aus dem Blut ist heute seltener.

Eine bakterielle Gelenkentzündung kann aber auch nach einer Gelenkpunktion oder Gelenkoperation auftreten. Vor allem eine länger dauernde Kortisonbehandlung der Gelenke und die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) setzen die Abwehrkraft gegenüber Krankheitskeimen herab und erhöhen so das Risiko für Knorpelschäden und Gelenkverschleiß.

Mehr zu Ursachen der verschiedenen Formen der Arthrose erfahren Sie hier.

Symptome: Wie sich die Hüftarthrose bemerkbar macht

Die Symptome der Hüftgelenksathrose sind so typisch, dass zur Sicherung der Diagnose meist allenfalls eine Röntgenaufnahme erforderlich ist.

Wesentliche Krankheitszeichen sind Hüftschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Muskelverspannungen im Bereich des betroffenen Gelenkes. Bei der aktivierten Arthrose kommen auch Entzündungszeichen wie Schwellung, Rötung und Überwärmung dazu. Ebenfalls ein typisches Zeichen einer fortgeschrittenen Arthrose sind Reibegeräusche.

Schmerz-Verlauf bei Coxarthrose

Nahezu alle Patienten (95 Prozent) mit Hüftarthrose geben an, dass der Schmerz zunächst bei Beginn eines Bewegungsablaufes als Anlaufschmerz auftritt. Nach längerem Ruhen sowie morgens kann ein Gefühl der Steifigkeit dazukommen. Der Anlaufschmerz geht nach einer kurzen Zeit zunächst zurück und tritt erst bei längerer Belastung als Ermüdungsschmerz erneut auf. Beim Voranschreiten der Arthrose bestehen die Schmerzen schließlich auch in Ruhe.

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Bei der Arthrose der Hüfte ist typischerweise das Aufstehen aus einem tiefen Sessel sehr schmerzhaft; die Hüftschmerzen ziehen oft von der Leiste in den Oberschenkel.

Muskelverspannungen durch Schonen des schmerzenden Gelenks

Die Bewegungseinschränkung ist zunächst durch Schmerzen bedingt. Der Patient versucht, das Gelenk zu schonen und besonders schmerzhafte Bewegungen zu vermeiden. Dies führt zu reflexhaften, also unwillkürlichen Muskelverspannungen, die ihrerseits weitere Schmerzen verursachen. Länger (über mehr als zwei Wochen) andauernde Muskelverspannungen enden in Verkürzungen (Kontrakturen) der Muskeln und schränken den möglichen Bewegungsumfang weiter ein.

Der Arzt beurteilt auch die passive Beweglichkeit im Gelenk. Bei Hüftarthrose lässt sich der Oberschenkel eingeschränkt beugen und strecken, nur unter Schmerzen abspreizen und schlechter bis gar nicht mehr drehen.

Gelenkerguss kann Schmerzen zunächst lindern

Bei einer aktivierten Arthrose schwillt die Gelenkkapsel an, was zu einem Spannungsgefühl in der Leiste führt. Bei einer chronisch schleichenden Degeneration ist das Gelenk durch Knochenauswüchse ebenfalls dicker, allerdings fällt dies unter der Muskulatur kaum auf.

Durch die Reizung der Gelenkinnenhaut durch abgeriebene Knorpelteilchen kommt es zu entzündlichen Veränderungen im Bereich des betroffenen Gelenks. Die Gelenkkapsel ist geschwollen und es kann auch ein sogenannter Gelenkerguss auftreten. Diese vermehrte Ansammlung von Flüssigkeit in der Gelenkhöhle führt vielfach zu einer vorübergehenden Schmerzerleichterung, weil die Gelenkflächen besser aufeinander gleiten.

Ein Nachlassen des Schmerzes ist also nicht zwangsläufig ein Zeichen für eine Rückbildung der Coxarthrose, sondern kann vielmehr ein Hinweis auf einen Gelenkerguss sein.

Reibegeräusche durch Abrieb von Knorpelteilchen

Abrieb von Knorpelteilchen und die aufgeraute Knorpeloberfläche führen manchmal zu einem weiteren Symptom der bei der Hüftarthrose: Über dem Gelenk können Reibegeräusche hörbar oder als Knirschen beim Betasten des Gelenks fühlbar sein.

Mehr zu den generellen Symptomen der Arthrose erfahren Sie hier.

So diagnostiziert der Arzt eine Arthrose der Hüfte

Nach der Erhebung der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung und Laboruntersuchungen stehen dem Arzt eine Reihe apparative Möglichkeiten zur Verfügung, um eine Coxarthrose zu diagnostizieren. Zu ihnen gehören die Röntgentechnik, Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) und die Szintigrafie.

Am Beginn der Untersuchungen bei Verdacht auf eine Arthrose des Hüftgelenks steht die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) durch den Arzt. Er fragt nach Art und Dauer der Beschwerden, begleitenden Erkrankungen sowie Gelenkerkrankungen in der Familie des Patienten.

Danach folgt die körperliche Untersuchung, bei der auf äußere Formveränderungen des Hüftgelenks und Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung und Überwärmung geachtet wird. Die Beweglichkeit wird untersucht und der Arzt sieht sich das Gangbild des Patienten an. Dabei kann er auch Fehlstellungen der Gelenkachsen erkennen, die Ursache für die Gelenkerkrankung sein können.

Röntgenuntersuchung

Im Röntgenbild kann der Arzt bereits recht gut das Ausmaß der Knorpelschäden in der Hüfte, die Fehlstellungen des Hüftgelenks und den Umbau der Knorpelstruktur erkennen. Der Knorpel ist strahlendurchlässig, sodass er als Spalt zwischen den Gelenkanteilen erscheint. Ein abgenutzter, dünn gewordener Knorpel ist gegenüber dem normalen als dünnerer Spalt erkennbar.

Blutuntersuchungen

Um einen reinen Verschleiß des Hüftgelenks von einer Entzündung, die anders behandelt werden muss, zu unterscheiden, kann das Blut auf Entzündungswerte untersucht werden. So zeigen beschleunigte Blutkörperchensenkungsreaktion, ein erhöhter Spiegel an C-reaktivem Protein, (CRP-Wert, der bei Entzündungen schnell ansteigt) und eine typisch veränderte Elektrophorese auf Entzündungen im Körper hin.

Weitere Laborwerte, die untersucht werden können, sind:

  • Harnsäure (erhöhte Werte bei Gicht)

  • Rheumafaktoren (erhöht bei rheumatoider Arthritis)

Auch eine Bakterienkultur wird angelegt, um bakterielle Infektionen mit Streptokokken auszuschließen.

Ultraschalluntersuchungen (Sonographie)

Die Weichteile (Muskeln, Sehnen, Bänder) und Flüssigkeitsansammlungen in den Gelenken sind durchlässig für Röntgenstrahlen, können also im Röntgenbild nicht dargestellt werden. Gut sichtbar sind sie dagegen durch Ultraschall. Das Auflösungsvermögen dieses Bild gebenden Verfahrens ist allerdings am Gelenk nicht allzu hoch.

Szintigraphie

Die Frage "entzündlich oder degenerativ?" kann der Arzt mithilfe der Szintigraphie beantworten. Bei dieser Untersuchung werden schwach radioaktive Stoffe in die Vene gespritzt. Die Substanzen lagern sich besonders im Knochen oder in den Weichteilen an. Entzündliches oder auch durch bösartige Wucherungen verändertes Gewebe im Hüftgelenk reichert den Stoff stärker an als gesundes Gewebe, sodass diese Bezirke deutlich erkennbar werden.

Computertomographie und Kernspintomographie

In einigen Fällen ist vor Operationen eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) nützlich, da beide Verfahren sehr detaillierte Schnittbilder liefern können. Vor allem mit Hilfe der MRT können Bänder, Gelenkinnenhaut und Knorpel gut dargestellt werden.

Einen Überblick über die generellen Diagnosemöglichkeiten bei Arthrose erhalten Sie hier.

So wird die Hüftarthrose behandelt

Je nach Krankheitsbild kommen bei der Hüftarthrose verschiedene Behandlungsmöglichkeiten infrage. Bei einer ruhenden Coxarthrose wird versucht, die Beweglichkeit mit möglichst geringen Beschwerden zu erhalten. Erst wenn die Lebensqualität durch die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung deutlich beeinträchtigt ist, ist ein operativer Eingriff notwendig.

Die einzelnen Stufen der Behandlung einer Coxarthrose sind:

  • gelenkfreundliche Änderung der Lebensgewohnheiten. Diese bestehen vor allem im Erlernen von gelenkschonenden Bewegungsabläufen

  • physikalische Behandlung (Wärme/Kälte, Schonung, Krankengymnastik, Massagen, Elektrotherapie, Ultraschalltherapie). Einen Teil dieser Methoden kann der Patient im Rahmen der Selbsthilfe zu Hause anwenden, andere werden von Krankengymnasten (Physiotherapeuten) durchgeführt

  • schmerz- und entzündungslindernde Medikamente

  • Operationen mit Erhaltung oder Ersatz des Hüftgelenkes

Schonung und Entlastung bei aktivierter Hüftarthrose

Bei einer aktivierten Coxarthrose mit Zeichen der Entzündung im Gelenk (Überwärmung oder Rötung) sollten Sie die Schmerzen als Warnsignal wahrnehmen und das Gelenk bestmöglich schonen. Schonend für die Hüfte ist das Sitzen mit halb erhöhtem Oberkörper und hochgelegten Beinen; günstig sind leicht gebeugte Knie (Kissen oder Nackenrolle unterlegen). Lassen sich einige Schritte nicht vermeiden, sind ein Stock oder eine Unterarmgehstütze sinnvoll. Entlastung ist auch durch weiche Schuhsohlen möglich (Pufferabsätze); denn die Stöße beim Auftreten übertragen sich bis in das Hüftgelenk.

Wird die Ruhigstellung zu lange ausgedehnt, besteht große Gefahr, dass das Gelenk einsteift. Bitte lassen Sie sich unbedingt vom Arzt beraten, wann Sie das Gelenk vorsichtig und schrittweise wieder belasten dürfen.

Kälte lindert aktive Entzündung

Kälte dämpft alle Stoffwechselprozesse, so auch Entzündungsvorgänge mit Schmerzen. Bei aktivierter Hüftarthrose mit Überwärmung lindert Kälte die Beschwerden wirkungsvoll. Kalte Umschläge können mit (Eis-) Wasser, Kältepacks oder Alkohol gemacht werden. Diese sollten jedoch nicht direkt auf die Haut gelegt werden (feuchtes Tuch unterlegen). Die kalte Auflage wird gewechselt, sobald sie warm geworden ist. Die Kälteanwendung soll angenehm sein und nicht länger als 20 Minuten dauern.

Wärme entspannt die Muskeln

Wärme wird von den meisten Patienten mit ruhender Hüftarthrose als sehr angenehm empfunden. Die Wärme entspannt die Muskeln, die Bewegungen laufen fließender und reibungsloser ab, was unmittelbar den Gelenken zugute kommt. Warme Auflagen sowie Wärme in Form von Heizkissen, Infrarotlampen (Vorsicht: Augen schützen!), erwärmten Gelpackungen, Fangopackungen und Thermalbädern verschaffen Erleichterung. Auch ein warmes Bad zu Hause entspannt. Diese Wirkung kann durch Badezusätze vor allem pflanzlicher Art (Lavendel, Melisse) gefördert werden. Wer Rheumawäsche altmodisch findet, kann sich in Sportgeschäften nach Skiunterwäsche umschauen.

Schmerzen können auch auf einer Entzündung beruhen, die durch Wärme verschlechtert wird. Deshalb Wärme nicht direkt auf dem Gelenk, sondern über der benachbarten Muskulatur anwenden!

Krankengymnastik zur Kräftigung der Muskeln

Krankengymnastik ist kein Ersatz für aktive Bewegung, sondern soll ganz gezielt den Muskelmantel um die Gelenke kräftigen, um die Hüfte zu schützen und zu entlasten. Von grundlegender Bedeutung bei der Physiotherapie ist es, dass Sie die Übungen regelmäßig und über längere Zeit zu Hause durchführen. Die wenigen ärztlich verordneten Krankengymnastik-Stunden sind nicht das ganze Programm. Sie sind als Anleitungen zu verstehen, damit Sie wissen, was Sie zu Hause tun können, um die Beschwerden bei Hüftarthrose sehr deutlich zu bessern.

Bewegung: regelmäßig schwimmen oder Radfahren

Nach dem Motto "mehr bewegen, weniger belasten" sollten Patienten mit Coxarthrose einen Sport wie Schwimmen oder Radfahren regelmäßig betreiben. Hierbei lastet nicht das gesamte Gewicht des Oberkörpers auf den Hüftgelenken, die jedoch frei – im Wasser sogar unterstützt durch den Auftrieb – bewegt werden können. Die Bewegung verbessert die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen und die Schmierfähigkeit der Gelenkflüssigkeit. Möglichst zu vermeiden sind jedoch Bewegungen unter erhöhter Belastung wie zum Beispiel Bergsteigen, Tennis und Skilaufen.

Medikamentöse Behandlung

Bei Coxarthrose stehen zwei große Medikamentengruppen zur Verfügung: knorpelschützende beziehungsweise -aufbauende Präparate (Chondroprotektiva) sowie schmerz- und entzündungshemmende Mittel (Antirheumatika). Letztere lassen sich ebenfalls in zwei größere Gruppen einteilen: nichtsteroidal und steroidal. Steroidal heißt "von Steroiden abgeleitet". Diese Mittel sind im Wesentlichen Medikamente der Kortison-Familie. Nicht-steroidal sind Medikamente, die den Entzündungsstoffwechsel beeinflussen: Acetylsalicylsäure (ASS) und Verwandte.

Ziel einer Behandlung mit Chondroprotektiva ist die Heilung der Gelenkveränderung, Ziel der Behandlung mit den Antirheumatika ist die Beseitigung der Beschwerden.

Für einige pflanzliche Mittel, zum Beispiel Hagebuttenpulver oder Ingwer, als auch für die Zufuhr des Eiweißes Glucosamin, welches Bestandteil des Knorpels und des Bindegewebes ist, wurde in Studien die Wirksamkeit in Bezug auf Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit bei Arthrose nachgewiesen.

Operation bei Hüftarthrose

Bei den Operationen werden zwei Arten unterschieden:

  • Veränderung der Gelenkachse durch Umstellen des Oberschenkelknochens oder der Hüftpfanne (gelenkerhaltend: Korrektur-Osteotomie)

  • Ersatz des arthrotischen Hüftgelenks durch ein künstliches Gelenk, bestehend aus künstlicher Gelenkpfanne und künstlichem Oberschenkelkopf (Totalendoprothese), selten durch ausschließliche Kopf-Endoprothese (KEP)

Prinzip der Korrektur-Osteotomie

Die Korrektur-Osteotomie soll einer Arthrose des Hüftgelenks vorbeugen, indem die Gelenkverhältnisse so abgeändert werden, dass die Belastungen gleichmäßiger verteilt werden und eine Arthrose damit gar nicht erst entsteht oder eine weitere Verschlechterung vermieden wird.

Bei dieser Operation wird das Gelenk selbst nicht angetastet, sondern lediglich der Oberschenkelhals in seiner Form verändert oder die Hüftpfanne über den Hüftkopf geschwenkt. Der Oberschenkelknochen oder die Hüftpfanne müssen dazu auseinandergesägt und neu zusammengesetzt werden. Schrauben und Platten fixieren die neue Position. Sie werden wieder entfernt, wenn die neue knöcherne Verbindung ausreichend stabil geworden ist.

Prinzip der Hüft-Totalendoprothese

Bei diesem Eingriff wird ein Teil des eigenen, veränderten Hüftgelenks entfernt und durch zwei Implantate – eines für die Gelenkpfanne und eines für den Hüftkopf mit einer Verankerung im Oberschenkelknochen – ersetzt. Das Material der Prothesen ist Metall, Kunststoff und/oder Keramik.

Behandlung von Arthrose - Was hilft bei Gelenkverschleiß? Alle Informationen gibt es hier!

So kann der Hüftarthrose vorgebeugt werden

Sowohl der Betroffene als auch seine Ärzte können viel dafür tun, das Auftreten einer Hüftgelenksarthrose zu vermeiden oder wenigstens hinauszuzögern.

Der Arthrose an der Hüfte kann recht gut vorgebeugt werden. Bei größeren Fehlstellungen, zum Beispiel einer erst spät entdeckten angeborenen Hüftdysplasie, erhalten vorbeugende Maßnahmen lange die Lebensqualität und tragen dazu bei, eine Operation hinauszuschieben. Das ist auch deshalb von Vorteil, weil kein künstliches Hüftgelenk ewig hält, selbst wenn die Fortschritte auf diesem Gebiet heute groß sind.

Die möglichen Maßnahmen zur Vorbeugung der Coxarthrose umfassen:

  • die Vermeidung von Fehlbelastungen durch Ausgleichssport bei einseitiger oder nur geringer beruflicher Belastung, oder auch Schuhhöhenausgleich bei Beinlängendifferenz
     
  • das Vermeiden von Überlastung der Gelenke. Hierzu gehören die Reduktion von Übergewicht, aber auch das Drosseln übertrieben ehrgeiziger Sportprogramme.
     
  • Regelmäßige Bewegung ist bei jeder Arthroseform günstig. Diese sorgt für gute Knorpelernährung und für einen stabilen Muskelmantel, der die Gelenke entlastet. Ideal sind Schwimmen und Radfahren, weil die Bewegung ohne hohe Belastung der Gelenke möglich ist.
     
  • Abwechslungsreiche Ernährung wirkt sich auf die Zusammensetzung der knorpelernährenden Gelenkflüssigkeit aus.
     
  • Bei unfallbedingten Verletzungen des Gelenks sollte dafür Sorge getragen werden, dass Knorpel-, Knochen- und Bänderanteile möglichst vollständig wiederhergestellt werden. Selbst bleibende Knochenstufen von nur wenigen Millimeterbruchteilen können Jahre oder Jahrzehnte später zu einer Arthrose führen.
     
  • Bei vorliegenden Fehlstellungen stellt die Umstellungsosteotomie eine operative Vorbeugung der Hüftarthrose dar. Bei diesem Eingriff wird die Gelenkachse verändert, indem der Winkel zwischen Oberschenkelschaft und -hals verändert wird. Hierdurch wird das Gelenk wieder in seine korrekte Achse eingestellt, sodass die Fehlbelastung beendet wird. Eine nennenswerte Arthrose lässt sich so vermeiden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 30. März 2016
Durch: es

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