Tipps für den Notfall

Kondom gerissen, Pille vergessen: Die häufigsten Verhütungspannen

Eine Verhütungspanne ist schnell passiert. Die häufigste Ursache ist weniger das Versagen des Verhütungsmittels an sich als vielmehr ein Fehler in der Handhabung. Ob ein gerissenes oder abgerutschtes Kondom, eine vergessene oder aufgrund von Durchfall unwirksame Antibabypille: Die häufigsten Verhütungsfehler und was Sie im Ernstfall tun können.

Verhütungspanne
Verhütungspannen können schon mal vorkommen. Wenn das Kondom gerissen ist oder die Pille vergessen wurde, sollte man zur Pille danach als Notfallverhütungsmittel greifen.
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Generell bieten die meisten gängigen Verhütungsmethoden wie Pille, Kondom, Spirale oder Vaginalring einen hohen Schutz vor Schwangerschaft. Die Sicherheit wird mithilfe des Pearl Index veranschaulicht, der auch als Versagerquote bezeichnet werden kann.  

Der Pearl Index gibt an, wie viele ungewollte Schwangerschaften auftreten, wenn 100 Frauen eine bestimmte Verhütungsmethode ein Jahr lang anwenden. Je niedriger der Pearl Index, desto sicherer die jeweilige Verhütungsmethode.

Elf vermeidbare Verhütungspannen

Falsche Anwendung ist meist schuld an Verhütungspannen 

Die Angaben des Pearl Index für ein bestimmtes Verhütungsmittel können allerdings stark variieren – je nachdem, ob ungewollte Schwangerschaften durch Anwendungsfehler in die Versagerquote einbezogen werden oder nicht. Daher kann ein vergleichsweise hoher Pearl Index – beispielsweise beim Kondom (Pearl Index 2-12) in Relation zur Pille (0,1-0,9) – auch darauf beruhen, dass das Verhütungsmittel besonders häufig falsch gehandhabt wird, während sich bei richtiger Anwendung eine Schwangerschaft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verhindern ließe. 

Die Pille und das Kondom gehören mit weitem Abstand zu den beliebtesten Verhütungsmitteln: Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2011 verhüten 42 Prozent der mehr als 6.300 Befragten mit der Antibabypille, 32 Prozent mit Präservativen. Der Verhütungsring liegt mit 8 Prozent auf Platz 3 der am häufigsten verwendeten Methoden gefolgt von Hormon- und Kupferspirale (zusammengenommen 7 Prozent) und Temperaturmessung (5 Prozent). Sei es aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit: Leider verleiten gerade Pille und Kondom zu Anwendungsfehlern, die die empfängnisverhütende Wirkung beeinträchtigen. So hat Pro Familia, ein Verein zur Sexualberatung, 719 Fragebögen von Frauen und Paaren, die ungewollt schwanger geworden waren, ausgewertet. Demnach passieren die meisten Verhütungspannen beim Kondom.

Selbsttest
Welches Verhütungsmittel passt zu mir?

Verhütung ist eine höchst individuelle Sache und kommt stark auf die eigenen Vorlieben, den Charakter und die Lebensumstände an. Dieser Test kann daher nur als grobe Einschätzung dienen, welches Verhütungsmittel für Sie geeignet sein könnte. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, bewerten Sie am besten mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin und gegebenenfalls Ihrem Partner.

Wenn Pille und Kondom versagen: Häufige Pannen bei beliebten Verhütungsmitteln im Überblick 

Unregelmäßige Einnahme oder Vergessen der Pille 

Die Mikropille (Kombinationspräparat mit Östrogen und Gestagen) muss täglich innerhalb eines Zeitraums von zwölf Stunden eingenommen werden, wobei dieser Zeitraum je nach Präparat schwanken kann. Wird die Pille vergessen oder um mehr als zwölf Stunden verzögert geschluckt, kann die Frau nicht mehr sicher von einer verhütenden Wirkung ausgehen. Die Minipille, die nur ein Gestagen enthält, muss sogar immer zur selben Zeit eingenommen werden, um ihren Verhütungsschutz voll zu entfalten.

Beeinträchtigung der Wirksamkeit der Pille durch Wechselwirkungen 

Hier gilt wohl der größte Aufklärungsbedarf, denn nicht jede Pillenanwenderin ist sich der Bandbreite an Medikamenten bewusst, die die Wirkung der Antibabypille herabsetzen. Dazu gehören zum Beispiel Arzneimittel gegen Epilepsie und Schlaflosigkeit, Antibiotika, Anti-Pilz-Mittel und sogar freiverkäufliche Johanniskrautpräparate. Diese Wechselwirkungen treten übrigens auch bei anderen hormonellen Verhütungsmitteln, beispielsweise dem Hormonring, auf.

Anwenderinnen sollten daher den Beipackzettel von Medikamenten stets auf mögliche Wechselwirkungen mit ihrem Präparat zur Empfängnisverhütung studieren.

Unwirksame Pille durch Erbrechen und Durchfall 

Die Pille wird oral eingenommen und gibt ihren Wirkstoff dann ins Blut ab. Kommt es innerhalb der ersten drei Stunden nach der Einnahme zu Durchfall oder Erbrechen, kann die Pille ausgeschieden werden, ohne ihre Wirkung entfaltet zu haben. Daher muss in diesen Fällen von einem unzureichenden Schutz vor Schwangerschaft ausgegangen und bis zum nächsten Zyklus zusätzlich verhütet werden, etwa mit Kondomen. 

Penis zu spät aus Vagina gezogen 

Laut der Erhebung von Pro Familia ist dies die häufigste Fehlerquelle bei der Nutzung von Kondomen: Der Penis wird erst aus der Scheide gezogen, wenn er bereits erschlafft ist. Dabei sitzt das Kondom zu locker, es kann Sperma austreten und die empfängnisverhütende Wirkung wie auch der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten ist nicht mehr gegeben.  

Kondom gerissen 

Der zweithäufigste Grund für das Versagen von Kondomen ist, dass diese reißen. Das passiert vor allem dann, wenn das Kondom zu klein für den Penis ist, es verkehrtherum abgerollt wird (Außenseite liegt innen) oder die Luft nicht aus dem Reservoir (kleiner Zipfel am geschlossenen Ende des Präservativs) herausgedrückt wurde, bevor das Kondom über den Penis gezogen wird. Auch falsche Lagerung (zum Beispiel im Geldbeutel oder an heißen Orten wie im Handschuhfach) kann das Präservativ beschädigen.

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Kondom nicht von Anfang an benutzt 

Die dritthäufigste Panne, die laut der Untersuchung von Pro Familia zu ungewollter Schwangerschaft führte: Es kommt bereits zu Geschlechtsverkehr, bevor das Kondom übergezogen wurde. Lange vor der Ejakulation können jedoch Lusttropfen aus dem Penis austreten. Da auch sie Spermien enthalten, ist eine Schwangerschaft dann nicht mehr ausgeschlossen. Ein Schutz vor Geschlechtskrankheiten ist im Falle des direkten Kontakts von Vagina und Penis ebenfalls nicht gegeben.  

Kondom abgerutscht 

Eine Verhütungspanne ist auch entstanden, wenn das Kondom vom Penis rutscht. Grund hierfür ist meist ein zu großes Präservativ. Es kann aber – wie bei einem gerissenen Kondom (siehe oben) – ebenso daran liegen, dass es falschherum abgerollt oder die Luft nicht aus dem Reservoir gedrückt wurde. Weiterhin denkbar ist, dass der Penis nach dem Samenerguss aus der Scheide gezogen wird, ohne das Kondom dabei am unteren Rand festzuhalten.  

Nach dem Sex ungeschützt weitergekuschelt  

Nach dem Geschlechtsverkehr sollten sich die Genitalien ebenfalls nicht ungeschützt berühren, da selbst hier eine ungewollte Schwangerschaft möglich ist. 

Wechselwirkungen mit Gleitmitteln 

Nicht nur bei der Pille kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen. Beim Kondom spielen vor allem ungeeignete Gleitgele eine Rolle. Ein Risiko sind fetthaltige Mittel wie Babyöl, Vaseline oder Speiseöle, da sie das Material des Kondoms angreifen.

Anleitung: Kondom richtig überziehen

Weitere mögliche Verhütungspannen 

Pille und Kondom sind natürlich nicht die einzigen Verhütungsmittel, bei denen Pannen entstehen. Natürliche Familienplanung (NFP) beispielsweise, bei der die fruchtbare Phase des Zyklus anhand von Körpertemperatur und Gebärmutterschleim ermittelt wird, erfordert viel Disziplin und Übung. Wer nicht genug Erfahrung hat, kann bei den Messverfahren und der Auswertung einiges falsch machen. 

Ein verbreiteter Irrtum führt ebenfalls zu ungewollten Schwangerschaften: Viele Frauen denken, dass in der Stillzeit nicht verhütet werden muss. Darauf kann man sich allerdings nicht verlassen und sollte mit anderen Methoden verhüten, wenn man eine weitere Schwangerschaft zunächst verhindern möchte.  

Auch Coitus interruptus, bei dem der Penis vor dem Samenerguss aus der Scheide gezogen wird, führt häufig zu ungewollter Schwangerschaft. Wie oben erwähnt, tritt schon vor der Ejakulation Sperma aus. 

Was tun, wenn es zur Verhütungspanne gekommen ist? 

Wird die Verhütungspanne bemerkt, kann eine Schwangerschaft trotzdem relativ sicher verhindert werden: Die Pille danach gibt es rezeptfrei in der Apotheke und sollte – je nach Präparat – 72 bis 120 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr genommen werden. Je früher, desto sicherer der Verhütungsschutz.  

Um bei Pannen mit Kondom das Risiko einer Ansteckung mit HIV zu reduzieren, beachten Sie bitte die SOS-Tipps in unserem Artikel zum Präservativ.

Mythen übers Verhüten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Mai 2018
Quellen: Statista 2011: Umfrage zur Anwendung von Verhütungsmitteln beim Sex: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/209712/umfrage/anwendung-von-verhuetungsmitteln-beim-sex/; abgerufen am 17.05.2018; Pro Familia: Erhebung zum Verhütungsverhalten bei ungewollten Schwangerschaften: https://www.profamilia.de/fileadmin/beratungsstellen/koeln-zentrum/3046.pdf; abgerufen am 17.05.2018

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