Altersschwerhörigkeit bleibt oft unbemerkt

Ab 50 einmal jährlich zum Hörtest

Schwerhörigkeit sollte frühzeitig behandelt werden

Nicht nur die Sehkraft lässt mit zunehmenden Alter nach, sondern bei vielen Menschen auch das Hörvermögen. Diese Altersschwerhörigkeit kommt schleichend und wird oft lange nicht wahrgenommen. Experten raten daher zum jährlichen Hörtest ab 50.

Altersschwerhörigkeit bleibt oft unbemerkt
Mit zunehmenden Alter lässt bei vielen Menschen die Hörfähigkeit nach.
©iStock.com/TPopova

Im Alter zwischen 50 und 60 Jahren - manchmal auch früher - lässt die Hörfähigkeit bei vielen Menschen nach. Typischerweise treten die zunehmenden Hördefizite meist beidseitig auf. Für das Entstehen der Altersschwerhörigkeit oder Presbyakusis, so die medizinische Bezeichnung, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die Lärmbelastungen im Laufe des Lebens oder wiederholte Mittelohrentzündungen.

Die Betroffenen selbst bekommen ihre zunehmenden Hördefizite anfangs nicht immer mit. Es sind meist die Angehörigen oder Freunde, die das nachlassende Hörvermögen zuerst bemerken. Vor allem Alleinlebenden ist oft gar nicht bewusst, dass es mit dem Hören nicht mehr so klappt wie früher. "Die drehen den Fernseher einfach etwas lauter", ist die Erfahrung von Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker (Biha).

Altersschwerhörigkeit mindert Kommunikationsfähigkeit

Das Nachlassen des Gehörs mit zunehmendem Alter ist ein häufiges Phänomen - und es bleibt nicht ohne Folgen für die Betroffenen. Studien zufolge behindert Altersschwerhörigkeit die Kommunikation bei etwa 37 Prozent der 61- bis 70-Jährigen, in der Altersgruppe der 71- bis 80-Jährigen sind es rund 60 Prozent. Die Einschränkungen bei der Kommunikation aber haben Auswirkungen auf Lebensfreude und Psyche: Schwerhörige ziehen sich zurück, werden öfter depressiv und ihre kognitiven Fähigkeiten lassen nach.

Deshalb ist es wichtig, Schwerhörigkeit zu diagnostizieren und zu behandeln. Ein Hörgerät kann die altersbedingten Hördefizite ausgleichen. Wichtig ist, dass dies frühzeitig geschieht.  Denn je länger und ausgeprägter eine Schwerhörigkeit vorliegt, desto mehr geht die Fähigkeit verloren, akustische Sinneseindrücke im Gehirn zu verarbeiten. "Was längere Zeit nicht gehört wird, entfällt der Verarbeitung im Unterbewusstsein", heißt es dazu in einer Information der Akademie für Hörakustik. So kann zum Beispiel die Fähigkeit, Nebengeräusche auszublenden, um sich auf eine bestimmte Geräuschquelle oder den Gesprächspartner zu konzentrieren, mit der Zeit verlernt werden.

Kostenloser Hörtest beim Akustiker

Experten empfehlen, ab 50 einmal jährlich zum Hörtest zu gehen. "Die Akustiker bieten ihn kostenlos an", informiert Biha-Präsidentin Frickel. So lässt sich einfach und schmerzlos feststellen, ob sich das Gehör verschlechtert hat. Das Hörvermögen wird dabei mit Hilfe eines Kopfhörers getestet, aus dem abwechselnd ans rechte und linke Ohr lauterwerdende Töne dringen. "Dabei wird geschaut: Wo ist die Hörschwelle? Liegt sie im Normbereich?", erläutert Frickel.

Gibt es Defizite im Hochtonbereich, erkläre das, warum jemand Gesprächen nicht mehr folgen könne. Denn Vokale und Konsonanten fallen in diese Frequenz. Betroffene haben dann oft das Problem, dass einzelne Wörter scheinbar ineinander übergehen und sich nicht mehr abgrenzen lassen. Zeigt der Hörtest Verluste an, folgen weitere Tests. Bei denen wird zum Beispiel überprüft, wie gut jemand noch Gesprochenes wahrnehmen kann und ab wann eine Lautstärke für ihn unangenehm wird. So kann der Akustiker feststellen, welche Frequenzbereiche verstärkt werden müssen.

Richtig handeln bei Hörsturz

Lifeline/Wochit

Mit den Testergebnissen zum Hals-Nasen-Ohren Arzt

Zur vollständigen Abklärung sollten Ältere nach den Tests aber noch einmal zum Hals-Nasen-Ohren Arzt gehen. Er kann das Ohr untersuchen und die Testergebnisse nachprüfen. Außerdem stellt er, falls nötig, eine Verordnung aus. Nur mit ihr können gesetzlich Versicherte die Kosten für ein Hörgerät mit ihrer Krankenkasse abrechnen.

Allerdings bezahlt die Krankenkasse nicht einfach ein Hörgerät, sondern erstattet die Kosten nur bis zu einem Festbetrag. Auch ist die Kostenübernahme bis zu Festbetragsgrenze an bestimmte Voraussetzungen gebunden. So muss beispielsweise ein Hörverlust von mindestens 30 Dezibel in einer der Hauptsprachfrequenzen zwischen 500 und 3 000 Hertz auf dem besser hörenden Ohr bestehen. Patienten mit Altersschwerhörigkeit müssen je nach benötigtem Hörgerät mit Kosten von 500 bis 2000 Euro für ein Hörgerät rechnen, für Spitzengeräte auch mit mehr.

Wie kann ich einer Schwerhörigkeit vorbeugen?

Schwerhörigkeit beginnt oft schleichend und wird manchmal nicht erkannt. Bei welchen ersten Anzeichen was zu tun ist, darüber spricht Professor Siegfried Meryn in der ORF-Sendung "Bewusst gesund".

ORF

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