Craniomandibuläre Dysfunktion

CMD: Symptome und Therapie der Kiefer-Funktionsstörung

Es knirscht, knackt und schmerzt im Kiefer: Hinter solchen Symptomen kann eine Craniomandibuläre Dysfunktion stecken, kurz CMD. Als Ursachen gelten stressbedingte Verspannungen der Kaumuskulatur und nächtliches Zähneknirschen. Die Beschwerden sind weit verbreitet – ihre Behandlung gestaltet sich jedoch manchmal schwierig.

frau mit schmerzen durch cmd
Eine CMD kann sich durch Schmerzen äußern, aber auch unspezifische Symptome wie Schwindel und Ohrgeräusche sind häufig.
iStock

Beunruhigendes Knacken oder Schmerzen im Kiefer: Wer seinen Zahnarzt nach der Ursache dafür fragt, bekommt oft die seltsam klingende Diagnose Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD oder auch Myoarthropathie. Unter diesem Begriff fassen Zahnmediziner verschiedene Funktionsstörungen des Kiefers zusammen, die durch Fehlstellungen zwischen Schädel und Unterkiefer verursacht werden.

Die Craniomandibuläre Dysfunktion kann Konsequenzen für den ganzen Körper nach sich ziehen. Denn längst ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Funktion des Kausystems mit derjenigen der gesamten Wirbelsäule zusammenhängt. Entsprechend breit sind die Symptome gestreut.

Vier einfache Hausmittel gegen Zahnschmerzen

Symptome der CMD: von Kiefersperre bis Zahnschmerz

Ein Knacken beim Gähnen oder Kauen ist häufig ein Hinweis, dass mit dem Kiefergelenk etwas nicht stimmt. Weil das Geräusch jedoch keine weiteren Probleme wie Schmerzen mit sich bringt, suchen die wenigsten Betroffenen einen Arzt auf. Ein Verhalten, das sich unter Umständen rächen kann, denn hinter dem Knacken steckt häufig CMD.

Ein Teil der Betroffenen hat ständig Schmerzen in den Kaumuskeln oder am Kiefer, manchmal auch begleitende Zahnschmerzen. Andere können den Mund nicht mehr richtig öffnen oder es knackt und knirscht, wenn sie den Kiefer bewegen. Anzeichen einer solchen Funktionsstörung haben viele Menschen. Sie merken oft nichts oder empfinden eine leichte Fehlfunktion nicht als beeinträchtigend.

Probleme im Kiefer betreffen den ganzen Körper

Bleibt die Fehlstellung des Kiefers unbehandelt, kann es jedoch langfristig zu einer stärkeren Belastung einer Körperhälfte kommen, die den gesamten Menschen in Schieflage bringt. Denn die Bewegungen des Kiefers setzen sich wie eine Kettenreaktion von Kopf bis Fuß fort. Wird der Bewegungsapparat ungleich beansprucht, spannen sich auch die entsprechenden Muskelgruppen einseitig an und können auf lange Sicht ungleichmäßig verkürzen.

In der Regel sind die Symptome der CMD daher nicht auf das Kiefergelenk beschränkt. Die häufigsten Beschwerden umfassen Kopf-, Schulter-, Rücken- oder Hüftschmerzen, Ohrgeräusche, Schlafstörungen und Schluckbeschwerden. Neben Schmerzen können außerdem Schwindel oder Lichtempfindlichkeit eine Craniomandibuläre Dysfunktion verraten. Sitzt der Kopf des Kiefergelenks aufgrund der Fehlstellung nicht richtig in der Gelenkpfanne, ist auch ein Ausrenken des Kiefers möglich.

  • zum Download!

    Mit der richtigen Zahnpflege lässt sich die Gesundheit der Zähne fördern – jeden Tag! Unser Ratgeber als PDF-Download

Entsprechend dieser Bandbreite an Anzeichen gestaltet sich die Diagnose eher schwierig. Denn viele Betroffene gehen je nach Beschwerden direkt zu einem Facharzt. Oft werden dann nur lokale Symptome behandelt und die CMD verschlimmert sich. Die richtige Diagnose kann nur ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde nach Untersuchung des Kausystems stellen.

Manche haben die Beschwerden schon so lange, dass die Schmerzen chronisch geworden sind und psychosomatische Probleme, Schlafstörungen oder Depressionen nach sich ziehen.

Stress ist Ursache Nummer eins

Zum Arzt sollte man gehen, wenn man Schmerzen hat oder die Bewegung des Unterkiefers eingeschränkt ist. Der erste Ansprechpartner ist der Zahnarzt.

Oft vermutet man stressbedingte Verspannungen der Kaumuskulatur und nächtliches Zähneknirschen als Ursachen. Die Betroffenen sollen lernen, auf Verspannungen zu achten und rechtzeitig gegenzusteuern. In Ruhe sollten die Zähne locker aufeinander liegen und nicht zusammengepresst werden. Außerdem hängt der Unterkiefer entspannt, die Lippen liegen locker aufeinander, aber die Zähne haben keinen in Kontakt.

Menschen, die unter Stress die Zähne zusammenbeißen, merken das in der Regel nicht. Als Gedankenstütze kann man sich einen kleinen Zettel mit einem roten Punkt irgendwo am Arbeitsplatz, zum Beispiel am Computer-Monitor, befestigen. Immer wenn man den roten Punkt sieht, solle man kurz bewusst auf die Kieferstellung achten. Um Verspannungen zu lockern, sollten Betroffene zwischendurch die Wangenmuskeln und die Schläfen massieren.

Elf schnelle Stress-Killer

Behandlung der CMD

Wenn geklärt ist, welche funktionellen Zusammenhänge zwischen den Beschwerden des Kaugelenks und dem gesamten Bewegungssystem bestehen, kann mit einer zielgerichteten Therapie begonnen werden. Hier und wenn sich der Kiefer nicht mehr öffnen lässt, können physiotherapeutische Maßnahmen wie manuelle Therapie, Krankengymnastik, Wärme oder Dehnübungen helfen. Für viele reicht es schon, eine Aufbissschiene anzufertigen und den Betroffenen Selbsthilfemaßnahmen zu erklären.

Ist die Ursache eine Entzündung im Kiefergelenk, kommen Gelenkspülungen und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Nur in seltenen Fällen, wenn die Zähne beim Zubeißen nicht gleichmäßig zusammenpassen, ist es notwendig, die Fehler im Kauorgan durch Überkronen von Zähnen oder Kieferorthopädie zu korrigieren. Auch eine Operation am Kiefergelenk kommt nur sehr selten zum Einsatz.

Übungen und Entspannung

Häufig bringen sogenannte myofunktionelle Übungen Erleichterung bei Craniomandibulärer Dysfunktion. Mithilfe dieser Übungen werden die mundmotorischen Fähigkeiten verbessert und so Fehlfunktionen von Kau- und Gesichtsmuskulatur reduziert. Geht das nächtliche Knirschen auf starken psychischen Druck zurück, sollte man eine Psychotherapie in Betracht ziehen. Denn nur, wenn die Betroffenen in der Lage sind, Stress und Aggression abzubauen, können sie dauerhaft beschwerdefrei bleiben.

Entspannungstechniken im Überblick

 

CMD-Behandlung kann mehrere Monate dauern

Manchmal verbessern sich die Symptome bei Craniomandibulärer Dysfunktion mit einer Aufbissschiene, Entspannungstechniken und Physiotherapie nach drei bis sechs Monaten nicht. Möglicherweise kann dann eine Schmerztherapie oder eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Diese Behandlung kann jedoch dauern, denn die Beschwerden sind in der Regel schleichend gekommen und müssen auch sich auch wieder herausschleichen.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang