Craniomandibuläre Dysfunktion

CMD: Symptome und Therapie der Kiefer-Funktionsstörung

Es knirscht, knackt und schmerzt im Kiefer: Hinter solchen Symptomen kann eine Craniomandibuläre Dysfunktion stecken, kurz CMD. Als Ursachen gelten stressbedingte Verspannungen der Kaumuskulatur und nächtliches Zähneknirschen. Die Beschwerden sind weit verbreitet – ihre Behandlung gestaltet sich jedoch manchmal schwierig.

frau mit schmerzen durch cmd
Eine CMD kann sich durch Schmerzen äußern, aber auch unspezifische Symptome wie Schwindel und Ohrgeräusche sind häufig.
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Beunruhigendes Knacken oder Schmerzen im Kiefer: Wer seinen Zahnarzt nach der Ursache dafür fragt, bekommt oft die seltsam klingende Diagnose Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD oder auch Myoarthropathie. Unter diesem Begriff fassen Zahnmediziner verschiedene Funktionsstörungen des Kiefers zusammen, die durch Fehlstellungen zwischen Schädel und Unterkiefer verursacht werden.

Diese wiederum können Konsequenzen für den ganzen Körper nach sich ziehen. Denn längst ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Funktion des Kausystems mit derjenigen der gesamten Wirbelsäule zusammenhängt. Entsprechend breit sind die Symptome gestreut.

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Symptome der CMD: von Kiefersperre bis Zahnschmerz

Ein Knacken beim Gähnen oder Kauen ist häufig ein Hinweis, dass mit dem Kiefergelenk etwas nicht stimmt. Weil das Geräusch jedoch keine weiteren Probleme wie Schmerzen mit sich bringt, suchen die wenigsten Betroffenen einen Arzt auf. Ein Verhalten, das sich unter Umständen rächen kann, denn hinter dem Knacken steckt häufig CMD.

"Zwei Symptome stehen im Vordergrund, nämlich Schmerz und Dysfunktion": So erklärt es Oliver Ahlers vom CMD-Centrum Hamburg-Eppendorf. Konkret heißt das: Ein Teil der Betroffenen hat ständig Schmerzen in den Kaumuskeln oder am Kiefer, manchmal auch begleitende Zahnschmerzen. Andere können den Mund nicht mehr richtig öffnen oder es knackt und knirscht, wenn sie den Kiefer bewegen. Anzeichen einer solchen Funktionsstörung haben viele Menschen. Sie merken oft nichts oder empfinden eine leichte Fehlfunktion nicht als beeinträchtigend.

Probleme im Kiefer betreffen den ganzen Körper

Bleibt die Fehlstellung des Kiefers unbehandelt, kann es jedoch langfristig zu einer stärkeren Belastung einer Körperhälfte kommen, die den gesamten Menschen in die Schieflage bringt. Denn die Bewegungen des Kiefers setzen sich wie eine Kettenreaktion von Kopf bis Fuß fort. Wird der Bewegungsapparat ungleich beansprucht, spannen sich auch die entsprechenden Muskelgruppen einseitig an und können auf lange Sicht ungleichmäßig verkürzen.

In der Regel sind die Symptome der CMD daher nicht auf das Kiefergelenk beschränkt. Die häufigsten Beschwerden umfassen Kopf-, Schulter-, Rücken- oder Hüftschmerzen, Ohrgeräusche, Schlafstörungen und Schluckbeschwerden. Neben Schmerzen können außerdem Schwindel oder Lichtempfindlichkeit eine Craniomandibuläre Dysfunktion verraten. Sitzt der Kopf des Kiefergelenks aufgrund der Fehlstellung nicht richtig in der Gelenkpfanne, ist auch ein Ausrenken des Kiefers möglich.

Entsprechend dieser Bandbreite an Anzeichen gestaltet sich die Diagnose eher schwierig. Denn viele Betroffene gehen je nach Beschwerden direkt zu einem Facharzt. Oft werden dann nur lokale Symptome behandelt und die CMD verschlimmert sich. Die richtige Diagnose kann nur ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde nach Untersuchung des Kausystems stellen.

Stress ist Ursache Nummer eins

Zum Arzt sollte man gehen, wenn man Schmerzen hat oder die Bewegung des Unterkiefers eingeschränkt ist, rät Ingrid Peroz, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGFDT). Der erste Ansprechpartner ist der Zahnarzt. Meist reiche es, eine Aufbissschiene anzufertigen und den Patienten Selbsthilfemaßnahmen zu erklären.

Denn oft vermutet man stressbedingte Verspannungen der Kaumuskulatur und nächtliches Zähneknirschen als Ursachen. Die Betroffenen sollen darum lernen, auf Verspannungen zu achten und rechtzeitig gegenzusteuern. "Als erstes erkläre ich den Patienten, dass die Zähne in Ruhe nichts aufeinander verloren haben", sagt Peroz. "In Ruhe hängt der Unterkiefer entspannt, die Lippen sind zu, aber die Zähne sind nicht in Kontakt."

Menschen, die unter Stress die Zähne zusammenbeißen, merken das in der Regel nicht. Peroz rät den Betroffenen daher, einen kleinen Zettel mit einem roten Punkt irgendwo am Arbeitsplatz, zum Beispiel am Computer-Monitor, zu befestigen. Immer wenn man den roten Punkt sieht, solle man kurz bewusst auf die Kieferstellung achten. Um Verspannungen zu lockern, sollten Betroffene zwischendurch die Wangenmuskeln und die Schläfen massieren.

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Behandlung der Craniomandibulären Dysfunktion

Wenn geklärt ist, welche funktionellen Zusammenhänge zwischen den Beschwerden des Kaugelenks und dem gesamten Bewegungssystem bestehen, kann mit einer zielgerichteten Therapie begonnen werden. Wenn sich der Kiefer nicht mehr öffnen lässt, können physiotherapeutische Maßnahmen wie manuelle Therapie, Krankengymnastik, Wärme oder Dehnübungen helfen.

Ist die Ursache eine Entzündung im Kiefergelenk, kommen Gelenkspülungen und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Nur in seltenen Fällen, wenn die Zähne beim Zubeißen nicht gleichmäßig zusammenpassen, sei es notwendig, die Fehler im Kauorgan durch Überkronen von Zähnen oder Kieferorthopädie zu korrigieren, sagt Peroz. Auch eine Operation am Kiefergelenk kommt nur sehr selten zum Einsatz.

Diese Therapieansätze helfen bei CMD

Häufig bringen sogenannte myofunktionelle Übungen Erleichterung bei Kieferbeschwerden. Mithilfe dieser Übungen werden die mundmotorischen Fähigkeiten verbessert und so Fehlfunktionen von Kau- und Gesichtsmuskulatur reduziert. Geht das nächtliche Knirschen auf starken psychischen Druck zurück, sollte man eine Psychotherapie in Betracht ziehen. Denn nur, wenn die Betroffenen in der Lage sind, Stress und Aggression abzubauen, können sie dauerhaft beschwerdefrei bleiben.

Entspannungstechniken im Überblick

 

Manche haben die Beschwerden schon so lange, dass die Schmerzen chronisch geworden sind und psychosomatische Probleme, Schlafstörungen oder Depressionen auftreten. "Bei chronifizierten Patienten ist die Behandlung schwierig", sagt Anne Wolowski von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

CMD-Therapie kann mehrere Monate dauern

"Wenn wir das Problem bei guter Mitarbeit des Patienten mit einer Aufbissschiene, Entspannungstechniken und Physiotherapie in drei bis sechs Monaten nicht in den Griff bekommen, reichen diese Maßnahmen nicht aus", erklärt die Zahnmedizinerin. Möglicherweise kann dann eine Schmerztherapie oder eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Wolowski warnt CMD-Patienten jedoch vor zu hohen Erwartungen an die Behandlung. Außerdem kann sie dauern: "In zwei Wochen wird man nicht schmerzfrei. Die Beschwerden sind schleichend gekommen, sie müssen auch wieder herausschleichen", sagt die CMD-Expertin.

Weitere Informationen zu Symptomen und Therapie der CMD sowie einen kurzen Selbsttest finden Sie hier!

Autor:
Letzte Aktualisierung:08. Juli 2016
Durch: Sarah Baumann
Quellen: mit dpa-Material

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