Plötzlicher Herztod (Sudden Cardiac Death)

Von einer Sekunde auf die andere beginnt das Herz unregelmäßig zu schlagen, Herzflimmern entsteht und danach Herzstillstand. Der plötzliche Herztod betrifft ältere, aber auch junge Menschen, Herzkranke und solche, die bis dahin gesund waren.

Erste Hilfe mit Defibrillator in U-Bahn-Station
An vielen öffentlichen Orten steht mittlerweile ein Defibrillator bereit und rettet das Leben, wenn der plötzliche Herztod droht.

Plötzlicher Herztod (Sudden Death) bezeichnet Todesfälle, bei denen ein Mensch aufgrund eines plötzlichen Herzversagens sehr rasch und unerwartet zu Tode kommt. Jüngere Menschen können dabei ebenso betroffen sein wie ältere.

Beim plötzlichen Herztod, der oft auch als Sekundentod oder aus dem englischen übernommen als Sudden Death bezeichnet wird, stirbt ein Mensch, weil seine Herzfunktion plötzlich versagt. Üblicherweise wird von einem plötzlichen Herztod gesprochen, wenn vom ersten Auftreten der Symptome bis zum Tod nicht mehr als eine Stunde vergeht.

Erste Hilfe beim plötzlichen Herztod

Es handelt sich beim plötzlichen Herztod um eine der häufigsten Todesursachen in unseren Breitengraden. In Deutschland sind Schätzungen zufolge rund 70.000 bis 100.000 Menschen jährlich betroffen und versterben, wenn nicht sofort Wiederbelebungsmaßnahmen (Reanimation) einsetzen.

Beim plötzlichen Herztod kommt es zu tödlichem Herzflimmern

Der plötzliche Herztod beginnt zumeist damit, dass das Herz aus dem gewohnten Takt kommt, wobei sich der Herzschlag der Hauptkammern erheblich beschleunigt. Der Mediziner spricht hierbei von einer Tachykardie. Schlägt das Herz immer schneller, so kann schließlich nicht mehr genügend Blut in den Körper gepumpt werden. Das Herz selbst wird nicht mehr adäquat mit Blut versorgt und die Kontraktion der Herzkammern wird immer flacher, bis es schließlich zum Herzflimmern (Kammerflimmern) und damit praktisch zu einem Herzstillstand kommt. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich, weil die Organe des Körpers nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, wenn kein Blut durch den Körper gepumpt wird. Wird die Herzfunktion nicht sofort durch eine entsprechende Behandlung wieder in Gang gesetzt, so droht der Herzstillstand und damit der Tod, also der plötzliche Herztod.

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Glossar:

  • Arrhythmie: Herzrhythmusstörung
  • Defibrillator: Herzimpulsgeber
  • Herzinsuffizienz: Herzschwäche
  • Ischämie: Mangeldurchblutung
  • Myokardinfarkt: Herzinfarkt
  • Reanimation: Wiederbelebung
  • Sudden Death: plötzlicher Herztod
  • Tachykardie: Beschleunigung des Herzschlags

Plötzlicher Herztod: Symptome

Die Anzeichen vom plötzlichen Herzinfarkt sind vor allem Schmerzen in der Brust, Ohnmacht und Atemstillstand.

Charakteristisch für den plötzlichen Herztod (Sudden Death) ist es, dass das Ereignis sehr rasch einsetzt. Das bedeutet zugleich, dass es in aller Regel kaum Warnsignale und Frühsymptome gibt.

Anzeichen beim plötzlichen Herztod wie beim Herzinfarkt

Es können beim plötzlichen Herztod (Sudden Death) zunächst Symptome auftreten, wie sie von einem Herzinfarkt bekannt sind:

  • Unwohlsein,
  • Herzrasen,
  • Herzklopfen.

Danach treten plötzlich massive Schmerzen im Brustbereich auf, ein starkes Engegefühl und Atemnot. Der Patient bricht zusammen, ist nicht mehr ansprechbar. Der Puls an der Halsschlagader ist nicht mehr tastbar, kurz darauf setzt die Atmung aus. Nach wenigen Minuten kann der Tod eintreten.

So äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen

Lifeline/Wochit

Anzeichen beim plötzlichen Herzinfarkt ernst nehmen

Ebenso kann sich der Tod jedoch urplötzlich ereignen, indem die Betroffenen zusammensinken oder hinfallen, rasch das Bewusstsein verlieren und versterben. Die Anzeichen eines plötzlichen Herztods sollten immer äußerst ernst genommen werden. Nur sofortige erste Hilfe kann das Leben retten.

Plötzlicher Herztod: Ursachen

In rund 90 Prozent der Fälle ist eine Herzrhythmusstörung die Ursache des plötzlichen Herztods (Sudden Death).

Zumeist beginnt das Ereignis damit, dass sich der Herzschlag aufgrund einer gestörten Impulsgebung immer mehr beschleunigt, bis schließlich eine effektive Kontraktion der Herzkammern nicht mehr möglich ist. Seltener verlangsamt sich der Herzschlag, bis das Herz beim plötzlichen Herztod (Sudden Death) letztlich regelrecht stehen bleibt.

Ursache für plötzlichen Herztod auch koronare Herzerkrankung

Der plötzliche Herztod ereignet sich meist auf dem Boden einer koronaren Herzerkrankung (KHK). Sie kann Störungen im Reizleitungssystem nach sich ziehen, sodass das Herz falsche Impulse bekommt sowie eine Störung der Pumpfunktion des Herzens und eine Minderdurchblutung des Herzmuskels (Ischämie) verursachen.

Ebenso kann eine Herzmuskelentzündung, die oft Folge einer Infektion ist, dem plötzlichen Herztod den Weg bereiten.

Myokarditis: Warum die Herzmuskelentzündung heimtückisch ist

Lifeline/Dr. Heart

Die Ursachen können aber auch außerhalb des Herzens liegen. Denn auch eine massive Lungenembolie kann ebenso wie die Ruptur der Hauptschlagader (Aorta) Ursache für einen plötzlichen Herzstillstand sein.

Außerdem können auch ungewöhnliche Aufregungen einen plötzlichen Herztod nach sich ziehen. So wird in Erhebungen eine erhöhte Rate solcher Ereignisse zum Beispiel bei Zuschauern eines Fußballturniers berichtet. Besonders gefährdet im Hinblick auf ein solches Ereignis sind Menschen mit koronarer Herzerkrankung und das insbesondere, wenn sie Raucher sind.

Risikofaktoren für einen plötzlichen Herztod (Sudden Death)

Risikofaktoren des plötzlichen Herztods sind vor allem Herzerkrankungen, die Störungen der Impulsgebung im Herzen nach sich ziehen und damit Herzrhythmusstörungen bedingen können. Dazu gehören zum Beispiel die koronare Herzerkrankung, die Herzschwäche (Herzinsuffizienz), eine Herzmuskelentzündung und vor allem eine Herzschädigung nach einem Herzinfarkt, der seinerseits in aller Regel die Folge einer koronaren Herzerkrankung ist.

Rund fünf Prozent aller Fälle eines plötzlichen Herztodes ereignen sich allerdings bei Menschen, die als völlig herzgesund gelten, bei denen also keine Herzerkrankung vorgelegen hat.

Plötzlicher Herztod beim Sport - Ursache Anabolika?

Besonders dramatisch ist der plötzliche Herztod (Sudden Death), wenn junge, sportlich aktive Menschen betroffen sind. Plötzliche Todesfälle während sportlicher Aktivität sind dabei keineswegs extrem selten. Meist liegt den Ereignissen eine bis dahin nicht bekannte Herzerkrankung des betroffenen Sportlers zugrunde.

Es kann sich dabei um einen angeborenen Herzfehler handeln, der bis dato nicht durch Beschwerden aufgefallen ist und folglich nicht entdeckt wurde oder um angeborene Veränderungen bei der Reizleitung im Herzbereich. Nicht selten sind jedoch erworbene Herzerkrankungen die Ursache des plötzlichen Herztodes bei Sportlern. Bei jüngeren Menschen handelt es sich dabei oft um eine infektiös bedingte Herzmuskelentzündung, bei älteren Menschen steht eher eine nicht bekannte koronare Herzerkrankung im Vordergrund. Das Risiko eines plötzlichen Herztodes beim Sport steigt daher jenseits des 35. Lebensjahres deutlich an. Es kann zudem durch die missbräuchliche Einnahme von Medikamenten gesteigert werden und zwar insbesondere von Dopingmitteln wie Anabolika und Wachstumshormonen. Die Ursachen für den plötzlichen Herztod sind also sehr unterschiedlich.

Plötzlicher Herztod: Diagnose

Die Diagnose plötzlicher Herztod (Sudden Death) stellt der Arzt anhand der charakteristischen Zeichen des akuten Herzstillstandes:

  • Bewusstlosigkeit,
  • Pulslosigkeit,
  • Atemstillstand.

Die Diagnose plötzlicher Herztod anhand typischer Anzeichen

Beim plötzlichen Herztod (Sudden Death) ist an der Halsschlagader kein Pulsschlag mehr tastbar. Es besteht außerdem ein Atemstillstand, was bedeutet, dass Atembewegungen des Brustkorbes nicht mehr erkennbar sind und über Mund und Nase keine Atemluft mehr spürbar ist. Dazu ist kein großer technischer Aufwand nötig. Meist erkennt der Notarzt auf den ersten Blick mit Puls tasten und Atemkontrolle, ob das Herz stillsteht und stellt die Diagnose plötzlicher Herztod.

Diagnose vom plötzlichen Herzinfarkt in der Klinik

Wenn rechtzeitig ein Notarzt vor Ort ist oder der Betreffende sofort in die Klinik eingeliefert werden kann, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, etwa ein EKG. Hier zeigt sich das Kammerflimmern deutlich. Zusätzlich helfen weitere Test bei der Diagnose plötzlicher Herztod und zeigen, welche körperlichen Ursachen für den plötzlichen Herztod vorliegen könnten. Zu diesen zählen Bluttest, Herzkatheter und Elektrophysiologische Untersuchung.

Plötzlicher Herztod: Therapie

Ereignet sich ein plötzlicher Herztod (Sudden Death), so kann der definitive Tod des Betroffenen nur durch eine rasche Behandlung und gegebenenfalls eine sofortige Wiederbelebung (Reanimation) abgewendet werden.

Bei Verdacht auf plötzlichen Herztod (Sudden Death) müssen deshalb sofort Notarzt und Rettungswagen herbeigerufen werden, damit unverzüglich die Behandlung einsetzt.

Erste Hilfe beim plötzlichen Herztod

Bis zum Eintreffen des Notarztes sind lebensrettende Sofortmaßnahmen notwendig, um den Kreislauf und damit die Sauerstoffversorgung möglichst aufrecht zu erhalten. Um zu kontrollieren, ob der Betreffende noch atmet oder nicht, muss der Kopf nach hinten überstreckt und der Unterkiefer nach vorne gezogen werden. Dann sollte der Helfer seinen Kopf direkt über den Kopf des Betreffenden halten und zügig prüfen, ob es Atemgeräusche oder einen Atemstrom gibt. Ist keine Atmung mehr feststellbar, so müssen eine Herzmassage und eine Beatmung durch den Ersthelfer erfolgen. Konkret wird dazu 30 Mal eine Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbes durchgeführt und anschließend der Kopf überstreckt und jeweils zweimal beatmet.

Herzschwäche rechtzeitig erkennen

Lifeline/Dr. Heart

Wie der Notarzt beim plötzlichen Herztod hilft

Bei der medizinischen Behandlung vom plötzlichen Herztod  durch den Notarzt und/oder den Rettungsdienst geht es zunächst ebenfalls darum, das Leben des Patienten zu erhalten, was in aller Regel eine Behandlung mit einem Defibrillator erfordert sowie eine Intubation und anschließende künstliche Beatmung.

Defibrillator beim plötzlichen Herztod

Beim Defibrillator handelt sich um ein Gerät, das dem Herzen per Stromstoß Impulse zur Rhythmisierung beziehungsweise zum Weiterschlagen gibt. Dazu werden Elektroden auf den Brustkorb aufgesetzt und aktiviert. Der Stromstoß wird vom Brustkorb nach innen an das Herz geleitet und soll dieses wieder zum Schlagen bringen. Defibrillatoren finden sich inzwischen an vielen öffentlichen Plätzen wie Flughäfen, Bahnhöfen, Kaufhäusern und Sportstätten. Sie können von jedem benutzt werden, da ihre Handhabung sehr einfach und selbsterklärend ist. Ersthelfer können nichts falsch machen.

Rasche Behandlung erhöht Überlebenschance beim plötzlichen Herztod

Durch die Sofortmaßnahmen überleben rund fünf bis acht Prozent der Menschen mit einem plötzlichen Herztod das lebensbedrohliche Ereignis. Sind fachkundige Helfer in der Nähe, so überleben sogar mehr als 50 Prozent der Betroffenen den plötzlichen Herztod.

Plötzlicher Herztod: Vorbeugen

Vorbeugen lässt sich dem plötzlichen Herztod (Sudden Death) am besten indirekt, indem frühzeitig Risikofaktoren für Herzerkrankungen, die ein solches Ereignis verursachen können, abgebaut werden.

Risikofaktoren für den plötzlichen Herztod vermeiden

Zu den allgemeinen Risikofaktoren, die durch die Lebensweise beeinflussbar sind, gehören 

  • Rauchen,
  • Übergewicht,
  • ungesunde Ernährung und
  • Bewegungsmangel.

Blutdruck und Cholesterinspiegel senken

Haben sich bereits Störungen entwickelt wie ein zu hoher Blutdruck (Hypertonie), zu hohe Cholesterinwerte im Blut oder ein Diabetes, die eine koronare Herzerkrankung und damit potenziell auch einen plötzlichen Herztod (Sudden Death) begünstigen, so müssen diese konsequent behandelt werden.

Keine ungewohnten, zu anspruchsvollen sportlichen Belastungen

Zu den Vorsichtsmaßnahmen im Hinblick auf einen plötzlichen Herztod gehört es auch, vor der Aufnahme ungewohnter sportlicher Aktivität seine Herzgesundheit beim Arzt prüfen zu lassen. Außerdem ist es ratsam, nach schwerwiegenden Infekten wie etwa einer Grippe vorsichtig bei der Wiederaufnahme körperlicher Anstrengungen zu sein. Denn schwere Infektionen können den Herzmuskel schädigen und eine Herzmuskelentzündung hervorrufen, die ihrerseits bei starker körperlicher Belastung in einen plötzlichen Herztod münden kann.

Implantierter Defibrillator schützt vor plötzlichem Herztod

Ist ein hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod bekannt, so kann die Gefahr durch die dauerhafte Implantation eines Defibrillators in den Körper reduziert werden. Der implantierte Defibrillator erkennt über Sensoren automatisch akute Gefahrensituationen und gibt dann sofort Stromstöße an das Herz ab, um dieses wieder in den richtigen Takt zu bringen.

Sieben Tipps für das Herz - und gegen Krebs

Autor:
Letzte Aktualisierung:20. Dezember 2015
Quellen: Defibrillation, Kardioversion und Schrittmachertherapie. Sektion 3 der Leitlinien zur Reanimation 2010 des European Resuscitation Council. Plötzlicher Herztod beim Sport; Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Deutscher Olympischer Sportbund, Wilfried Kindermann und Axel Urhausen von Sportverlag Strauß 2010

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Herz- und Kreislaufbeschwerd...
    Plötzlicher Herztod
    07.12.2005 | 10:08 Uhr

    Ein guter Freund von mir ist vor 6 Wochen plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben. Ich...   mehr...

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