Schwerhörigkeit
Schwerhörigkeit

Tipps für Eltern schwerhöriger Kinder

Wenn Hörstörungen bei Kindern rechtzeitig - möglichst vor Vollendung des ersten Lebensjahres - erkannt werden, können schwerhörige Mädchen und Jungen heute mit Hörgeräten ein nahezu normales Leben führen.

Kinder und Hoergeraete- Tipps für Eltern
Dank Hörgeräte können viele gehörlose Kinder ein nahezu normales Leben führen.
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Selbst gehörlos Geborene brauchen nicht mehr in jedem Fall eine Sonderschule zu besuchen, falls die Implantation eines Cochlear Implants (CI) rechtzeitig erfolgte. Der Weg dorthin führt allerdings über eine aufwendige und intensive Rehabilitationsphase.

Bei schwerhörigen Kindern kommt es häufig zu Störungen der Sprachentwicklung. Diese reichen von Artikulationsstörungen bis hin zu schweren Sprachentwicklungsverzögerungen, von denen auch der Wortschatz und die Satzbildung betroffen sind. Mit einem Hörgerät können schwerhörige Kinder die Sprache zwar relativ gut wahrnehmen, sie haben aber dennoch Probleme, die sehr hohen Frequenzbereiche, die für die Differenzierung der Konsonanten wichtig sind, deutlich zu hören. Auch die Übertragung der Sprachmelodie entspricht nicht dem natürlichen Hören mit einem Hörgerät. Sie müssen daher für Sprache besonders sensibilisiert werden.

Mundmotorik fördert die Lautbildung bei Kindern mit einem Hörgerät

Ein striktes Hörtraining, bei dem etwa zwischen verschiedenen Konsonanten wie k und t unterschieden wird, ist mit Kindern aber zunächst nicht möglich. Eine Therapie für Kinder mit einem Hörgerät verläuft spielerischer. "Wir imitieren z.B. verschiedene Tierstimmen oder spielen CDs mit Alltagsgeräuschen, die die Kinder erraten", sagt Anne Bahlmann von der Schule für Logopädie in Siegen. Erst im späteren Therapieverlauf wird sprachlautspezifisch gearbeitet. Auch mundmotorische Übungen vor dem Spiegel oder integriert in ein Spiel sind eine gute Möglichkeit, die Lautbildung zu trainieren. So kann bei Kindern etwa die Vorstülpung der Lippen bei der Bildung des Konsonanten "sch" durch das vorherige Üben eines Kussmundes unterstützt werden.

Schwerhörige Kinder mit Hörgerät beim Sprechen immer ansehen

Schwerhörige oder gar gehörlose Kinder sollten nach einer Versorgung mit Hörgeräten oder einem CI so früh wie möglich eine logopädische Therapie erhalten. Selbst wenn das Kind noch keine Wörter spricht, ist eine Behandlung angebracht: Schließlich ist das Lallen, Brabbeln und fröhliche Schreien eines Säuglings eine Vorstufe der Sprache und die richtige Ansprache und Förderung ist enorm wichtig, um die Hörbahnreifung zu unterstützen. Diese findet innerhalb des ersten Lebensjahres statt. Es ist ein frühes Warnsignal für eine Hörstörung, wenn Säuglinge nach der ersten Lallphase plötzlich verstummen. Genauso wichtig wie eine Therapie ist jedoch die Sprachförderung im Alltag. "Sprachförderung" klingt zunächst gewaltig. Gemeint ist aber nur, dass Eltern ihrem Kind, dass schwerhörig ist und/oder ein Hörgerät trägt, das Sprechen lernen leicht machen. Das bedeutet:

  • Das Kind beim Sprechen immer ansehen. So kann es das Gesprochene besser verstehen und sieht zugleich an den Mundbewegungen der Mutter oder des Vaters, wie die Laute gebildet werden und welche Stimmung das Gesprochene hat.
  • Den Mund betont bewegen. Das erleichtert das Imitieren der Mundbewegungen, die für die Artikulation wichtig sind.
  • Auf eine gut ausgeprägte Sprachmelodie achten. Sie unterstützt die Segmentierung der Sprache sowie den Sinn des Gesagten und ist damit ein wichtiges Element beim Erlernen der Sprache. Eltern setzen z.B. den sogenannten "Baby-talk" meist unbewusst bei ihren Säuglingen ein.
  • Kurze Sätze bilden. Lange verschachtelte Sätze erschweren selbst hörgesunden Kindern das Verstehen.
  • Äußerungen des Kindes, die Artikulationsfehler enthalten, korrekt wiederholen. Nicht sagen: "Das hast du falsch ausgesprochen." Derlei offene Kritik frustriert das Kind und hält es vom weiteren Reden ab.

Viele Eltern von Kindern, die ein Hörgerät tragen oder Cochlear Implants sind verunsichert und wollen testen, ob ihr Kind wirklich gut hören kann. Sie rufen darum z.B. ständig seinen Namen. Doch davon rät die Sprechwissenschaftlerin Silvia Zichner vom Cochlear Implant Centrum in Berlin ab. Die Kinder reagieren nach einer Weile nicht mehr auf das Rufen, wenn sich gezeigt hat, dass es ohne Konsequenz bleibt. "Die Äußerungen der Eltern sollten darum immer mit sinnvollen Inhalten verbunden sein", so Zichner.

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Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 22. April 2014

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