Altersbedingte Abwehrschwäche

Nagelpilz: Warum Ältere häufiger erkranken

Pilzinfektionen können im Alter schwerer verlaufen und chronisch werden

Eine frühzeitige Behandlung von Nagelpilz ist in jedem Alter wichtig. Ältere Menschen leiden jedoch häufiger an Nagelpilzinfektionen. Altersbedingt sind zudem besonders schwere Verlaufsformen möglich, die nicht selten zur Einschränkung der Beweglichkeit führen. Die Behandlung des Nagelpilzes muss sehr gewissenhaft und konsequent betrieben werden.

Älterer Mann im Portrait
Im Alter können Nagelpilzinfektionen häufiger auftreten. Eine regelmäßige fachgerechte Pflege der Nägel kann das verhindern.
Getty Images/Digital Vision

Einer kanadischen Studie zufolge leiden etwa 18 Prozent der 60- bis 79-Jährigen an Nagelpilzinfektionen, im Gegensatz dazu weniger als 1 Prozent der unter 19-Jährigen. Im Alter liegen bestimmte Faktoren vor, die das Auftreten von Nagelpilzinfektionen, begünstigen.

Dazu gehört, dass die Funktionsfähigkeit des Immunsystems generell nachlässt und Keime weniger effektiv bekämpft werden können. Zudem leiden ältere Menschen häufiger an Krankheiten, welche die Immunabwehr zusätzlich schwächen.  Diabetes oder arterielle Verschlusskrankheiten, aber auch Mangelernährung oder Fettleibigkeit, sind dabei besonders zu nennen. Oftmals liegen sogar verschiedene Erkrankungen nebeneinander vor. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Immunsuppressiva bei Rheuma oder nach Transplantationen mindert die Abwehrkraft des Immunsystems.

Schutzfunktionen gegen Nagelpilz nehmen im Alter ab

Hinzu kommt, dass sich der Zustand der Haut mit zunehmendem Alter verschlechtert. Dies ist besonders auf das Nachlassen der Schweißdrüsenfunktion zurückzuführen. Die Haut wird dünner und der Feuchtigkeitsanteil sinkt: Schuppige, spröde Haut ist die Folge. Verletzungen, aufreißende Wunden oder Schrunden sind eher möglich und ergeben gute Eintrittsmöglichkeiten für Pilzerreger.

Auch die Beschaffenheit der Nagelplatten ist im Alter generell verändert, so dass Pilzerreger leichter eindringen und sich schnell ausbreiten können. Nicht selten kommt es zusätzlich zu sogenannten dystrophischen Veränderungen der Nagelplatte. Das sind Strukturveränderungen aufgrund von Mangelversorgung. Auch sie begünstigen das Auftreten von Nagelpilzinfektionen und machen die Behandlung so schwierig.

Folgen einer ausbleibenden Nagelpilz-Behandlung

Generell bei kann eine Pilzinfektion bei älteren Menschen schwer verlaufen und chronisch werden. Ohne Behandlung des Nagelpilzes stehen zunächst hässliche Verfärbungen der Nägel und Veränderungen in der Nagelkonsistenz im Vordergrund. In Abhängigkeit vom Erreger zeigen sich weiße, gelbe, braune, bei Schimmelpilzerregern auch schwarz verfärbte Bereiche am Nagel. Die Nägel werden brüchig, schuppig und bröselig. Während die Symptome im Anfangsstadium einer Nagelpilzerkrankung auf kleinere Nagelareale begrenzt sind, breiten sie sich im weiteren Verlauf auf den gesamten Nagel – und nicht selten auch auf benachbarte Nägel – aus.

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Doch mit diesen ästhetischen Beeinträchtigungen ist nicht getan. Bleibt die Behandlung von Nagelpilz aus, verlieren die betroffenen Nägel ihre Funktionstüchtigkeit. Teile der Nagelplatte können sich ablösen (Onycholyse). Im Extremfall löst sich der gesamte Nagel auf. Gelegentlich kommt es auch zu schweren Verformungen der Nägel und zu einem verkrümmten Nachwachsen. Nicht selten werden Entzündungen des Nagelwalls (Paronychien) beobachtet.

Nagelpilz kann im Alter zu Sekundärinfektionen führen

Die genannten Symptome führen bei vielen Betroffenen zu erheblichen Beschwerden. Sie klagen über Schmerzen, die durch den Druck der Schuhe auf die beschädigten Nägel entstehen und über Schmerzen beim Gehen. Die Beschwerden können dabei so stark sein, dass die Mobilität deutlich eingeschränkt ist. Bei Menschen mit Diabetes können sich als Folge einer Nagelpilzinfektion besonders an den Füßen schwerwiegende bakterielle Sekundärinfektionen entwickeln, die bisweilen sogar zur Fußamputation führen.

Wenn Verdacht auf Nagelpilz besteht, sollten besonders ältere Menschen schnell handeln, denn Nagelpilzinfektionen kommen bei ihnen nicht nur häufiger vor, sondern verlaufen aus genannten Gründen oft auch schwerer. Frühzeitige Erregertests durch den Arzt und eine Behandlung möglichst im Anfangsstadium der Nagelpilzinfektionen sorgen dafür, dass Nagelpilz kein Dauerproblem wird.

Nagelpilz im Alter effektiv behandeln

Viele Senioren entdecken an sich zwar die typischen Symptome, trauen sich aber aus Furcht vor der vermeintlich schmerzhaften Behandlung nicht zum Arzt. Dabei ist diese Angst völlig unbegründet, denn Nagelpilzinfektionen werden mit Salben, speziellen Nagellacken oder Tabletten behandelt. Bei älteren Patienten können bisweilen spezielle medikamentöse Therapien nötig sein.

Tabletten: Bei schwerem Pilzbefall erforderlich

Bei der medikamentösen Therapie stehen Präparate zur äußerlichen Anwendung wie zum Beispiel Salben oder Nagellacke zur Verfügung. Daneben gibt es Medikamente in Tablettenform. Bei der Einnahme von Tabletten ist das Risiko für Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen immer größer als bei äußerlichen Anwendungen. Dennoch ist die so genannte systemische Therapieform (Einnahme von Tabletten) manchmal der einzige Weg, den Nagelpilz vollständig und langfristig zu bekämpfen, weil nicht nur oberflächliche Krankheitsherde erreicht werden. Dies kann besonders bei Pilzinfektionen in fortgeschrittenen Stadien nötig sein.

Wechselwirkungen beachten!

Eine besondere Therapieempfehlung für ältere Patienten gibt es nicht. Doch liegen bei Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter oftmals mehrere Krankheiten nebeneinander vor, die mit einer Reihe von Medikamenten behandelt werden müssen. Werden die Medikamente in Form von Tabletten eingenommen, kann es leicht zu Wechselwirkungen mit den Antipilz-Tabletten kommen, das heißt Wirkungsverstärkungen oder Abschwächungen können eintreten.

Zudem werden die Antipilz-Tabletten in der Leber verarbeitet und über die Niere ausgeschieden. Beide Organe sind also erheblichen Belastungen ausgesetzt, gerade wenn neben dem Pilz-Medikament andere systemische Medikamente zur Anwendung kommen. Daher kann es bei älteren Menschen mit verschiedenen Erkrankungen sinnvoll sein, dass der Arzt bei der Therapie von Nagelpilz auf Tabletten verzichtet und eine äußerliche Therapieform auswählt. Möglich ist dies, weil es heute bereits sehr effektive lokal anzuwendende Medikamente gibt.

Nagelpilz-Behandlung dauert bei älteren Menschen oft länger

Die Behandlung von Nagelpilz ist langwierig. Die Mittel zur lokalen Anwendung müssen oftmals über Wochen oder Monate aufgetragen werden, damit der Pilz nachhaltig bekämpft wird. Sonst besteht die Gefahr, dass die Infektion wieder aufflammt. Bei Zehennägeln dauert die komplette Erneuerung der Nägel in der Regel etwa sechs Monate, bei älteren Patienten oftmals deutlich länger, da Wachstumsgeschwindigkeit und Regenerationsfähigkeit der Nägel altersbedingt vermindert sind.

Dies kann dazu führen, dass die ohnehin schon lange Behandlungsdauer bei älteren Menschen einen noch größeren Zeitraum in Anspruch nimmt. Grundsätzlich sollte vor der örtlichen Behandlung von Nagelpilz bei älteren Menschen sichergestellt werden, dass der Betroffene noch so beweglich ist, dass er die Behandlung selbst durchführen oder eine andere Person helfen kann.

Nagelpilz-Behandlung im Pflegeheim

Bei Heimbewohnern sollten Pflegekräfte, die bei der Körperpflege behilflich sind sowie medizinische Fußpfleger und pflegende Angehörige auf erste Krankheitszeichen achten. Im Altersheim sollte jeder Bewohner ein eigenes Nagelpflegeset besitzen, mit dem die medizinische Fußpflegerin oder die Altenpflegekraft arbeiten kann.

Im Heim muss der Bewohner immer zustimmen, dass ihm die Nägel geschnitten werden, sonst handelt es sich um Körperverletzung. Insgesamt sollte die Nagelpflege natürlich respektvoll erfolgen, Arbeitsschritte erläutert und die Wünsche des alten Menschen erfragt und berücksichtigt werden.

Die Nägel werden am besten direkt nach dem Baden oder Duschen mindestens alle zwei Wochen gepflegt. Die Pflegekraft darf dabei keine spitzen Gegenstände benutzen, da Verletzungen zu schlecht heilenden Wunden führen – nicht nur bei Diabetikern. Es ist schonender und risikoärmer, die Nägel zu feilen. Dabei immer nur in eine Richtung arbeiten, sonst wird das Nagelende brüchig. Um ein Einwachsen zu verhindern, werden Fußnägel gerade gekürzt. Am Ende der Nagelpflege sollte die Pflegekraft ein Hautpflegemittel einmassieren.

Wenig Zeit: Nagellack hilft

Für Pflegekräfte und pflegende Angehörige ist der nicht unerheblich Aufwand einer Nagelpilzbehandlung bei den Bewohnern oft nicht praktikabel. Abfeilen, anfeilen, auftragen, trocknen lassen: dafür bleibt bei der Morgentoilette fast keine Zeit. Die Behandlung mit wasserlöslichem medizinischen Nagellack erleichtert die Behandlung. Dieser wird zwar täglich, aber ohne vorheriges Feilen auf den Nagel aufgetragen. Dort zieht er in den befallenen Nagel ein und trocknet rasch.

Nagelpilz erkennen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2016
Durch: es
Quellen: http://dermatology.cdlib.org/113/reviews/elderly/scheinfeld.html; Siegfried Nolting, Horst Ulbricht: Nagelpilzinfektionen bei Senioren. In: Haut. Dermatologie, Phlebologie, Allergologie. Heft 6. September 2003; P. Mayser et all: Mykosen bei Diabetikern. Therapie und Prophylaxe;

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