"Sandkorngefühl" im Auge

Sicca-Syndrom: Was tun gegen trockene Augen?

Ein Beschwerdebild, mit dem man im Alltag oft konfrontiert wird, sind zu trockene Augen, das sogenannte Sicca-Syndrom. Vor allem Frauen zwischen 50 und 70 klagen über die lästigen Begleitsymptome wie Fremdkörper- und Druckgefühle, brennende Schmerzen, rot-geschwollene Lider und reichlich Tränenfluss.

Frau trinkt Wasser
Regelmäßiges Trinken kann trockenen Augen vorbeugen
(c) Stockbyte

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratokonjunktivitis sicca oder Dry-Eye-Syndrom) entstehen dann, wenn nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird oder ihre Zusammensetzung gestört ist. Dies führt dazu, dass der Tränenfilm auf der Augenoberfläche zu früh (das heißt vor dem nächsten Lidschlag) aufreißt, es entstehen trockene Stellen.

Als Folge davon können die Augenlider beim Lidschlag nicht mehr problemlos über die Augen gleiten. Sie kratzen über die Augenoberfläche, was nicht nur zu unangenehmen Empfindungen führt, sondern auch Entzündungen und Infektionen begünstigen und zu Schäden an der äußeren Schicht der Augenoberfläche, der Hornhaut, führen kann.

In vielen Fällen werden die Beschwerden jedoch von den Betroffenen als nicht behandlungsbedürftig angesehen und es erfolgt keine oder nur eine unzureichende Therapie. Doch das trockene Auge ist keine harmlose Befindlichkeitsstörung, es ist die häufigste Ursache für eine Hornhaut-Perforation und kann zur Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung führen.

Etwa jeder dritte Patient einer augenärztlichen Praxis leidet unter trockenen Augen. Man geht davon aus, dass in Deutschland rund zehn Millionen Menschen von verschieden stark ausgeprägtem Sicca-Syndrom betroffen sind, darunter mehr Frauen als Männer, was vor allem auf die hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren zurückgeführt wird.

Symptome: die häufigsten Beschwerden bei trockenen Augen

Das Sicca-Syndrom entsteht dann, wenn nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird oder ihre Zusammensetzung gestört ist. Dies führt dazu, dass der Tränenfilm auf der Augenoberfläche zu früh (das heisst vor dem nächsten Lidschlag) aufreißt, es entstehen trockene Stellen. Als Folge davon können die Augenlider beim Lidschlag nicht mehr problemlos über die Augen gleiten. Sie kratzen über die Augenoberfläche, was nicht nur zu unangenehmen Empfindungen führt, sondern auch Entzündungen und Infektionen begünstigen und zu Schäden an der äußeren Schicht der Augenoberfläche, der Hornhaut, führen kann.

Folgende Symptome sind die häufigsten Anzeichen für das Sicca-Syndrom:

  • Juckreiz
  • Augenbrennen
  • Augenschmerzen, -drücken
  • Fremdkörpergefühl ("Sandkorngefühl")
  • Lidschlag wird als unangenehm empfunden
  • gerötete Bindehaut
  • verklebte Augenlider nach dem Aufwachen
  • übermäßiges Tränen der Augen
  • müde Augen
  • Lichtempfindlichkeit
Gesunde Augen mit Genuss

Ursachen für trockene Augen

Zu seinem Schutz überzieht das Auge ein dünner Tränenfilm, der sich aus Lipiden, wässrigen und mukösen Komponenten zusammensetzt. Kontinuierliche Lidschläge sorgen dafür, dass die in verschiedenen Drüsen des Auges produzierte Tränenflüssigkeit gleichmäßig über den vorderen Bereich von Augenhorn- und Bindehaut verteilt wird und der Schutzfilm nicht reißt. Benetzungsstörungen der Augenoberfläche und die darauf folgende mangelnde Befeuchtung stecken hinter dem Sicca-Syndrom.

Oft lassen sich keine eindeutigen Auslöser finden. Trockene Büro- und Heizungsluft fördern die Verdunstung des Tränenfilms. Auch Bildschirmarbeit, Umweltschadstoffe, Wind und Sonne belasten die Augen.

Meist sind für das Sicca-Syndrom innere und äußere Ursachen verantwortlich. Zu den äußeren Faktoren bei trockenen Augen (Sicca-Syndrom) zählen:

  • langer Aufenthalt in Räumen mit Klimaanlage
  • Zugluft oder überheizte Räume (geringe Luftfeuchtigkeit)
  • Gebläse im Auto
  • Ozon (auch aus Kopiergeräten, Druckern)
  • Zigarettenrauch
  • lang andauernde und konzentrierte Bildschirmarbeit (durch zu geringe Lidschlag-Frequenz (zwinkern) verdunstet der Tränenfilm stärker)
  • unzureichende Beleuchtung des Arbeitsplatzes
  • Unverträglichkeit von Kontaktlinsen
  • unzureichende Brille
  • Konservierungsmittel (etwa Benzalkoniumchlorid) in Augentropfen, die gegen andere Augenerkrankungen angewendet werden (zum Beispiel gegen Glaukom)

Zu den "inneren" Faktoren zählen:

  • altersbedingte Veränderungen der Schleimhäute
  • hormonell bedingte Veränderungen der Tränenflüssigkeit in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
  • Erkrankungen der Tränendrüsen (etwa Entzündungen)
  • Verengungen (Stenosen) in den abführenden Tränenwegen
  • unzureichender Schlaf
  • Vitamin-A-Mangel
  • bestimmte Erkrankungen, die mit einer verminderten Produktion von Tränenflüssigkeit einhergehen (Parkinson-Krankheit, Rheuma, Neurodermitis, Diabetes, Erkrankungen der Schilddrüse)
  • Sjörgen-Syndrom (eine Erkrankung des Immunsystems, die zusätzlich mit Mundtrockenheit verbunden ist)
  • Fehlstellungen der Augenlider

Darüber hinaus können zahlreiche Medikamente zu einer verminderten Tränenproduktion führen. Dazu zählen:

  • orale Kontrazeptiva ("Pille")
  • Mittel gegen hohen Blutdruck (Betablocker)
  • Mittel gegen Allergien (Antihistaminika)
  • Augentropfen gegen gerötete Augen ("Weißmacher")
  • Beruhigungsmittel
  • Antidepressiva
  • harntreibende Mittel

Diagnose des Sicca-Syndroms beim Augenarzt

Der Augenarzt verfügt über die verschiedenen Untersuchungsmöglichkeiten und Tests, um festzustellen, ob die Beschwerden tatsächlich von einer Störung in der Benetzung der Augenoberfläche herrühren oder ob ein anderer Grund besteht. So können Spannungsgefühl und Rötung beispielsweise auch von einer Bindehautentzündung hervorgerufen werden.

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    Viele Menschen leiden unter einem trockenen Auge. Augenärzte zählen es zu den häufigsten Krankheiten auf ihrem Fachgebiet. Aber woher kommt das trockene Auge? Testen Sie Ihr Wissen im Quiz!

Dazu untersucht der Augenarzt das Auge ganz genau. Er sieht dabei nicht nur die Oberfläche des Auges an. Auch die Falten an der Lidkante zeigen dem Experten, ob es sich um trockene Augen handelt. Auch die Höhe des Tränenfilms an der unteren Lidkante spielt dabei eine Rolle. Die Zusammensetzung des Tränenfilms untersucht der Augenarzt mit einer speziellen Spaltlampe. Auch diese Untersuchung ist wichtig, damit der Patient die richtigen Augentropfen zur Behandlung erhält, etwa mit besonders viel Lipidanteil, wenn seine Tränenflüssigkeit davon zu wenig enthält.

Schirmer-Test bei trockenen Augen

Mit dem so genannten Schirmer-Test kann der Arzt die Produktion der Tränenflüssigkeit überprüfen. Dazu führt er vorsichtig einen kleinen Papierstreifen aus speziell saugfähigen Material in den unteren Bindehautsack. Je nach Befeuchtung des Untersuchungsmaterials erkennt der Arzt, ob es sich tatsächlich um trockene Augen handelt.

Hat der Augenarzt nur ein leicht oder mäßig ausgeprätes trockenes Auge festgestellt, kann der Betroffene die Symptome in Eigenregie weiter behandeln. Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt (ein- bis zweimal jährlich) sind zu empfehlen.  

Die Diagnose trockene Augen (Sicca-Syndrom) sollte immer der Augenarzt stellen. Er verfügt über verschiedenen Untersuchungsmöglichkeiten und Test, um festzustellen, ob die Beschwerden tatsächlich von einer Störung in der Benetzung der Augenoberfläche herrühren oder ob ein anderer Grund besteht. Hat der Augenarzt nur ein leicht oder mäßig ausgeprägtes trockenes Auge festgestellt, kann der Betroffene die Symptome in Eigenregie weiter behandeln. Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt (ein- bis zweimal jährlich) sind zu empfehlen.

Augentropfen und Gele: Was hilft bei trockenen Augen?

Die häufigste Behandlungsmethode beim Sicca-Syndrom ist die Anwendung von Augentopfen, -gelen oder Salben am Auge. Dadurch wird bei trockenen Augen entweder die unzureichende Tränenflüssigkeit ersetzt ("künstliche Tränen") oder die Konsistenz des Tränenfilms verbessert. Die Zubereitungen werden bei Bedarf mehrmals täglich in den Bindehautsack getropft. Das Ziel der Therapie ist eine bessere Benetzung der Augenoberfläche und dadurch eine Linderung der Symptome.

Meist sind die Präparate zur Behandlung des Sicca-Syndroms von dickflüssiger (visköser) Konsistenz, damit sie möglichst lange auf der Augenoberfläche verbleiben. Der Nachteil ist, dass das Sehvermögen kurz nach der Anwendung manchmal eingeschränkt sein kann (verschwommenes Sehen).

Spezielle Augentropfen verwenden

Besonders empfehlenswert sind konservierungsmittelfreie Zubereitungen. Denn Konservierungsmittel wie das häufig verwendete Benzalkoniumchlorid können die Hornhaut des Auges schädigen und die Zusammensetzung des Tränenfilms negativ beeinflussen.

Bei sehr starkem Mangel an Tränenflüssigkeit kann vom Arzt eine Verödung der Tränenpünktchen (das sind die Abflussstellen der Tränenflüssigkeit) oder ein Verschluss derselben mithilfe kleiner Silikonplomben (punctum plugs) in Erwägung gezogen werden.

Was sonst noch beim Sicca-Syndrom hilft

Oft lässt sich bereits mit einfachen Schutzmaßnahmen viel zum Erhalt der eigenen Augengesundheit beitragen. Betroffene mit Sicca-Syndrom sollten zum Beispiel Zugluft und verrauchte Räume meiden. Zum Schutz vor Wind empfiehlt sich das Tragen einer Sonnen- oder Fahrradbrille. Auch ein feuchtes Raumklima und reichlich über den Tag verteilt getrunkene Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter) lindern die Symptome. Sorgen Sie bei längerer Bildschirmarbeit für ausreichende Pausen.

Trockenen Augen vorbeugen: die besten Tipps

Die heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen begünstigen das Entstehen von trockenen Augen (Sicca-Syndrom) in viel stärkerem Maße als zu Zeiten, in denen es noch keine Computer und Klimaanlagen gab. Durch verschiedene Maßnahmen kann vorgebeugt werden.

Mit folgenden Maßnahmen kann trockenen Augen (Sicca-Syndrom) vorgebeugt werden:

  • meiden von überheizten und verrauchten Räumen
  • Zugluft meiden
  • möglichst kein längerer Aufenthalt in Räumen mit Klimaanlage
  • statt Kontaktlinsen Brille tragen
  • ausreichend Schlaf zur Regeneration des Auges
  • Kosmetika im Augenbereich sparsam einsetzten
  • regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt vornehmen lassen

Bei länger andauernder Bildschirmarbeit sind folgende Maßnahmen sinnvoll:

  • auf ausreichende Beleuchtung des Arbeitsplatzes achten

  • jede Stunde eine Pause von fünf Minuten einlegen

  • häufig zwinkern (durch den Lidschlag wird der Tränenfilm erneuert)

  • auf richtigen Abstand zwischen Auge und Bildschirm (50 bis 80 Zentimeter) achten

  • Bildschirm muss blendfrei aufgestellt sein (im rechten Winkel zum Fenster)

Bei akut auftretenden Beschwerden können kühle Kompressen aufgelegt werden.

Trockene Augen: Die besten Hausmittel

Autor:
Letzte Aktualisierung: 29. September 2016
Durch:
Quellen: DAS PTA MAGAZIN 11/2009 / Von der Lifeline-Redaktion für Patienten überarbeitet

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