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Akutes Abdomen: Heftige Bauchschmerzen im Vordergrund

Ein akutes Abdomen ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine Kombination von Symptomen, allen voran heftige Bauchschmerzen. Welche Ursachen dahinter stecken könnten.

Abdomen, akutes (akuter Bauch)
Nahezu alle Patienten mit akutem Bauch leiden unter starken bis stärksten Bauchschmerzen unterschiedlicher Qualität.
(c) Stockbyte

Eine Vielzahl von Erkrankungen der Organe im Bauchraum (Abdominalhöhle) können den sogenannten plötzlichen oder akuten Bauch (akutes Abdomen) hervorrufen.

Der plötzliche oder akute Bauch ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eine Zustandsbeschreibung, bei der eines oder mehrere der folgenden Leitsymptome auftreten:

  • Heftige Bauchschmerzen, die entweder plötzlich oder langsam einsetzend auftreten können
  • Berührungsempfindlichkeit des Bauchraums, eventuell mit einer unwillkürlichen Abwehrspannung
  • Störung der normalen Magen-Darm-Tätigkeit: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall , Stuhlverhalt
  • Kreislaufstörungen bis hin zum Schock

Der akute Bauch kann von einer Vielzahl an Erkrankungen der Organe und Strukturen im Bauchraum (Abdomen) oder auch im angrenzenden Brustraum (Lungenentzündung, Brustfellentzündung, Herzinfarkt) hervorgerufen werden. Einige der potenziellen Ursachen stellen akut lebensbedrohliche Zustände dar. Das Ausmaß der Schmerzen lässt dabei nicht unbedingt auf die Schwere der zugrunde liegenden Krankheit rückschließen. Aus diesem Grund ist eine rasche und sichere Abklärung der Ursache von höchster Wichtigkeit.

Führend, und das häufigste Symptom des akuten Bauchs, sind starke bis stärkste Bauchschmerzen unterschiedlicher Qualität (nahezu hundert Prozent der Patienten). Sowohl an- und abschwellende (kolikartige) Schmerzen als auch Dauerschmerzen treten auf. Zusätzlich finden sich in Abhängigkeit von der Grunderkrankung Begleitsymptome wie Übelkeit, Darmbewegungsstörungen (Peristaltikstörungen), Erbrechen, Fieber, Blässe oder Kaltschweißigkeit.

Die Situation erfordert rasches ärztliches Handeln. Die Patienten sollten daher umgehend unter ärztlicher Begleitung in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Hier kann durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Internisten und Chirurgen schnell geklärt werden, welche Ursache dem akuten Bauch zugrunde liegt.

Akutes Abdomen: Symptome

Die wichtigsten Krankheitszeichen beim akuten Abdomen (akuter Bauch) sind: Schmerzen, Darmbewegungsstörungen und sogenannte vegetative Symptome (Blässe, Kaltschweißigkeit, Erbrechen, Schwitzen, Unruhe). Diese Krankheitszeichen können sich sehr dramatisch äußern und müssen in jedem Fall zu einer schnellstmöglichen ärztlichen Behandlung führen.

Die wichtigsten Krankheitszeichen (Leitsymptome) beim akuten Abdomen (akuter Bauch) sind:

• Starke bis stärkste Bauchschmerzen, die plötzlich oder langsam einsetzend auftreten können

• Berührungsempfindlichkeit des Bauchraums / Abwehrspannung der Bauchdecke

• Störung der normalen Magen-Darm-Tätigkeit: Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Stuhlverhalt

• Kreislaufstörung bis hin zum Schock

Die Schmerzen können je nach Ursache dumpf, stechend oder krampfartig (kolikartig) sein. Bei entzündlichen Prozessen sind sie oft langsam zunehmend. Perforationen oder Verletzungen führen initial hingegen zu einem heftigen Schmerzereignis. Kolikartige Schmerzen treten typischerweise beim Verschluss eines Hohlorgans (Darmverschluss, Nierensteine, und Ähnliches) auf.

Die Lokalisation des Schmerzes ist oft nur zu Beginn der Erkrankung möglich. Mit der Zeit strahlt der Schmerz zunehmend in den gesamten Körper aus.

In den meisten Fällen ist das Bauchfell gereizt, was sich durch eine sogenannte Abwehrspannung zeigt. Der Bauch scheint prall-gespannt und ist äußerst berührungs- und druckempfindlich. Je nach Ursache kann es zu Darmbewegungsstörungen kommen, die sich entweder durch Stuhlverhalt oder Durchfall äußern. In einigen Fällen treten auch Übelkeit und Erbrechen auf.

Es ist zu beachten, dass vor allem bei älteren Menschen und Kleinkindern das Krankheitsbild häufig verschleiert ist, da die Schmerzwahrnehmung beziehungsweise die Ausdrucksmöglichkeiten eingeschränkt sind. Schmerzen können daher nicht immer als Maß für die Gefährlichkeit der zugrunde liegenden Erkrankungen gewertet werden.

Zumal auch Blutungen nicht immer mit Schmerzen einhergehen. In diesem Fall sind Kaltschweißigkeit, Blässe und Schwindel infolge des Blutvolumenmangels oft die ersten Symptome.

Bei besonders schweren Verläufen kann es innerhalb kürzester Zeit zu einer Schocksymptomatik kommen. Aufgrund möglicher schnell einsetzender Komplikationen sollten die Patienten in jedem Fall mit Arztbegleitung ins Krankenhaus transportiert werden.

Eine Vielzahl von Erkrankungen der Organe im Bauchraum (Abdominalhöhle) können den sogenannten plötzlichen oder akuten Bauch (akutes Abdomen) hervorrufen.

Akutes Abdomen: Ursachen

Die Liste aller Erkrankungen, die zu dem Symptomkomplex des akuten Abdomens führen können, ist sehr lang. In den meisten Fällen sind die Ursachen jedoch entweder auf Entzündungsprozesse, direkte Verletzungen, mechanische Einwirkungen oder auf Blutungen beziehungsweise Durchblutungsprobleme zurückzuführen.

Neben Entzündungsprozessen, direkten Verletzungen, mechanischen Einwirkungen und Blutungen gibt es eine Vielzahl von Erkrankungen, die zu dem Symptomkomplex des akuten Abdomens führen können, obwohl sie nicht die Bauchhöhle selbst betreffen. Hierzu gehören beispielsweise Herzinfarkte oder auch Bandscheibenvorfälle. Statistisch gesehen ist in der Altersgruppe der unter 50-Jährigen die Blinddarmentzündung (32 Prozent) und in der Altersgruppe der über 50-Jährigen eine Gallenblasenentzündung (21 Prozent) die häufigste Ursache eines akuten Abdomens.

Entzündungsprozesse lösen akutes Abdomen aus

Entzündungen in den einzelnen Bauchorganen können zu Schäden an der Organwand führen, diese durchbrechen (Perforation) und so in die Bauchhöhle übertreten. Die Folgen sind eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) und meistens ein Darmverschluss (paralytischer Ileus aufgrund einer Lähmung der Darmmuskulatur). Beide Krankheitsbilder führen zu einem akuten Abdomen. Ein Sonderfall ist die Bauchspeicheldrüsenentzündung. Hier kommt es zum Austritt von Verdauungsenzymen, die dann an umliegenden Strukturen Schäden verursachen.

Folgende entzündliche Erkrankungen sind häufig Ursache eines akuten Abdomens:

• Blinddarmentzündung (Appendizitis)

• Durchgebrochenes Magen- oder Dünndarmgeschwür

• Divertikulitis

• Akute Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

• Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

• Eileiterentzündung

• Perforation einer Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft (extrauterine Schwangerschaft) mit anschließender Entzündung

Direkte Verletzungen

Prinzipiell wird zwischen zwei Formen von Verletzungen unterschieden:

• Geschlossene (stumpfe) Bauchverletzungen

• Offene (perforierende) Bauchverletzungen

Ein verletzungsbedingtes akutes Abdomen liegt dann vor, wenn von außen einwirkende Gewalt auf die Bauchdecken zu einer Verletzung der im Bauch gelegenen Organe geführt hat. Das in die Bauchhöhle austretende Blut wirkt wie ein Fremdkörper auf den Organismus und bewirkt die Krankheitszeichen des akuten Abdomens. Außerdem kann der starke Blutverlust zu einem Volumenmangelschock führen. Neben Blut kann auch Organinhalt wie beispielsweise Magen-Darm-Inhalt in die Bauchhöhle gelangen und zusätzlich eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) verursachen.

Mechanische Einwirkungen

Mechanische Ursachen im Abdomen können zu einem Darmverschluss (sogenannter mechanischer Ileus) führen, der mit einem akuten Bauch einhergeht. Häufige Ursachen sind:

• Tumore

• Eingeweidebrüche (Hernien)

• Divertikulitis

• Morbus Crohn

• Fremdkörper

• Kotsteine

• Verwachsungen*

Blutungen

Blutungen können grundsätzlich an allen Organen im Bauchraum entstehen. Freies Blut in der Bauchhöhle wirkt auf den Organismus wie ein Fremdkörper und löst daher die beschriebenen Krankheitszeichen des akuten Abdomens aus. Mindestens ebenso schwerwiegend ist der Blutverlust als solcher, der aufgrund des Blutvolumenmangels zu einer Schocksymptomatik führen kann.

Die häufigsten Entstehungsmechanismen sind Verletzungen von außen, beispielsweise als Folge eines Verkehrsunfalles. Weiterhin sind unbehandelte, die Organwand durchbrechende, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre eine nicht seltene Blutungsquelle. Ebenso kann das Zerreißen einer angeborenen oder erworbenen Aussackung der Wand der großen Bauchschlagader (rupturiertes Aortenaneurysma) zu einer massiven Blutung in den Bauchraum führen.

Plötzlich einsetzende Durchblutungsstörungen

Die durch Erkrankung der Blutgefäße bedingten Ursachen für ein akutes Abdomen reichen von Gefäßverschlüssen (zum Beispiel durch Gefäßverkalkung) über Thrombosen der Blutadern bis hin zu mangelnder Blutversorgung einer Region oder eines Organs durch eine Wandaussackung der großen Hauptschlagader des Bauchs. Eine Folge davon ist zum Beispiel der sogenannte Mesenterialinfarkt, der dazu führt, dass Teile des Verdauungstrakts bis hin zum gesamten Organ durch einen Verschluss der versorgenden Blutgefäße absterben.

Akutes Abdomen: Diagnose

Das akute Abdomen ist ein medizinischer Notfall, der vor einer schnellen Behandlung, vor allem rasche, aber gründliche Maßnahmen zur Bestimmung der zugrunde liegenden Gesundheitsstörung erfordert. Wichtige Untersuchungen sind die ärztliche Befragung, die körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen, Ultraschall und/oder Computertomografie des Bauchraums und gegebenenfalls Röntgenaufnahmen von Bauch- und Brustraum.

Die Diagnose akutes Abdomen wird in der Regel klinisch gestellt, das heißt die Vorgeschichte der Erkrankung (Anamnese) und der körperliche Untersuchungsbefund sind die Hauptsäulen der Diagnostik. Der Patient oder seine Angehörigen geben durch die Beschreibung des Krankheitsverlaufs wichtige Hinweise auf den Entstehungsgrund. Auch ob der Patient noch selbstständig die Praxis oder die Klinik aufsuchen kann, oder ob er mit dem Krankenwagen gebracht werden muss, ist bereits ein Kriterium zur Beurteilung der Schwere der Erkrankung.

Bei der körperlichen Untersuchung, die in der Regel am liegenden Patienten durchgeführt wird, ist vor allem die Beurteilung der Bauchdecke wichtig. Ist sie gespannt und druckempfindlich, kann das ein Hinweis auf eine Bauchfellreizung oder -entzündung sein. Kann der Arzt noch Darmgeräusche mit dem Stethoskop hören oder hat der Darm seine Tätigkeit aufgrund schwerwiegender Störungen im Bauchraum eingestellt? Genauso wichtig ist die Kontrolle von Puls, Blutdruck, Atmung und Körpertemperatur um ein Gesamtbild vom Zustand des Patienten zu bekommen.

Untersuchung des Enddarms (rektale Austastung)

Die Untersuchung des Enddarms durch Austasten mit dem Finger komplettiert die ärztliche Untersuchung. Bei dieser Untersuchung können Engstellen oder Geschwulste (Tumore) getastet werden. Bei Blutungen im unteren Verdauungstrakt sieht man Blut am behandschuhten Finger. Das Fehlen von Stuhlgang am Finger kann ein wichtiger Hinweis auf Passagestörungen sein (verdächtig für einen Darmverschluss).

Mit der Anamneseerhebung und der körperlichen Untersuchung erhält der Arzt in der Regel die maßgeblichen Hinweise, welche weiterführenden apparativen Untersuchungen notwendig sind.

Blutuntersuchung

Bestimmte Blutuntersuchungen können ebenfalls nützliche Hinweise auf Entstehungsmechanismen und Erkrankungen geben. Als Beispiele seien hier nur erwähnt: die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen, Entzündungsmarker (etwa Blutsenkungsgeschwindigkeit oder der CRP-Wert), Blutzucker- sowie Leber-, Nieren- und Elektrolytwerte (zum Beispiel Natrium, Kalium). Je nach vermuteter Ursache kann der Arzt zudem Enzyme (Eiweiße) der Bauchspeicheldrüse und Gerinnungsfaktoren bestimmen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte zudem ein Schwangerschaftstest erfolgen.

Ultraschall

Ergänzend wird in den meisten Fällen eine Ultraschalluntersuchung der Bauchhöhle durchgeführt. Mit dieser Untersuchungsmethode wird u.a. nach freier Flüssigkeit im Bauchraum gesucht. Im Zuge der Diagnostik können nun beispielsweise Blut und Eiter, aber auch durch Entzündung freigesetztes Gewebswasser (seröse Flüssigkeit), als freie Flüssigkeit dargestellt und beurteilt werden. Gleichzeitig begutachtet der Arzt die einzelnen Organe; Kontur-, Gewebs- oder Oberflächenveränderungen können Hinweise auf etwaige Verletzungen oder Erkrankungen geben (zum Beispiel Milzriss).

Röntgenaufnahmen

Neben der Ultraschalluntersuchung werden u. U. Röntgenaufnahmen von Lunge und Bauch (Thorax und Abdomen) durchgeführt. Die Aufnahmen des Bauchraumes sollten, soweit möglich, in Rücken- und Linksseitenlage angefertigt werden. Anhand der Röntgenbilder kann der Arzt zum Beispiel Fremdkörper oder Kotsteine erkennen. Der Nachweis von freier Luft kann Auskunft über eine etwaige Verletzung von lufthaltigen Hohlorganen (zum Beispiel Magen oder Darm) geben.

Computertomographie

Mithilfe der Computertomographie (CT) lässt sich ebenfalls freie Luft in der Bauchhöhle darstellen. Dank der heute verfügbaren schnellen und hochauflösenden Computertomographen ist es zudem möglich, Verdachtsdiagnosen zu überprüfen oder mögliche Komplikationen frühzeitig aufzudecken. Nicht selten findet der Arzt mit dieser Methode auch Ursachen des akuten Abdomens, an die er zuvor nicht gedacht hatte, und kann so seine Therapieentscheidungen erweitern. Der CT-Einsatz nimmt daher bei der Diagnose des akuten Abdomens immer mehr zu.

Bauchspiegelung

In bestimmten Situationen kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) zur Klärung der Diagnose beitragen. Dieses Verfahren, auch bekannt als Schlüssellochchirurgie, wird unter Vollnarkose durchgeführt. Über eine Kanüle, die meist unterhalb des Nabels eingestochen wird, wird Kohlendioxid-Gas in die Bauchhöhle eingebracht. Dieses Vorgehen ist notwendig, um bessere Sichtverhältnisse zu erreichen und in der Bauchhöhle Platz zu schaffen für die nachfolgenden Maßnahmen, bei denen eine unbeabsichtigte Verletzung der inneren Organe selbstverständlich vermieden werden soll.

Über eine Hülse (Trokar), die ebenfalls im Bereich des Nabels eingeführt wird, schiebt der Operateur die Optik ein, über die er einen Überblick über die Verhältnisse in der Bauchhöhle (Abdominalhöhle) gewinnt. Weitere Schnitte können - je nach Notwendigkeit - für Hülsen zur Einbringung von Instrumenten angelegt werden. Der Arzt inspiziert den gesamten Bauchraum, wobei er sein besonderes Augenmerk auf Organe richtet, von denen er weiß, dass sie häufig Ursache für ein akutes Abdomen sind, wie zum Beispiel der Blinddarm (Appendizitis). Er achtet selbstverständlich auch darauf, ob Blut oder Eiter in der Bauchhöhle zu sehen sind.

Akutes Abdomen: Therapie

Ziel der Behandlung des akuten Abdomens sind die Stabilisierung der lebenswichtigen Funktionen des Organismus (zum Beispiel Atmung und Herzfunktion) und die dauerhafte Beseitigung der Ursache für die Beschwerden. In Abhängigkeit von der Krankheitsursache erfolgt die adäquate Behandlung, zum Beispiel durch eine Operation.

Prinzipiell können dem akuten Abdomen sowohl Erkrankungen zugrunde liegen, die eine sofortige Operation erfordern, als auch Erkrankungen, die mit einer konservativen, nicht-operativen Therapie behoben werden können.

Die Ziele der Behandlung des akuten Abdomens sind zum einen die Stabilisierung der lebenswichtigen Funktionen des Organismus (Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel und Ähnliches) und zum anderen die dauerhafte Beseitigung des Schadens, der die Beschwerden hervorruft. Gegebenenfalls muss dafür eine vorübergehende Einschränkung der Lebensqualität (etwa wegen eines künstlichen Darmausgangs) in Kauf genommen werden.

Sobald die Ursachen geklärt sind, kann die Therapie gegebenenfalls nachjustiert werden. Kann trotz Einsatz verschiedener Untersuchungsverfahren keine Diagnose gestellt werden und verschlechtert sich der Zustand des Patienten, entscheiden sich die Ärzte im Zweifelsfall oft für eine Notoperation.

Offene allgemeinchirurgische Behandlung

Das Standardvorgehen beim Vorliegen eines akuten Abdomens ist in der Allgemeinchirurgie die operative Therapie im Sinne der Eröffnung der Bauchhöhle (Laparotomie). Welche Schnittführung dabei gewählt wird, ist abhängig von dem Ort des vermuteten Schadens im Bauchraum. Die vielseitigste Methode stellt der sogenannte Mittelschnitt (mediane Laparotomie) dar, bei der ein Schnitt in der Mittellinie des Bauchs, in der Regel links um den Nabel herum, angelegt wird. Je nach Ursprung der Erkrankung wird dann die Organregion operativ dargestellt, die die Beschwerden verursacht. So wird zum Beispiel eine entzündete Gallenblase entfernt, eventuell entstandene Eiteransammlungen (Abszesse) ausgeräumt, verletzte Organe - wenn möglich - genäht oder entfernt (zum Beispiel die Milz) und Blutungen gestillt.

Bauchspiegelung als Behandlungsverfahren

Die Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder sogenannte Schlüssellochchirurgie kann in manchen Fällen nicht nur der Diagnosefindung dienlich sein, sondern auch zu Maßnahmen der Behandlung genutzt werden.

Es ist beispielsweise möglich, gut zugängliche Verwachsungsstränge zwischen den Darmschlingen (Briden), welche die Darmbewegung behindern, zu lösen und zu beseitigen.

Beim mechanischen Darmverschluss und ausgeprägten Entzündungen im Bauchraum ist die Bauchspiegelung jedoch nur eingeschränkt nutzbar, da die Ursache für den Darmverschluss auf diesem Weg meist nicht behoben werden kann und das Darmgewebe bei Entzündungen durch die eingebrachten Hülsen und Instrumente sehr leicht zu verletzen ist.

Nicht allgemeinchirurgische Behandlung

Nicht-chirurgische Erkrankungsbilder, die zum Beschwerdebild des akuten Abdomens führen, werden selbstverständlich einer Therapie aus dem entsprechenden Fachgebiet zugeführt:

• Harnleitersteine werden in der Urologie behandelt

• Eileiterentzündungen werden in der Gynäkologie therapiert

• Lungenentzündungen werden in der Inneren Medizin/Pneumologie behandelt

• Herzhinterwandinfarkte werden in der Inneren Medizin/Kardiologie therapiert

• Die Entgleisung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) wird in der Inneren Medizin/Diabetologie behandelt

 

Akutes Abdomen: Vorbeugen

In etlichen Fällen können keine wirksamen Maßnahmen zur Vorbeugung eines akuten Abdomen getroffen werden (etwa bei einer Blinddarmentzündung, Verletzungen). Liegt hingegen eine Vorerkrankung wie Diabetes vor, sollte diese gut eingestellt und ärztlich überwacht werden. Ebenso kann durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichender körperlicher Bewegung Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht vorgebeugt werden. Damit kann das Risiko einiger Ursachen des akuten Abdomens vermindert werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Mai 2017
Quellen: C.Graeb; M. Reiser; K.-W. Jauch; A. Graser: Akutes Abdomen - Klinische Begriffsbestimmung und Anforderungen an die Bildgebung; Der Radiologe: 50: 209-213; 2010; Springer Medizin C.-M. Reng; S. Grüne: Akutes Abdomen; Intensivmedizin: 47: 225-237; 2010; Springer Medizin J. Mösner: Akutes Abdomen; Internist: 46: 974-981; 2005; Springer Medizin

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