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Stress & Burnout

Arbeitssucht: Flucht vor der inneren Leere

Der Arbeitssüchtige ist auf den ersten Blick eine schillernde Figur: Seine Selbstdisziplin, Leistungsfähigkeit und Ausdauer werden allseits bewundert. Auch verdient er gut und kann sich den einen oder anderen Luxus leisten. Doch wer genauer hinschaut, bemerkt: Glücklich ist der gewohnheitsmäßige Schwerarbeiter nicht. Möglicherweise leidet er sogar unter Depressionen.

Arbeitssucht ist oft eine Flucht vor Konflikten z.B. mit dem Partner. Manchmal ist es auch eine innere Leere, der der Arbeitssüchtige durch einen 14-Stunden-Tag im Büro auszuweichen versucht. "Er stürzt sich in die Arbeit, um die Probleme nicht spüren zu müssen", sagt Werner Gross, Psychotherapeut am psychologischen Forum Offenbach und Autor des Buches "Sucht ohne Drogen".

Nicht jeder, der über eine gewisse Zeit viel schuftet, ist jedoch automatisch arbeitssüchtig. Der Workaholic ist nach Angaben des Gesamtverbandes Sucht im Diakonischen Werk Kassel vor allem charakterisiert durch:


  • Außenorientierung: Der Arbeitssüchtige beurteilt sich selbst nach seinen Leistungen und sieht seine Existenz durch seine Arbeit begründet. Er meint ständig etwas Lohnendes tun zu müssen.


  • Unfähigkeit zu entspannen: Arbeitssüchtige haben meistens einen erhöhten Adrenalinausstoß, der Zustände der Entspannung verhindert. Hinzu kommt, dass es für Arbeitssüchtige beängstigend ist, sich der Muße hinzugeben. Denn mit dem Nichtstun kommen oft auch die Probleme hoch, vor denen sie gerade flüchten. Um für ein gewisses Maß an Entspannung zu sorgen, greifen sie zu Alkohol, Medikamenten und Drogen.


  • Mangelnde Selbsteinschätzung: Workaholics haben ein äußerst schwankendes Selbstbild: Mal halten sie sich für äußerst fähig, dann wieder für völlig inkompetent. Das führt oft dazu, dass sie Versprechen machen, die sie nicht einhalten können.

  • Verleugnung: Der Workaholic relativiert seine Sucht und sagt z.B.: "Ich weiß, dass ich arbeitssüchtig bin, aber das ist immer noch besser als manches andere." Manche Arbeitssüchtige verlieren mit der Zeit ihr Urteilsvermögen: Sie geben ihre Sucht zwar zu, halten sie aber nicht für gefährlich. Diese verklärte Sichtweise ist ein typisches Merkmal der Sucht.


  • Zwanghaftes Verhalten: Der Workaholic kann nicht anders als immer nur arbeiten. Er schafft es nicht - selbst wenn er wollte -, sein Arbeitspensum zu drosseln. Auch sein Denken ist ganz von der Arbeit beherrscht.

Dass die Arbeitssucht eine ernst zu nehmende Erkrankung ist, zeigt ein Blick auf die Folgen des zwanghaften Schuftens: Auftreten können Herz-Kreislauf-Beschwerden, Kopfschmerzen, Magen-Darm- und Schlafstörungen. Auch die Psyche leidet: Viele Arbeitswütige bekommen depressive Verstimmungen. Schwermut kann der Grund für eine Arbeitssucht sein - sehr viel häufiger steht sie aber am Ende der Sucht.

Doch warum werden Arbeitssüchtige so häufig niedergeschlagen? Einige Gründe liegen auf der Hand: Die Schlafstörungen, die zunehmende Kontaktarmut - außerdem kommen oft Probleme mit dem Partner und der Familie hinzu, die den Arbeitswütigen, wenn überhaupt, nur noch frühmorgens oder spätabends zu Gesicht bekommen.

Depression ist für Arbeitssüchtige ein Warnsignal

Sucht-Experte Gross sieht die Depression vor allem aber "als misslungenen Entspannungsversuch". Die Niedergeschlagenheit ist auf gewisse Weise ein Warnsignal. "Wenn Sie immer auf einem Karussell sind, kommen Sie nicht mehr in einen Entspannungszustand. Die Psyche nimmt sich dann eine Auszeit. Das führt zu Passivität und Versteinerung", sagt Gross. In glücklichen Fällen beginnt der Arbeitssüchtige sich zu fragen, woher seine Niedergeschlagenheit rührt. Das wäre der erste Schritt zur Heilung.


Quelle: Information des Gesamtverbandes Sucht im Diakonischen Werk Kassel auf der Internetseite von selbsthilfe.solution.de; bsmo-Gespräch mit Werner Gross, Psychotherapeut am psychologischen Forum Offenbach
Autor: Springer Medizin
Stand: Aug 27, 2007


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