Audiometrie, subjektive (Subjektiver elektroakustischer Hörtest)

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Bei der Tonaudiometrie geht es darum, dem Arzt zu signalisieren, ab welcher Lautstärke ein vorgespielter Ton gehört wird.
PantherMedia / Wolfgang Flötin

Die subjektive Audiometrie ist eine Untersuchung der Hörfähigkeit mit Hilfe eins Audiometers, der elektroakustische Signale erzeugt. Im Gegensatz zur objektiven Audiometrie ist dabei die aktive Mitarbeit des Untersuchten erforderlich.

Die subjektive Audiometrie ist eine elektroakustische Hörprüfung, zu der es verschiedene Verfahren gibt. Allen ist gemeinsam, dass  der Untersuchte fähig sein muss, über seine Hörempfindungen Auskunft zu geben. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, werden Verfahren der objektive Audiometrie eingesetzt. Im Unterschied zum normalen Hörtest liefert die subjektive Audiometrie genauere Ergebnisse über den Grad der Schwerhörigkeit; außerdem lässt sich mit den verschiedenen  Verfahren feststellen, in welchem Bereich des Gehörsystems die Ursache für Hörprobleme zu suchen ist.

Der Audiometer gibt den Ton an

Für die subjektive Audiometrie sind ein schallgedämpfter Raum und ein Audiometer erforderlich. Der Audiometer ist ein Gerät, das reine Töne in verschiedenen Frequenzen und Lautstärken erzeugen kann – daher auch der Begriff Audiometrie.

Über die Knochenleitung kommt der Schall direkt ins Innenohr

Gängige Verfahren in der subjektiven Audiometrie sind Tonaudiometrie, Sprachaudiometrie und Recruitment-Messung, wobei die Tonaudiometrie am häufigsten eingesetzt wird. Dabei macht man sich zunutze, dass es für das Hören grundsätzlich zwei Wege der Schallübertragung gibt: einmal über das Außen- und Mittelohr zum Innenohr, was als Luftleitung bezeichnet wird. Daneben gibt es aber auch noch die so genannte Knochenleitung: Dabei erzeugen Schallwellen aus der Umgebung auf dem Schädelknochen leichte Schwingungen, die sich direkt auf das Innenohr übertragen.

Tonaudiometrie ermittelt die Hörschwelle

Mit Hilfe der Tonaudiometrie wird nun die individuelle Hörschwelle bestimmt, also die Lautstärke, bei der ein Ton in einer bestimmten Frequenz vom Untersuchten gerade noch wahrgenommen wird, und zwar sowohl die Luftleitungshörschwelle als auch die Knochenleitungshörschwelle. Ob und bei welchem der Übertragungswege wann Störungen auftreten, ist für den Arzt wichtig bei der Beurteilung der Art und Intensität einer Schwerhörigkeit.

Bei Ton-Wahrnehmung Knopfdruck

Zur Ermittlung der Luftleitungshörschwelle bekommt die Testperson zunächst über einen Kopfhörer Töne unterschiedlicher Frequenzen vom Tiefton mit 60 Hertz (Hz) bis zum Hochtonbereich mit 8.000 Hz in wachsender Lautstärke – meist in Schritten von jeweils fünf Dezibel – zugespielt, wobei jedes Ohr einzeln untersucht wird. Sobald der Untersuchte nun einen Ton wahrnehmen kann, gibt er dem Arzt ein vereinbartes Zeichen. Es besteht in der Regel darin, einen Signalknopf zu drücken. Auf diese Weise werden verschiedene Frequenzen getestet und die Ergebnisse aufgezeichnet.

Die Knochenleitung im Test

Danach wird die Untersuchung mit einem so genannten Knochenleitungshörer widerholt, um die Knochenleitungshörschwelle zu ermitteln. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das die Schallwelle über einen Vibrator weitergibt. Es wird auf den Knochen direkt hinter dem Ohr, den Warzenfortsatz aufgesetzt. Auch dabei werden verschiedene Frequenzen und Lautstärken an beiden Ohren getrennt voneinander getestet und die Ergebnisse aufgezeichnet. Luftleitungs- und Knochenleitungshörschwelle ergeben zusammen das Tonaudiogramm.

Tonaudiogramm verrät Art der Hörstörung

Daraus lässt sich die Art der Hörstörung ablesen: Sind sowohl Luftleitungshörschwelle als auch Knochenleitungshörschwelle im Vergleich zu einem normal Hörenden erhöht, liegt eine Schallempfindungsstörung vor. Der Grund für die Schwerhörigkeit ist dann im Innenohr oder im nachgelagerten Bereich zu suchen. Nimmt der Proband die Töne über die Luftleitung schlecht, über die Knochenleitung dagegen normal gut wahr, leidet er an einer Schallleitungsstörung oder auch Mittelohrschwerhörigkeit. Wie die zweite Bezeichnung zu erkennen gibt, ist die Schallübertragung in diesem Fall im Mittelohr, unter Umständen aber auch im äußeren Ohrbereich gestört. Sind beide Hörschwellen erhöht, die Werte der Luftleitungshörschwelle aber schlechter als die der Knochenleitungshörschwelle, leidet der Patient an einer kombinierten Schwerhörigkeit.

Spielerisch die Hörschwelle ermitteln

Auch bei der Spielaudiometrie geht es um die Ermittlung der Hörschwelle. Sie wurde für kleine Kinder zwischen zwei und vier Jahren entwickelt, um sie zur Mitarbeit zu motivieren. Im Kern geht es um eine Belohnung für das Wahrnehmen von Tönen: Kann das Kind einen Ton hören, darf es zum Beispiel ein Bauklötzchen auf den anderen legen oder per Knopfdruck ein neues Dia  aufrufen. Dabei wird oft – zumindest anfangs – ohne Kopfhörer gearbeitet.

Sprachaudiometrie: Jetzt bitte nachsprechen!

Bei der Sprachaudiometrie geht es nicht nur um das Hören von Tönen, sondern auch um die Wahrnehmung komplexer akustischer Informationen wie Wörter oder Sätze. Damit lässt sich die Ursache einer Hörstörung weiter einkreisen. Anstelle einzelner Töne in unterschiedlicher Frequenz und Lautstärke bekommt der Untersuchte ein- und mehrsilbige Wörter (Zahlen) und auch Sätze in unterschiedlicher, definierter Lautstärke vorgespielt. Dies kann entweder über Kopfhörer oder über Lautsprecher erfolgen. Begonnen wird mit niedriger Lautstärke, die stufenweise erhöht wird. Der Proband muss die gehörten Wörter jeweils wiederholen, der Arzt notiert den Prozentsatz der verstandenen Wörter in Relation zur Lautstärke. Auf diese Weise entsteht ein Prüf- beziehungsweise Sprachdiagramm.

Wörter mit unterschiedlichen Frequenzen im Test

Liegt der Grund für Hörprobleme in einer Störung der Schallleitung, versteht die Testperson ab einer bestimmten Lautstärke alle Worte. Ist dagegen eine Schallempfindungsstörung Ursache der Hörstörung, wird der Untersuchte auch bei großer Lautstärke nicht alle Worte verstehen. Aufschlussreich ist auch, welche Wortarten nicht verstanden werden. Gesprochene Worte bestehen aus unterschiedlichen Frequenzen, wobei Konsonanten eher in hohen Frequenzen angesiedelt sind, Vokale dagegen eher in tiefen. Beim Freiburger Sprachverständlichkeitstest beispielsweise, der häufig im Rahmen einer Sprachaudiometrie angewandt wird, bekommt der Proband einsilbige Worte vorgespielt, die hauptsächlich über die Konsonanten und damit über die hohen Frequenzen verstanden werden wie zum Beispiel Beil oder Lauf, und mehrsilbige Zahlenwörter, für deren Verständnis Vokale und damit tiefe Frequenzen ausschlaggebend sind, wie beispielsweise achtzehn oder vierundzwanzig.

Abgleich zwischen Ton- und Sprachaudiometrie

Von der in der Regel vorangegangenen Tonaudiometrie weiß der Arzt, in welchen Frequenzbereichen der Patient Hörprobleme hat. Daraus kann er schließen, welche Wörter der Patient verstehen müsste und bei welchen Schwierigkeiten zu erwarten sind. Entspricht das Ergebnis der Sprachaudiometrie dem nicht, lässt dies auf eine zentrale Verarbeitungsstörung als Grund für die Hörstörungen schließen.

Generell werden mehrsilbige Zahlwörter  im Vergleich zu einsilbigen Wörtern bereits bei geringeren Lautstärken verstanden, da mehrsilbige Wörter redundante Informationen enthalten, also nach bestimmten, sich wiederholenden Mustern aufgebaut sind . Daher wird mit den Zahlwörtern die Schwelle der Sprachverständlichkeit bestimmt, während die einsilbigen Wörter Hinweise auf das überschwellige Sprachverstehen geben.

Störgeräusche imitieren Alltagssituation

Eine weitere Form der Sprachaudiometrie, die zunehmend eingesetzt wird, sind Sprachverständlichkeitstest mit Störgeräuschen. Dabei müssen in der Regel ganze Sätze unter Störgeräuschen verstanden werden. Mit solchen Test lassen sich die Auswirkungen einer Hörstörung auf den Alltag besser untersuchen als mit Hörtests in ruhiger Umgebung, da eine größerer Analogie zu Alltagshörsituationen gegeben ist. Solche Tests sind daher unter anderem besonders gut  geeignet, die Einstellung eines Hörgeräts zu überprüfen.

Ohne Recruitment Nerv- oder Hinschädigung naheliegend

Mit der Recruitment-Messung oder überschwelligen Tonaudiometrie, die ebenfalls zu dem Bereich der subjektiven Audiometrie zählt, kann der Arzt bei einer festgestellten Schallempfindungsstörung überprüfen, ob deren Ursache im Innenohr zu suchen ist oder im weiteren Verlauf der Schallverarbeitung, beispielsweise im Hörnerv oder im Gehirn. Bei dieser Untersuchung arbeitet der Arzt mit Tönen, die über der Hörschwelle liegen und vom Patienten wahrgenommen werden. Er macht sich den Umstand zu Nutze, dass in einem gesunden Innenohr spezielle Sinneszellen leise Töne verstärken und laute Töne dämpfen. Dadurch können auch leise Töne noch gehört werden, während sehr laute Töne noch erträglich erscheinen. Bei einer Schädigung dieser Sinneszellen können diese ihre Funktion nicht oder nicht mehr so gut erfüllen. Leise Töne werden dann nicht oder nicht so gut gehört und laute Töne sehr schnell als zu laut empfunden. Mediziner bezeichnen diesen Vorgang als Recruitment. Wird kein Recruitment festgestellt, deutet dies darauf hin, dass die Ursache für Hörprobleme in einer Schädigung des Hörnervs oder im Gehirn liegt.

Es gibt noch weitere Verfahren der subjektiven Audiometrie. Alle Verfahren sind weder schmerzhaft noch bergen sie Risiken oder Nebenwirkungen für den Untersuchten.

Autor: Lifeline Redaktion / rs
Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2012

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